Brautkleid

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englisch: Dress (wedding dress), wedding dress; französisch: Toilette de noces, robe de mariée; italienisch: Veste nuziale, abito da sposa, abito nuziale.


Helene Dihle (1942)

RDK II, 1124–1125


RDK II, 1123, Abb. 1. Hamburger Stadtrecht, 1497. Hamburg.
RDK II, 1123, Abb. 2. Kupferstich. E. 17. Jh. Berlin.

Das B. ist das Kleid, das eine Braut zur Feier ihrer Hochzeit trägt. Solange Verlöbnis und Hochzeit, welche zeitlich oft nur wenige Tage auseinanderlagen, gleiche Wichtigkeit hatten, oft sogar der Verlobung die festlichere Bedeutung beigemessen wurde, läßt sich der Begriff B. nicht klar bestimmen. Erst nachdem infolge der Reformation die kirchliche Trauung zum Mittelpunkt wurde, beschränkt sich die Bezeichnung B. mehr und mehr auf das Kleid, welches die Braut in der Kirche bei der priesterlichen Einsegnung trägt [1]. – Soweit wir vor der Reformation diesen Anzug auf bildlichen Darstellungen nachweisen können, weicht leine Form kaum von der auch sonst üblichen ab (Abb. 1). Vorn sich erweiternde und lang herunterhängende Ärmel, welche, wie in der 2. H. 15. Jh., am B. öfter zu einer Zeit vorkommen, welche diese Mode bereits überwunden hatte, lassen vermuten, daß man in früheren Zeiten bei der Wahl der Form eine gewisse Tradition walten ließ und sich allzu moderner Formen enthielt. Später ist die Form des B. stets der Mode gefolgt (Abb. 2). Auch in der Farbe gab es, abgesehen von örtlichen Bräuchen, keine bestimmte Regel. Die Farbenfreude der 1. H. 16. Jh. wirkte sich auch am B. aus [2]. Vom letzten V. 16. Jh. an begann sich in fürstlichen Kreisen, zuerst als Silberbrokat, die weiße Farbe durchzusetzen (Memoiren der Herzogin Sophie, nachmals Kurfürstin von Hannover, hrsg. von Adolf Köcher, Leipzig 1879, S. 61, u. Philipp Hainhofers Relationen, bearb. von Chr. Haentle, Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 8, 1881, S. 211ff.), welche im 17. und 18. Jh. fast ausschließlich herrichte (Karoline Hegewisch, Auszüge aus ihren Briefen und Briefe ihres Vaters, Kiel 1892, S. 16). – Fürstliche Bräute pflegten ihre kostbaren B. im MA und auch noch später der Kirche zu stiften zur Herstellung von Antependien, Meßgewändern u. dgl. (Hermann von Liebenau, Lebensgeschichte der Königin Agnes von Ungarn, 1288 bis 1364, 2 Bde., Regensburg 1868, S. 107.)

Zu den Abbildungen

1. Hamburg, Staatsarch., Bilderhandschrift des Hamburgischen Stadtrechtes von 1497, Hamburg 1917. Ausschnitt aus Taf. 13: Hochzeit. 2. Berlin, Lipperheidesche Kostümbibl., Nürnberger Kupferstich vom E. 17. Jh. Ausschnitt: vornehme Nürnberger Hochzeit.

Literatur

1. Georg Steinhausen, Geschichte der deutschen Kultur, Leipzig u. Wien 1904, S. 385ff. – 2. Das von Quetzische Hochzeitsbüchlein, nach der Handschrift gedruckt, Offenbach a. M. 1913.