Brautkranz, Brautkrone

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englisch: Wreath, bridal wreath; französisch: Couronne de fiançeé, couronne nuptiale; italienisch: Ghirlanda nuziale, corona nuziale.


Otto Bramm (1942)

RDK II, 1125–1130


RDK II, 1127, Abb. 1. Berlin.
RDK II, 1127, Abb. 2. Berlin.
RDK II, 1129, Abb. 3. Jost Amman, 1586.
RDK II, 1129, Abb. 4. Berlin.

Bkz. = Brautkranz. Bke. = Brautkrone.

Der Bkz., daneben – vom 16. Jh. bis heute belegbar – die Bke., sind der Kopfschmuck und das Ehrenzeichen der jungfräulichen Braut. Ihre geschlossene Ringform ist Sinnbild für Unberührtheit, weshalb sie am Hochzeitsabend für immer abgelegt werden. Der Brauch des Bkz. als jungfräulichen Ehrenzeichens knüpft an die germanische Sitte des bei Jungfrauen offen fallenden Haares an im Gegensatz zu dem hochgebundenen der Frau. Das bei offener Haartracht benötigte, die Stirn freihaltende Kopfband gehört zur jungfräulichen Tracht und wurde für die Braut mit Blüten und Blättern – früh auch schon mit künstlichen aus Metall, Steinen, Perlen – geschmückt (Abb. 1) bzw. mit einem Kranz von Blüten, dem „Jungfernkranz“, ergänzt oder verbunden. Hierdurch entstand je nachdem eine Zweiheit oder kombinierte Form. Wo dieser Kopfputz heute noch Brauch ist und sich z. B. das Stirn- und Haarband zu hohen zylindrischen oder kegelförmigen Reifen auswuchs, da ist es, um es als bräutliches zu kennzeichnen, entweder mit unzähligen Blüten kranzförmig besteckt, oder es sind kleine Kränze darauf gebunden. Stellenweise kommen farbliche Unterschiede hinzu zwischen dem nur jungfräulichen Kopfschmuck (rot) und dem bräutlichen (grün).

Frühester Beleg für das bräutlich geschmückte Haarband findet sich nach Lauffer [2] bei Gregor von Tours († 594); er spricht von einer mit Gold verzierten Kopfbinde, die die Nichte der Äbtissin Leubovera von Poitiers zur Vermählung trug. Von späteren Quellen erwähnt Grimm ([1], Sp. 2369, Abs. II, 1, b, α) vor allem Otfried von Weißenburg, der die Dornenkrone Christi „Thurninaz Houbitpand“ oder „Thurninan Ring“ nennt, womit zugleich die Ringform gekennzeichnet ist, ferner das Vocabularium Theologicum (1482), in dem „Sertum“, „Krentzlin“, „Schapel“, „Harpant“, also das ältere „Houbitpand“, als identisch genannt sind, während unter „Corona“ etwas anderes zu verstehen sei. „Corona“ ist die meist aus Edelmetall in Reifen oder Bügeln mit Steinen und Perlen besetzte geschmiedete Krone, die als. ein Abzeichen weltlicher und kirchlicher Herrscher bedeutungsmäßig wie formal von dem Strahlendiadem römischer Kaiser herkommt. Sie war dementsprechend Signum Majestatis bei Darstellungen weltlicher Herrscher sowie bei Gottvater und bei der Marienkrönung. Auch die Marienbilder des frühen MA, in denen Maria als die königliche Mutter und Frau das Kopftuch trägt, bringen die Krone als Zeichen der Himmelskönigin. Seit der zunehmenden Verehrung der Jungfrau Maria im hohen MA wird die Muttergottes häufiger mit offenem Haar und Krone dargestellt (Konstanz, hl. Grab). Im 15. Jh. kann der Jungfernkranz, bzw. das geschmückte Haarband – und zwar oft in Gestalt eines aus Stoffen gewundenen, mit Perlen besetzten Kranzgebildes – hinzukommen, wobei die Krone gelegentlich auf diese aufgesetzt (Steinmadonna im Lübecker Dom, um 1460) oder von Engeln schwebend gehalten wird (Stephan Lochner, Muttergottes im verschlossenen Garten, W. R. M. Köln; Dürers Holzschnitt von 1518, B. 101); nur das geschmückte Haarband zeigen besonders die Darstellungen nach 1500, wie z. B. Dürers „Madonna mit dem Zeisig“ (1506) und – in Renaissanceform, mit Perlschnüren durchsetzt – die Muttergottes von Hans Leinberger in St. Martin zu Landshut (um 1520). – War in der Darstellung Marias zur Krone das volkstümliche Haarband oder Kränzlein hinzugekommen, ja, hatte es zu A. 16. Jh. sogar vielfach die Krone ersetzt, so fand im Zeitalter der Gegenreformation umgekehrt eine kirchliche Beeinflussung des Volksbrauches statt: von etwa M. 16. Jh. finden sich als Bken. starre Gebilde aus Edelsteinen und Perlen, die häufig den Marienkronen nachgeformt sind und Kranz und Schapel verdrängen (Abb. 2; [6]).

Bei weltlichen Darstellungen des MA (Sakramentsaltar des Rogier van der Weyden, um 1445, Antwerpen, Mus.) wie noch des 16. Jh. (Holbein d. J., Burgkmair, Aldegrever, Hans Seb. Beham, Tob. Stimmer u. a.) sind Bräute und Brautjungfern auf dem Lande noch im grünen Kranz mit ins Haar gesteckten Blumen oder Zweigen geschmückt, bei städtischen Hochzeiten meist mit einem gewundenen Haarband oder einem kleinen, auf dem Kopf befestigten Kranzgebilde mit Perlbesatz, Metallagraffen und einem Netz aus Metallfäden und Metallflitterplättchen, den sog. „Flinderln“. Dieses Kranzgebilde erhöht sich um die Wende des 16. Jh. zu einer Kegelstumpf- oder Zylinderform, die mit Flitterschmuck besetzt ist. Solche „Schapel“ genannten hohen Kränze, deren Kern immer noch der Kranzring bildet, finden sich auf Darstellungen städtischer Hochzeiten, wie z. B. auf einer Miniatur des Hamburger Stadtrechtes, welche die Einsegnung eines Brautpaares wiedergibt (1497; Sp. 1123, Abb. 1), oder in Jost Ammans Frauentrachtenbuch (Abb. 3). Eine einfachere Krone bei einer bäuerlichen Hochzeit zeigt Pieter Brueghel d. Ä. (Bauernhochzeit; Wien, Gem.Gal.), wo sie über der mit rotem jungfräulichem Haarreif geschmückten Braut vor einem Tuch an der Wand hängt. Reicher verzierte Beispiele erscheinen bei den bürgerlichen Hochzeiten des 17. Jh. (vgl. die Darstellungen Nürnberger Bräute Sp. 1124, Abb. 2, und bei P. Isselburg, Kupferstich von 1614; Diederichs 2, Nr. 100). Waren diese Bken. sehr kostbar, so befanden sie sich oft nur im Besitz der Gemeinde oder der Kirche und wurden an die Bräute gegen Entgelt ausgeliehen [3]. Fürstliche Bräute werden dagegen mit der Zackenkrone geschmückt.

Eine besondere Bedeutung kommt den kleinen Schmuckgebilden, den „Flinderln“ (Abb. 4), zu. Neben dem selbstverständlichen Zweck, durch Farbe, Schimmer und Glanz festlich zu schmücken, haben sie den Sinn von Amuletten und sind Träger von Segen, Glück, immerwährender Lebensfrische und wohl auch von Abwehrkraft gegen alles Unheil. Ihre Formen sind daher ganz bestimmte pflanzliche und figürliche Motive; es finden sich germanische Sinnzeichen wie Sonne, Mond, Sechs- und Achtstern, spiraliges Sonnenrad, daneben vor allem pflanzliche Symbole wie Eichel und Eichenblatt, Traube und Rebenblatt, Kleeblatt, Farrenkraut, Vergißmeinnicht und alle übrigen Blumen des Bauerngartens, auch solche mit medizinischer Heilkraft, schließlich volkstümliche Sinnbilder wie glückhaftes Schiff, Glocke, in Treuschwur verbundene Hände u. a. Ein solches Metallplättchen, das nach einer römischen Münze geprägt ist, zeigt Juno Lucina, die Hauptgöttin der Fruchtbarkeit. Die erhaltenen Flinderln reichen bis ins 17. Jh. zurück, doch sind sie schon auf Gemälden des 15. Jh. festzustellen. Sie sind aus feinster Metallfolie geprägt, vergoldet und, meist zu Hunderten neben pflanzlichem Schmuck auf den Bkz. und Bken. namentlich Südwest- und Mitteldeutschlands angebracht, während in Niederdeutschland der pflanzliche Schmuck überwiegt.

Zu den Abbildungen

1. Berlin, Staatl. Mus. f. dt. Volkskunde, blütengeschmücktes Haarband, Brautschmuck aus Forchheim (Franken) Phot. Verf.

2. Ebd., Brautkrone aus dem Elsaß (Kranz und Krone), um 1700. Phot. Verf.

3. Jost Amman, Frauentrachtenbuch, 12. Trachtenbild: Nürnberger Braut und Brautjungfer. Frankfurt 1586. Phot. G. N. M. Nürnberg.

4. Berlin, Staatl. Mus. f. dt. Volkskunde, „Flinderln“ von Brautkronen und Schapeln aus dem Elsaß und Baden. Phot. Verf.

Literatur

1. Grimm, Dt. Wörterbuch 5, Sp. 2050, II, 4, d; Sp. 2369, II, 1, b, α. – 2. Otto Lauffer, Jungfernkranz und Brautkronen, Zs. f. Volkskunde N. F. 2, 1930, S. 25ff. – 3. Ernst Grohne, Die Sitte der kirchlichen Brautkrone und ihre Geschichte, Niederdt. Zs. f. Volkskunde 11, 1933, S. 69ff. – 4. Otto Bramm, Deutsche Brautkränze und Brautkronen, Jb. f. hist. Volkskunde 3/4, 1934, S. 163ff. mit Lit.-Anhang, Taf. 29ff. – 5. Ad. Spamer, Die deutsche Volkskunde 2, Berlin 1935, S. 71ff. – 6. Ernst Schlee, Der Gebrauch der Brautkronen in Schleswig-Holstein, Die Heimat 46, 1936, S. 129ff. und 157f.

Verweise