Cephalus und Procris

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englisch: Cephalus and Procris; französisch: Céphale et Procris; italienisch: Cefalo e Procri.


Leopold Ettlinger (1952)

RDK III, 390–394


RDK III, 391, Abb. 1. Boccaccio, Ulm 1473.
RDK III, 391, Abb. 2. Hans Leu d. J. (?), Basel.
RDK III, 391, Abb. 3. Georg Pencz, 1549.
RDK III, 393, Abb. 4. Melchior Paulus, um 1697, München.

(C. = Cephalus; P. = Procris).

Die Sage von C. und P., die von Ovid in romanhafter Weise ausgeschmückt erzählt wird (Metamorphosen VII, 661ff.), gehörte seit dem 16. Jh. zu den beliebtesten Stoffen aus der Antike. C. will die Treue seiner Gemahlin P. auf die Probe stellen. Er kommt nach langer Abwesenheit verkleidet zu ihr und wirbt um sie. Als P. sich ihm ergibt, zeigt er sich in seiner wahren Gestalt, versöhnt sich aber bald mit ihr. Aurora (Eos) hat sich in C. verliebt, und P., die ihrem Mann mißtraut, folgt ihm heimlich auf die Jagd und verbirgt sich in einem Busch. C., in der Meinung ein Tier zu finden, tötet sie versehentlich mit seinem Speer [1, 2].

Illustrationen zu dieser Sage erscheinen zuerst im Ovide moralisé und in Boccaccios „De claris mulieribus“, wo der Stoff übernommen ist. Joh. Zainer, in der in Ulm 1473 erschienenen deutschen Boccaccio-Ausgabe, hat die Versöhnung des Paares und den Tod der P. auf einem Holzschnitt dargestellt (Abb. 1). Abgesehen von diesem Holzschnitt ist das Hans Leu zugeschriebene Bild in Basel (Abb. 2) die früheste Darstellung des Stoffes nördlich der Alpen (U. Hoff, Burl. Mag. 75, 1939, S. 60f.). Hier ist der Moment gewählt, in dem C. die sich im Todeskampfe windende P. findet. Elsheimer hat den Tod der P. gleichfalls dargestellt (Weizsäcker Taf. 71–73; vgl. auch T. Borenius, Cat. of the Pictures at Corsham Court, Nr. 146). Die Elsheimersche Komposition ist durch Margarete de Passes Stich verbreitet worden (Weizsäcker Taf. 70; vgl. [3] S. 122f.; zur neuen Deutung von Elsheimers Bild durch E. Holzinger, wonach der Tod der Coronis dargestellt ist, s. Münchner Jb. III. Folge Jg. 2, 1951 [in Vorbereitung]).

Der Tod der P. ist aber nicht das einzige Stück der Geschichte, das dargestellt wurde. G. Pencz zeigt uns P. in Gebüsch verborgen und im Hintergrund C. mit Pfeil und Bogen (B. 73: Abb. 3). Ein Punzenstich des Meisters IS (Jonas Silber) stellt wohl nicht ein Zusammentreffen von C. und P. dar, sondern die Versöhnungsszene (E. W. Braun, Deutsche Renaissanceplaketten S. 23 Abb. 6). Melchior Paulus auf einer Kugelbüchse (München, B.N.M. – Abb. 4) zeigt die Hauptszenen der Oviderzählung, wobei er sich eng an die illustrierte Ausgabe von J. W. Baur (1641) anschließt. Johann Liss stellt schließlich die seltene Szene dar, in der C. die Maske abnimmt und sich P. zu erkennen gibt (K. Steinbart Taf. 31).

Illustrierte Ovidausgaben benutzen den Stoff regelmäßig [3], und in den Niederlanden stellt die Malerei die Geschichte von C. und P., besonders seit Carel van Manders Ovidabhandlung, häufig dar.

Der Stoff blieb bis ins 19. Jh. populär und erscheint schließlich in M. v. Schwinds „Philostratischen Gemälden“ 1842/3 (Karlsruhe, Deckenfresken in der Kunsthalle, Kl. d. K. 185), obgleich Philostrat ein solches Bild nicht beschreibt.

Zu den Abbildungen

1. Versöhnung; Cephalus tötet Procris. Aus Boccaccios Buch von den berühmten Frauen. Ulm, Johann Zainer (1473). Phot. Warburg Inst.

2. Hans Leu zugeschrieben, Cephalus findet Procris. Tempera auf Leinwand, 1. V. 16. Jh., Basel, Kunsthalle. Nach C. Glaser, Altdt. Malerei.

3. Georg Pencz, Cephalus tötet Procris, Kupferstich (B. 73) 1549. Phot. Warburg Inst.

4. Melchior Paulus, Kolben einer französ. Kugelbüchse, Elfenbeinrelief auf Holz, um 1697. München, B.N.M., Inv. Nr. W 2837. Phot. Mus.

Literatur

1. Pauly-Wissowa XI 217–21. – 2. Roscher II 1089–1104. – 3. M. D. Henkel, Illustrierte Ausgaben von Ovids Metamorphosen. Vorträge der Bibl. Warburg 1926–1927 (1930) S. 87ff.; 104ff.; 141ff.

Verweise