Culotte

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englisch: Knee-breeches, breeches; französisch: Culotte; italienisch: Calzoni (bragoni, braghesse).


Margarete Braun-Ronsdorf (1953)

RDK III, 877–879


RDK III, 877, Abb. 1. Wien, 2. H. 18. Jh.
RDK III, 877, Abb. 2. Dan. Chodowiecki, 1781.

Form der Kniehose des 17. und 18. Jh. Das Wort C. (auch culot) wird erstmalig während der Regierung Heinrichs IV. von Frankreich (1589–1610) in Kleiderinventaren und Rechnungen erwähnt [1], anstelle des vorher gebrauchten Wortes haut-de-chausse.

Unter C. versteht man die mäßig engen Hosen, die bis unter die Knie reichen und dort verdeckt durch die zunächst darüber gezogenen Strümpfe mit Hilfe von Strumpfbändern gehalten werden. Die C. ist die für das männliche Kostüm in der 2. H. 17. Jh. und für das ganze 18. Jh. gebräuchliche Form der Hose. Gegen E. 18. Jh. tauchen die langen Pantalons auf, die für die Weiterbildung der Herrenmode im 19. Jh. die gültige Form abgeben. Die enganliegende C. hat im 17. Jh. vorn einen Schlitz mit sichtbarer Knöpfung oder Nestelung. Seit M. 18. Jh. wird der vordere Schluß durch einen breiten Hosenlatz hergestellt, der auf einen an die Hose angenähten Hosenbund aufgeknöpft wird. Oft trägt der breite Hosenlatz, der von einer Hüfte zur anderen reicht, noch einen kleineren aufgeknöpft. Der Bund ist hinten mit Riegel oder Schnüren zur Regulierung der Weite eingerichtet; vorn ist er mit zwei Taschen versehen. Weitere, meist ledergefütterte Taschen sind an den Seiten oder auf der Mitte der Oberschenkel angebracht. Im 17. Jh. begnügt man sich meist mit vier Taschen, im 18. Jh. hat man deren bis zu zehn. Der Verschluß an den Knien geschieht zuerst mit einer Schnalle, dann, als man im 18. Jh. die Strümpfe nicht mehr über die Knie zieht, mit drei oder vier sichtbar angebrachten Knöpfen auf den Seiten (Abb. 1 und 2).

Seit E. 17. Jh. wird die C. aus demselben Stoff gearbeitet, oft auch in derselben Art verziert wie die Weste oder der eng anliegende Rock (Justaucorps). Samt und festgewebte Seiden werden bevorzugt; das Volk trägt vielfach Leinen. Um 1790 wird die C. eng und sehr lang, ein Vorläufer der Pantalons, die als Hose der Terroristen in der Revolution die C. der Aristokraten verdrängte. „Sansculotten“ war in den ersten Jahren der Revolution die Bezeichnung der Demokraten.

Zu den Abbildungen

1. Schloß Hetzendorf b. Wien, Modesammlung der Stadt Wien, IN 871. Kniehose (Culotte) aus gelber façonierter Seide, wattiert mit weißem Flanell. Wien, 2. H. 18. Jh. Phot. Mus. Nr. 29 834.

2. Daniel Chodowiecki, Kupferstich: Werke der Finsternis, oder Beytrag zur Geschichte des Buchhandels in Deutschland Allegorisch vorgestellt ... (Satire auf die Nachdrucker), verlegt 1781 bei C. F. Himburg, Berlin. Ausschnitt. Or. Gr. d. ganz. Bl.: 18.1 × 25.5 cm. Phot. St. Graph. Slg. München.

Literatur

1. Gay I S. 525. – 2. Fr. Hottenroth, Handbuch d. dt. Tracht, Stuttgart 1896. – 3. M. M. Leloir, Histoire du costume de l’antiquité à 1914, Bd. X, Paris 1936. – 4. E. Nienholdt, Die dt. Tracht im Wandel d. Jahrhunderte, Berlin 1938. – 5. S. Fl. Christensen, Zur Kostümgesch. d. 17. u. 18. Jh., Zs. f. hist. Waffen- u. Kostümkunde, N. F. 8, 1943, S. 23.