Cluniazenser

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englisch: Cluniac; französisch: Clunisien; italienisch: Cluniacensi.


Lisa Schürenberg († 9. 11. 1952) (1953)

RDK III, 801–824


RDK III, 801, Abb. 1. Paris, 2. H. 12. Jh.
RDK III, 803, Abb. 2. Cluny I, gew. 915, und Cluny II, gew. 981.
RDK III, 805, Abb. 3. Cluny II, gew. 981.
RDK III, 807, Abb. 4. Romainmôtier, um 1000.
RDK III, 809, Abb. 5. Romainmôtier, um 1000.
RDK III, 809, Abb. 6. Romainmôtier, um 1120.
RDK III, 811, Abb. 7. und 8. Rüeggisberg Kt. Bern, vor 1175.
RDK III, 813, Abb. 9. Cluny III und II.
RDK III, 813, Abb. 10. Cluny III, 1088 bis um 1130.
RDK III, 817, Abb. 11. Cluny III, 1088-95.
RDK III, 817, Abb. 12. Cluny III, um 1122-47.
RDK III, 819, Abb. 13. Cluny III, um 1088 bis 95.
RDK III, 819, Abb. 14. Cluny III, um 1088 bis 95.

C. = Cluniazenser; c. = cluniazensisch

I. Geschichte

Die C. sind reformierte Benediktiner des Klosters Cluny (Clugny) in Burgund, Dép. Saône-et-Loire. Das Kloster wurde 910 von Wilhelm dem Frommen, Grafen von Auvergne und Herzog von Aquitanien, gegründet. Es sollte die Reform des Benediktiner-Ordens, die Benedikt von Aniane unter Ludwig dem Frommen begonnen hatte, wieder aufnehmen und verbreiten. Der I. Abt, Berno von Burgund, kam aus Baume-les-Messieurs (Jura) mit je 6 Mönchen aus Baume und Gigny (Jura), wo sich die strenge Regel über die Stürme der Normannen-, Ungarn- und Sarazeneneinfälle und der Bürgerkriege des 9. Jh. erhalten hatte.

Schon dem II. Abt, Odo v. Dôle (aus Tours, 926–42) gelang nicht nur die Förderung der materiellen Entwicklung, sondern auch die Ausweitung der Reform. Bereits unter ihm trat Cluny als geistiges Zentrum in Erscheinung und hob sich ab von verwandten Bestrebungen, wie sie die lothringischen Klöster und auch Fleury (S. Benoît s. Loire) vertraten. 927 wurden Sauxillange, 929 Romainmôtier, 930 (32? 38?) Charlieu der Aufsicht und dem Schutz Clunys unterstellt, Fleury und S. Pierre-le-Vif in Sens u. a. reformiert. Unter dem weniger bedeutenden Abt Aymar (942–63) übernahm Majolus als Coadiutor mindestens gegen 954 die wirkliche Leitung. Abt bis 994, wirkte er nach dem Vorbild Odos für die Durchführung der strengen Regel. Neben bedeutenden französischen Klöstern wie S. Germain in Auxerre, S. Marcel-les-Chalon kamen in der Westschweiz Romainmotier und Peterlingen (Payerne) als Priorate an Cluny, während bei anderen Klöstern nur die Reform eingeführt, die Selbständigkeit jedoch gewahrt blieb. Unter Majolus entstand im Süden der I. die II. Kirche von Cluny (gew. 981; Abb. 2 und 3). Abt Odilo (994–1049) setzte das Reformwerk fort und vermehrte die Zahl der abhängigen Klöster: die Konzeption des „Ordens“ gewinnt Gestalt. Auf ihn geht die Einsetzung des Felles Allerseelen als Gedenktag der Verstorbenen (um 998) sowie des Gottesfriedens (pax Dei) und später der treuga Dei (Waffenstillstand) zurück. Unter Abt Hugo von Sémur (1049–1109) erreichte Cluny den Gipfel seiner geistigen und politischen Bedeutung. Hugo, der letzte der Äbte, die später heiliggesprochen wurden, Pate Kaiser Heinrichs IV., wurde zum Vermittler zwischen Papst und Kaiser im Investiturstreit, dessen Wurzeln lange Zeit zu unrecht in der C.-Reform gesucht wurden (vgl. dagegen schon Sackur [2]). Cluny erstrebte nur die Reform des Mönchtumes, wenn es auch auf die Laienkirche vorbildlich wirkte und eine starke Stütze für die päpstlichen Reformideen Gregors VII. bildete (Gregorianische Reform). Die Herkunft Gregors aus Cluny ist nicht mehr aufrecht zu erhalten, wohl aber gingen Urban III. (1088–99) und Pascal II. (1099–1118) aus den Reihen der C.-Mönche hervor. Die von Odilo angestrebte Zentralisierung und Systematisierung des Ordens erfuhr unter Hugo eine wesentliche Steigerung; er regierte allein in Frankreich über Hunderte von Niederlassungen. 1076 wurden bloß 11 Klöster vom Papst ausgenommen, die den Rang von Abteien behalten durften, alle übrigen waren nur Priorate oder inkorporierte Abteien, deren Prior bzw. Abt durch den Abt von Cluny bestimmt wurde. Auch materiell gehörten sie Cluny, waren ihm tributpflichtig, genossen aber seinen Schutz. Dennoch ist die Organisation nicht dem Wesen der modernen Kongregationen und ihrer straffen Zentralisation vergleichbar, sondern, der Zeit entsprechend, ein Verband ähnlich dem Gefüge des mittelalterlichen Staates mit seinem Lehenswesen. Nur in diesem Sinne darf die Bezeichnung „monarchia monachorum“ verstanden werden. Schon die Zisterzienser und Hirsauer, noch mehr die Bettelorden nähern sich stärker dem modernen Begriff der Ordensgemeinschaft. Wesentliches Ziel blieb auch unter Hugo die Einführung der Reform. Doch wurde, zumal bei ausländischen Klöstern und insbesondere im deutschen Reichsgebiet, das der C.-Regel stärkste Widerstände entgegensetzte, die Unterordnung unter Cluny selten durchgeführt, oder sie war nur von kurzer Dauer. Auch lockerten sich selbst in Frankreich seit Beginn des 12. Jh. die strengen Bestimmungen. Die Bulle Papst Pascals II. von 1100 vergrößerte die Zahl der Abteien; Vézelay war z. B. nur von 1103–62 Cluny unterstellt und blieb, obwohl um 1026 reformiert, immer Abtei. Unter Abt Hugo entstand seit 1088 die großartige III. Kirche von Cluny, die bei seinem Tode nahezu vollendet war (Abb. 9–14). Nicht der asketische Geist der Reform, sondern die Weltmacht des Ordens hatte sich in diesem Riesenbau ihr Denkmal gesetzt. – Zwar wurde die Ausbreitung des Ordens unter Abt Pontius von Melgueil (bis 1122) und Peter Venerabilis bis zur M. des 12. Jh. noch fortgesetzt, aber die Klosterrevolte von 1125 und der gleichzeitige Einsturz der Mittelschiffgewölbe sind die ersten Anzeichen des Niederganges. Pontius ließ anstelle der „alten Peterskirche“ (Cluny II) einen neuen Kreuzgang errichten, unter Peter wurden die Mittelschiffgewölbe wiederhergestellt, so daß die Kirche 1131 geweiht werden konnte. Auch die Vorkirche wurde begonnen, aber erst um 1225 vollendet. 1098 war der Zisterzienserorden gegründet worden, eine neue Reform der Benediktiner, die Clunys Vormachtstellung im Abendland sehr rasch erschütterte und überflügelte. Schon um 1125 verfaßte Bernhard v. Clairvaux seine Apologia, den vernichtenden Angriff auf die gelockerte Klosterzucht und den mangelnden asketischen Geist der C. Die Bestrebungen Peter Venerabilis’, seine Aufstellung strenger, neuer Statuten (1132) hatten wenig Erfolg. Wenn auch das Kloster Cluny unter ihm 400 Mönche zählte, der innere Verfall, der unter Pontius eingesetzt hatte, war nicht mehr aufzuhalten. Alle späteren Versuche, zuletzt von Richelieu, der die Reform von St. Maur einführen wollte, blieben ohne Erfolg. 1790 wurde das Kloster aufgelöst.

II. Regel

Ausgangspunkt ist die Benediktinerregel bei weitgehender Übernahme der Reformstatuten des Benedikt v. Aniane (von 817) und einiger zumeist liturgischer Besonderheiten älterer gallikanischer Klöster [17].

Consuetudines (Bräuche) von Alt-Cluny: I. aus der Zeit Odos (926–42) Cod. Casant. B 54, fol. 14 r–21 v (B. Albers, Consuetudines monasticae 2,1–24). – II. und III. 996–1030, Cod. Barberini XI 120, fol. 110–123 (Albers 2,1–(24)–28) und Cod. Barberini XI 120, fol. 130–147 (Albers 2,31–61). – Bräuche Cluny-Farfa um 1042–43 (Albers I). – Bräuche Bernards v. Cluny, 1085–87 (M. Herrgott, Vetus disciplinae monastica, Paris 1726, 133–364). – Bräuche des Udalrich v. Cluny (St. Ulrich) 1079–81 (Migne P. L. 150, 1545–48). – Zahlreiche weitere Fassungen und Statuten seit dem 12. Jh. [vgl. 12; 16; 18].

III. Liturgie

Die c. Liturgie begann sich schon im 10. Jh. von der benediktinischen abzusetzen [17]. Die Grundlage bildeten die Bestimmungen Benedikts von Nursia, die aber schon durch Benedikt von Aniane vermehrt und durch Cluny noch weiter gesteigert wurden, so daß der Chordienst fast den ganzen Tag und viele Stunden der Nacht in Anspruch nahm. Der benediktinische Ritus wurde durch besondere, aus Baume übernommene Psalmen und durch Bräuche aus der frühen gallikanischen Kirche abgewandelt (z. B. führte Abt Odo die Martinsoktav ein, die bisher nur in Tours üblich war). Das opus Dei wurde durch die oratio trina verlängert. Besondere Pflege erhielt der Psalmengesang, die Fürbitte für Stifter, Ordensbrüder und Verstorbene, das Prozessionswesen.

IV. Tracht

Die Ordenstracht der Benediktiner, bestehend aus Tunica (talarähnliches Kleid) und Kukulle (Wetterhaube, Kapuze) hatte sich schon unter Benedikt von Aniane gewandelt zur knielangen Kukulle = Skapulierkukulle. Cluny verlängerte die Kukulle bis zum Boden und fügte den „froccus“ hinzu, ein langes, talarähnliches Oberkleid mit weiten Ärmeln (Abb. 1). Diese beiden sehr weiten und faltenreichen Teile der Tracht bildeten die „duplex vestis“. Sie wurde nur von den Hirsauern übernommen, von allen anderen Benediktinern scharf abgelehnt und oft verspottet. Ihre Farbe war schwarz. Daher hießen die C. in Frankreich les moines noires.

V. Organisation

Das Kloster war durch die Gründungsurkunde nur dem Schutz des Papstes unterstellt – was später auch für die Priorate erreicht wurde –, hatte aber in den ersten Jahrhunderten häufig gegen die Übergriffe der Bischöfe von Mâcon und burgundischer Großer um seine Unabhängigkeit (Exemtion) zu kämpfen. Der Abt, dem der gesamte Verband untergeordnet war, konnte nur von den Professen gewählt werden. 1528 wurde Cluny Kommende, d. h. es wurde der französ. Krone unterstellt, die die Äbte einsetzte. Stellvertreter des Abtes war der Prior. Die Mönche waren anfangs nur in Priester und Laienmönche unterschieden. Die Regel forderte, daß jeder Mönch durch den Prior-Abbas von Cluny die Weihe erhielt, während er in jedem c. Hause Profeß ablegen konnte. Zu den Mönchen kamen die nutritii, die aus der Einrichtung der oblati hervorgingen (der Kinder, die von ihren Eltern dem Kloster übergeben wurden, ein benediktin. Brauch, von Peter Venerabilis abgeschafft). Seit E. 11. Jh. traten an die Stelle der Arbeiter und Diener die Conversen, die nicht Mönche waren. Im Gegensatz zu der Regel des hl. Benedikt von Nursia wurde von den Mönchen keine Feldarbeit geleistet (vgl. den Angriff in der Apologia des hl. Bernhard). Auch der Anteil der C. an Goldschmiedekunst, Elfenbeinschnitzerei, Buchmalerei und Dichtkunst war im Vergleich zu den übrigen Benediktinern unbedeutend.

Der Aufbau des Ordens entwickelte sich allmählich von der Observanz zum Verband (Prioratsverfassung [17]). Er beruht auf drei Grundprinzipien: 1) die Klöster wurden Cluny geistlich und materiell unterstellt: das feudale Prinzip der traditio; 2) die Klöster wurden unter der Kontrolle des Mutterklosters vereinigt, wie es schon Benedikt v. Aniane anstrebte; 3) das seit Gregor d. Gr. einsetzende Prinzip des Hauptklosters und der Filiationen.

Fünf sehr ungleiche Gruppen bildeten den Verband, nämlich: 1. Die unmittelbar unterstellten Priorate, die sich scheiden in: a) die Quinque Filiae: Souvigny (921), Sauxillange (927), La Charité s. Loire (1052), S. Martin-des-Champs, Paris (1079), Lewes (England, 1080); b) die übrigen Priorate wie Romainmôtier (929 bzw. 980), Charlieu (932 bzw. 990), Paray-le-Monial (999), Peterlingen (E. 10. Jh.) u. a. – 2. Die mittelbar unterstellten Priorate, d. h. Priorate der Quinque Filiae und der anderen Priorate. – 3. Die inkorporierten Abteien. – 4. Die nicht inkorporierten Abteien, die aber unter Aufsicht von Cluny standen und deren Abtswahl durch Cluny mitbestimmt wurde (u. a. S. Martial in Limoges, Moissac, Vézelay). – 5. Die von Cluny nur reformierten Abteien (u. a. Fleury, S. Benoît s. Loire, S. Maur-des-Fossés, S. Denis).

Die wirtschaftliche Bails des Verbandes war der riesenhafte Landbesitz, der durch Meierhöfe (grangien), die sich oft zu Prioraten entwickelten und denen ein decanus vorstand, bewirtschaftet wurde.

VI. Statistik

Cluny bildete anfangs mit Baume-les-Messieurs und Gigny eine Gemeinschaft (Observanz). Die Tendenz zur Zentralisierung zeichnete sich schon im Testament Abt Bernos ab, der verfügte, daß sein Neffe Wido Abt in Baume, Gigny und Mouthier-en-Bresse werden solle, Odo in Cluny, Massay und Déols. Obwohl die Baume-Gruppe wie Massay und Déols sich wieder ablösten, waren Cluny 937 schon 17 Klöster unterstellt. Die Angliederung der reformierten Klöster als Priorate ohne eigene Äbte bestand schon unter Odo, wenn sich auch im einzelnen die Herrschaft erst gegen E. 10. Jh. wirklich durchsetzte (z. B. Charlieu und Romainmôtier). 994 wurden 37, 1048 65, unter Abt Hugo 200, unter Peter Venerabilis etwa 1450 unterstellte Klöster gezählt [13]. Bei der oft genannten Zahl von 2000 sind nicht bloß die Cluny gehörigen, sondern auch die nur reformierten und die angegliederten Abteien (coniunetae) mitgezählt.

Die strengste Observanz der c. Richtung vertrat Wilhelm von Volpiano, Abt von St. Bénigne in Dijon. Er führte die Reform in Nordfrankreich durch und war zugleich Abt von Fruttuaria (Frudelle, seit 1003), dem 39 Klöster in Norditalien unterstanden. Die c. Richtung vertrat ferner die Gruppe des Klosters Farfa (das Absteigequartier der Kaiser bei Rom, reformiert A. 11. Jh.) mit 683 Klöstern. In Spanien führte König Sancho el Mayor († 1035) die C.-Reform ein. Das erste Priorat wurde 1052 in Najera (Navarra) gegründet; weitere folgten der Wiedereroberung des Landes nach Süden, in Spanien und Portugal insgesamt 24–26. In England waren seit 1077 43 Priorate, außerdem seit 1066 im Reformkreis Dijon-Normandie 15. Im deutschen Reichsgebiet fand die C.-Reform zuerst Eingang in der Fassung von Fruttuaria: 1. in Erstein (Elsaß) vor 1056 durch Kaiser Heinrich III., der den Abt Johannelinus von Fécamp in die ehemalige Reichsabtei berief; 2. in St. Blasien um 1069, durch Vermittlung der Kaiserin Agnes (vorher, seit 1010, Observanz von Einsiedeln), mit etwa 36 Klöstern in Nord- und Süddeutschland einschl. Österreich; 3. in Siegburg 1070/71 durch EB. Anno v. Köln, mit 19 Klöstern. C.-Priorate gab es nur im Südwesten, im Elsaß, der Schweiz und in Baden, insgesamt 22, von denen nur die westschweizerischen Romainmôtier und Payerne wirkliche Bedeutung erlangten. Für Deutschland entscheidend wird die c. Reform erst in der Fassung des Wilhelm von Hirsau, seit 1077–79; annähernd 100 Klöster.

Priorate von Cluny im Reichsgebiet (in der heutigen Schweiz werden auch diejenigen mitaufgeführt, deren Gründung vor der Angliederung des Königreiches Burgund an das Deutsche Reich liegt):

Romainmôtier, neu gegr. 928/29 durch Königin Adelheid als C.-Priorat; Gründungsurkunde in direkter Anlehnung an Cluny, aber erst vor 981 bzw. 996 tatsächlich im Besitz von Cluny (Abb. 4—6). Payerne (Peterlingen), gegr. 962/63 durch Königin Bertha.

Bevaix Kt. Neuenburg, Kirche geweiht und Cluny übergeben 998 durch einen burgund. Edelmann Rudolf.

Genf, St. Viktor, zwischen 1000—1011 an Cluny.

Rueggisberg Kt. Bern, gestiftet 1072 durch Lütold von Rümlingen (Abb. 7 und 8).

Basel, St. Alban, 1083 an Cluny.

Corcelles-Cormondèche Kt. Neuenburg, 1092 gegründet durch Humbert.

Rougemont Kloster, gestiftet 1093 durch Graf Wilhelm oder 1073—85 bei der älteren Nikolauskirche.

Hettiswil Kt. Bern, 1107 gegr. von Priester Heinrich.

St. Petersinsel im Bieler See, Kt. Bern, 1107 gegr. von Graf Wilhelm in Belmund, um 1127 nach der Petersinsel verlegt.

Münchenweiler Kt. Bern, Stiftung 1080, Priorat vor 1107.

Bargenbrügg Kt. Bern, als Spital entstanden, 1138—39 an Cluny. Hettiswil unterstellt.

Baulmes Kt. Waadt, St. Maria, um 1125 bzw. vor 1182.

Velpach Kt. Basel, Nonnen 1144.

Perroy Kt. Waadt, erwähnt 1177.

Leuzigen Kt. Bern, zuerst erwähnt 1269, Hettiswil unterstellt.

Bassins Kt. Waadt.

Bursins, Priorat, gehörte zu Romainmôtier, Kt. Waadt, 1011 von Rudolf v. Hochburgund geschenkt.

Brussins Kt. Waadt, gehörte zu Payerne.

Gilly Kt. Waadt } gehörten zu Romainmôtier

Gimel Kt. Waadt }

Nyon Kt. Waadt.

Rotenbach Kt. Bern, Rueggisberg unterstellt.

Rolle Kt. Waadt, gehörte zu Romainmôtier.

St. Sulpice Kt. Waadt, C.-Priorat, später Zisterzienser.

Vallorbe Kt. Waadt.

Villeneuve Kt. Wallis.

Vufflens Kt. Waadt.

Elsaß:

Selz U. E., Kirche gew. 985, C.-Priorat gegr. durch Kaiserin Adelheid 987. Die Kaiserin starb hier 999.

Altdorf U.E., nach 1050 mit älterer Kirche und Benediktinerabtei.

Altkirch-St. Morand O.E., gegr. 1105.

Kolmar, St. Peter, Priorat von Payerne, das schon unter Majolus bei Kolmar begütert war, angeblich seit 977.

Thierenbach O.E., gegr. 1135, ursprünglich Doppelkloster.

Feldbach O.E., gegr. 1144, Nonnenkloster.

Biesheim bei Neubreisach, St. Alban in Basel unterstellt, erwähnt 1152—54.

Eberlinsmatt O.E., zuerst erwähnt 1347.

Enschingen O.E., St. Alban in Basel unterstellt als Meierhof, später zu Altkirch, zuerst erw. 1147.

Klein St. Morand b. Rappoltsweiler, zuerst erwähnt 1297.

St. Aegidius bei Winzenheim, Kolmar unterstellt, 1318 zuerst erwähnt.

Baden:

Grüningen bei Oberrimsingen Krs. Freiburg, gegr. 1072, verlegt nach

Zell-St. Ulrich 1083—87.

Bollschweil Krs. Freiburg, gegr. 1099, Nonnenkloster, verlegt nach

Sölden (Sardone), 1115—19 gegr. von Gerold von Scherzingen.

Istein Krs. Lörrach, Nonnenkloster, erwähnt seit 1264.

Rheinland-Westfalen:

Maria Laach, 1113 C.-Priorat, mit Mönchen aus Afflighem besetzt, anstelle von Mönchen aus St. Maximin in Trier und der Observanz von St. Vanne.

Paderborn, Abdinghof, angeblich 1015 C. durch B. Meinwerk eingesetzt (die Nachricht ist zweifelhaft).

VII. Geschichtliche Bedeutung

Die entscheidende Bedeutung von Cluny liegt auf kirchlich-politischem, auf liturgischem und sozialem Gebiet. Die Zentralisierung, die von der Observanz zu dem monarchisch geleiteten Verband führte, gab mit der Exemtion, die alle C.-Niederlassungen von der Herrschaft der Bischöfe und Laien befreite und über dem Abt von Cluny nur den Papst als Oberhaupt anerkannte, der C.-Reform nicht nur die weiteste Verbreitung, sondern auch die Möglichkeit, verwandte Richtungen zu verdrängen. So gewann unter Abt Hugo die C.-Reform an Boden in den Klöstern Nordfrankreichs und Belgiens, die zur lothringischen Observanz und zum Reich gehörten, und über Fruttuaria und Hirsau, wenngleich nur mit Verbänden, die von Cluny unabhängig blieben, auch im übrigen Reich. In Frankreich wirkte Cluny durch seine Priorate auch auf die niedere Kirche und ihre Befreiung aus Laienhand. – Wie bei allen Benediktinern kam der Pflege der Gastlichkeit, der Armen und Kranken große Bedeutung zu, wurde aber in Cluny, besonders durch Odilo, gesteigert zu einer sozialen Fürsorge, wie sie das Abendland vorher nicht kannte. Durch Errichtung von Prioraten und Herbergen an den Pilgerstraßen, zumal nach Santiago di Compostela, erfuhren die Pilger besondere Unterstützung. Auch die Bestrebungen Odilos um die Pax Dei und Treuga Dei beruhten weitgehend auf sozialen Erwägungen. In dieser Hinsicht, wie in der Zentralisation und Verwaltung des Verbandes, war Cluny wegweisend für Jahrhunderte. – Ferner hat die Kreuzzugsidee in Cluny wesentliche Grundlagen. Schon 1033 wurde der Gedanke der reconquista, der Befreiung Spaniens von den Mauren, durch Odilo unterstützt. Abt Hugos Verwandte und andere, vorwiegend burgundische Ritter, zogen 1064 nach Spanien und wirkten 1084 entscheidend mit bei der Einnahme von Toledo. – Vor allem wird der römische Gedanke der Einheit des christlichen Abendlandes durch die monarchia monachorum vertreten. In diesem Sinne sind auch Abt Hugos Bemühungen um die Einführung des römischen Ritus anstelle des mozarabischen in Spanien zu verstehen.

VIII. Verhältnis zu anderen Reformrichtungen

Im Gegensatz zu früheren Meinungen darf es als erwiesen gelten, daß die Reformen von Gorze in Oberlothringen (Dr. Lager in Stud. u. Mitt. aus d. Bened. und Cist. Orden 8, 1887. – [9]) und von Gerhard von Brogne in Niederlothringen im 10. Jh. geistig und kirchenpolitisch unabhängig von Cluny waren [17]. Die Reformen wurden durch die Bischöfe gefördert, und die Klöster blieben den Diözesanen unterstellt, wie auch dem Kaiser, sofern es sich um Reichsklöster handelte. Die Gruppen standen nur durch die gemeinsame Observanz in lockerem Zusammenhang. Die Reform von Einsiedeln (Statuten vor 984) folgte trotz des ersten englischen Abtes nicht den C.-Gewohnheiten englischer Prägung, sondern war von Gorze abhängig. Die Reform des Richard von St. Vanne in Verdun übernahm in der zentralistischen Tendenz, in der Tracht und auf anderen Gebieten zwar c. Anregungen, blieb aber wie Gorze in Abhängigkeit von den Diözesanen und dem Kaiser. Gorze über Trier und Einsiedeln, St. Vanne über Poppo von Stablo bilden die wichtigsten Ausgangspunkte für die Klosterreform im Deutschen Reich bis zur M. 11. Jh. Erst unter Abt Hugo drangen die c. Ideen auch in Deutschland ein. Es ist bemerkenswert für die kaiserliche Politik, daß trotz der Freundschaft zwischen den Kaisern und den Äbten, selbst während des Investiturstreites, Clunys Klosterbesitz auf Reichsboden nicht über die südwestdeutschen Landschaften hinausgriff, während die kaiserfeindlichen St. Blasianer und Hirsauer von Cluny unabhängige Verbände bildeten.

IX. Die Kirchen- und Klosterbauten von Cluny II und III

Die I. Kirche von Cluny, 915 geweiht, muß eine einschiffige, kapellenartige Anlage mit O-Turm gewesen sein. Sie lag im N der späteren II. Kirche, der sie als Sakristei diente. – Der II. Bau, errichtet von Majolus, um 954–81, ist durch die Ausgrabungen und Rekonstruktionen von Kenneth J. Conant bekannt geworden (die endgültige Veröffentlichung steht noch aus). Grundlage für die Rekonstruktion bilden die Bodenfunde, die Pläne, Abbildungen und Beschreibungen des bis 1718 noch in Teilen (Chor, Querschiff mit Vierungsturm und Doppelturmfassade der Vorkirche) erhaltenen Baues. Ferner die consuetudines und für das Kloster der Grundriß des allerdings spätgotischen Klosters von Hirsau.

Danach war Cluny II (Abb. 2 und 3) eine kreuzförmige Basilika mit Vorkirche (galilaea), w davon ein Atrium, vor diesem eine offene Eingangshalle. Conants Plan gibt für die Kirche ein langgestrecktes Presbyterium mit halbrunder Apsis und Nebenkapellen in Verlängerung der Seitenschiffe. Nach N und S folgen abgeschlossene Rechteckräume – die cryptae der Consuetudines für Bußübungen –, weiterhin Apsiden. Apsis, Querarme und Langhaus hatten Strebepfeiler. Für die besonderen Gebräuche der C. war hier erstmalig ein Rahmen gebildet: für eine Vielzahl von Altären, für Prozessionen, Bußübungen und für verschiedene Gruppen von Mönchen. Für die Altäre und Prozessionen war der O-Teil reich gegliedert: der Hochaltar stand frei im Presbyterium; hinter ihm, in der Apsis, 3 Altäre; je ein weiterer in den Apsiden der Seitenschiffe und der Querarme. Der Chor der Mönche, chorus maior oder chorus psallentium, befand sich wie üblich in der Vierung, und vielleicht noch in einem Teil des Langhauses. Hinter diesem (im liturgischen Sinne), im W, der chorus minor, für die alten und kranken Mönche, dahinter der Kreuzaltar für die Laien. Kein W-Chor, aber ein W-Bau, der über Langhausbreite vorsprang. Er enthielt die Vorkirche mit einem Altar, der die letzte Station für die Prozessionen vor der Rückkehr zum Hochaltar bildete. Wie der W-Bau noch an das frühere W-Werk anklingt, so erinnert das stark ausladende, flache Querschiff mit seiner querrechteckigen Vierung, ebenso das Langhaus mit seinen schmalen Seitenschiffen und der dichten Stützenfolge an karolingische Grundrißbildung (Mittelschiffbreite Pfeilermitten 9,45 m). Die deutsche Baukunst der frühottonischen Zeit hat verwandte Züge. Der Aufbau (Abb. 3) muß in vielem hypothetisch bleiben. Gesichert sind durch den Stich von Prévost außer dem querrechteckigen Vierungsturme auch die Türme über den W-Ecken der Vorkirche. Das Vorhandensein der Strebepfeiler läßt auf Wölbung schließen, die jedoch wahrscheinlich erst unter Odilo ausgeführt wurde. Jotsaldus (Vita Odilonis, Migne P. L. 142, 908) bringt die Nachricht, daß Odilo Kreuzgang und Kloster erbaute, aber auch die Kirche bis auf die Mauern erneuerte.

Unter Odilo wurde Romainmôtier (Abb. 4–6) mit gemauerten Rundpfeilern, aber mindestens ohne Mittelschiffgewölbe erbaut, dagegen Charlieu mit Gewölben und Strebepfeilern, aber auch mit quadratischen Pfeilern mit Vorlagen. Der Grundriß wandelte sich in der Folgezeit zu strafferer Form, obwohl das Quadrat der Vierung als Einheit für die Gesamtanlage sich in Frankreich viel später durchsetzte als in Deutschland. Die cryptae haben sich an keinem Bau der Nachfolge erhalten, wenngleich die Zahl der Chornebenräume, jederseits 3, mehrfach vorkommt (u. a. La Charité I seit 1059). Der W-Bau mit Galilaea im Erdgeschoß, gewölbter Kapelle im Obergeschoß und 2 Fassadentürmen wurde bald nach 1000 in Tournus, St. Philibert, der Breite des Langhauses angeglichen und verlor damit seinen altertümlichen Charakter als Querbau: er ordnete sich ein in die betonte Längsrichtung, die naturgemäß aus liturgischen Gründen für die Raumfolge zuerst entwickelt wurde. In Analogie zu Tournus, Paray-le-Monial und Romainmôtier wie zahlreichen anderen burgundischen Vorkirchen des 11. und 12. Jh. ist eine zweigeschossige Anlage für Cluny II, im Gegensatz zu Conant, doch wahrscheinlicher. Der basilikale Raumtypus der Vorkirche von Cluny III (nach 1100) findet sich mit Emporen vor den Oberfenstern in Vézelay. Die Lage des Atriums westlich der Doppelturmfassade scheint der Bestimmung im Ordo von Farfa „atrium subter turres“ zu widersprechen, doch gibt die Übersetzung von Conant „unterhalb-davor“ die einzig sinnvolle Deutung.

Die Rekonstruktion des Klosters ist noch nicht überzeugend. Der langgestreckte Hof, die ungleiche Breite der Kreuzgänge, der Anschluß des O-Ganges an den Querarm, der tote Raum zwischen N-Flügel und Langhaus sind zumindest ungewöhnlich. Charlieu hat trotz späterer Umbauten den Grundriß aus der gleichen Zeit (Abt Odilo) bewahrt. Hier schließt der Kapitelsaal an das Querschiff an, ihre Westwände liegen in gleicher Flucht. Damit ergibt sich allerdings ein Widerspruch zu dem Ordo von Farfa, der 3 Fenster an der N-Wand des capitulum verlangt. Aber dafür läuft der Kreuzgang-O-Flügel normal bis an das Langhaus und der N-Flügel das Seitenschiff unmittelbar entlang (vgl. St. Gallen). Wie bei fast allen Benediktinerklöstern lagen am O-Flügel Kapitelsaal, Auditorium, Camera (Kleiderkammer), im Obergeschoß das Dormitorium. Am S-Flügel Calefactorium, Refectorium und Küchenräume, am W-Flügel Vorratsräume und Pforte mit Almosenzelle. Im O des Klosters das Krankenhaus mit der Marienkapelle, die einen Zugang zu dem Kapitelsaal hatte, im S Latrinen und Noviziat, im W Hospiz und Stallungen. Im N der Kirche Gästehaus, Werkstätten und Laienfriedhof. Im Gegensatz zum St. Gallener Plan (RDK II 253/4 Abb. 10), aber auch zu Cluny III, fehlte eine gesonderte Abtswohnung. Marienkapellen finden sich auch bei nicht reformierten Benediktinern und schon in karolingischer Zeit (vgl. Centula am Kreuzgang), jedoch bei den C. regelmäßig im O des Klosters in Verbindung mit Kapitelsaal, Krankenhaus und Mönchsfriedhof.

Grund- und Aufriß der Kirche und des Klosters von Cluny III (Abb. 9–14) waren durch Pläne und Ansichten überliefert, sind aber durch die Ausgrabungen von Conant berichtigt worden. Der Grundriß (Abb. 9) zeigt runden Chorschluß mit Umgang und 5 Kapellen, 2 Querschiffe mit Apsiden, fünfschiffiges Langhaus und dreischiffige Vorkirche. Die Pfeilerbasilika war in allen Teilen gewölbt mit dreigeschossigem Aufriß im Mittelschiff und in den Querarmen. Trotz spitzbogiger Arkaden herrichte ein antikisierendes System (Abb. 10), das an römische Stadttore anklang (z. B. Autun, St.-Andreas-Tor). Die kreuzförmigen Pfeiler hatten Dreiviertelsäulen als Vorlagen für Arkaden und Abseiten, aber kannelierte Pilaster gegen das Mittelschiff. Auch das Triforium zeigte kannelierte Pilaster zwischen 3 Rundbogenblenden (Abb. 14). Der Obergaden hatte je drei rundbogige Fenster, gerahmt von Blendbogen auf Doppelsäulchen. Die inneren Seitenschiffe waren höher als die äußeren mit einem Fenster pro Joch. Das Sanktuarium war niedriger als das Mittelschiff, mit Rundbogenarkaden auf sehr schlanken, hohen Säulen, Wandzone mit Pilastergliederung und Obergaden. Die Gewölbe bestanden aus: Ringtonne mit Gurten im Chorumgang, gegurteten Tonnen über dem Mittelschiff (Abb. 10) und Querarmen (im O-Teil rundbogig, ab W-Querschift stumpf spitzbogig); Kreuzgratgewölbe in den Abseiten; über den Vierungen und dem jeweils 3. Joch des Hauptquerschiffes (Abb. 14) achtseitige Klostergewölbe auf Trompen. Auch die Einzelformen folgten antiken Vorbildern, bei den Säulenkapitellen der Apsis war selbst der Darstellungsinhalt des figürlichen Schmuckes größtenteils durch die antike Vorstellung der Quaternität bestimmt: 4 Paradiesesflüsse, 4 Tugenden, 4 Jahreszeiten, 2 × 4 Töne. Sonst waren überwiegend korinthische Akanthuskapitelle verwendet. Antikisierend sind auch die attischen Basisprofile (ohne Eckzier) und das Konsolengesims unter dem Obergaden. Dagegen muß der Außenbau durch ungewöhnlich starke Staffelung und Turmreichtum nordisch mittelalterlich gewirkt haben [25 Abb. 1, S. 339]. Doch waren die Turmhelme ursprünglich niedrig und die Dächer hatten die südlich-flache Neigung. Das Kleinquaderwerk ist nicht sehr regelmäßig, die Detailformen sind antikisierend. Der Langhausoberbau hatte nachträglich (1125–31) angefügte Strebewände mit rundbogigen Durchgängen, wohl die ältesten sichtbaren Strebewände, die Vorform der Strebebogen. Das rundbogige W-Portal besaß Säulen in Rücksprüngen, zwei kleine Portale führten in die Seitenschiffe. Über dem W-Portal lag in der Wandstärke die Michaelskapelle mit balkonartig in das Mittelschiff vorspringendem Altarraum. Reste einer ähnlichen Altarnische an der W-Empore von St. Aurelius in Hirsau, wohl aus der Zeit des Umbaues unter Abt Wilhelm, lassen erwägen, ob das Motiv nicht schon in Cluny II vorhanden war. Es ist außerdem in den Prioratskirchen von Romainmôtier (um 1100) und Sémur-en-Brionnais, einer Stiftung der Familie Abt Hugos, in Formen der Zeit um 1200 erhalten. Die Vorkirche von Cluny III war im Plan wohl vorgesehen, wurde aber langsam und uneinheitlich ausgeführt (Abb. 12). Die 2 älteren O-Joche hatten viergeschossigen, die 3 jüngeren W-Joche dreigeschossigen Aufriß mit Scheinemporen. Kreuzgratgewölbe deckten die Abseiten, Rippengewölbe das Mittelschiff (die ältesten in Burgund bekannten Kreuzgewölbe mit Bandrippen; über den 2 O-Jochen wahrsch. 1131 vollendet). Der Außenbau zeigte Strebebogen am Obergaden. Vor der mehrfach umgebauten Fassade standen 2 jüngere, quadratische Türme.

Maße: Gesamtlänge außenkant 187,31 m (nach Conant), Mittelschiffbreite (Pfeilermitten) 12,80 m, Scheitelhöhe 30 m; Br. : H = 1 : 2,35. – Daten: Baubeginn 1088, Weihe von Hochaltar, Frühaltar und 3 Umgangsaltären 1095. Anlage der Kirche bis auf die Langhaus-W-Joche beim Tode Abt Hugos 1109 vollendet, Gewölbe der 5 W-Joche bis 1115, eingestürzt 1125, wiederhergestellt und O-Joche der Vorkirche bis Weihe 1131, 3 W-Joche und Türme bis um 1225. Erhalten blieben das südliche Hauptquerschiff bis an das innere Seitenschiff (Abb. 13 und 14) und eine Apsis vom S-Arm des O-Querschiffes sowie die teilweise verstümmelten Säulenkapitelle des Chorschlusses.

Kloster: Neubau des Kreuzganges unter Abt Pontius mit Vergrößerung nach N auf Kosten der II. Kirche. Am O-Flügel blieb ihr Sanktuarium für Bußübungen erhalten, ihr Querschiff wurde Teil des Kreuzganges. Auf den alten O-Teil folgte nach S ein vergrößerter Kapitelsaal, ferner wohl Sprechraum und Keller (anstelle der alten Camera). Die Marienkapelle war schon unter Hugo neu erbaut worden, 1085 geweiht, einschiffig mit 3 Apsiden und Turm über dem Altarhaus. Auch das Krankenhaus blieb, trotz erheblicher Vergrößerung, an gleicher Stelle. Ihm schloß sich das große und das kleine Priorat an. Rechtwinkelig zum Krankenhaus steht noch der 2schiffige Kornspeicher von 1257–75 (1750 verkürzt). – Am S-Flügel des Kreuzganges, der an alter Stelle blieb, folgten von O nach W: Calefactorium, Refectorium (Neubau unter Abt Hugo) und Küchenräume, deren Ausdehnung, dem vergrößerten Konvent entsprechend, auf Kosten des Hofes zwischen Refectorium und dem s gelegenen Noviziat erweitert wurde. Der w Kreuzgang schloß mit einer Mauer gegen einen Vorhof ab. Er führte durch die Galilaea von Cluny II, die mit einem Turm bis ins 17. Jh. erhalten blieb, zu dem „Galilaea-Portal“ im S-Seitenschiff der III. Kirche. Den Eingang zu dem Vorhof bildete die Porticus des Atriums von Cluny II, später überbaut durch das Gästehaus, ein Bau von 1295–1308. Vor diesem lag ein äußerer Hof, der jetzige Marktplatz. In den Baulichkeiten an seiner S-Seite befand sich die Almosenkapelle, im W ist von den Ställen eine schlicht großartige Giebelwand des frühen 12. Jh. erhalten. Auch der Vorhof vor der Kirche war von Gebäuden umschlossen. Der Haupteingang zu dem riesenhaften, ummauerten Klosterbezirk lag im W: eine doppelte Durchfahrt, ursprünglich bekrönt von Rundbogenarkaden, bald nach 1100 errichtet, wieder in Anlehnung an römische Stadttore.

Der riesenhafte Prunkbau der Kirche Cluny III ist nicht mehr Ausdruck asketischer Gesinnung, sondern entspricht den Weltherrschaftsansprüchen des Ordens.

Die Aufnahme antikisierender Einzelformen, wie die gewaltige Höhenentwicklung des Baues und die Vielzahl seiner Türme kennzeichnet diese Tendenzen hierarchischen Anspruches. Während Cluny II als ein noch nicht formvollendeter Rahmen einer neuen Liturgie entstand und, dem frühen asketischen Geist entsprechend, sehr einfach vorzustellen ist, läßt Cluny III in Grund- und Aufriß keine Bindungen mehr an die besondere Liturgie erkennen, mit Ausnahme der Vorkirche, sondern wetteifert mit den größten Pilger- und Ordenskirchen seiner Zeit. Daher bleibt auch seine Nachfolge innerhalb des Ordens auf Paray-le-Monial, La Chanté-surLoire II und Lewes (England) beschränkt, und außerhalb des Ordens auf Burgund. Einzelheiten, wie das offene Strebewerk und die Kreuzrippengewölbe der Vorkirche, waren wegweisende technische Neuerungen.

X. Bedeutung der C. für die dt. Architektur

Eine direkte Übernahme c. Grundrisse und Bauformen ist im Deutschen Reichsgebiet bisher nur bei den schweizerischen c. Prioraten von Romainmôtier, Peterlingen und Rueggisberg nachzuweisen. Im Elsaß ist nichts aus romanischer Zeit erhalten. Für Baden bleiben die Ausgrabungsergebnisse der kleinen Prioratskirche von St. Ulrich abzuwarten. Mittelbare, d. h. liturgisch bedingte Anregungen sind für die Grundrißgestaltung der Hirsauer Bewegung nicht von der Hand zu weisen, wie z. B. die Stellung der 3 Altäre hinter dem Hochaltar, die Chorseitenschiffe mit Altären, die Lage des chorus minor, die Vorkirche und die Marienkapelle hinter dem Kapitelsaal, das Fehlen der Westchöre. Der Verzicht auf die Chorkrypta hat dagegen nichts mit Cluny zu tun, sondern ist nur hirsauisch. Die Bevorzugung der Säulenbasilika mit Flachdecke und des rechteckigen Chorschlusses bei den Hirsauern ist wie die Dekoration aus der heimischen Tradition entwickelt und wechselt mit den Landschaften. Die südwestdeutschen Vorbilder für Hirsau wie Limburg a. d. Hardt gehörten der lothringischen Reform an, die noch weniger als die c. im 10. und 11. Jh. eine „Bauschule“ bildete. Dennoch bleibt die Möglichkeit bestehen, daß die Säulenbasilika mit Doppelturmfassade, wie sie u. a. Basel, Straßburg, Limburg, Einsiedeln und Konstanz vertreten, an lothringische Vorbilder anknüpfte. Den gleichen Typus vertrat das 1095–1108 erbaute Münster des Klosters St. Blasien, das um 1069 durch Fruttuaria reformiert wurde; nur mit dem Unterschied, daß das Presbyterium von doppelgeschossigen Nebenkapellen flankiert war (das untere, ebenerdige Stockwerk wird als crypta oder Kruft bezeichnet). Diese Bauform wiederholt mit Abwandlungen für den Gewölbebau Murbach, das sich nach 1106 mit St. Blasien verbrüderte. Auch das zuerst von St. Blasien besiedelte Alpirsbach, das bald Hirsau angegliedert wurde, scheint ursprünglich zweigeschossige Nebenkapellen gehabt zu haben. Ob dieser Typus von Fruttuaria kommt, an Lothringisches oder Niederrheinisches anknüpft, wäre noch zu klären (verwandt ist die Anlage der C.-Kirche von St.-Sever-sur-l’Adour [Landes] wo die 2 äußeren von jederseits 3 Nebenkapellen zweigeschossig sind). Das Sanktuarium mit offenen wie mit geschlossenen zweigeschossigen Kapellen ist im Rheinland lange vor Einführung der Reform von Fruttuaria vertreten (Essen, um 1000), zumeist in Verbindung mit einer Krypta unter dem Altarhaus [40]. Der gleiche Typus kommt auch in Burgund vor, in der Kollegiatstiftskirche von Chatel-Censoir (Yonne, Diöz. Autun), E. 11. Jh. Es wäre zu fragen, ob derartige Übereinstimmungen eine gemeinsame Wurzel haben, und ob diese Wurzel in der Architektur der Reform von Cluny oder von den lothringischen Klöstern liegt. Über die Kirchenbauten in Gorze aus dem 10. und 11. Jh. ist nichts bekannt, ebensowenig über St. Vanne. Auf Grund der neuen Einsichten Hallingers [17] für die Reformkreise wäre eine Untersuchung der zugehörigen Kirchenbauten vielleicht doch fruchtbar, wenn sich auch für das 11. und erst recht für das 10. Jh. keine festen Regeln aufstellen lassen. Das MA kennt keine stereotypen Wiederholungen und exakten Kopien; „Bauschulen“ im modernen Sinne hat es nie gegeben. Aber neben den Gemeinsamkeiten, die die Bauten einer Landschaft kennzeichnen, sind die geistlichen und geistigen Zusammenhänge für die Formbildung nicht zu unterschätzen. Gleichartige liturgische Bedürfnisse konnten wie bei den Auswirkungen von Cluny II oder Hirsau auch bei den lothringischen Reformkirchen zu gewissen typischen Lösungen geführt haben.

Zu den Abbildungen

1. Cluniazensertracht. Miniatur aus dem „Chronicon cluniacense“ von St.-Martin-des-Champs, Paris, Bibl. nat. lat. 17 716, fol. 43. 2. H. 12. Jh. Nach [44] Abb. 100.

2. Cluny, Abteikirche SS. Peter u. Paul (Cluny II), gew. 981. Grundriß. N davon der Grundriß von Cluny I, gew. 915. Rekonstruktion von K. J. Conant nach den Grabungen bis Juli 1950. Nach [28].

3. Cluny II, Längsschnitt. Aufrißrekonstruktion von Conant. Nach [28].

4. Romainmôtier Kt. Waadt, Stiftskirche St. Peter, Grundriß. Schwarz: clun. Bau um 1000, daran w zweigeschoss. Vorkirche um 1120 und Eingangshalle 2. H. 13. Jh., ö gerader Schluß mit Chorkapelle 14. Jh. Im Inneren der Kirche die Grundrisse der älteren Kirchen aus 5. Jh. und 7./8. Jh. Nach Zs. f. Gesch. d. Archit. 1, 1907/08, S. 91.

5. Romainmôtier, Altarhaus und Chor, um 1000. Blick nach NW. Nach Pierre Chessex, Romainmôtier, Bern (1948), S. 26.

6. Romainmôtier, Untergeschoß der Vorkirche, um 1120. Blick nach W. Nach Chessex S. 22.

7. Rüeggisberg Kt. Bern, Prioratskirche SS. Peter und Paul, vollendet vor 1175. Grundriß; schwarz: die noch aufrecht stehenden Teile. Nach [42] 2. Aufl.

8. Rüeggisberg, Rekonstruktion des Zustandes um 1175 von NO durch H. R. Hahnloser. Nach [42].

9. Cluny, Abteikirche SS. Peter u. Paul (Cluny III). Gesamtgrundriß der Kirchen III und II nach den Grabungen von Conant, mit eingezeichneter Datierung der einzelnen Bauteile. Nach [25] II, S. 340, Fig. 2.

10. Cluny III, Rekonstruktion des Mittelschiffs durch Conant, mit Blick nach O. 1088 bis um 1130. Nach „Speculum“ 1942.

11. Cluny III, Querschnitt durch das Altarhaus mit Blick in den Chorumgang. 1088–95. Rekonstruktion durch Conant. Nach [25] II, S. 341, Fig. 3. (Nach jüngeren Feststellungen Conants waren die Säulenschäfte um etwa 1 m kürzer).

12. Cluny III, Längsschnitt durch die Vorkirche. Um 1122–47. Rekonstruktion durch Conant. Nach „Speculum“ 1929.

13. Cluny III, s Arm des W-Querschiffs, Blick nach N (die n Abschlußmauer neu). Um 1088–95. Phot. Marburg 35 704.

14. Cluny III, s Arm des W-Querschiffs, Blick nach NO. Um 1088–95. Phot. Marburg 35 708.

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Verweise