Brustschild (Rationale)

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englisch: Pectoral, breast-plate; französisch: Plaque pectorale, rational; italienisch: Razionale, pettorale gemmato.


Otto Schmitt (1947)

RDK II, 1324–1326


RDK I, 667, Abb. 9. Kassel, Hessisches Landesmuseum.
RDK II, 1325, Bamberg, Dom, um 1237.

Das B. (hebr. choschen, griech. λόγιον) bildete einen wesentlichen Bestandteil der Amtstracht des jüd. Hohepriesters (Ex. 28, 29, 35; Lev. 8). Es bestand aus einer Art Tasche, die vor der Brust getragen wurde; ihre Schauseite war nach Ex. 28, 15ff. mit zwölf in Gold gefaßten Edelsteinen mit den Namen der Stämme Israels geschmückt. Die christliche Kunst scheint erst in nach-m.a. Zeit den Hohepriester (Aaron, Zacharias usw.) häufiger mit dem B. ausgestattet zu haben (RDK I, Sp. 92, Abb. 9: Aaron). Über jüd. Amulette in Gestalt des B. vgl. RDK I, Sp. 668f. mit Abb. 9.

Vom B. des Hohepriesters ist offenbar abhängig ein bischöflicher Brustschmuck, der vom 11. bis zum 13. Jh. mehrfach in den Schriftquellen als Rationale erwähnt und auf Denkmälern dargestellt, aber in keinem einzigen Beispiel erhalten ist (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls Rationale genannten Schultergewand, das von einzelnen Bischöfen, z. B. denen von Eichstätt und Paderborn, getragen wird, vgl. Rationale). In der Regel handelte es sich um eine rechteckige, mit zwölf Steinen besetzte Platte, die meist an einer um den Hals gelegten Kette hängt und gleichzeitig an der Kasel befestigt ist. So erscheint das B. vereinzelt im 12., häufiger im 13. Jh. auf Siegeln der Bischöfe von Mainz, Minden, Münster und Paderborn. In der Monumentalplastik kommt es im 13. Jh. mehrfach vor, z. B. in Reims (Kath., Statuen der hll. Sixtus, Nicasius und Remigius an der Porte St. Sixte; Papstfigur am südl. Westportal) und davon abhängig an der Grabfigur Papst Clemens II. († 1047) im Bamberger Dom (um 1237; Abb.), vielleicht auch in Chartres (Kath., St. Gregor d. Gr. am rechten Portal der südl. Querschifffront, hier als runde Scheibe). Anscheinend konnte das B. von jedem Bischof ohne besondere Erlaubnis getragen werden, doch war es offenbar nie sehr verbreitet. Gegen E. 13. Jh. verschwindet es aus den Darstellungen; nur in Reims wurde es nachweislich noch im 16. Jh. verwendet.

Zur Abbildung

Bamberg, Dom, Grabfigur Papst Clemens II. († 1047, errichtet um 1237.) Der Papst in pontifikalen Gewändern mit Tiara, Pallium und dem an einer Kette um den Hals getragenen Rationale. Phot. Staatl. Bildstelle Berlin.

Literatur

1. Jos. Braun, Die liturgische Gewandung, Freiburg i. Br. 1907, bes. S. 697. 2. Ders., Das Rationale, Zs. f. christl. Kunst 16, 1903, Sp. 97ff. 3. Ders., Liturgisches Handlexikon, Regensburg 19242, S. 288. 4. Victor Gay, Glossaire II, S. 289 (Rational). 5. Otte I, S. 280f. 6. Sauer, S. 67. 7. Encyclopedia Judaica 5, 1930, S. 520f.