Cappa, Cappa magna

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englisch: Cappa magna; französisch: Cappa magna; italienisch: Cappa magna.


Hans Martin von Erffa (1952)

RDK III, 327–329


RDK III, 329, Phil. de Champaigne, um 1630, Louvre.

I. Cappa

Das mlat. cappa als Bezeichnung eines mantelartigen Gewandstückes wird erst im nachklassischen Latein gebräuchlich. Bei Gregor von Tours (MG.SS.rer. Mer. I 696) findet sich die Bezeichnung cappa für eine Art Kapuze. Die Herkunft des Wortes C. ist ungeklärt; die Deutungen Isidors von Sevilla (Etymol. 19 c. 31, Migne P.L. 82, 699), wonach das Wort von caput oder aus dem Namen des griech. Buchstaben Kappa stamme, letzteres wegen dessen Ähnlichkeit mit der zweizipfeligen Kapuze, sind unbefriedigend [2 S. 307ff.].

C. ist schon in karolingischer Zeit der Name für ein nicht liturgisches Kleidungsstück in Form eines offenen, kragenartigen Überwurfs (Schlosser, Schriftquellen S. 472), aber auch für einen klerikalen oder mönchischen, der pianeta verwandten Mantel, jedoch mit Kapuze und wohl vorn offen [3 S. 140]. So besaß z. B. Centula nach Angilberts Beschreibung 200 C. (MG.SS. XV, 1, 177). Aus dieser C. entwickelte sich das Pluviale, für welches jedoch zunächst der Name C. im abendländischen MA mit Ausnahme Italiens erhalten blieb. Er wurde als Bezeichnung des Pluviale auch in die Volkssprachen übernommen (dt. Chorkappe von C. choralis, holländ. kap, frz. chape, engl. cope, span. capa). Gleichzeitig aber wurde der Ausdruck C. auch für den ärmellosen, offenen Mantel überhaupt gebraucht. Hieraus hat sich im Englischen der Name Cape für einen kurzen Umhang, sowie die spanische Capa (s. Sp. 323f.) entwickelt. Zu den älteren Sonderformen der C. siehe außer [2] auch J. Braun, Liturgisches Handlexikon, Regensburg 19242, 59f.

II. Cappa magna

Die Cm. ist ein mit Schleppe (cauda) und großer Kapuze versehener Mantel, den zu tragen das Vorrecht der Kardinäle, Patriarchen, Erzbischöfe, Bischöfe und bestimmter höherer Prälaten ist. Das Recht kann ferner mit gewissen Einschränkungen auch an einzelne Kapitel verliehen werden.

Die lange Schleppe wird von einem Kleriker (caudatarius) nachgetragen. Die Kapuze, die im Sommer mit Seide, im Winter nach dem Range des Trägers mit Hermelin oder grauem Pelzwerk gefüttert ist, umhüllt den ganzen Oberkörper. Bei Kardinälen ist die Cm. rot, in der Fastenzeit und bei Trauer violett, bei allen übrigen Trägern violett; gehört der Träger jedoch einem Orden an, so hat sie die Farbe dieser Ordenskleidung.

Die Cm. entstand durch Weiterentwicklung der C. choralis (Chorkappe), eines mit Kapuze versehenen, vorn entweder geschlossenen, halboffenen oder mit Schlitzen für die Hände versehenen Mantels aus schwarzer Wolle, der im Winter als Obergewand zum Chorgottesdienst getragen wurde. Während die C. choralis als Chorgewand außer Gebrauch kam, wird die Cm. als Privileg noch heute getragen. Ihre älteste Erwähnung findet sie bei Petrus Amelii (gest. 1389. – Ordo romanus 15, n. 145, Migne P.L. 78, 1353), ihre Entstehung wird ins 14. Jh. gesetzt.

Zur Abbildung

Philippe de Champaigne, Bildnis des Kardinals Richelieu, um 1630. Paris, Louvre. Phot. Braun & Cie.

Literatur

1. G. Moroni, Dizionario di erudizione storico-ecclesiastica, Venedig 1840–79, Bd. 8 S. 85ff. – 2. J. Braun, Lit. Gewandung S. 307ff., 352ff. – 3. J. Braun, Handbuch der Paramentik, Freiburg 1912, S. 203. – 4. Herbert Norris, Church Vestments, London (1949) S. 162.