Chuppa

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englisch: Huppah (a bridal canopy used in the Jewish marriage ceremony); französisch: Baldaquin de mariage (judaïque), Dais de mariage juif, chuppa; italienisch: Chuppa (baldacchino matrimoniale ebraico).


Erich Köllmann (1953)

RDK III, 768–770


RDK III, 769, Köln, 2. H. 18. Jh.

Die C. (hebr. = Trauhimmel; übertragen = Hochzeit, Eheschließung) ist gewöhnlich ein Baldachin, besteht aus einem rechteckigen Gewebe mit Behängen, und wird von vier Stangen getragen, welche bei der jüdischen Trauzeremonie von Männern (Trauzeugen, Verwandten und Freunden des Bräutigams) gehalten werden. Auch Baldachine mit zeltförmigem Dach kommen vor, wie ein Aquarell von 1690, ehemals im Jüd. Museum in Mainz, zeigt (Abb.: Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler, Rhein. Ver. f. Dkpfl. u. Heimatschutz 1931, H. 1, S. 173). Gelegentlich dient ein über dem Brautpaar gespannter Gebetsmantel (Tallit) als C. (2. Haggada, G.N.M. Nürnberg, Abb. [1] Sp. 579). Als deutscher Ritus (Minhag Aschkenas) gilt der Gebrauch von C. und Tallit, mit dem das Brautpaar bedeckt wird. Die Bräuche bei der eigentlichen Trauzeremonie sind mannigfaltig und je nach dem Lande, in dem sich die jüdische Gemeinde befindet, verschieden. Feststehend sind lediglich die folgenden: Der Bräutigam und die verschleierte Braut werden unter die C. geführt; dort werden bei einem Becher Weins die Benedictionen (Kidduschim) des Verlöbnisses mit der Übergabe des Ringes und darauf bei einem 2. Becher die der Heirat gesprochen. Bei diesen Zeremonien ist die Teilnahme eines „Minjans“, bestehend aus 10 religiös erwachsenen Männern, vorgeschrieben. Das Zerschlagen eines Glases durch den Bräutigam, im Talmud als Symbol der Trauer um Jerusalem gedeutet, kann wohl als typisch deutscher Brauch betrachtet werden. An süddeutschen und rheinischen Synagogen befindet sich häufig ein Stein mit dem „Mogen Dovid“ (Hexagramm), an dem das Glas zerschellt wurde. Das Material der C., die sich aus einem im Hause fest errichteten und mit kostbaren Geweben ausgezierten Brautgemach entwickelt hat und im Volksbewußtsein dem Brautpaar gleichsam königliche Würde verleiht, ist nicht festgelegt, doch werden kostbare farbige Stoffe, Seide oder Sammet bevorzugt. Werden die Behänge bestickt, dann sind häufig die Worte „Kol Chatan“ (Stimme des Bräutigams), „Kol Kalla“ (Stimme der Braut), „Kol Simcha“ (Stimme des Frohsinns), „Kol Sason“ (Stimme der Freude) angebracht, die einem der sieben Segenssprüche der Zeremonie entnommen sind. Eine originale C. aus der Zeit vor 1800 dürfte in Deutschland nicht mehr vorhanden sein. Die Vergänglichkeit des Materials hat die Stürme der jüngsten Zeit nicht zu überdauern vermocht.

Bei der hohen Bedeutung, die Ehe und Familienleben im Judentum besitzen, sind jedoch symbolische Hinweise auf die C. in Wort und Bild häufig. So dürfte das kleine rechteckige Häuschen, das jüdische Trauringe (nur die Braut erhält einen Ring mit den Worten „Durch diesen Ring bist Du mir zugeeignet nach dem Gesetz Mosis und Israels“) aus venezianischen und süddeutschen Werkstätten des 16. und 17. Jh. tragen, eine C. darstellen und nicht, wie meist angegeben, den Tempel Salomonis, da keine anderen jüdischen Ringe dieses Häuschen zeigen (Abb.: Heinz Battke, Die Ringsammlung des Berliner Schloßmuseums, Berlin 1938, Taf. XIV Nr. 215).

Am häufigsten haben sich Darstellungen der C. auf den Thorawimpeln (Mappa) erhalten, mit denen die Thorarollen umwickelt werden. Diese Leinenstreifen, aus der Beschneidungswindel des Knaben gemacht und beim ersten Synagogenbesuch gestiftet, enthalten in Stickerei oder Malerei neben dem Namen und der Geburtszeit des Knaben den Segenswunsch zur Beschneidung: „Er möge heranwachsen zum Bekenner der Thora, zu einem Familienvater und zu guten Werken.“ Deshalb wird auf dem Wimpel, trotz des generellen Bildverbotes, neben einer Thorarolle und einem Almosen spendenden Mann die C. oft mit einem Brautpaar darunter abgebildet (Abb.).

Zur Abbildung

Köln, Kunstgewerbe-Mus., Wasserfarbenmalerei von einem Thorawimpel. Deutsch, 2. H. 18. Jh. Phot. Rhein. Mus. Bildarchiv, Köln, 89 682.

Literatur

1. Encyclopaedia Judaica 5, Berlin 1930, Sp. 573–81. – 2. S. Müller, Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst, Karlsruhe 1930. – 3. Encyclopedia of Jewish Knowledge, ed. Jacob de Haas, New York 1938, Art. „Chuppa“. – 4. Reallexikon für Antike und Christentum II, Stuttgart 1953, Sp. 524–28 („Brautgemach“, J. Schmid).