Bogenfeld

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englisch: Tympanum; französisch: Tympan de portail.; italienisch: Arco, lunetta.


Dagobert Frey (1942)

RDK II, 996–1010


RDK I, 1021, Abb. 5. Goslar, Neuwerkkirche, um 1200.
RDK II, 997, Abb. 1. Aachen, Münster, um 800.
RDK II, 997, Abb. 2. Bierstadt, karol. Portal.
RDK II, 999, Abb. 3. Murbach, ca. 1130/40.
RDK II, 999, Abb. 4. Andernach, Südportal, 1. V. 13. Jh.
RDK II, 999, Abb. 5. Bamberg, Gnadenpforte, um 1220.
RDK II, 1001, Abb. 6. Trebnitz, Klosterkirche, Westportal, 1. H. 13. Jh.
RDK II, 1003, Abb. 7. Halberstadt, Dom, Turmhalle, um 1230/40.
RDK II, 1005, Abb. 8. und 9. Eßlingen, Frauenkirche, gegen 1350 und um 1400.
RDK II, 1005, Abb. 10. Würzburg, Marienkapelle, um 1425.
RDK II, 1007, Abb. 11. Wien, Salvatorkirche, 1515.
RDK II, 1007, Abb. 12. Eichstätt, Altar von Loy Hering, um 1520.

Mit B. bezeichnet man allgemein das Feld zwischen Bogen und Kämpferlinie. Wichtigstes Auftreten: 1. als Schildbogen unter einem Gewölbe oder einer Bogennische, wenn die Kämpferlinie architektonisch betont ist (Lünette), 2. unter einem Überfangbogen über einer Reihe kleinerer Bogenöffnungen, 3. unter einem Entlastungsbogen über einer Maueröffnung, zumeist einer Türe (Tympanon, im Frz. wird diese Bezeichnung auch für die Zwickel zwischen zwei Bogen verwendet, was im Deutschen nicht üblich ist), 4. an bogenförmigen Giebeln und Bekrönungen (Tympanon), 5. in rein dekorativer Form in der Kleinkunst (Elfenbeinreliefs, Kanontafeln, Goldschmiedearbeiten).

1. Ein B. ergibt sich beim Anlauf von Tonnen, bei Tonnen mit Stichkappen und bei Kreuzgewölben, wenn der Kämpfer als Gesims durchgeführt wird.

a) Bleibt das B. geschlossen, so kann es mit Malereien, Mosaiken oder Stuckdekorationen verziert werden (vielfach in Kreuzgängen, Refektorien, profanen Sälen). Die Füllung des B. bildet eine der bedeutendsten Aufgaben der Monumentalmalerei (Mosaiken in der Grabkapelle der Galla Placidia, Vatikanische Stanzen. Romanisch: Gurk, Westempore; Brixen, Taufkirche; Prüfening. Gotisch: Köln, St. Maria Lyskirchen, St. Andreas, St. Severin; Sinzig; Koblenz, St. Castor; Prag, Emmauskloster, Kreuzgang. Renaissance: Landshut, Residenz; Augsburg, sog. Badezimmer des Fuggerhauses mit Büsten im B. 19. Jh.: Peter Cornelius (München, Glyptothek).

b) Vielfach wird das B. für die Belichtung des Raumes verwendet, indem es entweder ganz geöffnet oder ein Fenster oder eine Fenstergruppe, die sich der Bogenform anpaßt, eingestellt wird (gegen die Mitte ansteigende Fenstergruppen vor allem in der normannisch-englischen und rheinischen Spätromanik, Bonn, Roermond). Unter Rundbogennischen tritt das B. vor allem in der Grabmalarchitektur auf (Arkosolgrab, RDK I, Sp. 1050f.; Nischengrab, vgl. RDK I, Sp. 1402ff.).

2. Ein B. unter einem Überfangbogen über zwei oder mehreren kleineren Bogenöffnungen ergibt sich vor allem an Fenstern, Emporen und Triforien (schon in der frühbyzantinischen Baukunst in Byzanz, Agios Sergios und Bakchos an den Emporen, Ravenna, Baptisterium der Orthodoxen, im Innern an der Fensterzone mit Mosaiken); von Byzanz beeinflußt in der vorromanischen Kunst in Mettlach (Fenstergruppen), Gernrode (Emporen; RDK I, Sp. 1040, Abb. 2). In älterer Zeit meist glatt, später besonders bei Triforien geschmückt mit dekorativem Mauerwerk (besonders in Frankreich: Mont-Saint-Michel, Preuilly-sur-Claise), reliefierten Mustern (vor allem in England: Rochester, Hereford, Bristol, Kapitelhaus) oder mit Wandmalereien (vor allem in den Rheinlanden: Brauweiler, Limburg a. d. L.). Das B. kann auch durch ein Kreis- oder Rosenfenster durchbrochen werden, was in der Weiterentwicklung zur Auflösung des B. in Maßwerk führt.

3. Das B. über Türöffnungen ergibt sich aus der Entlastungskonstruktion. Eine Vorform findet sich schon am Löwentor in Mykene, bei dem das Entlastungsdreieck über dem Sturzbalken durch eine Reliefplatte geschlossen ist. Entlastungsbogen über einem Türsturz treten vereinzelt in der griech. Baukunst auf (Stadtmauer von Assos). Die römische Baukunst verwendet vielfach den Entlastungsbogen aus konstruktiven Gründen, ohne ihn jedoch künstlerisch zu verwerten. In der koptischen Kunst des 5. Jh. wird das B. durch leichte Vertiefung herausgehoben (Weißes Kloster), mitunter sogar reich dekoriert (korbbogenförmiges B. in Daschlug bei Bawit). In Bimbirkilisse (Kleinasien) wird eine gerahmte Türe unter einen Entlastungsbogen gestellt ohne engere Beziehung zueinander, durch ein kleines Oberlichtfenster wird aber doch das B. betont. Enger ist die architektonische Verknüpfung in Syrien, wo über der geraden Verdachung der rechteckigen Türöffnung kleine, meist offene Entlastungsbogen mit Archivolte angeordnet werden (Kalb Luzeh, Turmanin, Deir Seman). Eine klarere Ausbildung des B. zeigt sich in Armenien, wo eine rechteckige Türöffnung unter einem vorgestellten Rundbogen auf Säulen angeordnet wird. Eine strengere Bindung von Tür und Bogen und damit eine klarere Ausscheidung des B. ergibt sich durch Gleichsetzung der oberen Sturzfuge mit der Kämpferlinie des Bogens. Es kommt schon gelegentlich zu dekorierten B. (Geghard mit reicher reliefierter Musterung, Karawank mit Tierdarstellungen, Kathedrale in Mren mit zwei Engeln). Die Reliefs von Mren sind laut Inschrift A. oder M. 9. Jh. entstanden. Armenische Einwirkungen auf die Entwicklung des abendländischen Stufenportals sind wahrscheinlich. In der byzantinischen Baukunst wird das B. entweder als Oberlicht offen gelassen oder leicht vertieft mit dekorativem Mauerwerk geschlossen (Athen, Panagia Gorgopiko, sog. kleine Metropolis, 11.–12. Jh.).

Die merowingisch-karolingische Entwicklung steht unter antik-orientalischem Einfluß. Das Entwicklungsproblem liegt in der architektonischen Bindung von rechteckiger Türöffnung und Entlastungsbogen und im Herausheben des B. als einer architektonischen Einheit durch selbständige dekorative Behandlung. Am Aachener Münster (Abb. 1), in Lorch und Ingelheim sind die Entlastungsbogen rein konstruktiv verwendet; das B. bleibt entweder offen, oder es wird vermauert oder mit einer Steinplatte geschlossen. In Aiguilhe (Haute-Loire) ist das B. über einem giebelförmigen Sturz, wie er in karolingischer Zeit üblich ist, gemustert. Auch das Westportal der Kathedrale von Le Mans zeigt schon den Ansatz zu einer festeren Bindung, indem die Unterkante des als Scheitbogen ausgeführten Sturzes mit der Kämpferlinie zusammenfällt. Auch in der Frühromanik ist anfangs noch ein Schwanken zu beobachten. Reine Entlastungskonstruktionen sind die flachen Bogen in Bierstadt bei Wiesbaden (Abb. 2) und Nieder-Zündorf (Kr. Mülheim/Rh., nach Inv. 11. Jh.). Die Stiftskirche in Gernrode und St. Michael in Hildesheim zeigen bereits eine klarere Ausscheidung des B., das glatt belassen wird. Ähnlich ist die Entwicklung auf der Reichenau: in Oberzell ein Entlastungsbogen mit ausgemauertem B., ganz unabhängig von der tiefer sitzenden Türe mit Giebelsturz, in Niederzell engerer Bezug, bei gleicher Breite des Bogens, mit der lichten Weite der Türe. Noch um 1100 ist das Verhältnis in Méy bei Metz sehr locker.

Ihrer konstruktiven Entwicklung nach verlangt die Türöffnung einen Sturz, über dem der Entlastungsbogen ansetzt. Dieser Grundtypus findet sich vor allem in Oberitalien, Frankreich, West- und Süddeutschland. Vom konstruktiven Standpunkt hat dabei der Sturz unter der Kämpferlinie zu liegen, wie es in Italien (Piacenza, Dom; Verona, S. Zeno; Borgo San Donnino) und Frankreich (Arles, St. Trophime; Avallon; Angoulême) zumeist der Fall ist. Mitunter greift der Sturz in den Bogen ein wie in Toulouse oder in Schaffhausen (2. Münsterbau, nach 1087). In seltenen Fällen tritt an Stelle des geraden Sturzes ein Segmentbogen, häufiger im Cavaldos (Tour, Ouistreham), vereinzelt in Bayern (Moosburg), oder auch ein Dreieck (Andernach, Abb. 4; Lübeck, Dom, N.-Portal). Unter oberitalienisch-burgundischem Einfluß stehen die Portale in Petershausen und Basel (Galluspforte; RDK I, Sp. 947/48, Abb. 6). In Alpirsbach ist das B. gleichmäßig gerahmt, die Ausscheidung also eine vollständige, doch ist an der verschiedenen dekorativen Behandlung des unteren Rahmenstreifens und der Archivolte die Erinnerung an ihre ursprünglich verschiedene funktionelle Bedeutung zu erkennen. Vor allem in Süddeutschland ist die Andeutung eines Sturzes häufig, der aber meist nicht konstruktiv durchgeführt ist, sondern dekorativ auf der Platte des B. angearbeitet ist. Für den niedersächsischen Raum und sein Ausstrahlungsgebiet ist die als B. eingesetzte Platte ohne Sturz kennzeichnend (Gernrode; Goslar, Neuwerkk., RDK I, Sp. 1021, Abb. 5; Königslutter; Braunschweig, Martinik.; Stadtilm). Auch die Hirsauer Kongregation bevorzugt diese einfachere Form (Hirsau, St. Peter; Paulinzelle).

Schmuck des B.: Die ältesten B. von Portalen sind glatt oder mit Musterung (Aiguilhe, Mont-Saint-Michel, Preuilly-sur-Claise). Hirsauisch ist die Teilung in zwei Felder durch einen Mittelbalken (außerordentlich häufig in Sachsen, seltener in Schwaben). Der Schmuck durch Bemalung scheint dem plastischen vorausgegangen zu sein (Paulinzelle, Petersberg bei Erfurt, Reste in Stadtilm und Pforta; aus dem A. 13. Jh. Köln, Hauptportal von St. Gereon, beiderseits bemalt; aus der M. 13. J. das Weltportal von St. Maria-Lyskirchen). Vielfach dürften glatte B. ursprünglich bemalt gewesen sein.

Plastischer Schmuck: a) Symbolische, auf Christus Bezug nehmende Darstellungen: achtspeichiges Rad oder Rosetten, vielleicht durch Volkskunst aus vorchristlicher Zeit übermittelt, Monogramm Christi, Agnus Dei allein, zwischen Rosetten oder Evangelistensymbolen, segnende Hand, Kreuz zwischen Rosetten oder drei Kreuze. b) Tierdarstellungen: Löwen zu beiden Seiten einer Säule oder einer Kreuzscheibe (Hamersleben, Zuchau) oder auch allein (Murbach, Abb. 3) in heraldischer Symmetrie nach orientalischen Vorbildern, vielleicht durch Textilien vermittelt; Kampfszenen als Symbol des Kampfes von Gut und Böse: Löwe und Drache, Mensch und Löwe. c) Figurale Darstellungen treten in Deutschland erst im 2. V. 12. Jh. auf (zahlreiche Abb. bei Herm. Beenken, Romanische Skulptur in Deutschland, Leipzig 1924). Eines der frühesten Beispiele ist das Portal der Stiftskirche in Gandersheim mit Christus zwischen Petrus und Paulus in Halbfiguren (2. H. 12. Jh.). Diese fügen sich am leichtesten ins B. ein, sie sind daher gerade in der Frühzeit häufig (Köln, St. Cäcilia, um 1130–50; Soest, Dom, RDK I, Sp. 753/54, Abb. 1; Regensburg, St. Jakob, E. 12. Jh.; Hildesheim, St. Godehard, Nordportal, nach 1200); doch treten auch schon um die M. 12. Jh. ganzfigurige Darstellungen auf (Trier, Neutor, um 1147; Mehringen bei Aschersleben, um 1170–80). Ikonographisch steht die Darstellung Christi an erster Stelle, entweder als Majestas Domini (Landsberg; Naumburg, südl. Querschiffportal; Maastricht, St. Servatius) oder zwischen Heiligen (Trier, Dom; Gandersheim; Worms, Dom; Goslar; Beesenlaublingen; Elstertrebnitz, Sp. 65/66, Abb. 1; Dornstedt; Ilsenburg); dann die thronende Maria (Paulinzelle, Petersberg bei Erfurt, Stadtilm, Freyberg a. U., Quedlinburg, Reinsdorf, Königslutter, Bamberg, Gnadenpforte, Abb. 5), schließlich Heilige, zumeist die Kirchenpatrone, mit ihnen häufig verbunden Stifterfiguren (Breslau, Sandkirche). Seltener sind biblisch-historische Szenen: Trebnitz (David und Bathseba; Abb. 6), Mehringen (Steinigung des hl. Stephanus), Breslau, Magdalenenportal (Himmelfahrt Christi). Kruzifixe und Kreuzigungsdarstellungen treten verhältnismäßig spät, E. 12. und A. 13. Jh., auf (Soest, St. Maria zur Höhe; Arnstadt; Mühlhausen; Zerbst; Aue-Aylsdorf; Breslau, Magdalenenportal); auch die Darstellung des Jüngsten Gerichtes gehört schon der Frühgotik an. – d) Eine sächsische Besonderheit sind die Rankentympana, die im letzten V. 12. Jh. auftreten (Hildesheim, St. Godehard; Wunstorf, Landsberg, Münchenlohra, Neutz, Pfützenthal, Ilsenburg, Krosigk). Eine jüngere Gruppe geht von Magdeburg aus und greift auf Thüringen über (Kloster Gröningen, Naumburg, Merseburg, Halberstadt, Abb. 7), vereinzelt auch in Süddeutschland (Schwäb. Hall, Niederaltaich, Worms, St. Martin) und in der Ostmark (Heiligenkreuz). Sie gewinnen in der Frühgotik wieder an Bedeutung (Marburg a. d. L., Elisabethkirche, und ihre Nachfolge bis nach Böhmen und Schlesien: Prag, Altneusynagoge; Münsterberg).

In ähnlicher Weise wie an Portalen können dekorierte B. auch unter Blendbogen in der Mauerflucht verwendet werden. Meist handelt es sich dabei um eine Übertragung der Portalarchitektur auf die Mauer wie an der Westfassade von Angoulême, ähnlich in Ruffec, Chalais und Partenay-le-Vieux oder bei den Seiteneingängen der Annenkapelle auf der Marienburg, wo die B.-Dekoration des Portals an den Seitenwänden der Vorhalle wiederholt wird. Auch die zehn reliefierten B. von der capella abbatis in Schaffhausen (nicht in situ) müssen einer Wanddekoration angehören.

Technik. Die figuralen B. können: a) gemauert sein, wobei wahrscheinlich das Relief aus der Bosse der versetzten Steine gemeißelt wurde (Trier, Neutor; Köln, St. Cäcilien); b) aus mehreren Platten zusammengesetzt, wie es bei den großen B. durchwegs der Fall ist. Meist ist für je eine Figur eine Steinplatte verwendet (Trier, Dom; Köln, St. Pantaleon; Trebnitz, Westportal, Abb. 6); es konnten daher die fertigen Platten versetzt werden; c) aus einer einzigen Platte. In seltenen Fällen ist die Platte beiderseitig dekoriert (Trebnitz, Westportal, und Queitsch, Chorportal).

Gotik. Die Neigung zu epischer Breite und kontinuierlichem Ablesen führt bei den großen B. zur Streifenteilung: in zwei oder mehr Streifen übereinander wird die Heilsgeschichte oder eine Heiligenlegende erzählt. Eine Vorstufe in der Romanik bilden die B. mit figural geschmücktem Sturz. Bei den älteren Beispielen ist noch das Bedürfnis nach einer Betonung der Mittelachse zu erkennen, die durch ein Hauptmotiv (thronender Christus, Kruzifixus) bezeichnet wird (Straßburg, mittl. Westportal, RDK I, Sp. 950, Abb. 9; Freiburg i. Br.). In der weiteren Entwicklung wird dieser Mittelakzent von der fortlaufenden Erzählung überrannt und ausgeschieden (Augsburg, Dom, RDK I, Sp. 953, Abb. 12; Nürnberg, Frauenkirche; Eßlingen, Frauenkirche, Abb. 8 und 9; Wien, Singertor). Das späte 14. Jh. gelangt wieder zu einer Vereinheitlichung, aber nicht von der Symmetrie her, sondern aus dem Bedürfnis nach Raumeinheit (Thann; Frankfurt a. M., Liebfrauenkirche; Würzburg, Marienkapelle, Nordportal, Abb. 10). Eine andere Schmuckform des B. in der Gotik ist das Blendmaßwerk; schon in der Spätromanik: Otterberg, Hauptportal, 1230–49; spätere Beispiele: Magdeburg, Westportal des Doms; Reutlingen; Salem; Schwäbisch Gmünd, Westportal (Sp. 113, Abb. 6); vereinzelt auch im Backsteingebiet: Tangermünde, St. Stephan (Sp. 57, Abb. 3). Mitunter wird das Maßwerk fensterartig durchbrochen und als Oberlicht ausgebildet (Nürnberg, Vorhalle der Frauenkirche).

4. Renaissance. Die Vorliebe der italienischen Frührenaissance für geometrisch klar bestimmte Formen und im besonderen für den Halbkreis führt auch zu einer vielfachen Verwendung des B.; es sind dabei zwei Grundformen zu unterscheiden: als Tympanon unter einem vorgestellten Bogen zumeist auf Säulen oder Pilastern an Portalen und Wandnischengräbern und als Rundgiebel an Fassaden, Portalen, Altären und Grabmälern. Das B. kann durch Malerei (Florenz, Sta. Maria Novella; Mailand, Sta. Maria delle Grazie), durch Reliefs (Florenz, Badia; Pavia, Certosa; Como, Dom, und sonst vielfach), durch Kreismedaillons, Muscheln und Rosetten oder durch Felderteilung (Rimini, S. Francesco; Venedig, S. Zaccaria) gefüllt oder als Oberlicht geöffnet werden (Ferrara, Casa Novelli; Perugia, S. Pietro de’ Cassinensi). Diese Formen werden auch in Deutschland übernommen (Wien, St. Salvator, Abb. 11; Breslau, Dom, Sakristeitür, RDK I, Sp. 170, Abb. 2; Wismar, Fürstenhof mit Backsteindekor; Entwürfe für Portale von Peter Flötner und Wendel Ditterlin). Als Fassadengiebel ist das halbkreisförmige B. vor allem in Oberitalien beliebt (Venedig, S. Zaccaria, Sta. Maria dei Miracoli, Scuola di S. Marco), sehr häufig und verbreitet auch in Deutschland als Bekrönung von Portalen, Altären (RDK I, Sp. 529ff.) und Grabmälern (Altäre: Wien, Maria am Gestade; Rahmen des Allerheiligenbildes von A. Dürer; Eichstätt, Dompfarrsakristei, Altar von Loy Hering, Abb. 12; Grabmäler: Mainz, Dom, Konrad von Liebenstein, Göler von Ravensburg, Georg von Schönenburg; Trier, Dom, Metzenhausen; Königsberg i. Pr., Markgräfin Elisabeth). Kleine B. werden auch in Nord- und Ostdeutschland vielfach an Treppengiebeln und auf Attiken verwendet (Schloß in Gadebusch; RDK I, Sp. 1370, Abb. 24). Im norddeutschen Fachwerkbau wird das B. mit Rosette häufig am Fensterparapet unter den Ständern an Stelle der Büge angebracht. Vgl. auch das Gemälde von Holbein RDK I, Sp. 908, Abb. 2.

Barock. An Portalen verschwindet das geschlossene B. vollständig, als Oberlicht über den Türflügeln wird es oft mit reichen Schmiedeeisengittern versehen.

5. Kleinkunst. Das Auftreten reich geschmückter B. in der Elfenbeinschnitzerei und vor allem in der Buchmalerei ist auch für die Entwicklung der Monumentalkunst von Wichtigkeit, da zweifellos mannigfaltige Wechselbeziehungen bestehen. Bei alexandrinischen Elfenbeinreliefs aus dem 6. Jh., bei denen das B. über einem durchgehenden Architrav mit einer Muschel geziert ist, lebt noch die architektonische Form der Rundnische nach (Goldschmidt, Elfenbeinskulpturen I, Taf. 53, Nr. 120, Taf. 54, Nr. 125). Auf einem karolingischen Relief mit sitzenden Evangelisten unter Arkaden ist die Herkunft aus der Baukunst an der Vertiefung der Sitznische zu erkennen (Goldschmidt I, Taf. 10). Ein Kästchen aus dem Quedlinburger Domschatz und ein ähnliches gleichzeitiges in Berlin zeigen Sitzapostel unter Arkaden; die B. mit Tierkreiszeichen sind durch eine Stange, an der ein Vorhang angebracht ist, abgetrennt; auch hier ist also die Herleitung aus einer realen Architektur gegeben (Goldschmidt I, Taf. 24, 25). Auch auf Elfenbeinkämmen der karolingischen Zeit finden sich B., die aber keinen Bezug zur Monumentalkunst aufweisen (Goldschmidt I, Taf. 26, 39, 40). Bezeichnenderweise verschwindet das Motiv des dekorierten B. in der nachkarolingischen Elfenbeinschnitzerei, was für seine antik-orientalische Herkunft spricht.

In der Buchmalerei zeigen die Kanontafeln meist reich dekorierte B. zwischen einer unteren kleinen Bogenreihe und einem Überfangbogen. Der architektonische Charakter läßt Einflüsse aus der Baukunst vermuten, wie andererseits wahrscheinlich Anregungen von der in der dekorativen Ausgestaltung freieren Buchmalerei auf diese ausgegangen sein dürften. Die ältesten erhaltenen Beispiele gehören dem 6. und 7. Jh. an. Das B. nimmt entweder die Schrift auf, oder es wird durch ein Medaillon mit Kreuz oder durch ein fortlaufendes Muster gefüllt. Halbfiguren im B. kommen zum ersten Male im Cod. Hamilton 246 (Berlin, Preuß. Staatsbibl.) aus dem 11. Jh. vor, der vielleicht aus Kappadozien stammt (Carl Nordenfalk, Die spätantiken Kanontafeln, Göteborg 1938, Taf. 5f.). In der m.a. Goldschmiedekunst treten B. als halbkreisförmige Giebelchen an Faltkuppeln von Turmreliquiaren auf (Turmreliquiar aus Köln, Darmstadt, Landesmus., um 1150/60; St. Oswald-Reliquiar, Hildesheim, Domschatz, um 1200).

Zu den Abbildungen

1. Aachen, Münster, karol. Tür, um 800. Phot. Gerh. Mertens, Aachen.

2. Bierstadt bei Wiesbaden, Pfarrkirche, karol. Portal. Phot. Nassauisches Landesmus. Wiesbaden.

3. Murbach (Elsaß), Abteikirche, Portal am südlichen Querschiff, ca. 1130/40. Marburger Photo.

4. Andernach, Pfarrkirche, Südportal, 1. V. 13. Jh. Phot. Schröder, Bonn.

5. Bamberg, Dom, Gnadenpforte, um 1220. Phot. Dr. F. Stoedtner, Berlin.

6. Trebnitz (Schles.), Klosterkirche, Westportal, Bogenfeld mit David und Bathseba, 1. V. 13. Jh. Phot. Damerau, Breslau.

7. Halberstadt, Dom, Bogenfeld in der Turmhalle, um 1230/40. Marburger Photo.

8. Eßlingen, Frauenkirche, Südostportal, gegen 1350. Phot. Staatl. Bildstelle, Berlin.

9. Eßlingen, Frauenkirche, Südwestportal, um 1400. Phot. E. Wahl, Stuttgart.

10. Würzburg, Marienkapelle, Nordportal, um 1425. Phot. L. Gundermann, Würzburg.

11. Wien, Salvatorkirche, Portal von 1515. Phot. Österreich. Lichtbildstelle, Wien.

12. Eichstätt, Dompfarrsakristei, Altar des Dompropstes Johannes von Wolfstein, † 1519, von Loy Hering. Nach Postkarte.

Literatur

1. Edwin Redslob, Das Kirchenportal, Jena o. J. (1909). 2. Burkhard Meier, Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe, Zs. f. Gesch. d. Arch., Beiheft 6, 1911. 3. Rich. Kurt Donin, Romanische Portale in Niederösterreich, Jb. d. Kunsthist. Inst. d. Z.K. f. Denkmalpflege 9, 1915, S. 1ff. 4. Johanna Szaß, Portale des 13. Jh. am Mittelrhein, Diss. Frankf. 1920 (maschinenschriftl.). 5. Ludw. Moser, Romanische Portale in Schwaben, Diss. Freiburg i. B. 1921 (maschinenschriftl.). 6. Hans Karlinger, Die romanische Steinplastik in Altbayern und Salzburg, Augsburg 1924. 7. Kurt Erdmann, Zur Genesis des romanischen Stufenportals, Rep. f. Kw. 51, 1930, S. 179ff. 8. Fr. Borowsky, M.a. Kirchenportale in Oberschlesien, Jb. d. oberschles. Denkmalpflege 1934, S. 50ff. 9. Kurt Reißmann, Romanische Portalarchitektur in Deutschland, Diss. München 1937. 10. Ders., Über die Verbreitung der Hirsauer Portalform, Rhein. Vierteljahrsbll. 1938, S. 189f. 11. Herbert Möller, Das mittelalterliche Kirchenportal in Vorpommern, Diss. Greifswald 1937. 12. Aug. Schuchert, Das älteste Mainzer Domportal, Mainzer Zs. 34, 1939, S. 23ff.

Verweise