Bureau

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englisch: Bureau, secretaire, writing-desk; französisch: Bureau; italienisch: Scrivania.


Philipp Olles (1950)

RDK III, 118–126


RDK III, 121, Abb. 1. München, um 1670.
RDK III, 121, Abb. 2. Koblenz, um 1730. Berlin.
RDK III, 123, Abb. 3. G. Fiedler, 1775. Hamburg.
RDK III, 123, Abb. 4. David Roentgen, 1779. Berlin.

Unter B. verstand man seit dem späten MA einen zum Schreiben dienenden, mit Stoff dieses Namens überzogenen Tisch, der sich im 17. Jh. in Frankreich zum Schreibtisch besonderer Art entwickelt.

Das B. des 17. Jh. ruht auf vier bis acht Stützen in Säulen- oder Balusterform, die durch Stege verbunden sein können. Unter der Tischplatte sind Schubladen angebracht, wobei, wenn nötig, Raum für die Knie freigelassen wird. Auf dem Tisch erhebt sich, meist in der halben Tiefe, aber ganzen Breite, ein zurücktretender, mit Schubfächern ausgestatteter Oberbau, der von dem viereckigen kastenförmigen Kabinett der Renaissance unter Verzicht auf die dort meist übliche, zum Schreiben dienende, herabfallende Vorderklappe hergeleitet ist. Zu den frühesten Beispielen gehören die mit Metall und Schildpatt eingelegten B. des Marschalls von Créqui (1. H. 17. Jh., Paris, Cluny-Mus.) und der Maria von Medici (um 1680, Paris, Cluny-Mus.; [10, S. 343]). A. 18. Jh. angefertigt ist Ch. A. Boulles B. für Max Emanuel von Bayern (London, Duke of Buccleuch; [10, Taf. 12]), dessen Aufbau als Merkmal einer Weiterentwicklung eine akzentuierte Gliederung durch Hermen zeigt.

Die deutschen Kunstschreiner des 18. Jh. haben das französische B. dem deutschen Geschmack entsprechend umgestaltet. Dabei wurde im Laufe der Entwicklung der Oberbau erhöht, meist einer Dreiteilung unterzogen und mit Mitteltür und seitlichen, untereinander angeordneten Schubfächern versehen. So bildete sich der Typ des Schreibkabinette s, wobei in der Regel ein pultartiges Zwischenstück mit Fächern und schräger Klappe eingeschoben wurde. Etwa seit den 40er Jahren ersetzte man den tischförmigen Unterbau durch eine Kommode mit Zügen, mitunter auf gestelzten Beinen, versah den Oberteil mit geschweiftem Giebel, schloß ihn durch zwei Türen oder ließ seltener das dreiteilige Kabinett, und es entstand aus der Vereinigung von Kommode, Schreibpult und Aufsatz der deutsche Schreibkommodenschrank. Das 18. Jh. hat auch auf diese Möbel die Bezeichnung „Bureau“ angewandt. Eine Anzahl von spätbarocken Prunkschreibtischen deutscher Provenienz verkörpert den alten, in Frankreich aufgestellten Typ des B. mit niedrigem, kastenförmigem Aufsatz. So zwei Arbeiten in Boulletechnik (vgl. RDK II, Sp. 1075ff.), deren Aufbauten durch seitliche Risaliten gegliedert sind, das von Hermen getragene B. des Kurfürsten Max Emanuel (um 1670, München, Residenz, Abb. 1) und das „Kantor“ des für den Bamberger Bischof tätigen Ferd. Plitzner (nach 1724, Pommersfelden; [4, S. 163]) mit Schrägpult und geschlossenem, vorn in der Mitte eingetieftem Unterbau. Ferner ein sechsbeiniger Schreibtisch mit Metalleinlagen aus dem Besitz des Grafen Schönborn (um 1720; [4, S. 160]) und ein anderer aus Pommersfelden; im Braunschweiger Mus. das mit Zinneinlagen versehene B. des Herzogs Ludwig Rudolf (gest. 1735), dessen Tischgestell acht kurze Stützen mit kastenförmigen Fächern darüber aufweist und an den Schreibtisch Friedrichs III. (um 1690; [4, S. 83]) im Berliner Schloß oder einen anderen im Schloß Charlottenburg (um 1700; [4, S. 84]) erinnert. B. sind auch in einfacher Ausführung angefertigt worden; hier sei nur auf das Beispiel eines holländischen B. (um 1700, ehem. Slg. Bernheimer, München) hingewiesen. Das deutsche Schreibkabinett des 18. Jh., dessen Form sich ein süddeutsches Boullemöbel (um 1720, G.N.M. Nürnberg; [4, S. 154; 9, S. 371]) mit vier Volutenbeinen, kastenförmigem Unterbau, ausladendem Schrägpult und Tabernakelaufsatz sowie ein ähnliches Kabinett aus Pommersfelden (um 1750; [4, S. 230]) nähern, kann seine Abkunft vom Typ des alten B., seines Vorläufers, nicht verleugnen und ist am schönsten im Régencestil ausgebildet. Als Beispiele seien nur genannt: ein rheinisches Schreibkabinett aus Koblenz (um 1730, Berlin, Schloß; Abb. 2), ein Prunkkabinett des Bamberger Schreiners S. Brickhardt (um 1730, Pommersfelden; [4, S. 165]) sowie zwei spätere Kabinette von Karl Maxim. Mattern aus Würzburg (Schloß Seehof, 1742, und Luitpold-Mus. Würzburg, 1745; [10, S. 500ff.]). Die Meisterzeichnungen der Mainzer Tischler zeigen seit Beginn der 20er Jahre das Schreibkabinett, von ca. 1740 an den im Oberteil zweitürigen Schreibkommodenschrank, der in Berlin 1768–90 obligates Tischlermeisterstück war [12]. Die besten Schreibkommodenschränke sind 1740–70 in den gebauchten und geschweiften Formen des Rokoko angefertigt worden, norddeutsche, Braunschweiger und mitteldeutsche, Dresdner, Berliner, in Form und Aufbau holländischen ähnlich (Carla Hermine de Jonge und Willem Vogelsang, Holländische Möbel und Raumkunst von 1650–1780, Stuttgart 1922), süddeutsche, mainfränkische (Karl Maxim. Mattern und Joh. Georg Nestfell), mittelrheinische, Mannheimer, die Schreibschränke von Abraham und David Roentgen in Neuwied und endlich Aachen-Lütticher im Rokoko- und Zopfstil, oft als Eckschränke oder im Oberbau als Porzellan- oder Uhrenschrank ausgebildet (Mus. Braunschweig, Berlin, Köln, Oldenburg, Stuttgart, Nürnberg; Schlösser Potsdam, Würzburg, Bamberg, Bruchsal, Wilhelmstal, Eltville; Slg. Baron Vietinghoff usw.). Schon mit den Formmerkmalen des Klassizismus ein Mecklenburger Schrank (um 1770, G.N.M.; [4, S. 216]) und ein Berliner von Fiedler (1775, Hamburg, Kunstgewerbemus., Abb. 3); architektonisch-antikisierend David Roentgens „mechanisches Bureau“ für Friedrich Wilhelm II. (1779, Monbijou; [11, Taf. 20]) und sein ähnliches „bureau à pupitre“ im Österr. Mus. f. Kunst u. Industrie. Wiener Schreibschränke sind im Gegensatz zu den höfischen B. Prunkmöbel bürgerlicher Gesinnung, gemäß Entstehungszeit und -ort verschieden in Form und Ausstattung, Meisterwerke edler Furnierkunst (Berlin) oder abstrakt-geometrischer, vegetabiler und figürlicher Marketerie (Mittelrhein, Fiedler, Roentgen), auch mit Einlagen aus Zinn (Braunschweig), Elfenbein, Perlmutter und Schildpatt (Mainfranken), oder mit Lackmalerei (Schloß Dresden) versehen; die Aachener Schränke aus geschnitztem Eichenholz. Einfache Typen in Schwaigern, Oranienbaum und P. B. Schreibschränke sind auch in Venedig, Dänemark und Antwerpen (Kabinette im Schloß Stolzenfels, um 1700, und ehem. in Wiener P. B., Sekretär im Schloßmus. Berlin. Vgl. Hans Huth, Zwei Möbelwerkstätten des 17. Jh., Pantheon 5, 1930, S. 23) hergestellt worden. Über englische Schreibschränke und ihre Kombinationen (B. and book case, B. and china cup board) vgl. Percy Macquoid, A history of English furniture, 4 Bde., London-New York 1904–08, und Oliver Brachen, Englische Möbel, Berlin 1927.

Im französischen Mobiliar des 18. Jh. lebt zwar das B. mit Aufsatz weiter (B. in P. B. Berlin, M. 18. Jh.; B. von Etienne Levasseur im Louis XVI-Stil [10, S. 655], Vorbild für den um 1900 beliebten Schreibtisch mit Kastenunterbau und Knienische), doch weist schon Boulles B. für Max Emanuel in der Tischform auf einen neuen Weg hin, auf das Bureau plat, den aufsatzlosen Schreibtisch mit vier Beinen und Schubladen in der schmalen Zarge, dessen Platte in der Regel mit Stoff oder Leder überzogen ist. Er verdrängt seit dem frühen 18. Jh. das alte französische B. und ist von Boulle, Cressent, Migeon, Oeben, Riesener, Beneman u. a. in den Stilformen der Régence, des Rokoko und Klassizismus hergestellt worden. Andere aufsatzlose B. sind jene Boullekommoden des frühen 18. Jh. auf acht durch Stege verbundenen Stützen oder die B. ministres, Schreibmöbel des Rokoko mit kommodenartigem Körper auf niedrigen Beinen und mit Schubfächern und Knienische, ein Typ, den in England besonders Chippendale abgewandelt hat. Deutschland hat von Frankreich das aufsatzlose B. übernommen. Die Form des B. plat im Rokokostil vertreten vor allem die in kostbarem Material, z. B. Zedernholz oder Schildpatt mit Edelmetallappliken, von Spindler, Kambly u. a. ausgeführten Schreibtische Friedrichs d. Gr., meist pultförmig mit schräger Platte (Potsdam, Stadtschloß und Neues Palais; [10, S. 535]), aber auch rechteckig mit ebener Schreibfläche (Stadtschloß Potsdam und Breslau). Klassizistische B. plats vom E. 18. Jh. im Marmorpalais Potsdam und im Mus. Magdeburg; ein achtbeiniges von Roentgen, um 1785, im Schloß Pawlowsk [11, Taf. 25]. Schreibtische in der Art des B. ministre in Schloß Laupheim und ehem. bei der Altkunst-Ges. Berlin, M. 18. Jh. [4, S. 240]; in Schloß Wilhelmstal, von Roentgen, 1760–70 [11, Taf. 25], im Stadtschloß Potsdam und im Hofmobiliendepot Wien, um 1800. Eine Sonderform ist das B. Metternich [10, S. 423] mit seitlich aufstellbarem Cartonnier, eine Anordnung, die sich u. a. bei einem B. von David Roentgen (1794, Berlin, Schloß Monbijou; [11, Taf. 27]) wiederfindet. Der im eigentlichen Sinne als B. anzusprechende untere Teil der Schreibschränke erscheint auch als selbständiges Möbel, wobei die Kommode und der rückwärtige, in Fächer eingeteilte, durch die Schrägplatte zu schließende Aufsatz einen einheitlichen Gesamtkörper bilden. Dieser Typ hat sich im Anschluß an das Aufkommen der Kommode in der 2. H. 17. Jh. ausgebildet, ist beispielsweise in England schon im frühen 18. Jh. sehr verbreitet und in ähnlicher Form auch in Holland anzutreffen.

Deutschland folgt später und verwendet die Pultkommode gern als bürgerliches B. (Goethehaus, Frankfurt; Thaulowmus. Kiel; ehem. Slg. Bernheimer, München, M. und 2. H. 18. Jh.). Vornehmer sind Pultkommoden in Schloß Karlsruhe oder diejenigen Roentgens in Mannheim, Baden-Baden und im Mus. Darmstadt (1760–70; [11, Taf. 3 u. 4]). Die Kommode kann durch einen vierbeinigen Tisch mit breiter, in Fächer eingeteilter und im Mittelteil schmälerer und hochgezogener Zarge ersetzt werden. Die kostbarsten deutschen Pultschreibtische des späten Rokoko stammen von Abraham (1711–1793) und David (1743 bis 1807) Roentgen, so ein Tisch mit Blumenmarketerie, ehem. bei Hodgkins, Paris [11, Taf. 9], und der Schreibtisch des Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff [10, S. 545] mit figürlicher Intarsia und Einlagen aus Elfenbein und Perlmutter (1765–70). Ein Roentgenpult mit Aufsatz in Kopenhagen (1765–70 [10, S. 542; 11, Taf. 8]) und ein weiteres, antikisierend-architektonischer Form in Petersburg [10, S. 723; 11, Taf. 21] nähern sich bereits dem Schreibschrank. Auf französische und venezianische Pultschreibtische besonderer Prägung sei hingewiesen.

In der äußeren Erscheinung ähnlich ist das Zylinder-B. (Abb. 4); den in Fächer eingeteilten Aufsatz schließt hier ein über die Schreibplatte herabziehbarer, runder Rollverschluß; hinzu kommt ein flacher oberer Abschluß mit Schubladen. Der Unterbau ist meist tischartig in der oben beschriebenen, dem Pultschreibtisch eigentümlichen Form, kann aber auch aus einer Kommode mit mehr oder minder hohen Beinen bestehen. Den ersteren Typ repräsentieren am vollkommensten die B. von David Roentgen, die früheren im Stil des Rokoko (Berlin, Schloß; München, Residenz [10, S. 711; 11, Taf. 11]; Paris, Abdy und Hodgkins [11, Taf. 13ff.], 1770–75), andere schon mit klassizistischen Formelementen und kastenförmigem Aufbau (Paris, Wildenstein [11, Taf. 18]; Berlin, Schloß, 1779, Abb. 4), die späten antikisierend (Louvre [10, S. 717; 11, Taf. 22]; Potsdam, Marmorpalais [5, S. 40]; Petersburg, Eremitage [11, Taf. 23], 1785–90; die beiden letzteren mit acht Stützen). Roentgen-B. mit geschlossenem Unterbau in den Schlössern Baden-Baden, um 1775 [5, S. 17; 11, Taf. 24], und Berlin, um 1790. Andere deutsche Zylinder-B. des Rokoko und Klassizismus, kommoden-, tischförmig oder mit Knienische in den Schlössern Ludwigsburg, Potsdam, Freienwalde, Wörlitz und im Hofmobiliendepot Wien [5, S. 14ff.]. Zu A. 19. Jh. sind die Roll-B. mit Lackmalerei von Stobwasser, Berlin [9], angefertigt worden. Das Zylinder-B. ist eine deutsche Erfindung. Die Inkunabeln des Typs stammen aus den 50er Jahren des 18. Jh. (Deutsches Mus.; Budapest; Schönbrunn; Regierung Landshut; P. B. Stuttgart und – mit Halbzylinder über der ganzen Tischfläche – Schloß Bamberg). Im letzten V. 18. Jh. verdrängt das Zylinder-B. den Schreibschrank, um seinerseits in der Biedermeierzeit dem Sekretär, dem Schrank mit Klappe, Platz zu machen. In den 80er Jahren bringen die Mainzer Meisterzeichnungen das „B. à cylindre“ mit Kommodenunterteil und einem Aufbau in Gestalt eines Mittelschränkchens mit Tür und zwei niedrigerer, mit Schubfächern versehener Seitenteile, eine Art, die sich bis gegen 1814 hält. In Frankreich wurde das Zylinder-B. durch den Grafen Kaunitz, Pariser Botschafter Maria Theresias, bekannt (B. à la Kaunitz!) und trat nach M. 18. Jh. an die Stelle des B. plat. Die bedeutendsten französischen Roll-B. stammen von Oeben und Riesener (B. du Roi, 1760–69; [10, S. 453], u. a.). In England treten Adam und Sheraton hervor. Roll-B. sind größtenteils Luxusmöbel, wie die mit Blumen- und Figurenmarketerie in edlen Hölzern ausgestatteten, seit dem Klassizismus in Mahagoni mit Bronzebeschlägen ausgeführten B. der Roentgen, die berühmt waren wegen ihrer eingebauten Geheimfächer, Mechanismen und Uhren. Von bürgerlichen Gebrauchsmöbeln seien nur Zylinder-B. im Mus. Schleswig und in Schloß Wörlitz (1780–90) genannt.

Neben dem Zylinder-B. erscheinen im deutschen Mobiliar des späten 18. Jh. wieder häufiger B. des ursprünglichen Typs mit den Merkmalen des Klassizismus, vierbeinige Tische mit Schubladen und Aufsatz, der aus Mittelfach mit Tür und niedrigeren Seitenteilen mit Schubfächern besteht. Beispiele aus Norddeutschland, Berlin und der Roentgenschule in Schloß Wörlitz und im Marmorpalais [5, S. 18ff., 90ff.]; in Schloß Pfaueninsel der Schreibtisch Friedrich Wilhelms II. mit seitlichen Risaliten des Aufsatzes (Berlin, um 1790; [5, S. 104]); in Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel ein Mahagoni-B. mit Bronzebeschlägen und Marmorschmuck von Wichmann, 1812, dessen Unterbau aus seitlichen Löwenstützen vor einer Rückwand besteht; der rechteckige Aufsatz ist wieder dreiteilig gegliedert und in der Mitte mit einem bekrönenden Aufbau versehen. Die verschiedenen Arten des B. werden abgewandelt bei den B. de Dame, nur zierlicher und oft mit besonderen Zutaten wie Körbchen und Stellbrettern (bonheur du jour) ausgestattet. Schöne Damenschreibtische mit Aufsatz oder in der Form des B. plat, kommoden- oder pultförmig (B. à pente) mit Rollverschluß, triumphbogenartig wie das B. der Kaiserin Josefine (Petit Trianon) haben vor allem deutsche Ebenisten in Frankreich, die Latz, Oeben, Riesener, Carlin, Schwerdtfeger, Weisweiler, angefertigt. Im Hohenzollernmus. Berlin befinden sich ein paar feine deutsche Damenschreibtische der Zeit um 1800 (Schreibtisch der Königin Luise; [5, S. 105]); im Österr. Mus. f. Kunst u. Industrie, Wien, ein zierliches Damen-B. von Holl, um 1815.

Das B., soweit es für die Entwicklungsgeschichte in Frage kommt, ist in seinen verschiedenen Formen und Abarten überwiegend ein Möbel von höfischem oder bürgerlich-repräsentativem Charakter, dementsprechend in erlesenen Hölzern mit Bronzeappliken oder Edelmetallbeschlägen, in feiner Lackarbeit oder Boulletechnik (RDK II, Sp. 1075ff.) ausgeführt, fast durchweg und zwar in vollendeter Weise furniert, meisterhaft in der Arbeit der Holzmarketerie, auch mit Einlagen, bzw. Furnieren aus Metall, Elfenbein, Perlmutter und Schildpatt ausgestattet, seltener mit Schnitzerei verziert, und endlich in Deutschland seit dem letzten V. 18. Jh., in anderen Ländern schon früher, häufig in kostbarem Mahagoni hergestellt. Die Zeit seiner größten Beliebtheit und Verbreitung reicht vom Spätbarock bis zum A. 19. Jh.

Zu den Abbildungen

1. München, Residenz-Mus., Schreibtisch des Kurfürsten Max Emanuel. Boulletechnik, um 1670. Phot. Verwaltung der Staatl. Schlösser, Gärten und Seen, München.

2. Berlin, Schloßmus., Inv. Nr. 1917/15. Schreibkabinett mit Nußholz furniert u. hellen Hölzern eingelegt. Koblenz um 1730. H. 2,35 m, Br. 1,40 m, Tiefe 0,76 m. Phot. Mus.

3. Hamburg, Mus. f. K. u. Gew., Inv. Nr. 1879/71. Schreibschrank von G. Fiedler, 1775. Phot. Mus.

4. Berlin, Schloßmus., Zylinder-Bureau mit Intarsia von David Roentgen (1743–1807), 1779. Phot. Mus.

Literatur

1. Rob. Dohme, Möbel aus den kgl. Schlössern Berlin und Potsdam, Berlin 1889. 2. Rob. Schmidt, Möbel, Berlin 1913. 3. Otto von Falke, Barockmöbel, Amtl. Berichte aus den Preuß. Staatsslgen 40, 1919, S. 69ff. 4. Herm. Schmitz, Deutsche Möbel des Barock und Rokoko, Stuttgart 1923. 5. Ders., Deutsche Möbel des Klassizismus, Stuttgart 1923. 6. Heinr. Kreisel, Carl Maximilian Mattern, ein Würzburger Kunstschreiner des 18. Jh., Cicerone 15, 1923, S. 413ff. 7. Ferd. Luthmer u. Rob. Schmidt, Deutsche Möbel der Vergangenheit, Leipzig 19243. 8. Walter Boll, Bamberger Kunstschreiner der Regencezeit, Cicerone 16, 1924, S. 72ff. 9. Franz Fuhse, Vom Braunschweiger Tischlerhandwerk. Stobwaisserarbeiten; Werkstücke aus Mus., Arch. und Bibl. der Stadt Braunschweig 1, Braunschweig 1925. 10. Ad. Feulner, Kunstgeschichte des Möbels, Berlin 19303. 11. Hans Huth, Abraham und David Roentgen und ihre Neuwieder Möbelwerkstatt, Berlin 1928. 12. Ders., Das Berliner Tischlermeisterstück, Pantheon 2, 1928, S. 540ff. 13. Rud. Verres, Ein Berliner Schreibschrank, Pantheon 24, 1939, S. 265ff.

Verweise