Busant

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englisch: Romance of the busant (= buzzard); französisch: Busard (Roman du Buson); italienisch: Poiana, bozzago, buzzag(r)o.

RDK III, 237–240

RDK III, 237, Elsäss. Bildteppich 4. V. 15. Jh., Köln.

B. ist der Titel einer mhd. Versnovelle des 14. Jh. von einem elsässischen Dichter. Stofflich gehört sie in den Kreis der Magelone-Dichtungen: die Liebenden werden durch einen bûsant (afrz. buson = Bussard), der der Dame einen Ring raubt, getrennt und nach mancherlei Abenteuern wiedervereinigt. Vorlage war eine frz. Erzählung, die der deutsche Dichter gewandt und geschmackvoll kürzend bearbeitete ([1]; Druck bei Friedr. Heinr. v. d. Hagen, Gesamtabenteuer, Berlin 19372).

Nach dieser deutschen Erzählung schuf ein ebenfalls elsässischer Meister im letzten V. 15. Jh. einen Karton, von dem uns wenigstens zwei Teppiche erhalten sind. a) Vier Bruchstücke des ersten Teppichs befinden sich (nach der Szenenfolge geordnet) im South-Kensington-Mus. in London (mit sechs Szenen: 1. Heimkehr des Königssohnes nach England. 2. Der Königssohn mit seinen drei Vögten im Hause; er bestellt drei Rosse und eine Geige. 3. Der Königssohn erhält die Geige und die Rosse. 4. Er kommt in Frankreich mit der Geige an und wird vom König von Frankreich und dem Prinzen von Marokko als vermeintlicher Spielmann empfangen. 5. Empfang des Prinzen von Marokko, welcher der Schwiegersohn des Königs werden soll. 6. Flucht der Liebenden); im Kunstgewerbe-Mus. zu Köln (zwei Szenen: 1. Rast der Liebenden im Wald. 2. Der Königssohn eilt dem räuberischen Vogel nach, Abb.); in der ehem. Slg. Figdor in Wien (zwei Szenen: 1. Der Königssohn kriecht als wilder Mann auf dem Boden und sucht den gestohlenen Ring. 2. Die Königstochter bittet einen Müller um Herberge) und im G.N.M. zu Nürnberg (fünf Szenen: 1. Der Herzog sendet Boten aus, um die Eltern des Paares von der Wiederauffindung zu unterrichten. 2. Die Ehe der Königskinder wird durch einen Priester gesegnet. 3. Hochzeitsmahl. 4. Turnier. 5. Rückkehr in die Heimat. [2; 3,1; 3, 2, Taf. 142–149]). Nur geringe Zwischenstücke fehlen zwischen den einzelnen Fragmenten (zwischen den Szenen in Wien und Nürnberg). Die in elsässischer Mundart gehaltenen Spruchbänder geben selbständige Verse wieder, keine der dichterischen Vorlage. Diese Abhebung des Bildkunstwerkes findet sich auch sonst (vgl. z. B. die Parzival- und Tristan-Teppiche). b) Das Bruchstück eines zweiten Teppichs befindet sich im Louvre zu Paris [3,2, Taf. 150]. Es enthält – mit nur kleinen Veränderungen – wie das Nürnberger Fragment die beiden letzten Szenen, geht aber zweifellos auf den gleichen Karton zurück.

Zur Abbildung

Köln, Kunstgew.-Mus., Bildteppich, elsässisch 4. V. 15. Jh. Phot. Bildarchiv d. Rhein. Mus. Köln.

Literatur

1. Hans Friedr. Rosenfeld bei W. Stammler, Verfasserlexikon des deutschen MA, Bd. 1, 1933, Sp. 338f. (dort weitere Lit.). – 2. Betty Kurth, Mhd. Dichtungen auf Wirkteppichen des 15. Jh., Jb.

Kaiserhaus 32, 1915, S. 234ff. – 3. Kurth, Bildteppiche I, 131ff. und 239ff.

Wolfgang Stammler. (1951)