Christus als König

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englisch: Christ as king; französisch: Christ comme roi; italienisch: Cristo re.


Hans Feldbusch (1953)

RDK III, 692–702


RDK I, 763, Abb. 11. Beatus-Kommentar in Berlin, 2. H. 12. Jh.
RDK I, 773, Abb. 20. Albrecht Dürer, 1498.
RDK III, 693, Abb. 1. Darmstadt, um 1000.
RDK III, 693, Abb. 2. Hortus deliciarum, E. 12. Jh.
RDK III, 697, Abb. 3. Raigern (Mähren), um 1420.
RDK III, 697, Abb. 4. Darmstadt, um 1470.
RDK III, 699, Abb. 5. Hans Memling, um 1490, Antwerpen.

(C. a. K. = Christus als König; C.K. = Christuskönig).

I. Quellen

Die Idee des Königtums Christi ist so alt wie die Kirche selbst und wird in den vier Evangelien und der Geh. Offenbarung wiederholt deutlich ausgesprochen (Mt. 2, 2; 27; 37. Mk. 15, 26. Lk. 1, 33. Joh. 1, 49; 18, 37. Off. 1, 5; 4; 17, 14; 19, 16; 21). In den Homilien und Schriften der griechischen wie auch der lateinischen Kirchenväter wurden für Christus immer wieder die Anreden βασιλεύς und rex gebraucht (Kollwitz [4], pass., wobei sich βασιλεύς χριστός mit dem imperator Christus überschneidet. Im Hymnus der Palmenprozession heißt es: Gloria, laus et honor tibi sit, rex Christe redemptor [4, S. 109]. Epitheta und Prädikate, die zunächst nur dem Kaiser zukamen, werden auf Christus angewandt. Vor allem verrät die Apokalypse stärksten Einfluß des Königskultes der kleinasiatischen Städte ([4] S. 96; vgl. hierzu Off. 4 u. 21, sowie Eth. Stauffer, Christus und die Caesaren, Hamburg 1948). Viele Einzelheiten der Meßliturgie sind ohne die Übernahme bestimmter Gepflogenheiten des antiken Kaiser- und Königskultes nicht zu erklären.

Seine offizielle kirchliche Bestätigung erhielt der Gedanke des Königtums Christi durch die Enzyklika Pius’ XI. „Quas primas“ vom 11. 12. 1925, die das Fest Christi des Königs als dupl. I. cl. einführte und auf den letzten Sonntag im Oktober legte (für die theologischen Voraussetzungen des C.K.-Festes vgl. auch [3]).

II. Frühchristliche Darstellungen

In den ersten drei Jahrhunderten ragt db Vorstellung von Christus als König nicht besonders aus dem Kreis der übrigen Vorstellungen heraus. Ein Umschwung wird erst nach dem Sieg Konstantins deutlich. Eusebius hatte den βασιλεύς - Titel zunächst nur auf Gottvater angewandt. Erst seine späteren Schriften bezeichnen Christus in gleichem Maße wie den Vater als μέγας βασιλεύς und παμβασιλεύς τοῦ σύμπαντος καϑηγεμὼν κόσμου (Belege: Röm. Quartalschr. 44,1936, S. 58, Anm. 66–68, hier nach Kollwitz S. 97). Einer bedeutenden Darstellung C. a. K. begegnen wir im Hauptbild des Bassussarkophags in der Unterkirche von St. Peter (M. 4. Jh.; Friedrich Gerke, Der Sarkophag des Junius Bassus, 1936, Abb.; [5] S. 25). Der jugendliche Christus thront zwischen Petrus und Paulus, denen er die Gesetzesrollen reicht (traditio legis). Der Thron ruht auf dem Coelus, der über sich das Himmelsgewölbe spannt. Durch Eusebius ist aber eine Darstellung Konstantins als himmlischer Kaiser, auf dem Coelus thronend, überliefert. Durch diese Parallele wird die Königs- oder Kaiseridee in der Christusdarstellung des Bassussarkophags überzeugend. In den beiden folgenden Jahrhunderten schwindet die Christkönigsvorstellung nie mehr ganz, ohne allerdings einen besonders breiten Raum einzunehmen. Das Bild C. a. K. steht neben dem des Guten Hirten und des Lehrers; Pastor bonus und lehrender Christus geraten dabei immer mehr unter den Einfluß der Königsidee. Großartigste Gestaltung gewinnt der königliche Pastor bonus in der Grabkapelle der Galla Placidia zu Ravenna (um 450; [5] S. 28). Christus, ausgezeichnet mit dem Nimbus, sitzt inmitten der Schafherde, die linke Hand auf das Kreuz gestützt, um die Schultern den Purpurmantel. Allein der Purpurmantel, der nur dem Kaiser zustand, beweist die Königswürde. Auch der scheibenförmige Nimbus kommt nur dem Kaiser und Christus zu. Der Nimbus hatte im 4. Jh. das alte Herrschaftssymbol des Strahlenkranzes abgelöst, wie das Christus jetzt beigelegte Epitheton victor das heidnische invictus von Sol invictus. Die Übernahme eines anderen Herrschaftssymbols, das gleich dem Nimbus und der Weltkugel Weltherrschaft bedeutet und aus dem gleichen Kreis stammt, nämlich des Gestus der erhobenen Hand, erfolgt dagegen ohne Bedenken [4, S. 99]. Darstellungen der Gesetzesübergabe an Petrus charakterisieren den C.K. der Frühzeit immer am eindeutigsten. Hier übt der Herrscher sein königliches Recht (βασιλικός νόμος) aus. In einem Nischenmosaik von S. Costanza steht Christus auf einer Wolkenbank, ausgestattet mit dem Nimbus, die Rechte wie ein Herrscher erhoben. Die Szene wirkt „wie die Abschiedsaudienz eines hohen kaiserlichen Beamten“ ([4] S. 100; Wulff, Hd. d.Kw. II, S. 324, Abb. 298). Die Gesetzesübergabe an Petrus, auf ravennatischen Sarkophagen häufiger auch an Paulus, kehrt auf zahlreichen Sarkophagen und Denkmälern der Kleinkunst wieder (Beispiele s. Wulff, Reg. S. 624 „Traditio legis“).

Das Konzil von Nicäa dogmatisierte die Gleichwesenheit des Sohnes mit dem Vater, Christus kommt daher auch die gleiche Ehre wie Gottvater zu. Ein Symbol (symbola sind in der theologischen Fachsprache auf kurze Formeln gebrachte religiöse Erkenntnisse und Tatsachen) aus M. 4. Jh. nennt Christus: deum de deo, regem de rege, dominum de domino (Hilar. de synod. 29, Migne P. L. 10, 502). Das Apsismosaik von S. Pudenziana in Rom (402–417; Abb. [1] S. 293) zeigt Christus inmitten der zwölf Apostel thronend. Vor den Aposteln zeichnet ihn wieder der kaiserliche Nimbus aus. Die Leisten des Thronsessels schmücken Perlen und Edelsteine; auf dem Sitz liegt ein Purpurkissen. Im Hintergrund wird die Königsstadt, das himmlische Jerusalem, sichtbar, überragt von der crux gemmata. Christus ist hier nicht mehr der philosophische Lehrer der Frühzeit, sondern der königliche Beherrscher der Welt. Johannes Chrysostomus hat in seinen Homilien zu Matthäus eine ausführliche Schilderung der Himmelsstadt gegeben: „Es ist eine gar königliche und herrliche Stadt. Machen wir uns also bereit, mit größter Ehrfurcht ihre Schwelle zu überschreiten, um den König anzubeten, der darin ist, Matthäus aber verspricht dir alles zu zeigen, den Thron des Königs ...“ (Mt. hom. I 8, Migne P. G. 57, 23f.). Auf einem Mosaik in S. Apollinare Nuovo zu Ravenna thront Christus auf den Wolken des Himmels, Heilige nahen sich ihm, um mit verhüllten Händen ihre Kronen darzubieten (Wilpert, Mosaiken Taf. 102). Hier würde schon das Motiv der verhüllten Hände, wieder aus dem Kaiserkult entlehnt, die Königswürde Christi beweisen. In der Apsis von S. Vitale in Ravenna nimmt umgekehrt der Namensheilige der Kirche aus der Hand des himmlischen Königs als Siegespreis die unvergängliche Krone entgegen (Wulff II, Abb. 366). Im Apsismosaik von SS. Cosma e Damiano in Rom (526–30; [1] S. 291), wo wieder Heilige dem himmlischen König ihre Kronen darbringen, kommt ein neues Motiv hinzu: über dem Haupt Christi erscheint die Hand Gottes, die für den Sohn die Krone bereit hält. Im Scheitel des Triumphbogens steht der Thron des Lammes, umgeben von den sieben Leuchtern und den vier Wesen. In der gleichen Kirche wie auch in S. Maria Maggiore und S. Matrona zu S. Prisco [1, S. 292] wird das Evangelium als Reichsinsignum mit dem Purpurmantel, Zeichen seiner königlichen Würde, bekleidet und auf den leeren Thron erhoben [4, S. 107]; die Thronleisten sind wieder mit Edelsteinen ausgestattet. Wie die Attribute des Kaisers werden auch die Prädikate der offiziellen und häufiger noch der inoffiziellen Titulatur mehr und mehr auf Christus übertragen. Παντοκράτωρ ist Gottvater, aber ebenso häufig Christus; ein anderes jetzt auf Christus gern angewandtes Prädikat σοπήρ oder lateinisch salvator hat die Christkönigsdarstellung bis weit ins MA hinein nachhaltig beeinflußt. Parallelen zum Kaiserkult finden sich auch in der Darstellung der Geburtsgeschichte Christi. Ehrengeschenke wie Gold, Elfenbein und Spezereien wurden nur dem Kaiser dargebracht (vgl. Th. Klauser, „Aurum coronarium“ in Röm. Mitt. 59, 1944, 129ff. und im RAC I 1016f.; s. auch Drei Könige). Solche Gabendarbringungen waren in der zeitgenössischen Triumphalkunst sehr beliebt (vgl. das Diptychon Barberini; Delbrueck, Consulardiptychen 48). Besonders reiche Ausmalung erfährt die Geburtsgeschichte Christi in den Triumphbogenmosaiken von S. Maria Maggiore: Maria ist eine Frau aus königlichem Haus mit Perlendiadem und Perlenkragen, sie sitzt auf einem Purpurkissen, umgeben von einem großen Engelsgefolge. Bei der Darbringung im Tempel begleitet das Kind eine Leibwache von Engeln. Die Magier finden das Kind auf einer perlengeschmückten und mit einem Purpurkissen bedeckten Thronbank sitzen. Über ihm erscheint wie ein regale vexillum der Stern, Maria ist wieder die königliche Prinzessin [4, S. 114]. Auch das Kreuz ist längst Zeichen der Königsherrschaft Christi geworden. Auf dem Probussarkophag im Museo Petriano zu Mailand (H. U. v. Schönebeck, Der Mailänder Sarkophag und seine Nachfolge, Freiburg 1935, S. 108) steht Christus inmitten der Apostel auf einem Hügel, in der linken Hand die Rolle, die erhobene Rechte auf das Gemmenkreuz gestützt. So hatte sich auch Konstantin nach seinem Sieg darstellen lassen, mit einer langen Lanze in Kreuzesform (Eusebius, Vita Const. I, 40). Ein Mosaik im Baptisterium zu Neapel bildet eine crux gemmata et monogrammata (Symbol der Person Christi) mit der Krone ab [1, S. 293].

Das Motiv der Hand Gottes, die Christus die Krone reicht (Cosma e Damiano), lebt in früh-m.a. Kreuzigungsdarstellungen weiter, so auf Elfenbeintafeln im Mus. Naz. in Florenz (um 900), im Mus. Cluny in Paris (1. H. 11. Jh.), im Mus. des Arts déc. in Brüssel (1. H. 11. Jh.) und im Domschatz von Tongern (1. H. 11. Jh.), wo zwei Engel die Hand Gottes bei der Krönung unterstützen (alle abgebildet [4] S. 294).

III. C. a. K. im Mittelalter

Dem 11. und dem 12. Jh. wird die Vorstellung von Christus als dem majestätischen himmlischen König zentraler Gedanke. Schon immer war im germanischen Christentum die Idee des Königtums Christi besonders betont worden. Der Heliand nennt Christus „den König über alles auf Erden und im Himmel“; an anderer Stelle heißt er „der Könige Mächtigster“ oder „der Könige Kräftigster“ [1, S. 299]. Predigttexte des 12. Jh. sprechen immer wieder vom himmlischen König (vgl. Schönbach, Altdeutsche Predigten II, S. 68, 26; III, S. 6, 11 und III, S. 255, 37; nach [2] S. 201, Anm. 1). So wird auch der Gekreuzigte zur C.K.-Darstellung; ein frühes Beispiel aus der Buchmalerei liefert der Utacodex in München (Regensburg 1002–1025; Goldschmidt, Buchmalerei II, Taf. 77). Romanische Monumentalplastik und Kleinkunst haben das Thema des mit der Königskrone gekrönten Christus am Kreuz in zahlreichen Abwandlungen gestaltet: Triumphkreuz im Museum in Lund (11. Jh., C. R. af Ugglas, Trydekrucifixet och Lund, in Festschrift f. Otto Rydbeck zum 25. 8. 1937, Stockholm 1937, 269–304), in Innichen, Südtirol (1. H. 12. Jh., Abb. [5] S. 33), im D.M. Berlin (um 1200, aus Unterröblingen), in Altena, Slg. Thomée (um 1200), im G.N.M. (um 1210, aus Saalfeld) und in Bamberg, St. Gangolf (um 1220, Abb. [1] S. 255); gekrönte Kruzifixe der Kleinkunst im B.N.M. [2, Abb. 55] und in der Marienkirche zu Osnabrück [2, Abb. 55].

Darstellungen des thronenden Christus und der Majestas Domini gehören dem innersten Wesen nach in den Kreis der C.K.-Bilder (Abb. 1); wenn darüber hinaus noch so individuelle Königsattribute wie Krone und Weltkugel hinzukommen, soll die Königsidee ganz besonders betont werden. Der thronende Christus aus dem Tympanon des Südportals des Wormser Domes trägt einen Kronreif [2, Abb. 6], ähnlich auch der aus Reichenbach stammende Christus des B.N.M. [2, Abb. 8]. Auch die Majestas-Darstellungen in St. Trophîme in Arles [2, Abb. 14], Moissac [2, Abb. 79] und Santiago de Compostela [2, Abb. 114] sind durch die Krone als deutliche Christuskönigsbilder ausgewiesen. Der thronende Christus des Basler Antependiums (um 1020, Paris, Museé Cluny) hält als Zeichen seiner Königswürde den mit dem Christusmonogramm gezierten Globus in der Linken. Wo individuelle Königsattribute fehlen, kann der Königsgedanke auch durch eine Beischrift zum Ausdruck gebracht werden, so auf einer Elfenbeinplatte mit Majestas Domini des Darmstädter Museums, wo auf der horizontalen Teilungsleiste REX zu lesen ist (Abb. 1).

Der auf den Wolken des Himmels mit der Sichel thronende Menschensohn (Off. 14, 14) wird seit dem frühen MA deutlich als König charakterisiert; wie schon in der Bamberger Apokalypse (RDK I 763, Abb. 10) trägt er in fast allen nachfolgenden Darstellungen die Krone (RDK I 764, Abb. 11; 771/2, Abb. 18; 773/4, Abb. 20 u. 21).

Im Hortus deliciarum wird Christus ausdrücklich als König und Priester bezeichnet und mit Krone und Mitra dargestellt, den Kelch in verhüllten Händen tragend (Abb. 2).

In der seit der frühen Gotik beliebten Szene der Marienkrönung, in der Christus allein oder im Verein der Dreifaltigkeit die Krönung vollzieht, erscheint Christus immer als König des Himmels (Abb. 4; Beispiele u. a. in Paris und Chartres; vgl. auch St. Beissel, Geschichte der Verehrung Marias I, Freiburg 1909, S. 441ff.; II, Freiburg 1910, S. 175, 377f., 387f., und Künstle I, S. 570ff.). Der zum Himmel auffahrenden Maria begegnet er meist als der Auferstandene, bisweilen aber auch als König mit Krone und Szepter (vgl. H. Feldbusch, Die Himmelfahrt Maria, Düsseldorf 1951, Taf. 18). Selbst in der zeitlich vorausgehenden Szene des Marientodes steht er gekrönt mit der Kaiserkrone am Sterbebett, während Petrus die Tiara trägt (Marientod aus der Schloßkapelle in Graudenz, um 1400; Abb. [1] S. 307). Die italienische Malerei des Trecento und Quattrocento kennt die Christkönigsdarstellung in ihren Paradiesesschilderungen (bedeutendstes Beispiel das Paradiesfresko des Andrea Orcagna in der Strozzikapelle der S. Maria Novella in Florenz). Christus thront hier als König des Himmels neben Maria, der Himmelskönigin, inmitten der Seligen. Nördlich der Alpen spricht jetzt das Bild des Salvator mundi (Heiland) vom Königtum Christi; häufigstes Attribut des Salvator mundi ist die von einem Kreuz überragte Weltkugel, das Zeichen der Weltherrschaft. Ein frühes Beispiel besitzt die Pfarrkirche zu Karlsstadt in Unterfranken in einer Salvatorstatue, die vielleicht ursprünglich Trumeaufigur war (2. H. 14. Jh., Abb. [5] S. 43). Bei dem älteren Heiland des Salvator-Wallfahrtsortes Bettbrunn bei Ingolstadt (um 1300, Abb. Mich. Hartig, Stätten der Gnade, München 1947, S. 19) sind die Attribute, Globus und Szepter, spätere Ergänzungen. Der Genter Altar zeigt den thronenden Christus mit dreifacher Krone und Szepter. Das Idealbild des Salvator schuf Memling in dem Mittelteil eines Triptychons, das den C.K. mit Krone und Kreuzglobus inmitten eines singenden und musizierenden Engelchores erscheinen läßt (Abb. 5; vgl. auch [1] S. 303ff.). In dem silbergetriebenen Buchdeckel des Reichsevangeliars der Wiener Schatzkammer (Hans v. Reutlingen, A. 16. Jh.; Die christl. Kst. 25, 1928–29, S. 299) mit dem gekrönten Weltenrichter zwischen Maria und Gabriel, umgeben von den Evangelistensymbolen, wird eine späte Majestas Domini geschaffen. Wenn wie in einem Holzschnitt der Tübinger Universitätsbibliothek (um 1470, Abb. [1] S. 308) das Monogramm Jesu gekrönt wird, ist eine solche Darstellung zugleich auch als Symbol des C.K. zu werten.

Eine neue Idee trägt die Kunst des ausgehenden MA in das C.K.-Thema hinein, wenn sie das Königtum Christi als Lohn für Passion und Kreuzestod erscheinen läßt, wie Mich. Wolgemut im Schatzbehalter (1491, Der Lohn des Kreuzestodes, Abb. [1] S. 309): Christus kniet hier vor Gottvater, vor ihm liegen Kreuz und Leidenswerkzeuge. Gottvater, selbst mit Krone und Nimbus ausgestattet, hält für den Sohn eine nimbierte Krone bereit. Eine ähnliche Gedankenverbindung zwischen Passion und Königtum mag auch dem Salvator Riemenschneiders zugrunde liegen, da dieser so deutlich das Wundmal seiner segnenden Rechten zeigt [5, S. 55]. Auf einem Flügelaltarbild in Raigern (Mähren) tragen zwei Engel dem auferstehenden Christus Szepter und Reichsapfel als Insignien herbei (Abb. 3).

Dem Christkind sowie dem Kind der Mariengnadenbilder wurden von spätgotischer Zeit an bis weit in die Neuzeit hinein häufig Königsinsignien verliehen. Bei solchen Wallfahrtsbildern wird aber weniger die Idee des Königtums Christi herrschend gewesen sein, Krone, Szepter und Globus sind hier viel eher sinnfälliger Ausdruck volkstümlicher Frömmigkeit und Verehrung (vgl. M. Hartig, Stätten der Gnade, passim).

Die christliche Kunst der Gegenwart hat durch die Einführung des Christkönigs-Festes neuen Auftrieb erhalten. Ihre Wahlverwandten findet sie im Majestasbild des frühen MA. Moderne Kirchenbauten wählen den Christuskönig-Gedanken auch zum Patrozinium (z. B. Die christl. Kunst 29, 1932–33, S. 78f., 84, 190f.).

Zu den Abbildungen

1. Darmstadt, Hessisches Landes-Mus., Inv. Nr. 884, Elfenbeintafel mit Majestas Domini. Köln oder Niederrhein um 1000. Phot. Verf.

2. Hortus deliciarum, fol. 67 b. Christus, Rex et sacerdos, umgeben von Tugenden. E. 12. Jh. Nach E. Straub u. G. Keller. Phot. Bibl. d. St. Mus. Berlin.

3. Raigern (Mähren), Kloster, Flügelaltar mit Auferstehung Christi. Um 1420. Phot. Marburg 57 775.

4. Darmstadt, Hessisches Landes-Mus., Inv. Nr. GK 846, Flügel eines Altars mit Marienkrönung. Mittelrheinisch um 1470. Phot. Verf.

5. Hans Memling, Christus von Engeln umgeben. Mittelbild eines Triptychons, der sog. Orgelflügel von Najera (Kastilien). Antwerpen, Museum, Inv. Nr. 778/80. Um 1490. (Friedländer Nr. 22). Phot. unbekannt.

Literatur

1. Michael Hartig, Der Christuskönig in der Kunst, eine ikonographische Studie. Die christliche Kunst 23, 1926–27, 291–312. – 2. Robert Berger, Die Darstellung des thronenden Christus in der romanischen Kunst, Reutlingen 1926. – 3. Buchberger I 380f.; II 939. – 4. Joh. Kollwitz, Das Bild von Christus dem König in Kunst und Liturgie der christlichen Frühzeit. Theologie und Glaube 1947–48, S. 95–117. – 5. Felix Mader u. Rich. Hoffmann, Christus in der Kunst, München 1947.

Verweise