Damokles

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englisch: Damocles; französisch: Damoclès; italienisch: Damocle.


Edmund W. Braun (1954)

RDK III, 1027–1029


RDK III, 1027, P. Flötner, um 1540, Erlangen.

Die Erzählung von D. geht auf Athenaios’ „Deipnosophistae“ (A. 3. Jh. v. Chr.) und Timaios zurück [1]. D., ein Höfling des Tyrannen Dionysios d. J. von Syrakus, war ein großer Schmeichler. Als er eines Tages das Glück und den Reichtum seines Königs pries, setzte ihn dieser auf seinen Thron und ließ ihm ein Gastmahl richten. Bald aber bat D. um Befreiung, als er bemerkte, daß über seinem Haupte ein Schwert an einem Roßhaar hing. Diese Anekdote war, als Sinnbild der inmitten des Genusses beständig drohenden Gefahr, schon im Altertum weit verbreitet und sprichwörtlich geworden (über einige Varianten der Begebenheit bei Cicero u.a. siehe [1]). In der Fassung der Gesta Romanorum (dt. Übers. v. Joh. Gg. Theod. Graesse, Leipzig 1905, II S. 4ff., Kap. 143) hat die Fabel jedes lokale und persönliche Kolorit verloren und ist zu einer allgemeinen, moralisch-ethischen Erzählung geworden. Im Nürnberger Humanistenkreis scheint sie gut bekannt gewesen zu sein und geht in die Gerechtigkeitsdarstellungen ein. Chr. F. Gellert hat sie, aus Cicero (Tuscul. V, 61) schöpfend, zu seinem bekannten Gedicht verarbeitet (sämtl. Werke I, Leipzig 1775, S. 84).

Bildliche Darstellungen des Themas sind selten; die ältesten gehen nicht über den A. 16. Jh. zurück. In der deutschen Kunst ist das Motiv in einer Zeichnung Peter Flötners (Abb.) verarbeitet, die zusammen mit drei anderen Gerechtigkeitsbildern in Medaillons, durch Putten verbunden, einen Fries bildet.

Die Zeichnung, die etwa für einen Plakettenzyklus oder ein zu schnitzendes Möbel in der Art des sog. Bandwirkrahmens im Berliner Schloß dienen lolite, enthält außer dem D. noch die Blendung des Zaleukos und seines Sohnes (nach Diodor und Aelianus), das Urteil des Kambyses (Herodot V 20) und das Leichenschießen (Gesta Romanorum Kap. 45). Auf der Flötnerschen Zeichnung ist D. an den Stuhl gefesselt, über dem das Schwert hängt; verstärkt wird die Bedrohung durch zwei auf ihn gerichtete Armbruste auf den beiden Tischen und durch ein Feuer unter dem Sitz. Der Tyrann und ein Bedienter stehen links und rechts.

Italienische Graphikblätter des frühen 16. Jh. müssen bei der Verbreitung des Motivs mitgewirkt haben, denn aus der gleichen Zeit wie Flötners Entwurf sind zwei Majolikateller aus der Botega des Francesco Xanto Avelli in Urbino erhalten, signiert und datiert 1539 und 1540. D. sitzt unter einem Baldachin und blickt angstvoll zu dem über ihm schwebenden Schwert auf, während der rechts stehende König ihm durch Diener Schüsseln und Krüge auftragen läßt (O. v. Falke, Die Kunstsammlung Eugen Gutmann, Berlin 1912, Taf. 58 Nr. 221). Die zweite Schüssel, mit der gleichen Szene im Gegensinne, war ehem. in der Slg. Lanna in Prag (Aukt. Kat. Rud. Lepke, Berlin 1909, I Taf. 45 Nr. 463).

Zur Abbildung

Peter Flötner, Federzeichnung mit vier Medaillons und Putten. Ausschnitt (Or. Gr. d. ganzen Zchg.: 3,5 × 21 cm). Um 1540. Dessau, ehem. Hzgl. Anhaltische Bibl. Nach M. J. Friedländer, Handzeichnungen dt. Meister in d. Hzgl. Anhalt. Behörden-Bibl. zu Dessau, Stuttgart 1914, Taf. 17.

Literatur

1. Pauly-Wissowa IV 2068 (Niese).