Christkind

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englisch: Christ Child; französisch: Jésus, Enfant Jésus; italienisch: Gèsu Bambino.


Hans Wentzel (1953)

RDK III, 590–608


RDK II, 221, Abb. 1. Preetz (Holstein).
RDK III, 591, Abb. 1. Mödingen, A. 14. Jh.
RDK III, 591, Abb. 2. Mödingen, A. 14. Jh.
RDK III, 591, Abb. 3. Hannover, E. 15. Jh.
RDK III, 593, Abb. 4. Schleswig, A. 16. Jh.
RDK III, 593, Abb. 5. Peter Breuer, 1. H. 16. Jh., Zwickau.
RDK III, 593, Abb. 6. München, um 1340.
RDK III, 595, Abb. 7. Gregor Erhart, um 1500.
RDK III, 597, Abb. 8. Petersdorf, E. 15. Jh.
RDK III, 597, Abb. 9. Meister E. S., 1467.
RDK III, 601, Abb. 10. Lukas Cranach, 1534, Köln.
RDK III, 601, Abb. 11. München, 1. H. 14. Jh.
RDK III, 603, Abb. 12. Preetz, 15. Jh.
RDK III, 603, Abb. 13. Preetz, 15. Jh.
RDK III, 605, Abb. 14. München, um 1480.

I. Benennung

Das C. (hl. Kind, Kindli, Jesulein, Jesusknäblein, Bornkinnl, Bornkindl) ist die Bezeichnung für das isolierte Bild des kleinen Jesusknaben, d. h. für seine Darstellung ohne Beifiguren und außerhalb jedes szenischen Zusammenhangs. – Das C. kann als Wickel- und Wiegenkind und dann gegebenenfalls in der Krippe oder Wiege liegend dargestellt werden (s. Kap. VI), in der Regel aber erscheint es als kindlicher Heiland, segnend, stehend (II u. III) oder seltener thronend (IV). Meist sind C. nackt und daher – soweit es sich um vollplastische Figuren handelt – zum Bekleiden gedacht. – Die C. sind vorwiegend für Nonnenklöster geschaffen worden und dort seit dem frühen 14. Jh. nachweisbar; seit dem 15. Jh. sind sie häufig und seit der Barockzeit in fast allen katholischen Kirchen und Gegenden Europas in kaum überschaubarer Zahl zu finden.

II. Das Andachtsbild des stehenden C. im MA

Das Andachtsbild des stehenden, nackten, etwa einjährigen Jesusknäbleins ist die älteste und verbreitetste Form des C. Die ersten uns bekannten bzw. erhaltenen C. stammen aus eben der Zeit um 1300, in der die meisten deutschen Andachtsbilder entstanden (vgl. Christus-Johannes-Gruppe und vor allem die thematisch verwandten, wie Maria im Wochenbett usw.). Wie jene stehen auch die C. in wechselseitiger Beziehung zu Visionen und dichterischen Formulierungen der dt. Frauenklöster (z. B. Mödingen bei Dillingen; Engelberg/Schweiz; vgl. Th. Müller [13], S. 10/11), und wie jene verdanken sie ihre Gestaltung einer isolierenden Verdichtung aus einem vorgeprägten, ursprünglich szenischen Zusammenhang: wurde doch in den mannigfachen Erscheinungsformen des Madonnenbildes (und der hl. Anna selbdritt) der m.a. Kunst und vor allem in den Bildern aus der Jugendgeschichte Christi von der Geburt bis hin zur Flucht nach Ägypten auch die Gestalt des kindlichen Jesusknaben zahlreich variiert. Ja, die dort gefundenen Prägungen waren so vielfältig, daß es überrascht, daß zunächst mit ausdrücklicher Beschränkung nur die Form des stehenden nackten Knäbleins für das Andachtsbild gewählt wurde. Allerdings kommt der Jesusknabe mit nacktem Oberkörper schon in byzantin. Hss. des 11. Jh. vor (Beschr. Verz. d. ill. Hss. Österr. VIII/4/2, Taf. XI, Nr. 15).

Das älteste Beispiel (das der sel. Margarethe Ebner?) ist das noch in seiner ursprünglichen kirchlich-klösterlichen Umgebung bewahrte C. von Mödingen (jetzt Maria-Medingen) bei Dillingen (Abb. 1, 2): nackt, mit der Rechten segnend, mit einem Vögelchen in der linken Hand, 28 cm hoch, zu Anfang des 14. Jh. entstanden; aus der Fußstellung wird nicht ganz deutlich, ob das C. als stehend gemeint (aber wie heute vermittels eines Hilfsgerätes stehend gehalten) war oder ob es etwa in einer Art Zwischenstellung sowohl zur aufrechten Haltung als Weltenheiland als auch gleichzeitig (bei Gelegenheit eines Weihnachts- oder Krippenspiels oder -Zeremoniells) liegen konnte. – Etwas jünger ist offenbar das aus Engelberg stammende C. der Benediktiner-Nonnenkirche zu Sarnen/Unterwalden in der Schweiz, das Sarner Kindli (Ilse Futterer, Got. Bildwerke der dt. Schweiz 1220 bis 1440, Augsburg 1930, S. 65, 173, Abb. 79/80; Inv. Schweiz, Unterwalden, S. 661ff.): 50 cm hoch und ebenfalls mit „unsicherer“ Fußstellung (was zur Legendenbildung und zu seiner Verehrung als Gnadenbild Anlaß gab); es besitzt eine ganze Aussteuer von Kleidern, darunter als kostbarstes das aus dem Jahre 1296 stammende Hochzeitsgewand der Königin Agnes von Ungarn († 1364). – Ursprünglich war die Zahl der C. im 14. Jh. – sie waren vielleicht wie die Christus-Johannes-Gruppen Repliken eines einzigen Urbildes? – erheblich größer, wie man allein aus den C.-Visionen der Nonnen in Adelhausen zu Freiburg, Unterlinden zu Kolmar, Mödingen, Katharinental, Töß bei Winterthur, Oetenbach zu Zürich usw. schließen kann.

Seit dem 15. Jh. erscheint die Gestalt des C. als kindlicher, nackter Weltheiland festgelegt: sicheres Standmotiv mit leicht vorgesetztem einem Bein, Segensgebärde, meist mit der Weltkugel in der Linken, mit einer stets ähnlichen Ringellöckchenfrisur, zwischen 20 und 50 cm hoch. Fast aus allen deutschen Kunstlandschaften sind Beispiele dieses Typus bekannt.

Aus der 1. H. 15. Jh. und wohl westfälisch das C. aus Alabaster der ehem. Slg. Fuld (G. Swarzenski im Städel-Jb. 1, 1921, S. 213, Abb. 141; 17 cm h.); andere, vielleicht westfälische C. im Mus. in Altena, in der Slg. Spengler in Osnabrück und in der ehem. Slg. von Kaufmann (Kat. Nr. 367, Taf. 55; 16 cm h.). Wohl nordostdeutsch das spätgot. C. im Schatz der Marienkirche zu Danzig. Mitteldeutsch die einander sehr ähnlichen C. in der Hauptkirche zu Kamenz (A. Simon, Figürl. Plastik d. Oberlausitz, Diss. Greifswald 1925, Abb. 57), in Chemnitz, und im Mus. in Zwickau das C. von Peter Breuer (Abb. 5) und ein verwandtes, aber derberes aus der gleichen Zeit [5, Taf. XIX/1]. Rheinische spätgot. C. im Schnütgen-Mus. in Köln (F. Witte, Die Skulpturen d. Slg. Schnütgen, Berlin 1912, Taf. 60, Nr. 2 bis 4; 34, 30 und 35 cm h.). Süddeutsche C. des gleichen Typus und der gleichen Zeit sind am zahlreichsten: Beispiele im K.F.M. Berlin (Kat. Demmler Nr. 3063, Abb. S. 300; 40 cm h., um 1470), im G.N.M. (Kat. Josephi Nr. 445; 53 cm h.), im B.N.M. (MA 1769; 41,5 cm h., schwäbisch; Nr. 1214, 1666), im Landesmus. Stuttgart, in Stift Nonnberg bei Salzburg (Inv. Österreich 7, Abb. 192; 37 cm h.), zwei ehemals in der Fürstl. Slg. Sigmaringen (Katalog 1925, Taf. 50 a und Abb. 34: auf einem Stühlchen mit Kissen stehend), im Suermondt-Mus. Aachen (zwei C: Lindenholz, 41 bzw. 35 cm h.; diese und die unten noch zu nennenden Aachener C. abgebildet im Kat. v. H. Schweitzer, Aachen 1910, Taf. 53), eins mit einer Blume in der ehem. Slg. Budge (Kat. Nr. 80; tirolisch um 1470?), eins im Ulmer Mus. (Slg. Geiger; 49 cm h.). Repliken dieser Typen kommen auch in kleinem Format (5 bis 15 cm h.) in weißem Siegburger Pfeifenton vor, z. B. im Schnütgen-Mus. Köln (Kat. F. Witte 1912, Taf. 87/II, Nr. 3, 11, 13). Von der großen Zahl der ehemals im MA vorhandenen C. und ihrer Wertschätzung berichten auch die Nachrichten von heute nicht mehr erhaltenen C., z. B. für die Johanniterkomturei zu Schlettstadt im Elsaß (J. Clauß in: Elsäss. Monatsh. f. Gesch. u. Volkskunde 1, 1910, S. 654) und für das Großmünster in Zürich (Inv. Schweiz 10, Zürich I, S. 106); vgl. auch die von Rud. Berliner zusammengestellten Beispiele [12, S. 264ff.].

Aus den bei aller replikenhaften Ähnlichkeit doch jeweils in Stellung, Handhaltung, Attribut und Gesichtsschnitt variierten Beispielen der deutschen gotischen C. wird zu Ende des 15. Jh. in den Niederlanden ein fester einheitlicher Andachtsbildtypus des C. (nackt, stehend, segnend, lächelnd, mit Ringellöckchenfrisur, mit der Weltkugel, auf einem Sockel; vgl. Abb. 3–5, 7) entwickelt, in großen Mengen gleichförmig (in Serien?) hergestellt und über weite Entfernung versandt oder als Reiseandenken mitgenommen. Vor allem in deutschen Kirchen, Klöstern und Sammlungen befinden sich noch heute diese niederländischen C.

Mit Stempel oder Inschrift von Brüssel versehen sind die C. der ehem. Slg. Ullmann in Frankfurt („Bruesel“; 39,5 cm h.; O. Schmitt – G. Swarzenski, Got. Bildwerke in Frankf. Privatbesitz, 1921, Nr. 62), ehem. in der Slg. Figdor („Bruesel“; 16,2 cm hoch; Katalog IV, Nr. 186, Tafel 94 b), das 32 cm hohe, noch mit dem alten Mäntelchen bekleidete C. im Kestner-Mus. in Hannover (Nr. 1913/209; Abb. 3). Aus Mecheln laut Stempel ein neu erworbenes C. im St. Annen-Mus. in Lübeck, in reich gesticktem Mantel und mit einer Krone. J. de Borchgrave d’Altena hat die gestempelten brabantischen C. untersucht und nachgewiesen, daß das schon 1565 als Gnadenbild verehrte Niño Jésus de Flandes in Cebu auf den Philippinen ein solches flandrisches spätgotisches C. und von Magellan 1521 mitgebracht worden ist (Bull. des musées royaux d’art et d’histoire. II. Serie, Bd. 16, Brüssel 1944, S. 50f.; vgl. auch R. Maere, Over Iconografie van Kribbe en Christus-Kind in de Christelijke Kunst, Kerstmis, Winter Hulp 1943). Ohne Stempel, aber niederländischer Herkunft die den genannten Beispielen ähnlichen C. in der Slg. Haerle in Mülheim/Ruhr, in Preetz (mit der rätselhaften Inschrift „NADIND“; RDK II 221, Abb. 1), im Mus. in Ulm (42 cm h.), in der ehem. Fürstl. Slg. Sigmaringen (35 cm h.; Katalog 1925, Nr. 82, Taf. 50 b), das C. im zugehörigen Reliquienaltärchen aus dem Hl. Kreuz-Kloster zu Rostock (Schwerin, Mus.), ein C. der ehem. Slg. Schufter in München (H. Wilm, Got. Holzfigur, Stuttgart 19402, Abb. 125) und eins im Suermondt-Mus. Aachen (33 cm h., mit Sockel). Vom gleichen Typus, aber aus Silber und farbig emailliert war das C. im Halleschen Heiltum (Ph. M. Halm – R. Berliner, Berlin 1931, Taf. 56, Nr. 107: mit Weltkugel, reichem Schmuck und im durchsichtigen Hemdchen). – Die Brüsseler C. sind von deutschen Bildschnitzern mehr oder weniger frei wiederholt worden: besonders reizvoll das 53 cm große niederdeutsche spätgot. C. in der Predella des Brüggemann-Altars im Dom zu Schleswig (Abb. 4): von ihm ging die Legende, daß es blutige Tränen weinte, wenn es nicht alljährlich ein neues Hemdchen bekam (ähnliche Erzählungen wurden von vielen C. berichtet; so hieß es von dem C. in Bordesholm, es habe nicken können). Im G.N.M. ist die Wiederholung eines niederländischen C. durch einen spätgot. rhein. Bildhauer (Kat. Josephi Nr. 470, 36 cm h.); in der Slg. Matsch, Wien, eine besonders gute oberdeutsche Replik (Inv. Österr. 2, Abb. 529, 40 cm h.), ein anderes im Suermondt-Mus. Aachen (23 cm h.). – Das schönste deutsche geschnitzte C. der Zeit um 1500 ist das C. des Gregor Erhart aus dem Frauenkloster Heggbach/Oberschwaben (Ad. Feulner im Pantheon 12, 1933, S. 382–84): 56 cm hoch (fast lebensgroß!), noch mit der alten vorzüglichen Fassung, freier im Typ als alle älteren C., kraftvoll renaissancehaft, gesund, in ausholendem Schritt und mit zur Seite gewandtem Kopf, leicht gedreht stehend (Abb. 7; eine spätere derbere Replik in Hochaltingen, Inv. Bayern V, 1, S. 195).

Alle diese C. waren zumeist in Verwahrung von Frauenklöstern, sie sind aber auch für Kirchen belegt (auf Altären in der Art des „Altars Unser Frowen Kindbetty“ im Züricher Großmünster?) und die niederländischen C. mögen auch zuweilen in vornehmem profanen Besitz gewesen sein. Hier wie dort sind sie mit Gewändern liebevoll ausgestattet worden, so daß viele der C. heute noch ganze Garnituren von kostbaren Kleidchen besitzen; „Marienkleid“ heißen diese C.-Gewänder in der Schweiz (Inv. Schweiz 11, Graubünden III, S. 254/6), und so sind wahrscheinlich eine Anzahl der sogen. „Marienmäntelchen“ – etwa in Halberstadt – wegen ihrer Kleinheit gar nicht zum Bekleiden von Madonnenbildern, sondern von C. gedacht; dazu die auch bei anderen Gnaden- und Andachtsbildern bekannten Ketten, Kronen, Ringe, Schmuckstücke und Tand aller Art (vgl. Abb. 2 u. 3). Im Unterschied zu anderen Andachtsbildern waren die C. aber wohl nur ausnahmsweise das ganze Jahr hindurch zu sehen: in der Regel wurden sie erst in der Weihnachtszeit auf- und ausgestellt. Dies fromme Spielzeug von Klosterfrauen hat mancherlei örtlich verschiedene Sitten, Gebräuche, Weihnachtsspiele und -lieder entstehen lassen: aus Töß ist ein Weihnachtsspiel mit Bettchen und Badewanne bekannt (Inv. Schweiz, Unterwalden, S. 655), in Schleswig und Preetz sind Lieder zu dem auf dem Arme in den Schlaf gewiegten Jesusknäblein gesungen worden usw. Dem C. im Refektorium des Klosters Gnadenthal in Ingolstadt wird an Festtagen ein eigener kleiner Tisch mit Zinnteller und eigenem Besteck gedeckt. III. Mit und seit der Renaissance werden die Spielarten der Darstellung des C. reicher und mannigfaltiger. Ihre Zahl wächst ins Unüberschaubare; in allen katholischen Ländern Europas werden sie hergestellt. Neue Materialien werden verwendet, Bronze, vor allem aber Elfenbein und Wachs treten in den Vordergrund, auch Ton, sogar Papiermaché und Porzellan werden verwendet. Seit dem 17. Jh. übernehmen Spanien und Portugal die ehemalige führende Stellung der Niederlande (s. oben). – In vielen Fällen aber ist es heute nicht mehr möglich, Entstehungszeit und -ort eines C. näher zu bestimmen, da fast alle der in den Kirchen bewahrten C. nicht nur häufig übermalt sind, sondern auch in reiche Gewänder aus Seide und Brokat in Form von Hof- und sogar Bauerntrachten eingehüllt und durch sie verhüllt sind. – Die große Zahl der nach-m.a. C. geht unter anderem auch auf die seit dem 16. Jh. sich einbürgernde Sitte zurück, daß beim Ordensprofeß einer Novize diese oder deren Angehörige ein C. stifteten, zuweilen gleich mit einer ganzen Aussteuer von kleinen Gewändern und Schmuckstücken (Urkunden und Abbildungen zu zwei solchen C. von 1704 und 1729 in Nonnberg s. Inv. Österreich 7, Taf. 28, S. 108ff.); vgl. auch das C.-Gnadenbild von Holzen von 1641 (Mich. H artig, Kirche und Kloster Holzen, Jb. d. Ver. f. christl. Kunst in München 7, 1929, S. 169ff.). – Auch werden in der Barockzeit berühmte ausländische Gnadenbilder von C. nachgebildet (Prager Kindl, 1628; unter den überaus zahlreichen Repliken auch eine aus Porzellan [11, S. 47]; Santo Bambino von S. Maria in Aracoeli in Rom von vor 1629, das aus dem Holz des Gartens Gethsemane geschnitzt sein soll, vgl. Die christl. Kunst 23, 1926/27, S. 311). Sogar in der prot. Kirche kommen in jener Zeit ausnahmsweise C. vor: so wurde 1608 für die prot. Michaelskirche in Hof/Bayern eine neue C.-Statuette angefertigt [12, S. 265].

Die hölzernen, farbig gefaßten deutschen C. für die volkstümliche Verehrung setzen im allgemeinen den spät-m.a. Typus des C. fort, sowohl die süddeutschen als auch die mitteldeutschen: das sehr bäuerliche C. in der Pfarrkirche zu Grafentraubach (Inv. Bayern IV, 25, S. 74, Abb. 53), die sächsischen „Bornkinnl“ in Zschorlau (um 1620), Penig (um 1630, von Joh. Böhm, Dresden, Alt. Museum), Thierfeld, Bärenwalde (1673 von J.H.Böhm), Zwönitz, Drehbach (Mus. Annaberg) usw., vgl. [6]; Oskar Philipp in den Mitt. f. sächs. Volkskunde 1911, S. 286; Otto Langer in den Mitt. d. Altertumsver. zu Zwickau H. 11, 1914, S. 32. – Mit weitausholender Gebärde segnend das C. (mit angeschnitztem Hemdchen) von Rück (Inv. Bayern III, 23, Abb. 88), pathetisch das C. von Münster i. Gr. (Inv. Schweiz 11, Graubünden III, Abb. 386; 69 cm h.), nach dem Vorbild der gleichzeitigen Immaculatafiguren auf der Weltkugel mit der Schlange stehend das C. von Petersbuch (Inv. Bayern V, 3, Abb. 207: als Tabernakelfigur nur für die Weihnachtszeit) und das überlebensgroße C. von Georg Schweigger in St. Sebald in Nürnberg, um 1660; variiert mit einem aufgesetzten großen Herz auf der Brust und darauf weisend das C. von Weigersdorf aus der Zeit um 1760 (40 cm hoch; Inv. Bayern V, 2, Abb. 244), mit Rokokoperücke das Wachs-C. der Klosterkirche zu Abenberg (40 cm hoch; Inv. Bayern, V, 7, Abb. 137), das „Prager Jesuskind“ in Buchau/Federsee, Großkomburg usw. Ein Beispiel für die prunkvolle Aufstellung dieser C. in reich geschnitzten, tabernakelähnlichen Gehäusen das Rokoko-C. mit Seidenperücke und Brokatkleid der Klosterkirche von Maihingen (Inv. Bayern V, 1, Abb. 355). Über das eine Traube haltende und mit einem Brokatröckchen bekleidete C. des 18. Jh. aus Weltenburg vgl. Max Peinkofer, Der bayer. Krippenfreund Nr. 102, Dez. 1946, S. 16.

Neben diesen mehr ländlich-volkstümlichen C. gibt es seit dem frühen 16. Jh. auch solche C., die, von führenden Bildhauern geschaffen, sich im Typus an den italianisierenden Putto so stark anlehnen, das z. T. (bei Verlust der Attribute oder der Brokatkleidung) bei Museumsstücken nicht immer eindeutig zu erkennen ist, ob es sich um Putten oder C. handelt (vgl. etwa ein 31 cm hohes C. aus Lindenholz im Suermondt-Mus., Aachen). Ein besonders schönes und frühes Beispiel ist das Bronze-C. mit der Korallenhalskette aus dem Kreis des Pankraz Labenwolf im Vict.- u. Albert-Mus. in London (E. F. Bange, Bronzestatuetten, Berlin 1949, Abb. 168); vgl. auch das C. als Bekrönung des Nürnberger Sebaldusgrabes oder auch das bronzene C. als Leuchterfigur von 1633 in der Marienkirche zu Lübeck (Inv. Lübeck II, Abb. S. 418) sowie ein ähnliches, etwas älteres, wohl auch lübisches C. aus Messing im Mus. in Lund. Das bedeutende, 36 cm hohe Elfenbein-C. des Hans Krumper im Residenzmus. in München (Kat. Elfenbeinarbeiten des B.N.M. von R. Berliner 1926, Nr. 856, Taf. 304) führt die C.-Gestalt wieder aus dem Profanen heraus: zu dem traditionellen Typ und der Segensgebärde fügt er unter den Füßen des kleinen Weltheilands die Weltkugel mit der Schlange und legt ihm in den linken Arm das Kreuz von Golgatha (vgl. Abschnitt V).

Dieser Typus wird mit leichten Variationen in fast allen mitteleuropäischen Elfenbein-C. des 17. u. 18. Jh. wiederholt; in den meisten größeren Museen finden sich Beispiele: B.N.M. (Kat. Berliner Nr. 637/ Taf. 170, Nr. 296/ Taf. 276); Braunschweig (Kat. Scherer Nr. 102); Berlin K.F.M. (Kat. Volbach 1923, Nr. 695/96, Taf. 64); Wien, Florenz, Rom, Paris, Hannover (portugiesisches und spanisches C). Aus Zinn, aber bemalt wie eine Holzfigur, ein C. der Zeit um 1600 im Landes-Mus. Stuttgart.

IV. Das thronende C.

Verhältnismäßig selten ist das Andachtsbild des C. sitzend oder thronend dargestellt worden, obgleich es in dieser Gestalt leicht aus dem C. auf dem Arm der Muttergottes abzuleiten gewesen wäre.

Das älteste Beispiel ist das 50 cm hohe C. im B.N.M. um 1340 (Abb. 6), segnend, in einfachem langen Hemdchen, wohl von Anfang an zum Bekleiden bestimmt. – Im Kloster St. Johann im Gnadenthal in Ingolstadt sitzt „oben im Nonnenchor ein gotisches C. in Lebensgröße. Die Legende erzählt, daß es einmal den Schwestern nachgelaufen sei, weil es nicht alleinbleiben wollte“ (M. Euphemia Blaschke O.S.F. in: Ingolstädter Heimatblätter 14, 1951 Nr. 11). Winzig, nur 11 cm hoch, ist das sitzende C. aus Alabaster der ehem. Slg. Figdor von 1371 (?) mit einem Lamm (Kat. IV, Nr. 145). Noch an seinem alten Platz in mittlerer Höhe an der Kirchenwand, unter einem eigenen Baldachin, sitzt im Schneidersitz, segnend, das nackte C. mit der Weltkugel in der Dorfkirche zu Petersdorf auf Fehmarn, E. 15. Jh. (Abb. 8). Nur 15 cm hoch ist ein ebensolches, etwa gleich altes, wohl rheinisches C. im Suermondt-Mus. Aachen. Etwas jünger ist ein anderes C. der ehem. Slg. Figdor (Kat. IV, Nr. 173): 29 cm h., nackt, mit einer Frucht in der Hand, auf einem Lehnstühlchen. Dasselbe Motiv noch bei dem C. in Füssen im Allgäu: es sitzt, in reiche Gewänder gekleidet, segnend auf einem vergoldeten Lederkissen auf einem Renaissancestuhl. Ebenfalls auf einem Renaissancestühlchen und wohl gleich alt ein C. im Kloster Gnadenthal in Ingolstadt. Aus dem E. 16. Jh. ein nacktes C. im Suermondt-Mus. Aachen (süddt., 32 cm h.). Als nacktes kleines sitzendes Knäbchen in winzigem Format ist das C. gelegentlich im 16. Jh. aus Siegburger Pfeifenton gebildet worden (z. B. Hamburg, Mus. f. K. u. Gewerbe, 6,6 cm h.; desgl. im Schneidersitz im Schnütgen-Mus. Köln, vgl. Kat. F. Witte 1912, Taf. 87/II, Nr. 5; Ebd. Nr. 3 ein bekleidetes, sitzendes C. mit Taube, 7 cm h.). Eine große Anzahl von mittelrhein. Tonfigürchen von C. aus dem späten 15. Jh. haben A. Weckerling und R. Welcher zusammengestellt (Vom Rhein, Monatsschr. d. Altertums-Ver. der Stadt Worms 1, 1902, S. 29ff.). In der Barockzeit erscheint es nackt (nur mit einem Schurz bekleidet) aus Wachs, inmitten des ruinösen Stalls von Bethlehem sitzend in der Klosterkirche zu Maihingen (Inv. Bayern V, 1, Abb. 362). Ein (spanisches?) C. aus Holz, vornehm wie ein kleiner Infant, im Lehnstuhl schlafend, E. 16. Jh. im Kestner-Mus. in Hannover.

V. Bereicherung und Veränderung der Grundtypen

Malerei, Graphik, Reliefplastik und angewandte Künste haben zu Ausgang des MA und in der Renaissance das Andachtsbild des freiplastischen, nackten Jesusknaben (H) vielfach wiederholt; denn nichts anderes als Übersetzungen eines solchen Vorbildes in die jeweils andere Kunstgattung sind folgende C.:

Stich des Hausbuchmeisters (im Sockel ein Totenkopf: M. Lehrs, Der Meister d. Amsterdamer Kabinetts, Berlin 1893/4, Nr. 17); Initiale mit einem C. in einem Missale von 1486 der Johanniskirche zu Herford (Inv. Westfalen, Herford, Taf. 45); Gemälde von Joos van Cleve (Friedländer IX, Taf. 35); 18 cm hohes fränkisches Relief aus Solnhofer Stein, M. 16. Jh., im K.F.M. Berlin (Kat. Bange IV, Nr. M 185); kleine Bronzeplakette ebendort (Kat. Bange II, Nr. 1367, Taf. 29); 5 cm hohes Tonrelief im Mus. Münster (Kat. B. Meier Nr. 103, Taf. 26); Relief mit dem C. von 1521 an der Sakramentshaustür von Gimlinge (Kopenhagen, Nat. Mus.); C.-Bild von Mich. Willmann 1663 in Mellendorf (E. Kloß, Abb. 4); ja sogar Tizian hat um 1508 ein nordisches C. abgemalt (Venedig, S. Ermagora e Fortunato; Klassiker d. Kunst Taf. 28); im Christophorus-Bild eines Bosch-Nachfolgers spiegelt sich ein C. solcher Umsetzung (The Art Quarterly 13, 1950, S. 47, Abb. 6), und noch Dürers Jesusknaben-Zeichnung von 1506 (Winkler 408) ist nicht ohne den plastischen C.-Typ erklärbar. Sogar in der protestantischen Ikonographie fehlt das C. nicht: Deckengemälde von 1544 in der Stadtkirche zu Pirna (Inv. Sachsen, Stadt Pirna, S. 82).

Daneben hat aber die dt. Graphik des 15. Jh. das C.-Motiv durch Anregungen aus den Visionen der Hl. Birgitta und aus der Herz-Jesu-Vorstellung her wesentlich bereichert. Der Meister E. S. zeigt in seinem Stich L. 51 von 1467 das C. auf einer Blüte in einem Herzen sitzend mit dem Kreuz von Golgatha, rundherum vier Engel mit den Leidenswerkzeugen (Abb. 9); wiederholt in einem süddt. 15 cm hohen Alabasterrelief aus der Slg. Figdor im B.N.M. [13, Nr. 17]; frei variiert in einer spätgot. Deckenmalerei in der Westturmkapelle der Petrikirche in Malmö. Ähnlich bildet Israel van Meckenem das C. stehend, nackt auf einer Blüte, mit dem Kreuz, umrahmt von den Passionswerkzeugen; bei dem Meister der Marter der Zehntausend (L. III 406/86) sitzt das nackte C. in einem Herzen (das C. als „Ewige Weisheit“ verstanden und benannt [4]) und trägt das Passionskreuz mit der Dornenkrone. Lucas Cranach stellt in einem Holzschnitt das C. im Andachtsbildtypus (II) dar, umgibt es mit einer Wolke von Engeln mit den Passionswerkzeugen und läßt es – in Anlehnung also an die „Auferstehung“ – auf dem geöffneten Grab stehen (H. Schrade, Die Auferstehung Christi, Berlin 1932, Abb. 39). Vereint werden diese Elemente von Andachtsbild, Mementobild und Schmerzenskind in einem Gemälde des ausgehenden 15. Jh. eines Kölner Meisters im W.R.M. in Köln (Nr. 738): das C. sitzt nackt auf einem Kissen und zeigt wie ein kleiner Schmerzensmann dem Beschauer die Wundmale der Passion; zu seiner Seite und vor den anbetenden Stifterinnen die Skelettgestalt des Todes; in Schriftbändern werden Vergänglichkeit und Auferstehung abgewogen. – Diese Verbindung des C. mit Passionsvorstellungen hat zurückgewirkt auf die Gestaltung des plastischen C. der Barockzeit (vgl. III) und ist für die C.-Ikonographie bis in die Neuzeit fruchtbar geblieben.

Als kleines, 8 cm hohes fränkisches Sandsteinrelief des 16. Jh. das C. mit dem Kreuz im K.F.M. Berlin (Kat. Bange IV, Nr. 2106, Abb. S. 39), auf einem fränkischen Teppich der M. 15. Jh. im B.N.M. das C. mit dem Kreuz im Medaillon sitzend (B. Kurth I, S. 181/268, Taf. 289), ähnlich im Medaillon auf einer 1468 datierten Glocke in Amorbach (Inv. Bayern III, 18, Abb. 31); vgl. auch eine winzige Plakette E. 15. Jh. im K.F.M. Berlin (Kat. Bange II, Nr. 1505, Taf. 3). Beliebt ist das Thema bei den rheinischen Tonmodeln des späten 15. Jh.: sie zeigen das nackte, stehende oder sitzende C. zwischen Engeln, mit der Weltkugel und segnend, oder mit dem Passionskreuz und Dornenkrone, oder mit Inschriften in der Art der Neujahrswünsche (W. von Bode – W. F. Volbach im Jb. d. preuß. Kslgn. 39, 1918, S. 89ff., Taf. I/5, V/1, 4, 6, 10). Cranach hat 1534 das C. mit dem Passionskreuz gemalt, vor dem der kleine Johannesknabe kniet (Friedländer-Rosenberg Abb. 184); in einer Variante (Köln, Wallr.-Rich. Mus. Nr. 391) sind dem C. Totenschädel, Drache und Schlange beigegeben (Abb. 10). Die zahlreichen und mannigfaltigen Nachfolger des C.-Motivs der dt. spätgotischen Graphik in der dt. Volkskunst (vornehmlich als „kleines Andachtsbild“ des 17. bis 19. Jh.: das C. schlafend auf dem Totenkopf, auf dem Kreuz, als Schmerzenskind, als Vanitas- oder Memento-mori-Bild) haben Adolf Spamer (Das kleine Andachtsbild vom 14. bis zum 20. Jh., München 1930, S. 11ff., Abb. S. 13, 164, 245, Taf. 4, 8, 16, 31, 37/8, 56, 114, 116, 188, 192, 212) und Friedrich Zoepfl [9] zusammengestellt. Das „Schmerzenskind“, auf Kreuz und Totenschädel ruhend, zeigt ein Deckenbild in der Taufkapelle von St. Jakob in Straubing (Inv. Bayern IV, 6, S. 63).

Unbefangener und fast heiter wird der Themenkreis der C.-Ikonographie durch ein besonderes Kapitel der deutschen spätgot. Graphik bereichert: die Neujahrsblätter mit dem C. Albrecht Dürers reizender kleiner Neujahrsgruß von 1493 in Deckfarben auf Pergament zeigt ein gotisches C., ungewöhnlicherweise in Halbfigur. Doch haben sich Holzschnitt und Kupferstich des aus der Plastik bekannten Motivs (II) bedient und es liebevoll ausgeschmückt. Der Jesusknabe, zumeist sitzend, spielend, mit Tieren, Spielzeug, umgeben von Segenswünschen für das neue Jahr. So beim Meister E. S. das C. im Hemdchen auf einer Blüte, mit einem großen Kreuz und dem Schriftband „Ein guot selig ior“ (L. 50); ein gleichzeitiger Holzschnitt zeigt das C. mit einem Papagei in der Hand und Hasen am Boden (Dehio II, Abb. 693); es kann auch andere Vögel, Blumen, Früchte, eine Kerze, ein Vogelnest, ein Glöckchen und andere Dinge halten – wie denn der Übergang zum „Schmerzenskind“ durch einen Austausch der Blumen und Vögel durch Geißel, Rute (Dehio II, Abb. 692), Kelch, Lastkorb, Kreuz sich leicht vollzieht (vgl. Schreiber, Hdb. II, S. 15–34). Die Replik eines solchen Neujahrswunsches in einem spätgot. Goldring hat C. R. af Ugglas (Forvännen 30, 1935, S. 319/20) veröffentlicht.

VI. Christkindwiege

Aus Weihnachtsliturgie, Weihnachtsfeier, Weihnachtsmysterienspiel und der zärtlichen Ausgestaltung der C.-Figuren im MA ergab sich mit einer gewissen Folgerichtigkeit für Frauenklöster, nicht nur C. zum Ankleiden, Schmücken und In-den-Armen-Tragen, sondern Wiegen für und mit C. zu schaffen. Für diese werden die C. nicht nur mit Gewändern angezogen, sondern in Steckkissen gebettet, mit Kissen zugedeckt und in der Weihnachtszeit zu besonderen C.-Weihnachtswiegenliedern geschaukelt. Der Ursprung der C.-Wiegen ist in jenen gemalten Weihnachtsbildern zu suchen, in denen das C. in einer Wiege liegt (in England schon im 12. Jh.); über das im Bettchen schlafende C. der byzantinischen Emanuel- oder Anapesonbilder vgl. H. Schrade, Die Auferstehung Christi, Berlin 1932, S. 36f., und N. P. Kondakov, The Russian Icon, Oxford 1932, S. 109, 133, Taf. 32–34. In der deutschen Kunst gibt es das isolierte C. in der Krippe, d. h. ohne Maria und Josef, aber von Engeln angebetet, in dem Kölner Evangeliar aus M. 11. Jh. in Bamberg (Staatl. Bibl., Bibl. 94, fol. 155 r.; vgl. Wilh. Messerer, Der Bamberger Domschatz, München 1952, Taf. 69); die Krippe trägt die Inschrift „Et verbum caro factum est“.

Die ersten Beispiele der isolierten C.-Wiege gehören der gleichen Zeit um 1300 an wie die Entstehung der C.-Figuren. Aus der 1. H. 14. Jh. stammt die älteste und wohl auch schönste der bekannten deutschen C.-Wiegen im B.N.M. München: in einem leichten Holzgestell hängt kostbar bemalt mit Engelfiguren das 27 cm breite Wiegenbettchen (Abb. 11). Leer, d. h. ohne C. wie heute diese C.-Wiege, sind auch die beiden reich bemalten aus E. 14. Jh. und E. 15. Jh. im Schnütgen-Mus. in Köln, die wie die Münchener zum Schaukeln eingerichtet sind. – Kompletter, also mit dem C. im Kissen, sind die C.-Wiegen aus Edelmetall erhalten, kleine kostbare Spielzeuge. Am ältesten die mit Glöckchen und Schmuck behangene, mit Engelfigürchen verzierte, wohl burgundische Silber-Wiege der Zeit um 1400 im engl. Kunsthandel (London, David Black: Abb. im Connoisseur 97, 1936, Maiheft S. XXVI); ein aus Holz geschnitztes, wohl ebenfalls burgundisches, gleichzeitiges Gegenstück, reich verziert, bemalt und vergoldet, ehem. in der Slg. Figdor (35 cm hoch; Kat. IV, Nr. 161, Taf. 85/86; [5] Taf. III, 1–3). Eine deutsche Silberwiege, von dem Lübecker Goldschmied Sander Oldendorp (1478–1509), befindet sich seit alters in Namur (J. Warncke, Edelschmiedekunst in Lübeck, 1927, Taf. 10). Eine C.-Wiege aus vergoldetem Kupfer, etwa 25 cm breit, aus Friedberg/Hessen, E. 15. Jh., im Schloßmus. Berlin. – Die nachmittelalterl. C.-Wiegen sind größer im Format und weniger kostbar. Wie ein weltliches Möbelstück die buntbemalte C.-Wiege des Dominikanerinnenklosters Mödingen aus der Zeit um 1600. – Desgleichen sicher die Votivgabe einer Wiege aus Familiengebrauch ist die C.-Wiege des 18. Jh. in St. Jodok zu Landshut (Inv. Bayern, IV, 16, Abb. 86), aus Nußbaum, 82 cm hoch, also „lebensgroß“, mit einem Dach darüber; darin liegt ein C.-Wickelkind aus Wachs. Eine reich geschnitzte italien. Renaissance-C.-Wiege mit Tiermedaillons im Schloßmus. Berlin.

Zur Einlage in solche „realen“ Wiegen entstand ein neuer Typ des C: das lebensgroße Wickelkind, meist aus Wachs, aber auch aus Holz und bemalt, aus Papiermaché usw. in der Form einer lebensgroßen Puppe, in Spitzen und Spitzenhäubchen, imitierten oder echten Stickereien und Kissen. Die gleichen C.-Wickelkinder sind auch in kleinen Bettchen, etwa in Glasgehäusen, in Kirchen auf den Altären ausgestellt worden (wahrscheinlich nach italienischem Vorbild).

Ein solches 36 cm großes C. aus Papiermaché ist im Mus. f. K. u. Gew. Hamburg (Nr. 96/444); vgl. auch das bekannte S. Bambino in S. Miniato al monte vor Florenz. Für derartige C.-Wiegen bzw. auch C.-Bettchen schuf J. J. Kändler 1741 ein lebensgroßes C. im Steckkissen aus Meißener Porzellan. – Seine Geschwister, C.-Wickelkinder aus Wachs, sind in Deutschland, Italien und auch in anderen europäischen Ländern im 18./19. Jh. so zahlreich, daß es unmöglich und nutzlos ist, auch nur Beispiele aufzuzählen; doch darf man erwähnen, daß die deutschen Beispiele gegenüber denen aus den romanischen Ländern mit besonderer, mütterlicher Liebe mit Spielzeug und anderem Gerät, wie ein lebendes Kind, ausgestattet worden sind. Die größte Zahl gehört in den Bereich der Volkskunst (Lindau Mus. 1742); eine verhältnismäßig reichhaltige, gute Slg. befindet sich im B.N.M. München; für die tirolischen C.-Wiegen vgl. „Tirol“, 2. Folge, 1928/29, Heft 4, S. 65f.

Das C. in der Krippe, auch „Bethlehem“ genannt, vgl. [12], ist folgerichtig aus der üblichen Darstellung der Weihnachtsgeschichte isoliert. So ist das älteste mir bekannte noch intakte Beispiel, die C.-Krippe im Nonnenkloster zu Preetz (Abb. 12), ein übliches Bild der „Geburt Christi“ – mit dem Unterschied, daß Eltern, Engel und Tiere anbetend zur Krippe schauen, daß die Krippe freisteht und daß darin lose, in bestickten Perlenkissen mit Quasten das heraushebbare C. liegt (Abb. 13; in protestantischer Zeit bis 1718 in Gebrauch). Diese Darstellung hat weder mit der Vorgeschichte der Weihnachtskrippe von der ersten von der hl. Helena oder jener zweiten 1223 vom hl. Franz in Greccio errichteten oder den monumentalen Krippenfiguren von Arnolfo di Cambio etwas zu tun, noch mit den nach-m.a. süddeutschen (seit 1562 nachweisbaren) und italienischen Denkmälern der Krippenkunst; vgl. [12] und Jos. Ringler, Die Weihnachtskrippe, Kirchenkunst 1, Wien 1930, S. 90ff.

VII. Ausstrahlungen

Im Bereich des C. als Andachtsbild hat das sogen. „Kleine Andachtsbild“ der Volkskunst die meisten Varianten entwickelt (V). Doch auch neben ihm kommen neue Typen vor: das C. kann etwa als Guter Hirte dargestellt werden, sowohl unter Tieren in der Landschaft als auch als Freifigur mit einem Lamm. Im Kloster Nonnberg bei Salzburg gibt es einen kleinen C.-Reiter zu Pferd aus dem E. 15. Jh., der nach dem Monogramm Christi auf seinem Prachtgewand offenbar als C. zu deuten ist (Inv. Österreich 7, Abb. 179), wie denn ja A. Dürer in den Randzeichnungen zu Kaiser Maximilians Gebetbuch fol. 53 v ein auf einem Esel daherreitendes C. gezeichnet hat. – Als selbständiges Andachtsbild sei hier auch die aus Landsberg/L. stammende spätgotische Gruppe „Das Christkind lernt gehen“ im B. N. M. genannt (Abb. 14). Aus dem Motiv des „Ersten Schrittes“, wie es gelegentlich auf altdeutschen Holzschnitten, Gemälden und französ. Miniaturen (Mâle III, S. 151) dargestellt wird (vgl. Jugend Christi), ist hier in einem Einzelbeispiel diese liebenswerte Gruppe entwickelt worden.

Außerhalb Deutschlands spielt das C. – abgesehen von den unter III genannten spanischen und portugiesischen Elfenbeinstatuetten und den italienischen Wachs-C. der Barockzeit – eine verhältnismäßig geringe Rolle. Es kommt in Italien in früherer Zeit nur ganz vereinzelt vor (anonymes Tafelbild mit dem C. um 1400, im Mus. Horne in Florenz), gelegentlich als Relief auf Sakramentstüren (Rom, S. Sebastiano f. l. m. mit der Inschrift „Verbum caro factum est“). Die liebenswürdigste spanische Darstellung ist die Birnbaumstatuette eines Jesusknaben mit Blumenkörbchen und Dornenkrone, von Al. Cano, ehem. dt. Privatbesitz (Pantheon 9, 1932, Abb. S. 72).

Weitere Christkind-Darstellungen werden bei den apokryphen C.-Geschichten unter Jugend Christi behandelt. Vgl. auch ferner die Stichworte Spielzeug, Puppe.

Zu den Abbildungen

1. Mödingen b. Dillingen, ehem. Dominikanerinnenkloster (jetzt Institut der Franziskanerinnen Maria-Medingen). Nacktes C. mit Vogel, 28 cm h. A. 14. Jh. Phot. B.N.M.

2. Desgl. bekleidet und bekrönt, auf Barocksockel mit Strahlenkranz und Engeln. Phot. B.N.M.

3. Hannover, Kestner-Mus. Nr. 1913/209. C. mit Weltkugel, bekleidet, 32,4 cm h. Aus Brüssel (Inschr.), E. 15. Jh. Phot. Eugen Heuer, Hannover.

4. Schleswig, Dom, Predella des Brüggemann-Altars. Nacktes C. mit Weltkugel, 53 cm h. Niederdt. A. 16. Jh. Phot. Theodor Voigt, Elmshorn.

5. Peter Breuer, „Bornkinnel“ aus der Götzenkammer der Marienkirche in Zwickau, jetzt im Museum. Mitteldt. 1. H. 16. Jh. Phot. Marburg 11 522.

6. München, B.N.M. Inv. Nr. 29/317. Sitzendes, bekleidetes C. mit segnender Rechten, die Linke fehlt. Süddt. um 1340. 50 cm h. Phot. Mus.

7. Gregor Erhart, C. aus dem Zisterzienserinnenkloster Heggbach, Württ., jetzt in Privatbesitz, 56 cm h. Oberdt. um 1500. Phot. B.N.M.

8. Petersdorf auf Fehmarn, Pfarrkirche. Nacktes, sitzendes C. mit Weltkugel, unter einem Baldachin. E. 15. Jh. Phot. Prov. Konservator, Kiel.

9. Meister E. S., Kupferstich L. 51, „C. im Herzen“. 16,3 × 11,7 cm. 1467. Nach M. Geisberg, Der Meister E. S. (= Meister der Graphik X), Leipzig o. J., Taf. 55.

10. Lukas Cranach, C. mit Kreuz als Sieger über Tod und Teufel und Johannes d. T. als Knabe, Köln, Wallr.-Rich. Mus. Nr. 391. 1534. Öl auf Holz, 55 × 33 cm. Phot. Rhein. Mus. 30 010.

11. München, B.N.M. Inv. Nr. MA 2399. Bemalte C.-Wiege, beweglich. Holz, Breite 10,5 cm, Länge 27 cm. 1. H. 14. Jh. Phot. Mus.

12. und 13. Preetz, Holstein, ehem. Benediktinerinnenkloster. Holzgeschnitzte Weihnachtskrippe mit herausnehmbarem C. im Steckkissen mit Perlstickerei. 15. Jh., Kissen jünger. Phot. Karl Schulz, Preetz.

14. München, B.N.M. Inv. Nr. 20/268, aus Landsberg a. Lech. Andachtsbildgruppe: C., von einem Engel geführt. Lindenholz, gefaßt. 70 cm h. Um 1480. Phot. Mus.

Literatur

1. E. Niffle-Anciaux, Les repos de Jésus, Namur 1890. – 2. Gg. Hager, Die Weihnachtskrippe, München 1902. – 3. Henrik Cornell, The iconography of the nativity of Christ, Uppsala 1924, S. 50ff. – 4. Carl Richstätter, Die Herz-Jesu-Verehrung des dt. MA, Paderborn 19242, Bd. 2, S. 247ff. – 5. Rud. Berliner, Denkmäler der Krippenkunst, Augsburg 1926. – 6. Walter Hentschel, Sächsische Bornkinnl-Figuren, Mitt. d. Sächs. Heimatschutzes 20, H. 9/12, Dresden 1931. S. 352ff. – 7. Romuald Bauerreiß, Pie Jesu, München 1931, S. 117ff. – 8. Marie L. Wolfskehl, Die Jesusminne in der Lyrik d. dt. Barock, Gießen 1934, S. 45ff. – 9. Frdr. Zoepfl, Das schlafende Jesuskind mit Totenkopf und Leidenswerkzeugen. Ein volkstümliches Bildmotiv und seine Herkunft. Volk u. Volkstum, Jb. f. Volkskunde, 1936/I, S. 147ff. – 10. Alois Thomas, Die Darstellung Christi in der Kelter, Düsseldorf (1935). – 11. R. Maere, L’enfant Jésus et la crèche dans l’iconographie chrétienne, Bull. de la soc. royale d’archéol. de Bruxelles 1946, S. 33ff. – 12. Rud. Berliner, The origins of the crèche, Gazette des Beaux-Arts 88 (6. Serie Bd. 30), 1946, S. 249ff. – 13. Theodor Müller, Alte Krippen und weihnachtliche Kunst, Katalog der Ausst. im Kunsthaus Zürich 1951/52.

Verweise