Bouffanten

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englisch: Buffoon; französisch: Bouffants; italienisch: Pouf, puff.


Helene Dihle (1942)

RDK II, 1073–1075


RDK II, 1073, Abb. 1. Trachten-Spottbild, A. 17. Jh.
RDK II, 1073, Abb. 2. Joh. Heinr. Schmidt, 1780.
RDK II, 1075, Abb. 3. Inneres einer Bouffante, um 1785.

B. (Bouffans, Buffanten, Buffantenbäuche, Considérations, Culs, Culs de Paris, Culs postiches, Hüftcüls, Paniers, Paniers à coude, Poches, Poschen, Ventres postiches) von bouffant = bauschig [1] ist eine im 17. und 18. Jh. allgemeine Bezeichnung für wulstige Unterlagen an Röcken, Ärmeln oder Halstüchern der Frauenkleidung, um dem Stoff an bestimmten Körperstellen eine künstliche Aufblähung zu geben. Diese wurde A. 17. Jh. durch eine wurstförmige, rings um die Hüften gelegte Rolle erzielt (Abb. 1). E. 17. Jh. lag die Polsterung hinten, darüber bauschte sich der vorn offene, zurückgeraffte Oberrock. – Im engeren Sinne bezeichnete man im 18. Jh. mit B. die etwa 1760 in Mode kommenden Hüftwülste, welche an Stelle des Reifrocks oder unter diesem getragen wurden und ihm eine seitlich weit ausladende ovale Form gaben (Abb. 2 u. 3; [3]). Sie bestanden aus Draht-, Holz- oder Fischbeingestellen, auch aus Säcken, mit Roßhaar, Kleie und dergl. gefüllt [4]. Diese gesundheitswidrige und körperentstellende Mode forderte Tadel und Spott der Zeitgenossen heraus [5]. Nach einem Erlaß Kaiser Josephs II. vom Jahre 1783 mußten die Zuchthäuslerinnen, mit B. bekleidet, die Straßen Wiens kehren, um diesen Putz lächerlich zu machen [4]. Nachdem die Mode der B. um 1785 ihren Höhepunkt erreicht hatte, verschwand sie bald gänzlich aus der bürgerlichen Tracht, nur die Hoftracht blieb ihr noch etwa 20 Jahre treu (Karl Graf von Brühl und seine Eltern, hrsg. von H. von Krosigk, Berlin 1910, S. 262). In Österreich nannte man die um 1794 in der Frauenmode aufkommenden falschen Bäuche (ventres postiches) auch Buffantenbäuche [3].

Zu den Abbildungen

1. Spottbild auf die weibliche Tracht (Ausschnitt). A. 17. Jh. Phot. Staatl. Kunstbibl. Berlin.

2. Joh. Heinr. Schmidt, König Anton von Sachsen und seine erste Gemahlin Charlotte, 1780. Besitz des Hauses Wettin, Albertinische Linie, z. Z. Herrenhaus Peuke (Kr. Oels, Schlesien). Phot. Staatl. Kunstbibl. Berlin.

3. Innere Ansicht einer Bouffante, um 1785. Nach K. E. Blümml [4].

Literatur

1. Dict. de l’Académie française, Paris 18787, Bd. 1, S. 204. – 2. Jacob von Falke, Kostümgeschichte der Kulturvölker, Stuttgart 1880, S. 381 und 429. – 3. Joseph Richter, Die Eipeldauer Briefe 1785–97, hrsg. von Eugen von Paunel, München 1918, Bd. I, S. 5, 118, 145. – 4. Karl Emil Blümml, Die Bouffanten in Alt-Wien; in: K. E. Blümml u. Gustav Gugitz, Von Leuten und Zeiten im alten Wien, Wien und Leipzig 1902, S. 106. – 5. Johann Pezzl, Skizze von Wien. Ein Kultur- und Sittenbild aus der josephinischen Zeit, hrsg. von Gustav Gugitz u. Anton Schlossar, Graz 1923, S. 52, 185, 200, 524.

Verweise