Bogengrab

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englisch: Tomb, arched tomb; französisch: Enfeu; italienisch: Tomba a nicchia, arcosolio.


Otto Schmitt (1942)

RDK II, 1026–1028


RDK II, 1027, Trier, Dom, um 1145.

B. nennt man eine bisher nur in Trier nachgewiesene Form des m.a. Wandgrabs. Während beim Nischengrab, vergleichbar dem frühchristlichen Arkosolgrab (RDK I, Sp. 1050), die Tumba (mit oder ohne Bischofsfigur) in einer Nische oder in einer der Wand vorgeblendeten Arkatur steht, erhebt sich beim B. (Abb.) eine Bogenstellung auf dem an die Wand gelehnten Sarkophag oder Scheinsarkophag (Tumba). Im ersten Fall bildet also die Architektur Gehäuse und Hintergrund des Grabmals, im zweiten seine Bekrönung. Klassisches Beispiel des B. ist das Grabmal des päpstlichen Legaten Kardinal Ivo († 1144) im Trierer Dom (Abb.); das Grab befand sich hier (wie in der Regel) vor der Tumba im Erdboden, auf der Tumba lag angeblich eine heute nicht mehr vorhandene Figur des Verstorbenen. Ein älteres Denkmal dieser Art, ebenfalls im Trierer Dom, war vielleicht schon das Grabmal des 1129 verst. Erzbischofs Gottfried von Vianden (Inv. Rheinprovinz 13, 1, 1, 1, S. 262f.), wenig jünger ist ein 1900 ergänztes und im Dom wieder aufgerichtetes B., das Irsch [5] mit dem 1153 verst. Erzbischof Albero in Verbindung bringt. Um 1230 wurden über den (erst damals erhobenen?) Sarkophagen (!) der Trierer Erzbischöfe Udo († 1078), Egilbert († 1101) und Bruno († 1124) drei zusammenhängende Grabbogen in spätromanischem Stil errichtet (Inv. S. 267). Reste einer anderen dreiteiligen Anlage im Dommus. (Inv. S. 268). Mit den Denkmälern des Erzbischofes Heinrich von Finstingen († 1286; zerstört) im Dom (Inv. S. 268) und des Mönches Theodor auf dem Friedhof von St. Matthias (um 1300; Inv. Rheinprovinz 13, 3, 3, S. 282) wandeln sich nicht nur die Formen ins Gotische, es setzt sich auch der Typus des Nischengrabs durch, wie er schon um M. 13. Jh. in der Kathedrale von Metz erscheint. Nach Fr. Kutzbach (angekündigt im Inv. Trier, Dom, S. 265) fanden sich in Pfalzel bei Trier B., die erheblich älter als die des Trierer Domes sind, doch enthalten die bisher erschienenen Ausgrabungsberichte (Friedr. Kutzbach in Trierer Zs. 4, 1929, S. 1ff., und Germania 19, 1935, S. 40ff.; Inv. Rheinprovinz, 15, 2: Landkreis Trier) keine genauen Angaben. Die Herkunft des B. ist überhaupt noch nicht geklärt. Hinweise der Literatur auf den in Südfrankreich verbreiteten Typus des enfeu übersehen, daß die zum Vergleich herangezogenen französischen Denkmäler zumeist jünger sind als die ältesten B. in Trier. Überdies handelt es sich in Frankreich grundsätzlich immer um die Form des Nischengrabes. Wie weit Irschs [5] überzeugende Feststellungen über stilistische Zusammenhänge des Trierer Ivo-B. mit Lothringen (Porte du Lion der Kathedrale von Verdun) auch auf den Grabmaltyp als solchen ausgedehnt werden dürfen, bleibt noch zu untersuchen.

Zur Abbildung

Trier, Dom, Bogengrab des Kardinallegaten Ivo, † 1144. Phot. Provinzialkonservator der Rheinprov., Bonn.

Literatur

1. Otte I5, S. 340. – 2. Bergner, S. 299. – 3. Friedr. Kutzbach, Die älteren Grabbögen im Trierer Dom, Trierische Chron. 4, 1908, S. 6ff. – 4. Ders., Notizen zur Kunstgeschichte des Trierer Domes, 2. Ehem. m.a. Grabbögen im Kreuzgange. Trierische Chronik 6, 1910, S. 107ff. – 5. Nik. Irsch, Die Trierer Abteikirche St. Matthias, Augsburg 1927, S. 153ff. – 6. Ders., Die Typen der Trierer Bischofsgrabmäler, Trierer Zs. 6, 1931, S. 212ff.

Verweise