Buchdruck

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Printing; französisch: Impression, imprimerie, typographie; italienisch: Stampa di libro, tipografia.


Hans H. Bockwitz (1947)

RDK II, 1346–1357


RDK II, 1351, Abb. 1. Gutenberg-Bibel, um 1455.
RDK II, 1351, Abb. 2. A. Dürer, Buchdruckerpresse, 1511.

I. Vorstufen

Die Erfindung des B. mit beweglichen Lettern ist keine Zufallserfindung, sondern im Wege eines langen Entwicklungsprozesses zustande gekommen. Verschiedene Arten des Druckens (Drückens), um Schrift oder Bilder wiederholt in gleicher Weise hervorzubringen, gehen voraus. Den Siegel- und Stempeldruck kannte bereits das Altertum. Ein mit Einzelstempeln hergestellter bilderschriftlicher Text auf einer Tonscheibe (sog. Diskus von Phaistos auf Kreta) ist ins 17. vorchristl. Jh. zu versetzen. Im MA stellten Goldschmiede Umschriften auf Siegelstempeln mit Punzen her, die das Buchstabenbild erhaben trugen; die „Prüfeninger Weihinschrift“ von 1119 zeigt einen mit einzelnen Buchstabenstempeln in eine Tontafel eingedruckten längeren Text. Mit vertieft in Metall geschnittenen Buchstabenstempeln druckten Buchbinder seit dem 15. Jh. Umschriften auf Ledereinbände: ältester datierbarer 1433 (s. Bucheinband, Sp. 1369). Der Zeugdruck gelangte zur Zeit der Kreuzzüge nach Europa; der Druck von Holztafeln (Reiberdruck) zur Gewinnung von Einblattholzschnitten und Blockbüchern (Sp. 916ff.) setzt für erstere spätestens am A., für letztere in den ersten Jahrzehnten des 15. Jh. ein. Zu diesen beiden Hochdruckverfahren tritt in den 30er Jahren des 15. Jh. der Kupferstich als älteste Tiefdrucktechnik.

Bücher mit beweglichen Lettern auf Papier zu drucken wurde erstmalig in China versucht, wo der Schmied Pi-sheng zw. 1041 und 48 aus Ton gebrannte Einzellettern herstellte, die sich jedoch als wenig widerstandsfähig erwiesen. In Korea kannte man E. 14. Jh. aus Bronze gegossene Worttypen, die später in verschiedenen Graden hergestellt wurden. Wegen der Fülle der für eine Wortschrift nötigen Schriftzeichen ging man im fernen Osten bald wieder zu dem bereits früher geübten Blockdruck über.

Vom fernöstlichen Typendruck führt keine erkennbare Verbindung zum europäischen B., dessen Erfindung M. 15. Jh. Johann Gutenberg in Mainz zu verdanken ist. Gutenbergs Leben und Werk und die ihm mit mehr oder minder großer Sicherheit zugeschriebenen größeren und kleineren Druckwerke – keines trägt einen, positiven Aufschluß über den Hersteller gebenden Druckvermerk .– behandelt zusammenfassend nach dem Stand der heutigen Forschung A. Ruppel [7]. Versuche, den Holländer Coster oder andere Persönlichkeiten als Erfinder in Anspruch zu nehmen, sind nach Ansicht der meisten Gutenbergforscher als gescheitert zu betrachten.

II. Erfindung

Gutenbergs Hauptverdienst besteht in der Erfindung eines Letterngießinstruments, das es ermöglichte, die durch Einschlagen erhaben geschnittener Metallbuchstabenstempel (Patrizen) in ein Metallblöckchen gewonnenen Abschläge (Matrizen) mit Gießmetall auszugießen und so beliebig viele, ebenmäßige Einzellettern herzustellen, die er zu Texten jeden Umfangs zusammensetzen, wieder auseinandernehmen und zu Neusatz verwenden konnte; dazu kam die Erfindung einer für Druckzwecke geeigneten Presse, die vom fertigen Satz jede gewünschte Menge von Abzügen auf Papier bzw. Pergament lieferte. Seine in Straßburg um 1434 begonnenen Versuche setzte Gutenberg seit 1448 in Mainz fort, wozu er 1450 und 1452 größere Darlehen von Johann Fust aufnehmen mußte. Nach einer Reihe kleinerer Versuchsdrucke (Ablaßbriefe, Donate, Kalender), die zugleich dem Broterwerb dienten, begann Gutenberg um 1452 Satz und Druck der 42zeiligen Biblia latina (so genannt, weil 42 Zeilen auf der Kolumne stehen; Abb. 1), den er M. 1455 in höchster Vollendung fertigstellte. Damit steht als erstes größeres Druckwerk (2 Foliobände mit zusammen 1282 Seiten) gleich am Anfang des Druckens mit beweglichen Lettern ein Meisterwerk der Typographie, von dessen auf 150 Exemplare geschätzter Auflage heute noch 32 auf Papier und 12 auf Pergament vorhanden sind. Nach dem Zerwürfnis mit Fust, der sein Darlehen zurückforderte, ehe Gutenberg die Früchte seiner Arbeit ernten konnte, übernahm jener zusammen mit Gutenbergs Gehilfen Peter Schöffer, einem ehemaligen Buchschreiber, die Gutenbergsche Offizin, aus der 1457 als erstes Druckwerk das berühmte Psalterium hervorging, das als technische Neuerung in einem Druckgang rot und blau eingedruckte Initialen enthält, dem weitere Meisterleistungen folgten (Buchschmuck). Gutenbergs Streben, durch exakteste Nachahmung handgeschriebener Buchstaben und ihrer Eigentümlichkeiten eine m.a. Prachths. im B. geradezu zu faksimilieren, wurde von seinen Nachfolgern, weil zu zeitraubend und kostspielig, bald aufgegeben. Seit etwa 1480 wird das gedruckte Buch mehr und mehr Gebrauchsgegenstand; es befreit sich von der anfänglich erstrebten Nachahmung der Hs., und der Letternschnitt schafft sich Buchstaben als selbständige typographische Zeichen (s. Buch Sp. 1336).

III. Frühdruckzeit

Von Mainz aus breitet sich der B. in einem Vierteljahrhundert über ganz Deutschland und die übrigen Länder Europas aus, in diesen zumeist durch deutsche Drucker eingeführt. Nächst Mainz entstehen Druckereien in Bamberg (1457), Straßburg (1459), Köln (1465), Basel (1468), Augsburg (1468), Nürnberg (1470), Ulm (1472), Lübeck (1474), Leipzig (1481) u.a.O., im Auslande in Italien (1465), Frankreich (1470), den Niederlanden (1472), Ungarn (1472), Spanien (1473), Polen (1474), England (1476), Dänemark (1482), Schweden (1484). Bis 1500 bestehen in Europa an rund 260 Orten Druckereien. Ihre geographische Lage „ist ein getreues Spiegelbild für die Gewichtsverteilung des geistigen und wirtschaftlichen Lebens im damaligen Europa“ (Wehmer, [12]), wobei sich zeigt, daß vor allem wirtschaftlich bedeutende Zentren (Handelsstädte) die Buchdrucker anlockten, während das Vorhandensein einer Universität allein nicht ausschlaggebend für ihre Niederlassung war.

Die überraschend schnelle Ausbreitung des B. wurde, von der wirtschaftlich-technischen Seite her gesehen, im wesentlichen nur möglich, weil an Stelle des teuren Pergaments ein erheblich billigerer, rascher und in größeren Mengen herstellbarer Bedruckstoff, das Papier, zur Verfügung stand, das sich als der gegebene Druckträger erwies. Da die deutschen Papiermühlen des 15. Jh. den Anforderungen, die der B. stellte, nicht genügten, mußte noch längere Zeit Papier aus Italien und Frankreich eingeführt werden. In vielen Inkunabeln, so schon bei der Gutenbergbibel, zeigt das Papier verschiedene Wasserzeichen, ein Beweis, daß es aus verschiedenen Mühlen bezogen werden mußte. Wie die ein halbes Jh. vor den Druckern in Deutschland auftauchenden Papierer allmählich die Pergamentmacher verdrängten, so erschienen auch die Buchdrucker als ein völlig neuer Stand im spät-m.a. Wirtschaftsleben und begannen ihrerseits, die Berufe der Schreiber und Briefdrucker (Sp. 1172ff.) auszuschalten. So wenig wie die Papierer bildeten auch die Buchdrucker, die dem neuen Handwerk aus den verschiedensten Berufen zuströmten (Goldschmiede, Briefmaler, Schreiber, Formschneider, graduierte und nicht graduierte Akademiker), eine eigene Zunft, was der Ausbreitung ihres Gewerbes von Vorteil, dem einzelnen von Nachteil war, da er der segensreichen Einrichtungen der Zünfte (Altersversorgung, Krankenbeihilfe, Konkurrenzschutz) nicht teilhaftig wurde. Dieser Umstand führte im Verein mit einer übergroßen Bücherproduktion, für deren Vertrieb ein geregelter Buchhandel fehlte, und dem durch kein Gesetz gehemmten Nachdruck dahin, daß die Frühdrucker, die auch oft ohne zureichendes Kapital eine Offizin begründeten, weil sie die wirtschaftliche Seite des neuen Gewerbes nicht übersahen, häufig in Schulden, wo nicht Konkurs gerieten; nur wenige brachten es zu Wohlstand oder Reichtum.

Nimmt man bis 1500, der eigentlichen Frühdruck- oder Inkunabelzeit, vorsichtigen Schätzungen zufolge rund 40 000 Ausgaben von Druckwerken an, von denen etwa 30 000 Bücher gewesen sein mögen, so ergibt sich bei Auflagen von 2–300 Exemplaren eine Bücherflut von 6–9 Millionen Bänden in knapp 50 Jahren. Die damalige Leserweit war jedoch noch zu gering an Zahl, solche (zumeist in Latein erschienene) Büchermassen aufzunehmen; denn es lag nicht so, daß etwa ein gesteigertes Lesebedürfnis den B. geradezu gefordert oder hervorgerufen hätte, sondern der B. war es, der ein allmählich wachsendes Lesebedürfnis weckte. Die Bedeutung der Inkunabeln liegt darin, daß wir mit ihnen die Erstlinge einer völlig neuen, mechanischen Buchherstellungsart überkommen haben, die uns den technischen Werdegang des neuzeitlichen Buches noch in allen Phasen der Entwicklung erkennen lassen; damit sind sie sowohl für die Geschichte des B. als für die Geschichte der Schrift von besonderer Wichtigkeit.

Von der inhaltlichen Seite her betrachtet, ergeben die Inkunabeln in ihrer Gesamtheit ein Bild der geistigen Struktur einer wichtigen Entwicklungsepoche der Menschheit: die Frühdrucker als ihre eigenen Verleger und Buchvertreiber wählten infolge des zunächst noch längere Zeit bestehenden Mangels an Manuskriptangebot lebender Autoren vorerst aus dem sich darbietenden riesigen Hss.-Bestand des MA nur diejenigen Werke zur Übertragung in den B. aus, die damals von Kirche, Schule, Wissenschaft und vom Volke noch als lesenswert empfunden wurden und somit guten Absatz versprachen, während sie alles übrige beiseite ließen, so daß bei dieser Auswahl nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten nur ein Teil dessen, was das MA an Hss. angehäuft hatte, in den B. übernommen wurde (E. Schulz [10]). Weitere Bedeutung gewann der B. durch seine Mithilfe an der Schaffung einer deutschen Gemeinsprache; denn um weitesten Absatz zu finden, mußten deutsche Bücher in einer möglichst dialektfreien Sprache gedruckt werden; bestimmte größere Druckersprachkreise lassen sich schon im 15. Jh. unterscheiden, bis im 16. Jh. das Ostmitteldeutsche (Meißnische) über die anderen Dialekte siegte.

Allen diesen Fragen widmen sich die „Kommission für den Gesamtkatalog der Wiegendrucke“, welche die Verzeichnung und Beschreibung aller festgestellten Inkunabeln vornimmt, und die „Gesellschaft für Typenkunde des 15. Jh.“, die als Anschauungsmaterial das Tafelwerk „Der deutsche Buchdruck des 15. Jh.“ bereitstellt, während in den von beiden Vereinigungen herausgegebenen „Beiträgen zur Inkunabelkunde“ Einzelprobleme behandelt werden.

3½ Jh. bleibt im B. die von Beginn an übliche Mischung handwerklich-mechanischer Arbeitsvorgänge nahezu unverändert beliehen. Von diesen selbst gibt es aber aus frühester Zeit weder genaue Berichte noch bildliche Darstellungen, ebensowenig sind Werkzeuge (Gießinstrumente, Pressen, Typen) erhalten geblieben, so daß sich Gutenbergs und der Frühdrucker Arbeitsmaterial nur annähernd rekonstruieren läßt. Eine Druckerpressen-Abb. erscheint erst am Ende der Inkunabelzeit als Holzschnitt in einem Lyoneser Totentanz, den Matthias Huß aus Bottwar 1500 druckte. Im 16. Jh. kommen solche vor: 1507 (und später) in den Druckersigneten von Jodocus Badius, Paris; 1511 auf einer Lazarus Spengler gewidmeten Handzeichnung Dürers (Abb. 2); nach 1512 im Druckerzeichen von Dirck van den Barne, Deventer; ebenda 1515 in der Druckermarke des Jacobus von Breda; 1520 in einer Titeleinfassung von Hans Cranach, Wittenberg; 1548 als Illustration in Stumpfs Schweizerchronik, Zürich; im gleichen Jahr im Signet von Anton Scoloker, London; 1562 im Kartenspielbuch und 1568 im Ständebuch von Jost Amman.

IV. Technische Entwicklung vom 16. bis 19. Jh.

Die Bezeichnung des B. als einer „Kunst“ geht darauf zurück, daß die Frühdrucker (für Basel ist dies ausdrücklich bezeugt) ihr Handwerk als eine „freie Kunst“ betreiben durften, ein Ausdruck, der sich im Anschluß an die „sieben freien Künste“, die an den Universitäten gelehrt wurden, herausgebildet hatte, nachdem die Drucker oft entweder selbst studiert hatten oder sich als „Verwandte“ in den Schutz von Universitäten begaben. Von der Zugehörigkeit zu den rein wirtschaftlich zu verstehenden „freien Künsten“ (zu denen in Basel auch die Papierer gehörten) leitet sich die Bezeichnung des B. als einer „Kunst“ her, nicht, weil das Handwerk als „Kunst“ i. e. S. gegolten hätte. Diese ursprünglichen Zusammenhänge sind später vergessen worden und führten z. B. in Basel, wo sich die Drucker aus wirtschaftlichen Gründen 1661 zu einer Zunft zusammenschlossen, zu dem irreführenden Ausdruck „Kunstbuchdruckerey“, danach zur Bildung des Wortes „Buchdruckerkunst“ (Geering [13]).

Je mehr die Buchdrucker, vom Ende der Inkunabelzeit an, als Verleger zurücktreten und zu beauftragten Buchherstellern werden, desto mehr vermindert sich ihre geistig-kulturelle Bedeutung, die sie in der Frühdruckzeit gehabt hatten, als sie noch als Drucker-Verleger selbst bestimmten, welche Werke durch den Druck zu vervielfältigen seien; mit der Trennung beider Tätigkeiten geht die Auswahl aus dem Manuskriptangebot auf den Verleger über, und das Interesse am B. beschränkt sich seitdem auf seine technisch-künstlerische Entwicklung. Diese erreichte nach dem bereits im 16. Jh. einsetzenden Niedergang der Typographie ihren tiefsten Stand im 17. Jh. Erst im späten 18. Jh. setzt durch Breitkopf und Unger eine Reform der Drucklettern ein, wie sie im Auslande bereits früher große Erfolge aufzuweisen gehabt hatte (Didot, Fournier, Baskerville, Bodoni). Nach einem neuerlichen Verfall der Druckkunst infolge der rapiden technischen Fortschritte im 19. Jh. kam es zu einer grundlegenden Neugestaltung der Typographie von Buch und Zeitschrift erst am Ende des Jh. im Verfolg des selbständigen Ausbaues der typographischen Grundsätze von William Morris (s. Buch, Sp. 1338).

Zu den beiden ältesten Druckverfahren: dem Hochdruck, bei dem die zum Abdruck gelangenden Partien erhaben, hoch, auf der Druckplatte stehen, von der nach Einwalzen mit Farbe diese dem Papier unter Druck aufgepreßt wird, so daß auf der Rückseite ein gewisses Relief entsteht, und dem Tiefdruck, bei dem die zum Abdruck bestimmten Partien vertieft in einer nach der Einfärbung wieder blankgewischten Kupferplatte liegen, so daß das unter Druck aufgepreßte Papier die Farbe heraussaugen muß, die dann als feines Relief auf dem Papier steht, kam erst 1796 als ein neues „chemisches“ Druckverfahren der Flachdruck (Lithographie) hinzu, womit die Methoden des Druckens bisher ihren Abschluß gefunden haben. Die einzige wesentliche technische Neuerung im Hochdruck vor 1800 war die Erfindung der Stereotypie (Anfänge um 1700), durch William Ged in Edinburg 1725 verwertbar gemacht, indem ein vom Letternsatz genommener Gipsabdruck nach Ausgießen mit Blei eine fertige Druckplatte lieferte. Diese in Vergessenheit geratene Erfindung nahm 1795 Firmin Didot in Paris wieder auf, doch wurde das Verfahren nicht eher für die Praxis lebensfähig, als bis man zum Abformen (Matern) des Satzes statt Gips gefeuchtete Papierlagen nahm, was erstmalig 1829 Claude Genoux in Lyon tat. Beim unveränderten Nachdruck von Neuauflagen (Klassiker, Romane usw.) und für den Rotationsdruck ist die Stereotypie im B. von größter wirtschaftlicher Bedeutung. Für den Bilddruck entdeckte 1837 H. von Jacobi ein ähnliches Hilfsverfahren in der Galvanoplastik, mit deren Hilfe man von Hoch- und Tiefdruckformen Gegenformen herstellt. Dies geschieht durch Niederschlag eines Metallüberzugs auf eine geprägte Mater mittels galvanischen Stroms im galvanischen Bade. Um bei großen Auflagen nicht von den Originalholzstöcken des Künstlers drucken zu müssen, werden „Galvanos“ angefertigt; ebenso kann man von Strichätzungen und Autotypien Galvanos herstellen. Tiefdruckplatten (Kupferstiche, Radierungen, Heliogravüren) werden, um hohen Auflagedruck auszuhalten, mit einem Stahlüberzug versehen: galvanisch verstählt. 1800 ersetzte Lord Stanhope die bis dahin aus Holz gefertigte Druckpresse durch eine eiserne, nachdem zuvor der Basler Drucker Haas eine halbeiserne gebaut hatte. Vom A. 19. Jh. an wird die Handpapiermacherei durch die 1799 in Frankreich von Louis Robert gemachte Erfindung der Papiermaschine allmählich verdrängt. Diese Erfindung kam zur rechten Zeit, da 1811 Friedrich Koenig die alte B.-Handpresse durch die mit Dampf betriebene, größere Papiermengen verschlingende Schnellpresse ersetzte. Er baute zunächst eine Tiegeldruckpresse, bei der nach Art der Handpresse eine mechanisch bewegte Eisenplatte, der Tiegel (tigellum, flacher Stein, Ziegel), das Papier auf den auf einem ausfahrbaren Fundament (Karren) liegenden eingefärbten Satz von oben her anpreßt. 1812 verwandte Koenig statt des Tiegels einen walzenförmigen Preßkörper (Zylinderschnellpresse), 1814 konstruierte er diese Presse als Doppelmaschine und vollendete 1816 die Schön- und Widerdruckpresse, die das Bedrucken von Vorder- und Rückseite der Bogen in einem Druckgang ermöglicht, womit er ein im Verein mit seinem Freunde Bauer durchgeführten Erfindungen abschloß. Die Tiegeldruckpresse wurde später in der Weise umgestaltet, daß man das die Druckform tragende Fundament senkrecht stellte, während ein schwingender Tiegel das Papier an den Satz anpreßt. Der nächste Schritt war die Erfindung der Rotationsmaschine, für die sich ein einzelner Erfinder nicht nennen läßt. Bei dieser ist das den Satz tragende waagrechte Fundament durch einen rotierenden, den Satz in Form gebogener Stereotypplatten tragenden Zylinder (Plattenzylinder) ersetzt, dem ein ebenfalls zylindrischer Preßkörper das von Rollen ablaufende Papier synchron (im gleichen Tempo wie der Plattenzylinder rotierend) zuführt. Die erste Rotationspresse arbeitete 1848 bei der Londoner Times, in Deutschland wurde die erste 1872 von der Nürnberg-Augsburger Maschinenfabrik gebaut.

Die Technik des Schriftschneidens und Schriftgießens blieb etwa 4 Jh. bis M. 19. Jh., die gleiche wie in der Frühzeit. Erst 1838 wurde beim Handgießinstrument, in das man das Gießmetall zum Ausgießen der eingesetzten Matrize mit einem Löffel einfüllte, dieser durch die mechanische Gießpumpe ersetzt; es folgte die Mechanisierung des Öffnens und Schließens des Instruments und des Auswerfens der Typen, die von Hand fertiggemacht (justiert) wurden. Die M. 19. Jh. konstruierte Komplettgießmaschine führt alle Handgriffe des Gießens und Fertigmachens mechanisch aus. Schnellgießmaschinen (die erste von Gottfried Böttger, Leipzig, erbaut) liefern täglich 70 000 Drucklettern. Die Herstellung von Buchstabenstempeln (Punzen), die in ein Metallblöckchen zur Gewinnung von Matrizen eingeschlagen wurden, besorgt heute die Stempelschneide- oder Matrizenbohrmaschine, die den Schnitt in den gewünschten Graden mit Hilfe von Schablonen nach dem Storchschnabelprinzip in höchster Präzision bewirkt. Mit der Beschleunigung des Druckens auf der Schnellpresse hielt das Setzen nicht gleichen Schritt. Versuche, dieses und das Ablegen der Typen zu mechanisieren, gehen in den A. 19. Jh. zurück. Das erste Patent auf eine Setzmaschine erhielt 1822 der Engländer William Church. Unter Benutzung der Ideen eines verstorbenen französischen Setzers baute Karl Kastenbein in den 80er Jahren eine brauchbare Setzmaschine, um dieselbe Zeit kam Joseph Thornes Setz- und Ablegemaschine heraus; doch gelang der große Wurf erst Ottmar Mergenthaler aus Hachtel in Württemberg, der 1884 in Amerika die von ihm erfundene „Linotype“ vorführte, die ganze Zeilen setzt und gießt. In Kanälen aufgespeicherte Matrizen werden durch Tastenanschlag ausgelöst, zur Zeile aneinandergereiht, ausgegossen und danach wieder in ihr Magazin befördert. Die Linotype wird vorwiegend im Zeitungsdruck verwendet. Eine ähnliche Maschine „Typograph“ bauten 1889 Rogers und Bright. 1897 schuf Tolbert Lanston in Amerika die Einzelbuchstaben-Setzmaschine „Monotype“, bei der Setzen und Gießen auf getrennten Apparaten vor sich gehen. Durch einen Taster hergestellte papierene Lochstreifen (ähnlich denen bei elektrischen Klavieren) werden in einen Gießapparat eingespannt, der danach die einzelnen Typen gießt. Der bequem versendbare Lochstreifen ist auf jeder Monotype wieder verwendbar, so daß Aufbewahrung oder Stereotypieren des Satzes wegfallen. Bei Korrekturen hat man nicht die ganze Zeile neu zu gießen, sondern wechselt nur die falschen Buchstaben aus. Die Monotype findet vorwiegend für den Bücherdruck Verwendung.

Eine Sonderstellung unter den buchgewerblichen Erfindungen der Neuzeit nehmen die auf der Grundlage der 1837 erfundenen Photographie beruhenden Reproduktionsverfahren ein, die das Ziel verfolgen, die manuellen Techniken der originalgraphischen Künste „photomechanisch“ auszuführen, was ihnen teilweise bis zu deren völliger Verdrängung gelungen ist.

V. Reproduktionstechnik

Im Hochdruck kamen Strichätzung, Autotypie und der autotypische Mehrfarben-B. auf, im Tiefdruck die Heliogravüre und der Schnellpressen-Rastertiefdruck, im Flachdruck Photolithographie, Offset- und Lichtdruck. Je nach der Art der zu reproduzierenden Vorlage wird jeweils das geeignetste Verfahren gewählt. Zur Reproduktion von Gemälden, Stichen, Zeichnungen und sonstigen Vorlagen kannte man bis ins 19. Jh. nur die manuellen Techniken des Holzschnitts, Kupferstichs und der Lithographie mit ihren Abarten. Für die bis dahin in den Hochdruckverfahren des Holzschnitts und Holzstiches erfolgte Wiedergabe von aus Strichen, Punkten und Flächen bestehenden Vorlagen erfand der Wiener Kupferstecher Blasius Höfel, frühere Versuche fortführend. 1840 ein Verfahren, Hochdruckformen durch Ätzung von Zinkplatten zu gewinnen (Zinko-, Chemigraphie). Durch direktes Zeichnen auf Zink, durch Umdruck oder durch Übertragung eines photographischen Negativs auf die lichtempfindlich gemachte Druckplatte und folgendes Hochätzen wird als Druckform eine „Strichätzung“ gewonnen, die den manuellen Faksimileholzschnitt überflüssig gemacht hat. 1881 entwickelte der Münchner Georg Meisenbach das Autotypie- Verfahren, bei dem die geschlossenen Töne einer Photographie gelegentlich der photographischen Übertragung durch Vorschaltung eines Rasters in ein System verschieden großer Druckelemente zerlegt werden. Nach der Hochätzung erscheinen die das Bild tragenden Stellen als kaum fühlbare Erhebungen auf der Druckplatte. Beim Abdruck werden die Tonabstufungen der Vorlage genau wiedergegeben, womit die Autotypie den mühsamen Tonholzschnitt vollkommen verdrängt hat. 1882 erzielte Ernst Vogel in Neuyork, im Verfolg früherer Versuche, Erfolge im autotypischen Dreifarbendruck, der, zum Mehrfarben-B. weiterentwickelt, besonders zur Wiedergabe von Ölgemälden geeignet ist.

Im Tiefdruck werden die Techniken des Kupferstichs und der Radierung mit ihren Abarten durch die Heliogravüre (Photogravüre) und den Schnellpressen-Rastertiefdruck mechanisiert, von denen erstere von dem österreichischen Maler Karl Klietsch 1879 für die Praxis lebensfähig gemacht wurde. Druckform ist dabei eine mit Aquatintakorn versehene Kupferplatte, auf die eine von einem Halbtondiapositiv gewonnene Pigmentkopie aufgebracht wird. Nach Belichtung und Auswaschen der unbelichtet gebliebenen Gelatine bleibt auf der Platte ein wasserunlösliches, ätzfähiges Gerbungsrelief des Bildes zurück, das nach dem Trocknen tief geätzt wird. Das Drucken erfolgt auf Kupferdruck-Handpressen; für Massenauflagen kommt die Heliogravüre nicht in Frage. Man erzielt mit ihr einen besonderen Tonreichtum und erreicht z. B. bei der Wiedergabe von Kupferstichen einen so hohen Grad von Originaltreue, daß u. U. nur eine Untersuchung des Papieres Original und Reproduktion unterscheiden läßt. Um Tiefdruckformen auf Schnellpressen zu drucken, wurde von Klietsch 1898 der Rastertiefdruck für die Praxis ausgebildet, der auf demselben Prinzip wie die Heliogravüre beruht, wobei jedoch das für diese angewandte Staubkorn durch einen aufkopierten Raster ersetzt wird. Klietsch mechanisierte dabei als erster das Blankwischen der eingefärbten Platte, bzw. des Zylinders beim Rotationstiefdruck, durch ein federndes Stahllineal, die Rakel. Die Abdrücke zeigen unter der Lupe erkennbare Rasterpunkte von verschiedener Helligkeit, aber sämtlich gleich groß.

Auf dem Gebiete des Flachdrucks wird die Photolithographie zur Übertragung von Bildern auf den Lithographiertem verwendet. 1904 kommt der Offsetdruck auf, bei dem Bild oder Schrift von der Druckplatte nicht direkt auf Papier, sondern erst auf ein Gummituch übertragen werden, das sich gegen Fett und Wasser wie ein Lithographiertem verhält. Von diesem erfolgt der Abdruck auf Papier, das auch für feinere graphische Verfahren ziemlich rauh sein darf, weil sich das Gummituch leicht anschmiegt. Beim Mehrfarbenoffsetdruck zeigen die Abdrücke aquarell- oder pastellartiges Aussehen, weshalb Offset mit Vorliebe zur Wiedergabe von Originalen dieser Techniken verwendet wird. In Verbindung mit einem photomechanischen Übertragungsverfahren ermöglicht der Offsetdruck den unveränderten Nachdruck von Büchern, ohne daß der Satz neu hergestellt zu werden braucht.

Eine Sonderstellung im Flachdruck nimmt der Lichtdruck ein, 1856 von Poitevin in Paris erfunden, durch den Münchner Joseph Albert 1868 für die Praxis verwendbar gemacht. Auf eine Glasplatte, die mit einer lichtempfindlichen Chromgelatineschicht versehen ist – sie zeigt nach dem Trocknen unter der Lupe ein feines Korn (Runzelkorn) –, wird ein photographisches Negativ aufkopiert. Nach Auswaschen des Chromsalzes steht auf der Platte ein feines Relief, das sich gegenüber Wasser und Fettfarbe wie ein Lithographiertem verhält. Der Lichtdruck gibt die Vorlage mit allen Feinheiten der Feder-, Stift- und Pinselführung bis zur Papierstruktur usw. genauestens wieder, so daß er als die edelste Flachdrucktechnik bezeichnet wird, obwohl das Runzelkorn eine gewisse Herabtönung des Originals bewirkt. Er eignet sich besonders zur Wiedergabe von Blei- und Silberstiftzeichnungen, Aquarellen, Farbstichen, nicht aber für Strichvorlagen und nicht für Druckschrift. Ein Nachteil ist die beschränkte Auflage, ein Vorteil, daß ein Lichtdruck, weil rasterfrei, ohne weiteres als Vorlage zur Reproduktion benutzt werden kann.

Zu den Abbildungen

1. Johann Gutenberg, 42zeilige Biblia latina. Zw. 1452 und 1455. Probeseite aus der Pergament-Hs. des Dt. Mus. f. Buch und Schrift in Leipzig. Phot. Mus.

2. Albrecht Dürer, Buchdruckerpresse. Spottbild für Lazarus Spengler, Zeichnung 1511 (Ausschnitt). Bayonne, Mus. Bonnat. Nach Winkler, Die Zeichnungen Albrecht Dürers III, Abb. 623.

Literatur

1. Geschichte der Buchdruckerkunst, I. Gust. Ad. Erich Bogeng, Der Frühdruck, Berlin 1930. II. Otto Clemen, Herm. Barge u. a., Die Entwicklung des Buchdruckes vom Jahre 1500 bis zur Gegenwart, 1941. 2. Herm. Barge, Geschichte der Buchdruckerkunst von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Leipzig 1940. 3. Hdb. d. Bibliothekswiss., hrsg. von Fritz Milkau, Bd. 1: Schrift und Buch, Leipzig 1931. Darin: Erich von Rath, Buchdruck und Buchillustration bis zum Jahre 1600; Jul. Rodenberg, Der Buchdruck von 1600 bis zur Gegenwart. 4. Lex. d. Buchwesens. 5. Intern. Bibliographie des Buch- und Bibliothekswesens, Leipzig 1926ff. 6. Aventur und Kunst. Eine Chronik des Buchgewerbes, bearb. von Konr. F. Bauer, Frankfurt a. M. 1940. 7. Aloys Ruppel, Johann Gutenberg, sein Leben und sein Werk, Berlin 1939. 8. Deutscher Buchdruck im Jh. Gutenbergs, hrsg. von der Preuß. Staatsbibl. und von der Ges. f. Typenkunde des 15. Jh., Wiegendruckges., bearb. von Erich von Rath, Kurt Ohly u. a., Leipzig 1940. 9. Karl Schottenloher, Das alte Buch, Berlin 19212. 10. Ernst Schulz, Aufgaben und Ziele der Inkunabelforschung, München 1924. 11. Konr. Haebler, Hdb. der Inkunabelkunde, Leipzig 1925. 12. Carl Wehmer, Inkunabelkunde, Zentralbl. für Bibliothekswesen 57, 1940, S. 214ff. 13. Traug. Geering, Handel und Industrie der Stadt Basel, Basel 1886. 14. Hdb. für Buchdrucker, bearb. von Friedr. Bauer, Frankfurt a. M. 1925. 15. Arth. W. Unger, Die Herstellung von Büchern, Illustrationen usw. Halle 19233. 16. Fritz Schröder, Die Herstellung von Büchern und Zeitschriften, Stuttgart 1930. 17. Otto Säuberlich, Buchgewerbliches Hilfsbuch, Leipzig l9275.