Burgkapelle

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englisch: Chapel (palace chapel), palace chapel; französisch: Chapelle palatine; italienisch: Cappella palatina.


Karl Heinz Clasen (1951)

RDK III, 221–225


RDK III, 221, Abb. 1. Burg Trifels i. d. Pfalz, A. 13. Jh.
RDK III, 221, Abb. 2. Burg Donaustauf b. Regensburg, um 1050.
RDK III, 223, Abb. 3. Gelnhausen, Kaiserpfalz, um 1200.
RDK III, 225, Abb. 4. und 5. Altenburg b. Kobern a. d. Mosel, Matthiaskapelle, 2. V. 13. Jh.

B. = Burg. B.K. = Burgkapelle.

Die religiöse Bedingtheit des gesamten m.a. Lebens verlangte für den abgeschlossenen Wohnbezirk der B. einen Raum für gottesdienstliche Zwecke. Die Gedrängtheit mancher B.-Anlagen ließ ihm oft nur geringen Umfang. Bei der Burg Eltz im Moselgebiet und der Neidenburg in Ostpreußen z. B. nahm ein kleiner verschließbarer Erker, der aus einem Wohnraum herausragte, den Altar auf. Oder die B.K. lag im Zuge anderer Wohnräume in einem Stockwerk, wie bei der Wartburg oder in besonders großartiger Ausprägung bei den Deutschordensburgen in Preußen. Die Notwendigkeit wehrhafter Ballung und wohl auch die enge Verbundenheit des profanen Lebens mit dem religiösen veranlaßten häufig die Unterbringung des Kapellenraumes im Wehrturm. So enthalten die romanischen Wohntürme von Nideggen in der Eifel und Trifels in der Pfalz (Abb. 1) kleine, sorgsam ausgestaltete und gewölbte Kapellen. Die Markuskapelle der Marksburg am Rhein, 1437 angelegt, birgt sich im sogenannten Kaiser Heinrich-Turm der Außenbefestigung. Auch der Bergfried konnte eine Kapelle aufnehmen. In Rieneck (Unterfranken) wird sie quadratisch, mit drei runden Ausbuchtungen, durch Aussparung in der Mauerdicke gebildet. In der mittleren Verdickung der Schildmauer war die Kapelle der Burg Reichenberg im Taunus über unregelmäßigem Grundriß eingerichtet.

Mit Vorliebe brachte man auch Kapellen in Tortürmen und Torhäusern unter. In dem um 1050 errichteten Torturm der Burg Donaustauf bei Regensburg (Abb. 2) lag eine solche Kapelle mit rechteckigem Grundriß, rund herum ausbuchtenden Nischen und drei gewölbten Jochen über dem Eingang. Aus der klassischen Zeit des B.-Baues um 1200 haben sich besonders häufig schöne Beispiele von Torkapellen erhalten. Die von Gelnhausen (Abb. 3), ebenfalls rechteckig, zeigt reich profilierte Flachnischen, schönen Kapitellschmuck und ausdrucksvolle Außenarchitektur. Bei der Wildenburg (Inv. Bayern III, 18 S. 330ff.) besitzt sie quadratischen Grundriß und tritt nach außen durch einen halbrunden Altarerker in Erscheinung. Über dem Torweg liegt auch die rechteckige, schon gotische Kapelle von Münzenberg.

Andererseits gab es, namentlich bei größeren B.-Plätzen, freistehende B.K., die sich in ihrer baulichen Gestaltung an die kleinerer Dorf- und Stadtkirchen anschlossen. Besonders in der Spätzeit des deutschen B.-Baues treten diese Anlehnungen an die allgemeine kirchliche Architektur auf. Für die Frühzeit herrschen Zentralbauten vor, so die runde, eingeschossige Kapelle der Feste Marienberg bei Würzburg (RDK II, 271, Abb. 1), die wohl noch auf einen Bau vom A. 8. Jh. zurückgeht. Zentrale Anlage zeigt auch die ebenfalls eingeschossige Matthiaskapelle der Altenburg bei Kobern an der Mosel (Abb. 4 und 5). An das Sechseck des Hauptraumes schließt sich ein runder Altarraum an. Prickelndes Formenspiel überzieht namentlich das Innere. Sechs gebündelte Pfeiler begrenzen den Mittelraum und tragen die nach außen tief herabgreifenden Gewölbe des Umganges. Eine kleine rechteckige und eingeschossige Kapelle romanischen Stils steht in Rieneck neben dem Palas. Eine schon gotische, schlicht rechteckige Kapelle weist die Burg Kinzheim im Elsaß auf. Ähnliche, meist einfache und bescheidene Gotteshäuser kommen bei zahlreichen anderen B. vor (Schönburg am Rhein, Hornberg am Neckar, Leuchtenberg in der Oberpfalz). Während des 14. Jh. tritt in einer Art Übergangszeit die Kapellenarchitektur der deutschen B. merklich zurück. Im 15. hat sich dann die Wandlung völlig vollzogen. Der gewachsene Wohnzweck verlangt auch größere Kirchenbauten. Der Typus der Schloßkirche entsteht und wird im 15. und 16. Jh. in umfangreichen und anspruchsvollen Bauten gestaltet (Moritzburg in Halle, Albrechtsburg in Meißen, Schloß Querfurt).

Wichtiger jedoch als die erwähnten Anlagen ist typologisch eine Sonderform der deutschen B.K., die Doppelkapelle. Sie kommt in ihrer zweigeschossigen Anordnung dem Wunsche nach Ausnutzung des engen, gedrängten B.-Platzes entgegen und hat im frühen MA eine reiche Entwicklung und weite Verbreitung gefunden.

Zu den Abbildungen

1. Burg Trifels i. d. Pfalz, A. 13. Jh., Kapellenerker. Phot. Verf.

2. Burg Donaustauf b. Regensburg, Kapelle im Torturm, um 1050. Phot. Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege, München.

3. Gelnhausen, Kaiserpfalz, Kapelle im Torgebäude, um 1200. Phot. Justus Böttcher, Kassel / DKV.

4. u. 5. Altenburg b. Kobern a. d. Mosel, Matthiaskapelle, 2. V. 13. Jh. Außen- und Innenansicht. Phot. Staatl. Bildstelle.

Literatur s. Burg (Sp. 173ff.) und Doppelkapelle.

Verweise