Christus mit der Wurfschaufel

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englisch: Christ with the winnowing-shovel; französisch: Christ à la bêche; italienisch: Cristo col ventilabro.


Wolfgang J. Müller (1953)

RDK III, 705–707


RDK III, 705, Köln, um 1110.

Die bisher nur selten nachgewiesene Darstellung Christi mit der Wurfschaufel (ventilabrum, πτύον) in der Hand beruht auf Jerem. 15, 7, Ps. 1, 4, vor allem aber auf der Predigt Johannis d. T. (Mt. 3, 12; vgl. Jer. 15, 7): „Und er hat seine Wurfschaufel in der Hand: er wird seine Tenne fegen und den Weizen in die Scheune sammeln, aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer.“

Auf einer Treibarbeit aus dem Kreis des Roger von Helmarshausen, um 1110, im Schnütgen-Mus. Köln, sitzt Christus bekleidet auf einer Thronbank und hält in der erhobenen Rechten die spatenförmige Wurfschaufel, in der Linken ein waagrechtes Spruchband mit dem abgekürzten Text nach Mt. 3, 12 bzw. Lk. 3, 17 (Abb.).

In abgewandeltem Sinn tritt die Darstellung dann in einem Medaillonfenster des Merseburger Domes auf (um 1250): Christus thront als Weltenrichter, mit einem den Oberkörper freilassenden Mantel bekleidet, und erhebt mit der Linken die Wurfschaufel, mit der Rechten die Sichel nach Off. 14, 14 (Herm. Deckert u. a., Dom und Schloß zu Merseburg, Burg 1935, S. 20f. und Abb. 31). Als apokalyptische Vorstellung leitet sich das Motiv aus dem theologischen Denken des 12. Jh. her; sein schnelles Verschwinden bzw. seine Umbildung ist wahrscheinlich als Folge der sich ausbreitenden Scholastik zu verstehen (Aufkommen der Deesis-Darstellung): dem scholastischen Denken widerspricht eine Vermenschlichung des Weltenrichters, wie sie durch die Johannes-Worte nahegelegt wird, zumal in diesem Zusammenhang auch der Name Χριστός vermieden wurde.

Der in seinen Allegorien oft auf m.a. Motive zurückgreifende Hendrik Goltzius stellt auf dem Stich der „Ablatio malorum“ (Hirschmann 64) Christus als Landmann dar, wie er aus einer herzförmigen, mit Henkeln versehenen Wurfschaufel zwischen dem Unkraut die symbolischen Tiere der 7 Hauptsünden mit herausworfelt, während die Symbole des guten Willens (Kind), der Einfalt (Taube), Wachsamkeit (Hahn) und Geduld (Schaf) in der Schaufel zurückbleiben; als a.t. und n.t. Antitypen sind die Sintflut und die Vertreibung der Wechsler beigegeben.

Zur Abbildung

Köln, Schnütgen-Mus., Inv. Nr. G 578. Kupferplatte mit thronendem Christus in vergoldeter Treibarbeit, 16 × 14 cm. Kreis des Roger von Helmarshausen, um 1110. Die Wurfschaufel ist abgebrochen. Inschr.: FUIT VENTILABRUM IN MANU EIUS ET PURGABIT AREAM SUAM. Phot. Mus.

Literatur

1. Theodor Zahn, Das Evangelium des Matthäus (= Kommentar zum Neuen Testament Bd. I), Leipzig 1903, S. 137ff. – 2. Künstle I, S. 535.

Verweise