Bundeslade

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englisch: Ark of the Convenant; französisch: Arche d'Alliance; italienisch: Arca del Testamento, arca santa, arca dell'Alleanza.


Wilhelm Neuß (1950)

RDK III, 112–118


RDK III, 113, Abb. 1. Nikolaus von Verdun, 1181. Klosterneuburg.
RDK III, 113, Abb. 2. Maulbronn, 3. V. 15. Jh.
RDK III, 117, Abb. 3. Dresden, (Hans Walther?), 2. H. 16. Jh.

Die B., in der Vulgata arca foederis oder arca testamenti genannt, eine Exod. 25, 10ff. geschilderte Truhe aus goldüberzogenem Akazienholz mit goldenem Deckel, auf dem zwei goldene Cherubim mit ausgebreiteten Flügeln einander gegenüberstanden, getragen an Stangen aus goldüberzogenem Akazienholz, die beiderseits durch Ringe gingen, barg die Tafeln des Gesetzes und – nach einer späteren wohl kaum richtigen, aber Hebr. 9, 4 aufgenommenen Tradition – ein goldenes Gefäß mit Manna und den Stab Aarons, der nach Num. 17, 8–10 u. 23 geblüht hatte und im hl. Zelte aufbewahrt wurde (s. Klosterneuburger Altar, Abb. 1). Über der B., die im Allerheiligsten der Stiftshütte stand, war die Stätte, wo Jahves Herrlichkeit thronte (Exod. 25, 22; 29, 45; 40, 32; u. a. m.) und Jahves Weisungen entgegengenommen wurden. Ein Vorhang schloß das Allerheiligste von dem übrigen Raume ab. Die B. wurde auf dem Zuge durch die Wüste dem Volke vorangetragen. Das Buch Josue schildert, wie sie über den Jordan (Jos. 3, 3ff.; Abb. 3) und um die Mauern von Jericho getragen wird (Jos. 6, 8ff.), das erste Buch der Könige, wie sie gegen die Philister im Kampfe mitgenommen wird und verlorengeht (1. Reg. 4, 3ff.), von den Philistern nach Azot in den Tempel des Dagin gebracht wird, dessen Bild vor ihr zerbricht (1. Reg. 5, 1ff.), dann, von den Philistern zurückgebracht, in dem Hause des Abinadab eine Unterkunft findet (1. Reg. 6 u. 7). Das zweite Buch der Könige schildert, wie David sie auf einem Wagen aus dem Hause des Abinadab abholt und Ozia, da er allzu wenig ehrfürchtig nach ihr greift, gestraft wird (2. Reg. 6), wie David sie dann nach Jerusalem bringt, dabei vor ihr in liturgischer Kleidung, mit dem leinenen Ephod umhüllt, tanzt (Abb. 2), worüber Michol lacht (6, 12ff.). Das 3. Buch der Könige erzählt ihre Aufstellung im Tempel Salomons (3. Reg. 6, 19ff.). Die beiden Bücher Paralipomena wiederholen diese Dinge teilweise. Ps. 131, 8 preist Gottes Wohnen im Hl. Zelte: Surge, Domine, in requiem tuam, tu et arca sanctificationis tuae. Nach 2. Mac. 2, 5 verbirgt Jeremias die B. in einer Höhle am Berge Nebo. Hebr. 9, 3f. erwähnt im Gegensatz zu dem geistigen Heiligtum des Neuen Bundes das Allerheiligste des Alten Bundes, in dem die „ringsum vergoldete B. ist, die das goldene Gefäß mit Manna, den Stab Aarons, der geblüht hatte, und die Gesetzestafeln birgt“. Die Apokalypse (11, 19) endlich sieht im Himmel den neuen Tempel Gottes und die B. in ihm.

Es überrascht auf den ersten Blick, daß die m.a. Kunst von dieser vielfachen Erwähnung und farbenreichen Darstellung nicht stärker angeregt worden ist. Der Grund liegt darin, daß die altchristl. Kunst noch keine Symbolik der B. geschaffen hat. Es blieb bei der Illustration zu dem Jos. 3, 3ff. und 6, 8ff. erzählten Zuge mit der B., wie sie in den Mosaiken von Sta. Maria Maggiore in Rom und in der Josuah-Rolle (hrsg. von A. Muñoz, Mailand 1905) gegeben wird, nämlich den drei Szenen: Priester mit der B. bei des Moses Tod, die B. über den Jordan getragen, die B. um Jericho getragen (Wilpert, Mos. u. Mal. III, Taf. 22–25). Dementsprechend kennt die karol. Kunst zunächst auch nur die entsprechenden Illustrationen. In der Bibel von St. Paul (Bibelillustration, RDK II, Sp. 485) wird der Durchzug durch den Jordan mit der B. und die Stiftshütte mit der B. abgebildet (A. Boinet, La miniature carolingienne, Paris 1913, pl. 124 u. 122; F. F. Leitschuh, Geschichte der karol. Malerei, Berlin 1894, S. 121 u. 113 u. Abb. S. 118). Die Rückführung der B. zeigt der Folchard-Psalter (Ad. Goldschmidt, Buchmalerei I, Taf. 71), die Aufstellung der B. im hl. Zelt das Psalterium aureum von St. Gallen (Boinet, a. a. O. pl. 146 a, und Leitschuh, a. a. O. S. 126). Hrabanus Maurus ließ in Fulda einen Reliquienschrein aus goldüberzogenem Holz mit den vergoldeten Tragstangen und den Cherubim ‚ad instar arcae foederis‘ herstellen, der am Palmsonntag in der Prozession mitgeführt wurde (Schlosser, Schriftquellen Nr. 378 u. 390). Als historische Illustration begegnet uns diese Szene noch im 12. Jh. im Hortus deliciarum (Aaron und die Israeliten hinter der B.; RDK I, Sp. 6, Abb. 1), auf dem Teppich aus St. Ulrich (H. Cornell, Biblia pauperum, Stockholm 1925, S. 137) und in den großen illustrierten Bibeln der Salzburger Malerschule. Die Bibel von St. Florian zeigt die Überführung der B. über den Jordan (G. Swarzenski, Die Salzburger Malerei, Leipzig 1908, Taf. 26 u. S. 70), die von Admont dieselbe Szene (ebd. Taf. 29 u. S. 75), die Erlanger Gumpertsbibel aber als Illustration zum Psalter einen Zyklus: David beschließt die Zurückführung der B., sie wird auf dem Wagen zum Berge Cariathim gebracht, Ozias stirbt wegen der unehrerbietigen Berührung, Davids Tanz und die Verspottung durch Michol, die Aufstellung der B. (ebd. Taf. 38 u. S. 112f.: zu den drei Bibeln s. RDK II, Sp. 494f.). Diese und weitere Szenen bringen auch die illustrierten Weltchroniken (s. H. Jerchel in Zs. f. Kg. 2, 1933, S. 184ff.).

Rein symbolisch ist das Bild des Wagens (quadriga) des Ammadab (RDK I, Sp. 638ff.) in den Glasgemälden Sugers von Saint-Denis (W. Neuß, Das Buch Ezechiel, Münster i. W. 1912. S. 243ff.; RDK I, Sp. 639, Abb. 1), wo der Vater den gekreuzigten Sohn auf die geöffnete B. stützt, in der die Gesetzestafeln und der Stab Aarons sichtbar sind und die beigeschriebenen Verse den Sinn erklären:

Foederis arca Christi cruce sistitur ara

Foedere majori vult ibi vita mori.

Die Svmboliker des 12. und 13. Jh. vergleichen den Zug mit der B. mit dem Zuge mit dem neugeweihten hl. Öl am Gründonnerstag (Honorius Augustodunensis, Gemma animae 3, 83) oder die B. mit ihrem Inhalt mit dem Reliquiengrabe im Altar (Durandus, Rationale divinorurn officiorum 1, 7; vgl. Sauer, S. 164ff. und 209). In der Kunst aber hat sich nur ein kleiner symbolischer Zyklus durchgesetzt.

Die Biblia pauperum (RDK I, Sp. 1072ff.) stellt den nach dem mißverstandenen Texte der Vulgata 2. Reg. 6, 20 (nudatus est, quasi si nudetur unus de scurris) nackt tanzenden, von der Michol verspotteten David als Vorbild des von den Juden zur Kreuzigung entkleideten Christus und den Einzug der B. in das hl. Zelt als Vorbild der Himmelsaufnahme Mariens dar (Cornell a. a. O., S. 305, 308 u. ö.). Das Speculum humanae salvationis (Heilsspiegel) hat dagegen die B. als eines der drei Vorbilder der Darstellung Jesu im Tempel, indem die B. Maria, der Inhalt der B., nämlich die Gesetzestafeln des Moses und der blühende Stab Aarons, den von Maria getragenen Christus bedeuten (ed. Luz u. Perdrizet, Taf. 19: clm. 146), ferner den Durchzug der B. durch den Jordan als Vorbild der Taufe Jesu im Jordan gilt, so noch in dem von E. Kloß hrsg. niederländischen Blockbuch (München 1925). Die jüngeren, gedruckten Ausgaben haben drei Bilder: die B. als solche als Bild Mariens, die durch den Jordan getragene B. als Vorbild der Taufe Jesu und die Einführung der B. in das hl. Zelt als Vorbild der Himmelsaufnahme Mariens, so etwa in dem bei Günther Zainer in Augsburg gedruckten (Schramm, Frühdrucke 2) oder dem bei B. Rickel in Basel erschienenen Speculum (ebd. 21).

Die bilderreiche Concordantia caritatis, die aber einen weitreichenden Einfluß nicht hat ausüben können, kommt zu sieben Bildern: die Wegnahme der B. durch die Philister (1. Reg. 4, 3ff.) als Bild der Gefangennahme Jesu, der Sturz des Dagon-Götzen als Bild des Zusammenbrechens der Götterbilder bei dem Durchzug Jesu auf der Flucht nach Ägypten, die Rückgabe der B. als Bild der Heimkehr aus Ägypten, die Aufstellung im hl. Zelt als Bild des letzten Abendmahls, die Bestrafung des Ozias als Bild des Judasbissens, den Tanz des David als Bild der Entkleidung Christi, die feierliche Eintragung der B. als Bild der Herabkunft des hl. Geistes (J. Neuwirth, Datierte Bilder-Hss. österr. Bibliotheken IV: Die Concordantia caritatis ..., Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 109, 1, Wien 1885, S. 587ff., und J. E. Weis-Liebersdorf, Das Kirchenjahr in 156 gotischen Federzeichnungen, Stud. z. dt. Kg. 160, Straßburg 1913, S. 40 u. 51).

Das nüchterne Interesse am Bibeltexte als solchem, das gegen Ende des MA aufkam und in der Postille des Nikolaus von Lyra († 1349) durchdrang, begnügt sich mit der möglichst exakten Wiedergabe der B. zur Erläuterung des Textes, so auch in den gedruckten Postillen, wie der von Anton Koberger 1481, die das hl. Zelt und die B. darstellt (Schramm, a. a. O. 17, Abb. 5 u. 6). Dasselbe gilt von den gedruckten und mit Holzschnitten gezierten Bibeln, wie der Quentelschen von 1479 (Schramm 8, Abb. 396), oder von Schriften zum Verständnis der Bibel wie dem bei Lucas Brandis in Lübeck 1475 gedruckten Rudimentum novitiorum (Schramm 10, Abb. 23).

Lebendig geblieben ist schließlich die allgemeine Beziehung auf Maria, die in der Marienverehrung eine feste Stelle erhielt, wie das Büchlein von der unbefleckten Empfängnis Mariä, 1509 von Nikolaus Manuel hrsg., zeigt, auf dessen Marienlied mit dem Hinweis auf die Arche des Bundes St. Beissel (Marienverehrung II, S. 236) verweist, und noch mehr die lauretanische Litanei, die heute noch in der Anrufung „Du Arche des Bundes“ die Symbolik festhält, die sie schon in ihrer alten Form von 1601 aufgenommen hatte (Beissel a. a. O. S. 476). Als marianisches Symbol ist sie daher auch der nach-m.a. Kunst bekannt geblieben (z. B. im Deckengemälde der Wallfahrtskirche in Wemding, B. A. Donauwörth, 18. Jh.: B. mit drei Engelsköpfen).

Daneben behält sie zu allen Zeiten ihre Bedeutung als Symbol des Abendmahls. Wie die B. bereits im Zeitalter Karls d. Gr. in Germigny-des-Prés als Mosaik das Apsisgewölbe über dem Altar schmückt, so erscheint sie noch im spätesten 18. Jh. in der Unteren Pfarrkirche zu Gebweiler (Elsaß) als Bekrönung des Hochaltares. In der 1765 erbauten Kapelle zu Rimpach (O.A. Leutkirch; Inv. Württemberg III, S. 664f., Abb. 51) behandeln die Deckengemälde im Chor das Abendmahl, im Langhaus die Geschichte der B.: das Mittelbild stellt den Tanz Davids vor der B. dar, während in den vier Eckbildern die B. auf dem Ochsenwagen, bzw. von Männern getragen erscheint, daneben David musizierend, bzw. der verletzte Ozias.

In der prot. Bibelillustration werden die schon im hohen MA üblichen Szenen weiter dargestellt; vereinzelt finden sie auch Eingang in die monumentale Kunst wie in den Hans Walther zugeschriebenen Reliefs am Altan im großen Schloßhof zu Dresden (Abb. 3).

Zu den Abbildungen

1. Nikolaus v. Verdun, Klosterneuburger Altar, 1181. Schmelzplatte: Das goldene Gefäß mit Manna und der Stab Aarons werden in die B. versenkt. Phot. Österr. Lichtbildstelle, Wien.

2. Maulbronn, Klosterkirche, Wange des Chorgestühls, 3. V. 15. Jh.: Davids Tanz vor der B. Phot. R. Henseling, Maulbronn.

3. Dresden, Schloß, Altan im großen Hof, Brüstungsrelief wohl von Hans (Johann II.) Walther (1526 bis 1600): Die B. wird nach Jericho getragen. 2. H. 16. Jh. Phot. Marburg.

Literatur

Zur B. in der Bibel Buchberger 2, Sp. 634f.; zur Typologie Molsdorf, Nr. 98, 907, 955.

Verweise