Curius Dentatus

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englisch: Curius Dentatus; französisch: Curius Dentatus; italienisch: Curio Dentato.


Edmund W. Braun (1953)

RDK III, 879–881


RDK III, 879, Hieron. Heß, 1817, nach H. Holbein d. J., 1521-22.

I. Erzählung und Quellen

M’. (= Manius) C. D., als geschichtliche Persönlichkeit von 290 bis 270 v. Chr. in Rom nachweisbar, führte den Beinamen Dentatus, weil er mit Zähnen zur Welt kam (Plinius, hist. nat. VII, 68). Mehrmals Consul, Feldherr, Politiker, zuletzt Duumvir, galt er bereits zu Lebzeiten als Muster der Uneigennützigkeit, Einfachheit und Unbestechlichkeit. Hierzu sind einige Anekdoten überliefert, deren bekannteste, schon in der Literatur des Altertums oft wiederholt, seine Unbestechlichkeit darlegt: die von C. D. besiegten Samniten schickten Gesandte mit reichen Geschenken zu ihm, die ihn in seinem sabinischen Bauernhaus am Herd, ein Gericht Rüben kochend, antrafen. Auf die Bestechungsversuche gab er zur Antwort, er brauche kein Gold, da er zur Bereitung seiner Rüben einfaches Tongeschirr benutze; außerdem ziehe er es vor, über Menschen zu herrschen, die Gold besäßen, statt es selbst zu besitzen.

Die zahlreichen Quellen der Erzählung sowie Näheres über die historische Persönlichkeit s. bei [1].

II. Darstellungen

Durch diese, von Valerius Maximus (IV, 3, 5; dt. Übers. F. Hoffmann, Stuttgart 1829, S. 243) überlieferte Anekdote ging C. D. in die Reihe der sog. Gerechtigkeitsdarstellungen ein, die besonders in Deutschland und den Niederlanden seit E. 15. Jh. zum Schmuck von Fassaden und Sitzungssälen der Rathäuser bevorzugt wurden.

Früh schon, 1521–22, hat Hans Holbein d. J. im Großratsaal zu Basel ein großes Wandbild geschaffen, das den Stoff in vorbildlicher Klarheit darstellt (Abb.). Von rechts nahen die fünf samnitischen Gesandten in prunkvoller Tracht mit ihren Geschenken, während C. D. in einfacher Rüstung links vor dem Kamin kniet und auf die vor ihm liegenden Rüben weist; Inschriften erläutern die Handlung. Das Bild selbst ist zerstört, erhalten ist nur ein Fragment mit drei Gesandtenköpfen sowie eine Kopie von Hieron. Heß von 1817, beide im Museum in Basel. – Holbein hat die Darstellung in vereinfachter Form in einer Holzschnittinitiale wiederholt (Bergner II S. 610 Abb. 765).

Aus etwas jüngerer Zeit stammt ein Fresko von Jörg Breu d. J. in einem Augsburger Patrizierhaus (Alb. Haemmerle in Vierteljahrshefte zur Kunst u. Gesch. Augsburg 1, 1935, S. 195 bis 200 m. Abb.); es ist eine 1544 dat. Freskomalerei in Grisaille auf einem Kaminmantel, 3,58 × 4,20 m groß. Außer dem Hauptbild des C. D., dessen Zelt die Mitte des Kaminhalses einnimmt, sind noch zwei andere Motive aus der römischen Mythologie behandelt: Pyrrhus und Fabricius. Auch hier erläutern lateinische Inschriften den Inhalt der Darstellung. – Eine weitere Wiedergabe der Erzählung aus dem 16. Jh. befindet sich unter den Holzschnitten Tobias Stimmers in Nik. Reusners emblematischem Sammelwerk „Aureolorum emblematum liber singularis“, Straßburg, bei Bernh. Jobinus 1591. Es ist ersichtlich, daß Stimmer die Entwürfe Holbeins gekannt hat, doch gibt er die Szene im Gegensinne.

Als in der 2. H. 18. Jh. derartige sentimental-heroische Bildvorwürfe wieder auflebten, kam auch die Darstellung des C. D. wieder in verschiedenen Varianten auf. Als Gegenstück zu Kompositionen, wie sie das französische Empire, besonders J. L. David, liebte, hat Joh. Heinr. Tischbein 1785 auf Schloß Wilhelmshöhe die Verabschiedung der samnitischen Gesandten gemalt (Herm. Bahlmann, J. H. Tischbein, Straßbg. 1911, S. 75ff., Nr. 17); ein zweites Gemälde mit der Darstellung, wie C. D. zum Consul ernannt wird, stammt vom gleichen Maler (Ebd. Nr. 10). Schon früher hatte der Grazer Joh. Georg Platzer (1702–60) in seiner farbenfrohen, reich geschmückten Art den Empfang der Samniten durch den Feldherrn gemalt (Dresden, Gem.Gal.; Kat. Woermann 1908, Nr. 2098). – Das Berliner Kk. besitzt eine Zeichnung des Themas von B. Rode, 1773, das G. N.M. ein Gemälde von Januarius Zick.

Zur Abbildung

Hieronymus Heß (1799–1850), Kopie von Hans Holbeins d. J. Fresko von 1521–22 im Großratsaal in Basel. 1817. Basel, Kunstmuseum. Nach P. Ganz, H. Holbein, Kl. d. K., Stuttgart o. J., S. 168.

Literatur

1. Pauly-Wissowa IV 1841–45 (Münzer).

Verweise