Christus als Landmann

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englisch: Christ as ploughmann, Christ as sower; französisch: Christ laboureur, Christ semeur; italienisch: Cristo contadino (aratore seminatore).


Dieter Großmann und Hans Martin von Erffa (1953)

RDK III, 702–705


RDK III, 703, Abb. 1. München, um 1450.
RDK III, 703, Abb. 2. Wiesbaden (ehem. Berlin), um 1420-30.
RDK III, 841, Abb. 3. Eichstätt, vor 1427-28.

I. Christus als Ackermann

Christus als Ackermann ist eine bisher nur literarisch belegte Allegorie, die der Gedankenwelt des 14. Jh. entstammt. 1362 erschien in England William Langlands sozialreformerisches Gedicht „The Vision of Piers Plowman“. Der Verfasser beschreibt eine Vision, in welcher er Christus als Pflüger, schwer arbeitend unter anderen Landarbeitern, gesehen habe, und zieht daraus die Folgerung, daß der Christ in ehrenvoller Arbeit sein Heil suchen solle [1]. Die Gedankengänge des Gedichtes fanden weite Verbreitung (die englische Bauernbewegung des 14. Jh. ist eng damit verknüpft); trotzdem wurde von den etwa 30 erhaltenen Hss. keine illustriert. Wenn sich auch durch die jüngere Forschung [2] ergeben hat, daß die von Tristram [1] mit dem Piers Plowman verknüpften zeitgenössischen Malereien eine grundsätzlich andere Deutung fordern, nämlich im Zusammenhang mit der Feiertagsheiligung, so steckt doch in diesen über ganz Europa verbreiteten Darstellungen, von denen bis 1937 25 Beispiele bekannt waren, im Kern noch eine der Vision Langlands entsprechende Vorstellung (s. a. Leidenswerkzeuge).

Ein deutsches Gegenstück zu Langland ist das Gedicht vom „geistlichen Ackerwerk“ des Dichters Muskatblüt, der in der 1. H. 15. Jh. lebte; da er in seinen Mariengedichten oft auf ältere m.a. Allegorien zurückgriff, könnten auch hier noch ältere Quellen vorgelegen haben. Der Dichter vergleicht Christus mit dem Ackermann, der Pflug ist das Kreuz, die vier Zugpferde die Evangelistensymbole, und so ins einzelne weiter. Das Gedicht ist im Liederbuch der Clara Hätzlerin überliefert (hrsg. v. C. Haltaus, Quedlinburg u. Leipzig 1840, Lied Nr. 130 S. 105–07, dazu S. XXVI).

Auch im Urbild des „Ackermann aus Böhmen“, der um 1400 in Böhmen entstand, läßt sich das Motiv im Verhör Christi durch den Tod finden (Konr. Burdach, Vom MA zur Reformation, III. Bd. 1. u. 2. Teil, S. 401, 2. Exkurs).

II. Christus als Säemann

Christus als Säemann ist eine aus dem Gleichnis vom Säemann (Mt. 13, 3–23) weitergebildete Vorstellung, die jedoch im MA selten zum Bildthema wurde. In den Bilder-Hss. der Concordantia caritatis tritt zur Illustration des Gleichnisses der säende Heiland auf, z. B. in München, Clm. 8832, fol. 25 V (Abb. 1); in der Ackerfurche sieht man die pickenden Vögel. Ähnlich in der Hs. 212 in Eichstätt, vor 1427, fol. 23 v, wo jedoch das Gleichnis Mt. 13, 24ff. gemeint ist: hinter dem säenden Christus geht grinsend der Unkraut säende Teufel (s. Art. Concordantia caritatis Abb. 3).

Ganz vereinzelt scheint ein Andachtsbild des säenden Christus, ehem. im D. M. Berlin, jetzt in Wiesbaden, zu sein (Abb. 2).

Jüngste Untersuchungen durch H. Biehn ergaben, daß die Bestimmung Demmlers (Kat. D. M. II, S. 86f., Nr. 7729), „Christus als Kreuzträger“, zu Unrecht besteht. Ein Dübelloch unter dem Hals diente der rückwärtigen Befestigung der Wandfigur; auch eine Einkerbung im Nacken, wenn sie überhaupt alt ist, kann nicht zum Festhalten eines Kreuzes gedient haben. Die Raffung des Mantelbausches und die Haltung der rechten Hand sprechen für eine Deutung als selbständige Figur Christi als Säemann (Mitt. H. Biehn, Wiesbaden).

Vereinzelt ist der säende Christus in der protestantischen Kunst dargestellt worden. Auf dem von Bergner (S. 492) genannten Relief an der Stadtkirche in Suhl, dat. 1643, ist allerdings nicht Christus als Säemann, sondern das Gleichnis vom Säemann dargestellt: dieser geht vorn über den vierfachen Acker, während Christus mit zwei Jüngern im Hintergrund steht. Dagegen ist auf einem mit zahlreichen protestantischen Allegorien bestickten Antependium in Gandersheim (Christl. Kunstblatt 1900, S. 155f.) die Darstellung des säenden Christus unter Hinweis auf Jer. 4, 3 und Gal. 6, 7 zu finden.

Das säende Christkind geht auf die Legende im arabischen Kindheitsevangelium zurück, wonach das Christkind auf der Flucht nach Ägypten Getreide gesät habe, welches binnen einem Tage zur Reife gewachsen sei (wie letzteres z. B. auf den Randleisten des Turin-Mailänder Stundenbuchs wiedergegeben ist). Darstellungen des säenden Christkindes sind ebenfalls sehr selten. Mâle nennt das Südportal von Notre-Dame in Avioth aus dem 14. Jh. sowie eine Inkunabel des 15. Jh. (Die kirchliche Kunst des 13. Jh. in Frankreich, dt. v. L. Zuckermandel, Straßburg 1907, S. 256f.; s. auch Jugend Christi).

III. Sonstige Darstellungen

Gerätschaften des Landmanns, die als Attribute Christi in der bildenden Kunst Verwendung finden, sind die Wurfschaufel (s. Christus mit der Wurfschaufel, Sp. 705) und der Spaten, den Christus bei seiner Erscheinung als Gärtner vor Maria Magdalena in der Hand hält (s. Noli me tangere).

Zu den Abbildungen

1. München, St. Bibl., Clm. 8832, fol. 25 v, Ausschnitt. Säender Christus zum Gleichnis vom Säemann. Um 1450. Phot. RDK.

2. Wiesbaden, Hessische Treuhandverwaltung (ehem. D.M. Berlin, Nr. 7729). Christus als Säemann, Wandfigur aus Lindenholz, gefaßt. 131 cm h. Schwäbisch, um 1420–30. Phot. Mus.

Literatur

1. E. W. Tristram, Piers Plowman in English Wall-painting, Burl. Mag. 31, 1917, 135–40. – 2. E. Breitenbach und Th. Hillmann, Das Gebot der Feiertagsheiligung, ein spät-m.a. Bildthema im Dienste volkstümlicher Pfarrpraxis, Anz. f. schweiz. Alt.kde. N. F. 39, 1937, 23–36.

Verweise