Bohrer

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englisch: Drill; französisch: Foret; italienisch: Trapano.


Hans Feldbusch (1942)

RDK II, 1029


Der B. hat in seiner Eigenschaft als Marterwerkzeug seit dem späten MA Eingang in die christliche Kunst gefunden. Der hl. Achatius, der Anführer der zehntausend Soldaten, die unter Hadrian und Antoninus den Martertod erlitten, hat mitunter einen B. als Attribut, weil ihm vor seiner Kreuzigung die Augen ausgebohrt wurden (Braun, Tracht und Attribute, Sp. 17 ff). Neben Meißel, Messer und Zange kommt der B. auf Darstellungen der hl. Apollonia vor, der man nach der Legende während ihres Martyriums die Augen ausgebohrt und die Zähne ausgebrochen hat (Braun a. a. O., Sp. 101f. und Sp. 117/118, Abb. 50). Dem hl. Bischof von Autun, Leodegar, werden B., Stachel und Augen als Attribute beigegeben, da er ähnlich wie Achatius und Apollonia gemartert wurde (Braun a. a. O., Sp. 457ff.; Doyé I, S. 682; Künstle II, S. 401f.). In den Schilderungen der Marter der Zehntausend kommt meist auch ein Scherge mit einem B. vor. Der Marterknecht kniet auf einem am Boden liegenden Bischof (Achatius) und treibt ihm einen B. ins Auge (Altarflügel im Landesmus. Münster i. W., um 1489; Oberwesel, St. Martin; A. 16. Jh., Clemen, Got. Mon. Mal., Textbd. S. 339, Abb. 347; Holzschnitt Dürers von 1495/96, B. 117). Der B. dient auch bei der Vorbereitung der Kreuzigung als Werkzeug. Auf einem frühen Gemälde Dürers in Dresden, das die Anheftung Christi ans Kreuz wiedergibt, ist ein Henker damit beschäftigt, ein Loch in den Kreuzbalken zu bohren (Vorzeichnung in Friedr. Winkler, Die Zeichnungen Albrecht Dürers, Bd. 1, Berlin 1936, Nr. 167).

Literatur s. Attribut.