Blutflüssige

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englisch: Woman with the issue of blood; französisch: Hémorroïsse; italienisch: Emorroissa.


Hans Feldbusch (1942)

RDK II, 961–962


RDK II, 963, Evangeliar Heinrichs III., zw. 1043 u. 1046. Escorial.

B. = Blutflüssige. H. = Heilung.

I. Begriff

Die Synoptiker berichten übereinstimmend von der H. einer B. Bevor Christus in das Haus des Synagogenvorstehers Jairus eintrat, berührte die Kranke, zunächst von ihm unbemerkt, den Saum seines Gewandes und wurde geheilt (Matth. 9, 22ff., Mark. 5, 25ff., und Luk. 8, 43ff.).

II. Darstellung

A. Altchristliche Kunst

Die H. der B. gehört wie die Blindenheilung (Sp. 909ff.) zu den Wundern Christi, die in der altchristl. Kunst schon früh und oft dargestellt wurden. Eusebius berichtet von einer monumentalen Erzgruppe in Paneas (Cesarea Philippi), an der Stelle, an der Christus das Wunder wirkte. In der Katakombenmalerei erscheint die H. der B. seit der 1. H. 2. Jh. Allein vier Beispiele finden sich in der Katakombe der Hl. Petrus und Marcellinus (2. H. 3. Jh. und 1. H. 4. Jh.; Wilpert, Katakomben I, S. 216). Die Komposition entspricht ganz dem biblischen Wortlaut: Die Kranke kniet hinter Christus und berührt mit der Rechten seinen Gewandsaum. Noch häufiger ist die H. der B. in der Sarkophagplastik (Wilpert, Sarc. passim). Die B. kniet oder liegt lang ausgestreckt zu Füßen Christi, der ihr die Hand auflegt, so daß die Szene von der H. der Kanaanäerin oft nicht zu unterscheiden ist. Beispiele aus der Kleinkunst: Kanne im Mus. zu St. Germain-en-Laye um 400 und Elfenbeinpyxis bei Cabrol-Leclercq [1, Abb. 5645], aus der Monumentalkunst: ein Mosaik in S. Apollinare Nuovo in Ravenna [4], eine weitere Darstellung wird in den Titelversen des Rusticus Helpidius (6. Jh.) genannt (Schlosser, Quellenbuch, S. 37).

B. Frühes MA

Die bei der Blindenheilung erwähnten früh-m.a. Beispiele aus der Wandmalerei, Plastik und Buchmalerei bringen alle auch die H. der B.: Reichenau-Oberzell, Ekkehards Tituli für den Mainzer Dom, Bernwardsäule in Hildesheim, der Egbertkodex, die Evangeliare Ottos III. und Heinrichs III. (Abb.) und der Codex aureus in Gotha. Weitere Darstellungen in einer Handschrift der Kölner Dombibl. (Nr. 218), im Codex Epternacensis [3] und in der Gumpertsbibel (Sp. 488, Abb. 5). Ebenso begegnet uns die H. der B. noch in einem Straßburger Glasgemälde um 1300.

C. Spätes MA und neuere Zeit

Im späten MA verschwindet die H. der B. nahezu; eine Ausnahme bildet ein Gemälde des Riemer- und Beutler-Altars in der Nikolaikirche zu Stralsund (um 1440). In der nach-m.a. Kunst kommt sie fast nur noch in der Bibelillustration vor. Die „Historische Bilderbibel“ des Joh. Ulr. Krauß (Augsburg 1702) bringt die H. der B. als Nebenszene (Taf. 151), Jan van Orley schildert das Wunder weitschweifig in einer Radierung [5, Taf. 30]. Ein Beispiel aus der Tafelmalerei ist das Gemälde von Paolo Veronese in Wien [5, Taf. 31].

Zur Abbildung

Madrid, Escorial, Evangeliar Heinrichs III., fol. 32. Echternach, zw. 1043 und 1046. Nach Alb. Boeckler, Das Goldene Evangelienbuch Heinrichs III., Berlin 1933.

Literatur

1. Cabrol-Leclercq VI, 2, Sp. 2200ff. („Hémoroisse“). 2. Detzel I, S. 288ff. 3. Künstle I, S. 390f. 4. Schlosser, Schriftquellen, S. 330. 5. Osk. Rosenthal, Wunderheilungen und ärztliche Schutzpatrone in der bildenden Kunst, Leipzig 1925.

Verweise