Buchschließe

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englisch: Clasp, book-clasp; französisch: Fermoir de livre; italienisch: Fermaglio di libro, fibbia.


Heinrich Schreiber († 22. 6. 1942) (1950)

RDK III, 9–11


RDK III, 9, Abb. 1. Deutscher Renaissanceeinband mit Schließen.
RDK III, 11, Abb. 2. Silberschließe eines Frankfurter Barockeinbandes.

Die B. (Buchspange, Klausur, fibula, clausura, fermoir) ist eine den Buchblock zusammenpressende Verbindung der beiden Buchdeckel am Vorderschnitt oder an den drei Schnittseiten. Entstanden ist die B. aus dem Bedürfnis, die Pergamentblätter des m.a. Buches, die zum Verziehen neigen und damit auch die Deckel zum Sperren bringen, fest aufeinandergepreßt zu halten; gleichzeitig wird auch das Eindringen von Staub verhindert. Für die durch das Blättern sich aufbauschenden Papierblätter des meist zu stark eingepreßten und am Rücken zu knapp angesetzten Buches besonders des 16. Jh. mußte die B. beibehalten werden. Bei fast allen Darstellungen des Buches in der bildenden Kunst bis ins 16. Jh. erscheint sie deshalb als wesentlicher Bestandteil des Buches. Das Übliche sind ein bis zwei Schließen am Vorderschnitt; je eine weitere am Ober- und Unterschnitt deutet auf südländische Herkunft, mindestens auf einen Einfluß. Eine dritte Schließe am Vorderschnitt ist meist spätere Zutat. Die Haften sind meist am Hinterdeckel befestigt, bei Gesangbüchern bis in die Gegenwart. Manchmal dient die B. auch als Träger des Schlosses zum Verschließen des Buches (Rechtsbücher, Geschäftsbücher, Tagebücher). Mit dem Aufkommen der Pappdeckel für den Bucheinband treten seidene Bindebänder oder Lederriemchen an die Stelle der B. Bei den weichen Pergamentbänden Spaniens im 16. und 17. Jh. werden als B. Schlingen aus Sehnen gebildet, am Gegendeckel geflochtene Knöpfe. Akteneinbände („Registerbände“) aus Pergament oder mit Lederklappe über dem Vorderschnitt haben auf dem Vorderumschlag angebrachte Haken oder Schnallen als B.

Der Schmuck der B. pflegt dem übrigen Einbandschmuck angepaßt zu sein, bei den kirchlichen Prachtbänden und den späteren Metalleinbänden werden die Schmuckformen des übrigen Beschläges weitergeführt (Abb. 2), bei den Lederbänden die Lederteile der Schließe mit Stempeln wie die Deckelflächen geschmückt. Im 15. und 16. Jh. werden für die Gebrauchseinbände im Handel befindliche und handwerksmäßig verzierte Messingteile (Leder- oder Metallscharnier), die vor allem in Nürnberg hergestellt wurden, benützt (Abb. 1). Mit dem übrigen Beschläge sind diese B. in den neueren Bibliotheken sehr oft entfernt worden, um Beschädigungen der Nachbarbände zu vermeiden.

Zu den Abbildungen

1. Deutscher Renaissanceeinband mit handelsüblicher Schließe. Phot. H. Lüers, Magdeburg.

2. Silberschließe an Frankfurter Barockeinband. Phot. H. Lüers, Magdeburg.

Literatur

Heinr. Lüers, Die Buchschließe, Arch. f. Buchbinderei 36, 1936, S. 20ff., Abb. 36ff. (Weiteres s. Bucheinband, RDK II, Sp. 1384.)