Blende, Blendbogen, Blendarkade

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englisch: Blind arch, blind arcade, blind arcading, wall arcade; französisch: Fausse fenêtre, arc aveugle, arcade aveugle; italienisch: Arcata cieca, arco cieco, riquadro.


Leopold Giese (1941)

RDK II, 890–907


RDK I, 873, Abb. 16. Bonn, Münster, M. 12. Jh.
RDK I, 1045, Abb. 6. Speyer, System des Domes Heinrichs III., um 1050.
RDK I, 1365, Abb. 20. Thorn, Rathaus.
RDK II, 891, Abb. 1. Lorsch, Torhalle, 2. H. 8. Jh.
RDK II, 891, Abb. 2. Limburg a. H., gew. 1035.
RDK II, 893, Abb. 3. Trier, Dom, vor 1063.
RDK II, 893, Abb. 4. Hirsau, A. 12. Jh.
RDK II, 895, Abb. 5. Murbach, ca. 1130/40.
RDK II, 895, Abb. 6. Andernach, 1. V. 13. Jh.
RDK II, 897, Abb. 7. Stralsund, Jakobikirche, um 1400.
RDK II, 897, Abb. 8. Thorn, Jakobikirche, um 1350.
RDK II, 901, Abb. 9. Schlawe, 15. Jh.
RDK II, 901, Abb. 10. Chorin, Brauhaus, A. 14. Jh.
RDK II, 905, Abb. 11. Breslau, Sandstift, 1709–15.

B. = Blende. B.B. = Blendbogen. B.A. – Blendarkade.

I. Begriff und Verbreitung

B. (von nhd. blenden = blind machen oder doch wie blind machen, mhd. blenden) technisch zur Mauererleichterung, ästhetisch zur Verzierung des Bauwerkes verwendet. 1. Nischenartige Maueraussparung oder -Vertiefung, die verschiedene Gestalt haben kann, nämlich die eines einfachen Rechteckes, Ovals, Kreises, Dreiecks oder einer Bogen-B. aus Rechteck mit B.B. (blinder Bogen) in Form eines Rund-, Flach-, Korb-, Spitz-, Kleeblattbogens oder einer Reihe von zwei und mehr kleinen Bögen (Bogenfries), wobei die Linie der Abschlußbögen verschieden geführt sein kann. Die B. kann in einfacher oder mehrfacher Stufung oder von einer Profilierung gerahmt eingetieft sein. Die B.B. erhalten als schmuckvollere Gestaltung Kantenpfeiler oder -säulchen als Stützen, die ohne oder mit Profilierung aufsetzen, oder werden zu Maßwerk-B. mit Teilungssäulen oder -pfosten und Maßwerkfüllung der Bögen ausgebildet (vgl. Maßwerk). 2. B. sind der Mauer vorgeblendet, wobei der Eindruck der Vertiefung der Mauerfläche gegeben ist. In einfacher Ausführung erscheinen hierbei die B. als auf die Mauer aufgelegte Rahmenmotive, meist aber wird die reichere Form der Bogen-B. angewendet, die mit Säulen oder Pfeilern auf Gesimsen oder Konsolen aufsitzen: Blendarkaden. – In der Baukunst finden die B. Verwendung als Gliederungs- und Schmuckmotive im Äußeren und Inneren der Kirchen, im Äußeren an Apsiden (RDK I, Sp. 858ff.), Chören, Schiffswänden, Turmgeschossen, vor allem an den Giebeln der Kirchen, ihrer Türme und Anbauten. Sie flankieren Portale und gliedern Tympana, umrahmen Türen und Fenster, schmücken Strebepfeiler. Im Innern beleben sie Turm- und Eingangshallen, die Mauern unter den Fenstern der Chöre und Schiffe, die Mittelschiffoberwände, Westwände und Vierungstürme. Die B. und B.A. werden auf kirchliche Ausstattungsstücke übertragen: Altäre, Sakramentshäuser, Sedilien, Taufsteine, Kanzeln, Lettner, Chorschranken, Chorstühle, Emporen, Grabsteine, Tumben, Epitaphien. Im Profanbau erscheinen die B. an Fassaden und Giebeln von Schlössern, Rathäusern, Bürgerhäusern, Stadttoren und Türmen und innen an Befestigungsmauern als Träger der Wehrgänge, vor allem im Backsteinbau (RDK I, Sp. 1345ff.).

II. Antike und frühchristliche Zeit

Vertiefte Relief-B. kennen die alten Ägypter, Sumerer, Babylonier, Assyrer, Sassaniden und Griechen. Aber erst die Römer gestalten die B. monumental aus (Porta Aurea mit B.A. auf Säulen in Spalato, Basilika mit großen B. zwischen Lisenen aus Backstein, RDK I, Sp. 859, Abb. 1, und die Kaiserthermen in Trier). Dieses Material kommt in der frühchristlichen Kunst der B.-Gliederung mit Lisenen entgegen, vor allem in Ravenna: eingetiefte Rundbogen-B. am Mausoleum der Galla Placidia (um 450), schmale B. mit zwei kleinen Bögen auf mittlerer Konsole an S. Giovanni i. F., mit rhythmischem Wechsel von zwei bis vier Bögen an S.Pier e Crisologo (5. Jh.), Rundbogen-B. an S. Apollinare in Classe (6. Jh.), im Innern eine zweigeschossige B.-Gliederung in S. Giovanni i. F., große B. um mehrteilige Öffnungen in S. Vitale.

III. Sakralbau des MA

A. Karolingisch-ottonische Zeit

In vorkarolingischer Zeit werden oft B.A. als Schmuck vor die Wände gestellt (Poitiers, Germigny-des-Prés). In karolingischer Zeit gliedern B.A. mit Spitzgiebeln die Torhalle in Lorsch (Abb. 1), mit Rundbogen gereiht und gestaffelt die Apsis, Langwände und Giebel von St. Johann in Münster in Graubünden. Auch die die Öffnungen zusammenfassenden B. werden übernommen (Corvey, Werden). In ottonischer Zeit findet sich dieses Motiv in Gernrode, St. Maria im Kapitol in Köln, an den Westtürmen des Münsters zu Essen (E. 10. Jh.), auf die Schiffsarkaden übertragen in Zyfflich (um 1000) mit Wechsel von Pfeiler und Säule, zur Rechteck-B. abgewandelt im Chor von St. Lucius zu Werden. Rundbogen-B.A. mit Pilastern und Lisenen begegnen am Schiff von St. Lucius in Werden, mit Pilastern am Südturm von Gernrode, während der Nordturm Spitzgiebel wie in Lorsch hat. In großem Ausmaße gliedern B. mit Lisenen das Äußere, mit Pilastern und Säulen das Innere der Kirche St. Gertrud zu Nivelles. Erstmalig in ottonischer Zeit erscheint nach italienischem Vorbild das B.-Feld mit Rundbogenfries, dessen Enden auf Wandpilastern ruhen, am Westbau von St. Pantaleon zu Köln (2.H. 10. Jh.).

B. Romanische Zeit

Für die Weiterführung der von der karolingisch-ottonischen Kunst verwandten Motive sind in der 1. H. 11. Jh. zwei Ausgangspunkte wichtig: der Mittelrhein mit Limburg a. H., Speyer, Trier und der Niederrhein mit Bonn und Köln mit Ansatz von Entwicklungsreihen, die in romanischer Zeit zu reicher Entfaltung kommen. 1. Mittelrhein: Gliederung des Inneren durch Rundbogen-B. in Chor und Querschiffarmen in Limburg a. H. (Abb. 2), in monumentaler Weise auf den ganzen Bau übertragen im Dome Heinrichs III. in Speyer um 1050 (Krypta, Schiffe, Querschiff; RDK I, Sp. 1045/46, Abb. 6). Vom Mittelrhein strahlt diese Wandgliederung in Anlehnung an die Limburger Fassung nach Hersfeld, nach 1037, und Hirsau, St. Peter Paul, 1082–91. Gliederung des Äußeren durch Rundbogenfries-B. als Teilungsmotive und Fensterrahmungen: an den Obermauern des Querschiffs und Chores von Limburg a. H., der Seitenschiffe des Domes Heinrichs III. in Speyer, als Teilungsmotive einer mehrgeschossigen Apsiswand: in rhythmischer Felderteilung am Unter- und Mittelgeschoß der Westapsis des Domes in Trier (Abb. 3) unter den Erzbischöfen Poppo und Eberhard, als Motive von Turmgeschossen: am 2. Geschoß der Ecktürme der Trierer Westfront. Ausstrahlungen im 11. Jh. nach Bilk, St. Castor Koblenz, Dom und St. Burkhard Würzburg, Eichstätt, Dom Heinrichs IV. in Speyer, Münstermaifeld, Reichenau-Mittelzell (1047). Gliederung des Äußeren von Turmgeschossen durch Rundbogen-B.: am 3. Geschoß der Trierer Westtürme, im weiteren 11. Jh. am Oberrhein in Eschau, Rufach, ferner in Hirsau, St. Peter und Paul (Abb. 4), und in monumentaler Formung als Apsisgliederung am Dome Heinrichs IV. in Speyer seit 1083 (RDK I, Sp. 871, Abb. 14), an der Ostapsis des Domes zu Mainz nach 1085, in Sindelfingen 1090. 2. Niederrhein: Gliederung des Äußeren durch Rundbogen-B. als Motive der Langchorwände in doppelter Reihung am Münster in Bonn 1. H. 11. Jh., an St. Gereon in Köln unter Erzbischof Anno, in einfacher Reihung an den Schiffswänden von St. Maria im Kapitol und an den Chorabseiten von St. Georg in Köln 2. H. 11. Jh., als Motive der Turmgeschosse in Gielsdorf E. 11. Jh. und Köln-Kriel um 1100.

Die hoch- und spätromanische Zeit bringt eine Fülle von B.-Gliederungen. Reichste Entfaltung im 12. und 13. Jh. am Niederrhein. Neben der Nachwirkung der B.-Systeme des Speyerer Domes (Mittelschiffe in Hochelten, St. Ursula und St. Johann Baptist in Köln 12. Jh., St. Castor in Koblenz 13. Jh., Apsisinneres im Münster zu Bonn 12. Jh., Apsisäußeres in Gerresheim 13. Jh.) breitet sich jener B.-Reichtum an Ostpartien, Türmen und Langhäusern der Kirchen aus. Die Apsiden charakterisiert eine Geschoßteilung, deren Hauptmotive Rundbogenarkaden in verschiedenen Formungen und Proportionen sind (RDK I, Sp. 870ff.). Mit der Apsisgliederung stehen die B. der unteren Geschosse der flankierenden Osttürme in architektonischer Bindung: sehr eng am Münster in Bonn (RDK I, Sp. 873, Abb. 16), an St. Aposteln, Groß St. Martin, St. Gereon und in Brauweiler, lockerer an St. Kunibert in Köln, St. Castor Koblenz und Lonnig. Eine wechselvolle Dekoration aus einfachen, gepaarten, mit Säulen und Pilastern verbundenen Rundbogen-B. sowie aus Doppel-, Kleeblatt-, Spitzbogen- und Bogenfries-B. ziert die Einzelgeschosse der Türme. Verschiedene B.-Formen werden ineinander geschachtelt. Die Zentraltürme bevorzugen B. aus Rundbogenfriesen und Kantenlisenen. Der Westbau zeigt vielfache B.-Motive. Bei Einzeltürmen herrschen die Rundbogenfries-B. mit Ecklisenen vor. Mit Vorliebe werden schmale zweibogige B. wohl unter elsässischem Einfluß verwandt (Oberpleis, Siegburg 12. Jh.), übertragen auf die Zweiturmfront in Merten 1. H. 13. Jh.; Bereicherung bringt die Verbindung von Rundbogen-B. mit Bogenfries-B. (Brauweiler 1135 bis 1141, St. Aposteln Köln). Mit dem 13. Jh. machen sich Kleeblatt- und Spitzbogen-B. geltend, die sich mit den bisherigen B. verbinden (Arnstein, St. Ursula Köln, Bacharach). Gleichzeitig setzt auch die Reihe prunkvoller Zweiturmanlagen des Übergangsstiles ein, jede für sich mit einer eigenen reichen B.-Komposition (St. Andreas Köln, Liebfrauen Koblenz, Andernach, Abb. 6, Limburg a. L., St. Viktor Xanten); eine Sonderstellung nimmt St. Quirin in Neuß ein. Der übrige Außenbau wird im wesentlichen durch B. aus Rundbogenfriesen und Lisenen, vereinzelt durch Rundbogen-B. gegliedert (Maria-Laach, Sp. 245/46, Abb. 6, St. Pantaleon Köln, Wassenberg). B.-Arkaturen finden sich öfters (St. Ursula Köln, Münster Bonn, Brauweiler), B. an Giebelfronten vereinzelt (Sinzig). Das Innere weist an drei Stellen B.-Schmuck auf: 1. B.-Arkaturen in Apsiden unter den Fenstern (Maria-Laach, Brauweiler, Andernach u.a.) und an Obergeschossen (St. Maria im Kapitol, Andernach). 2. B.A. verschiedener Teilung an den Mittelschiffoberwänden (Brauweiler, St. Aposteln Köln, Münster Bonn). 3. Große B. als Umrahmungen von Emporenöffnungen (St. Ursula Köln, St. Servatius Siegburg, Andernach). – In Westfalen ist die B.-Dekoration in der romanischen und Übergangszeit spärlicher. An erster Stelle steht die der Türme, deren Geschoßgliederungen Beziehungen zum Niederrhein haben. Bevorzugt werden B. aus Rundbogen- oder Spitzbogenfriesen und Lisenen in rhythmischem Wechsel schmaler und breiter Felder, in einigen Fällen verbunden mit einfachen Rundbogen-B. (Coesfeld, Siegen, Lippstadt, Dom Münster). Die Ausgestaltung des Äußeren erfolgt durch Bogenfriesfelder (Legden, Billerbeck), z.T. in Verbindung mit Rund-, Kleeblatt- und Spitzbogen-B. (Höhenkirche Soest, Dom Osnabrück). Reicher mit B. verzierte Giebel finden sich in Minden, St. Marien und Dom, und in Coesfeld. Im Innern wird gelegentlich der Chor durch B.-Arkaturen ausgezeichnet (Höhenkirche Soest, Dome Paderborn und Minden, St. Jakobi Lippstadt). – In Sachsen-Thüringen werden sporadisch Bogenfries-B. mit Lisenen an Turmgeschossen angeordnet (Drübeck, Freiburg a. U.) und an Apsiden (Landsberg), bisweilen mit Wandsäulen (St. Peter Erfurt, St. Godehard Hildesheim). Im Innern begegnet die Umrahmung je eines Arkadenpaares durch eine Rundbogen-B. in Drübeck, Conradsburg, durch eine Spitzbogen-B. im Dom zu Fritzlar. Eine reiche B.-Gestaltung des Äußeren geben die Kirchen auf dem Petersberg bei Halle, in Freiburg a. U. und der Dom in Naumburg. – Am Mittelrhein mit seinen weiteren Ausstrahlungen steht das 12. und beginnende 13. Jh. im Zeichen der Dome von Speyer und Trier. Dem Vorbild der Außengliederung der Speyerer Apsis folgen im 12. Jh. Reistingen, Steingaden, Merzig, im 13. Bacharach (mit niederrhein. Einflüssen). Eine Mischung von Speyerer, Trierer und elsässischen B.-Motiven zeigt der Ostchor des Domes zu Worms, Speyerer und Trierer Einflüsse Apsiden im Elsaß, in Schwaben, Bayern und Österreich. Die B.-Motive der Speyerer Flankierungstürme des frühen 12. Jh. werden maßgebend in Mainz und Worms. Worms zeigt eine reiche Dekoration durch Rundbogen- und Rundbogenfries-B. im Außenbau und im Westchorinneren. Das B.-Innensystem des Speyerer Langhauses wird in Mainz und Worms abgewandelt. Sehr reizvoll sind in der Marienkirche zu Gelnhausen und der Abteikirche in Seligenstadt die stilverwandten Ausstattungen von Vorchor und Chorhaupt durch B.-Arkaturen, 1. Jahrzehnt 13. Jh. – Im Elsaß ist der Außenbau des 12. Jh. sehr reich durch B. geschmückt. In der 1. H. des Jh. werden Rundbogen-B. mit Kämpferlisenen verwandt an Apsiden (Eschau, Rufach), an Ost- und Westfronten (Murbach, Abb. 5, Rosheim); am häufigsten sind bis zur M. des Jh. die zweibogigen B. mit Mittelkonsole (Murbach, Lautenbach, Maursmünster). In der 2. H. des Jh. häufen sich breite Rundbogenfries-B. mit reicher Profilierung der Bögen und Lisenen (Rosheim, Andlau, Gebweiler). – Im ganzen Gebiet südlich des Mains gestalten die B. aus Rundbogenfriesen und Lisenen vor allem die mehrgeschossigen Türme, besonders des bayrischen Backsteingebietes: 1. Jede Geschoßseite wird durch ein großes B.-Feld mit Ecklisenen gegliedert. 2. Die Geschosse zeigen Zwei- und Dreiblendenteilungen, oft kombiniert mit den Einblendfeldern. 3. Einige B.-Felder werden in die ungegliederte Turmfläche eingesetzt (Dom Augsburg, Obermünster Regensburg). Beliebt ist in Süddeutschland der Teilungsrhythmus in der B.-Anordnung: Allerheiligenkapelle Regensburg M. 12. Jh., Eingangswand von St. Jakob spätes 12. Jh., Dom Würzburg und Walderichskapelle Murrhardt um 1220–30. Bisweilen finden sich B.-Arkaturen im Inneren: mit Kleeblattbögen in der Walderichskapelle, im Ost- und Westchor des Bamberger Domes, in der Michaelskapelle in Ebrach, mit Rundbogen im Chor von Denkendorf.

C. Gotik

In der Gotik treten Spitzbogen- und Spitzbogenfries-B. an Stelle der rundbogigen B. Im 13. Jh. beginnen sich die Flächen mit durch Pfosten und Maßwerk bereicherten B. zu schmücken. Ansatz hierzu gibt die Querschiff-Fassade von St. Peter in Wimpfen i. Tal, wichtig waren auch die in alten Aufnahmen festgehaltene Fassade der Liebfrauenkirche zu Mainz und die Entwürfe und Ausführung der Straßburger Münsterfassade. Die Gotik des 14. und 15. Jh. setzt diese Richtung fort. Flächen, Fassaden, Giebel, Türme und Strebepfeiler werden mit flachen Maßwerk-B. überzogen. Fassaden: Münster Straßburg, Dome Köln, Magdeburg, Halberstadt, St. Lorenz Nürnberg, Frauenkirche Eßlingen, Marienkirche Reutlingen. Türme: Münster Ulm, Freiburg, St. Stephan Wien, St. Martin Kassel, Kapellenturm Rottweil. Strebepfeiler: Dom Konstanz, Oberhofenkirche Göppingen. Chöre: St. Moritz Halle, St. Georg Schmalkalden. Über den Bögen spätgotischer Portale sind oft Maßwerk-B. angeordnet: Dom Augsburg, Wiesenkirche Soest, St. Martin Landshut, Dom Stendal. Bisweilen wird der Spitzbogen von einer profilierten Rechteck-B. gerahmt. Im Inneren schmücken häufig B.-Arkaturen die Unterzonen von Vorhallen, Schiffen und Chören, Spitzbogen-B. die Oberwände: Straßburg, Freiburg, Ulm, Regensburg, Rottweil. Im Rheinland ist neben sonstigem B.-Schmuck besonders an Giebeln seit E. 14. Jh. bei den häufig in Backstein ausgeführten Türmen eine B.-Gliederung typisch, bei der eine große Spitzbogen-B. an der Westseite im Erdgeschoß und 1. Stock Portal und Fenster als Gesamtmotiv umfaßt, bisweilen flankiert von zwei B. Die oberen Geschosse haben meist zwei bis drei einfache oder mehrteilige hohe B. mit Maßwerk, die oft in der Mitte quergeteilt sind und je zwei Geschosse zusammenfassen: Cleve, St. Severin Köln, Kaikar, Düren. – Im weillichen Niedersachsen schließen sich einige Türme des 15. Jh. mit dreiteiligen Maßwerk-B. diesem Typus an (Bocholt, Bochum, Hamm). B. flankieren in einigen Giebelfronten die großen Mittelfenster (St. Ägidien Braunschweig 13. Jh., Dom Münster 15.–16. Jh.), einfache Kleeblatt-B. schmücken die Giebel der Frühzeit (Dom Minden), Maßwerk-B. die der Spätzeit (St. Marien Herford, Dom Münster). Das südliche Sachsen verwendet in der frühen Gotik Spitz- und Doppelbogen-B. mit und ohne Wandsäulen im Äußeren (St. Benediktus Quedlinburg, Dom Magdeburg) und im Innern (Liebfrauen Magdeburg 1215–30), in der späten Gotik Reihen niedriger Rund-, Flach- und Vorhangbogen-B. in Giebeln (Wurzen, Kamenz), die in Beziehung zur Niederlausitz (Sorau) stehen. – Am Mittelrhein gliedern im 13. und 14. Jh. Spitz- und Kleeblattbogen-B. Äußeres und Inneres von Chören und Türmen, während am A. 16. Jh. Rundbogen-B. auftreten. – In Schwaben liebt die Frühgotik Spitzbogen-B., z. T. mit dünnen Wandsäulen (St. Dionysius Eßlingen, St. Marien Reutlingen), die entwickelte Gotik gestaffelte B. mit Maßwerk in Giebeln (Stadt- und Frauenkirche in Eßlingen, Schw. Gmünd, Salem und Reutlingen), die Spätgotik B. mit Eselsrücken an Türmen (Aufhofen, OA. Biberach; Oppingen, OA. Geislingen). – In Bayern bringt das 13. Jh. in Fortführung künstlerischer Tendenzen des 12. Jh. eine rhythmische B.-Dekoration in der Portalwand bei St. Emmeram in Regensburg. Im späteren 15. Jh. tritt wiederholt die Kielbogen-B. besonders an Türmen auf (Burghausen, Wasserburg). Die Backsteinkunst mit Landshut als Zentrum schmückt zahlreiche Türme und einige Giebel der Spätgotik mit B. Vor allem schuf sie in Nord- und Ostdeutschland reiche B.-Anordnungen. Für Lübeck sind schlanke, gestaffelte B., die durch einfache oder gepaarte kleine B. mehrgeschossig unterteilt sind (Katharinenkirche; RDK I, Sp. 1357, Abb. 11), in Giebeln charakteristisch. – In Schleswig-Holstein treten drei B.-Formen in den Giebeln auf: im 13. Jh. drei-, später mehr gestaffelte einfache Spitzbogen- oder zweibogige Rundbogen-B. und häufig Kreuz-B. in Zusammenhang mit Mecklenburg-Pommern. Als Schmuck kommen kleine B.-Motive wie Kreuze, Kreise, Rauten, Vier- und Dreiecke hinzu. – In Mecklenburg finden sich fünf Gruppen von B.-Dekorationen der Giebel im 13. bis 15. Jh.: 1. am verbreitetsten die gestaffelten einfachen Spitzbogen-B. zuweilen in zwei Reihen, oft mit einer Kreis-B. in der Giebelspitze. 2. Zweimal abgetreppte B., die vorderen spitzbogig, die hinteren in zwei kleinen Spitzbogen geschlossen. 3. Breitere zwei- bis vierteilige B. meist mit Scheitelkreisen in Zusammenhang mit Pommern, die höheren bisweilen durch kleinere B. mehrgeschossig geteilt. 4. Schmale zweibogige B. aus steigenden Bogenfriesen auf Konsolen im Wechsel mit Lisenen und Wandsäulen (Ausstrahlung nach Vorpommern). 5. Kreuz-B. in der Mittelachse der Giebel, bei zweigeschossiger Anlage im oberen Dreieck, verbunden mit B. über und unter den Querarmen. Die B.-Gliederung der Türme erfolgt in den oberen Geschossen durch schmale, in der Spätzeit oft gepaarte B., häufiger unter Anregung Pommerns durch mehrteilige, breitere, vielfach mit einfachen kombinierte B.; Kreis-, Stern-, Rauten-B. sowie Spitzbogen-B. in rhythmischem Wechsel mit Fenstern bereichern das Äußere. – In der Mark Brandenburg finden sich in Giebeln: 1. sehr häufig gestaffelte, ungeteilte Spitz-, Halbspitz-, Kleeblatt-, Konkav- und Flachbogen-B. Die Dreiblendengruppen des 13. und 14. Jh. werden bald erweitert und durch reichere B.-Kombinationen ersetzt (14.–16. Jh.). 2. B. mit zwei Spitzbogen auf mittlerer Konsole in gestaffelter und mehrgeschossiger Anordnung. 3. Zweiteilige B. mit Kreisen und Vierpässen in Staffelungen, z.T. kombiniert mit einfachen B., im 15. Jh. in mehrgeschossigen Anlagen mit Schmuckbändern in der Gruppe Heiligengrabe (Ostprignitz) und in reichster Maßwerkausbildung mit Wimpergen in St. Katharinen Brandenburg und St. Marien Prenzlau. 4. Netzartig ausgebreitete Maßwerk-B. in Form von Kreisen, konkaven und konvexen Spitzbogen, sich durchkreuzenden Kielbogen. Einfache, doppelbogige, zweiteilige Spitz- und Flachbogen-B. gliedern die Türme. B. und Fenster in rhythmischem Wechsel sind im Äußeren weit verbreitet. Die märkische B.-Verzierung, z. T. in Mischung mit mecklenburgisch-pommerschen Einflüssen, faßt Fuß in Niedersachsen. – In Pommern teilen im 13. bis A. 16. Jh. meist gestaffelte einfache und zweiteilige Spitzbogen-B. die Giebel. Seltener sind B. mit halbspitz- oder kleeblattbogigem, in der Spätzeit schrägem und dreieckigem Schluß. Oft zieren Kreis-B. die Staffel-B. von Giebeln. Diese Staffel-B. werden bisweilen in die unteren Frontwände herabgezogen. Beliebt sind Kompositionen mit Kreuz-B. wie in Mecklenburg. Als Schmuck der Türme im 14.–16. Jh. erscheinen schmale, hohe B. in Spitz-, Rund-, Kleeblatt- und Zweibogenschluß im Zusammenhang mit Westpreußen, z. T. verbunden mit halbhohen B. im Mittelteil der Türme, niedrige, schmale B. in zwei Reihen übereinander, mehrteilige Maßwerk-B. in mehreren Geschossen (Abb. 7), hohe, breite zwei- bis vierteilige B., die in den reichsten Beispielen durch Wimperge quergeteilt werden (Stargard, Freienwalde). Der Wechsel von B. und Fenstern findet sich im 13.–15. Jh. häufig im Außenbau. – In Westpreußen werden im 14. und 15. Jh. einfache und zweiteilige, seltener dreiteilige B. gestaffelt nebeneinander in den Giebeln verwandt, im 14. Jh. z.T. mit sehr schlanken Proportionen. Im 15. Jh. werden die B. bisweilen von Friesbändern durchschnitten; im 15. und 16. Jh. tritt die mehrgeschossige B.-Anordnung in Variationen in den Vordergrund. In Zusammenhang mit Pommern finden sich im 14. und 15. Jh. an Türmen hohe, schmale B.; daneben sind einfache B. in zwei bis vier Geschossen weit verbreitet (Abb. 8). Der Außenbau zeigt B. im Wechsel mit Fenstern und als Rahmung von Portalen wie in Pommern. – In Ostpreußen ist eine sechs- bis elfteilige Staffelung einfacher Spitzbogen-B., z.T. mit B.-Bändern kombiniert, der typische Giebelschmuck. Selten sind zweiteilige, in der Spätzeit bisweilen mehrgeschossig angeordnete B. An Türmen sind der häufigste Schmuck B. in mehreren Geschossen; daneben sind wie in Westpreußen hohe, schmale B. beliebt, die im 14. Jh. mehrere Geschosse zusammenfassen, im 15. und 16. Jh. sich mit niedrigen B. verbinden. – In Posen haben die B.-Kompositionen der Türme und Giebel des 15. und 16. Jh. keine feste Typik. Die B.-Formen stehen im Zusammenhang mit märkischen und obersächsischen Bildungen. Als Neuformung tritt eine rechteckig oder spitzbogig geschlossene B. mit eingesetztem Kreuz oder mit Maßwerkmusterung hinzu. – In Schlesien zieren im 14. und 15. Jh. einfache B. in Staffel- und Geschoßanordnung, gelegentlich miteinander verbunden, die Giebel. Das 15. Jh. bringt reiche B.-Kompositionen (RDK I, Sp. 1361, Abb. 14), verwandt denen der Ostprignitz, und später auch Rechteck-B. mit Kreuzen. Im 14. Jh. gliedern feine, schlanke B., im 15. Jh. breitere Spitz-, Kielbogen- und Wimperg-B. die Turmobergeschosse (Breslau, Dom, Nordturm).

IV. Profanbau des MA

Formungen und Anordnungen der B. gehen im Profanbau z. T. mit denen der sakralen Baukunst zusammen. In Lübeck werden seit E. 13. Jh. schlanke, die ganze Giebelhöhe einnehmende Spitzbogen-B., in der Spätzeit Rundbogen-B. beliebt, die den Geschossen entsprechend Unterteilungen durch einfache und gepaarte B. haben (Rathausflügel des 13. und 14. Jh.). Im 15. Jh. gliedern Reihen kleiner ein- und zweibogiger B. das Burgtor (1444) und das Holstentor (1466ff.). – In Schleswig-Holstein fassen oft gestaffelte, große Spitz- und Doppelrundbogen-B. (Flensburg) oder einfache Rundbogen-B. (Husum) Giebel und Obergeschosse der Fronten wie in Westpreußen und Pommern zusammen. Vorwiegend im 16. Jh. teilen Reihen niedriger, meist doppelbogiger Rundbogen-B. die Giebel, breitere Rundbogenfries-B. die Fronten. – In Mecklenburg gliedern nach Lübecker Art hohe zwei-, seltener einteilige Spitzbogen-B. (Rostock, Wismar, Neukloster) oder Reihen niedriger B. in mehreren Geschossen die Giebel des 15. Jh. Flachbogen-B. hat die Alte Schule in Wismar (RDK I, Sp. 1363/64, Abb. 17). Beispiele bedeutsamer B.-Zier des 14. und 15. Jh. gibt der Wehrbau: einfache schmale und zweiteilige, z. T. mit reichem Maßwerk verzierte B. in wechselvoller Anordnung an den Außentoren, vielformige B.-Variationen an den Innentortürmen (Malchin, Neubrandenburg, Rostock, Friedland usw.). – In Pommern wird die Geschoßanordnung einfacher und gepaarter B. an Giebeln bevorzugt (Anklam, Stralsund, Greifswald; vgl. Ludw. Rohde, St. Marien zu Greifswald, Berlin 1940, S. 111ff.), hohe B. wie in Lübeck und Mecklenburg sind selten (Grimmen). B.-Gliederung im Schloß- und Klosterbau ist häufig (Bansin, Pyritz), am ausgedehntesten im Wehrbau: reiche Staffelungen an Giebeln, Reihungen schmaler, hoher einfacher und breiterer zweiteiliger B. in rhythmischen Abfolgen an den Fronten der Außen- und Innentore (Beigard, Demmin, Treptow, Stolp, Schlawe, Abb. 9, usw.). In Preußen schmücken im 14. Jh. zahlreiche B.-Variationen die Schloßbauten des Deutschen Ordens. Die eindrucksvollsten B.-Dekorationen schuf die bürgerliche Baukunst des 14. und 15. Jh. mit hohen, breiten, gestuften oder profilierten Spitzbogen-B., welche Giebel und Obergeschosse der Fronten oder mehrere Fassadengeschosse zu monumentaler Wirkung zusammenfassen (Elbing, Rathäuser in Thorn und Danzig; RDK I, Sp. 1365/66, Abb. 19 u. 20); die Spätzeit liebt meist leichtere B.-Formen (Straßburg, Wormditt) oder maßwerkartige B.-Zier der Giebel (Stargard, RDK I, Sp. 1369, Abb. 23; Kammin). – In der Mark Brandenburg überzieht eine Fülle von B.-Formungen die Tortürme des 14. und 15. Jh. (Tangermünde, Prenzlau, Templin, Königsberg i. N.). Eine reizvolle Note bringen die gepaarten und quergeteilten Kleeblatt-B. der Zinnenkränze, besonders in der Altmark (Werben, Tangermünde, Stendal). Die Rathausgiebel des 15. Jh. zeigen paarweise zwischen den Fialpfeilern in Geschossen gereihte, niedrige, schmale B. (Brandenburg, Königsberg i. N., Jüterbog) oder gestaffelte, schlanke B.-Paare, den Giebelstufen entsprechend quergeteilt (Brandenburg, Stendal). – Die Kloster- und Bürgerbauten des 14. und 15. Jh. haben Staffelungen zweiteiliger Spitzbogen-B. (Chorin; Himmelpfort), einfache B. (Brandenburg, Chorin, Abb. 10), im späten 15. und 16. Jh. maßwerkartig verschlungene B. (Sorau, Fürstenwalde, Jüterbog). – In Niedersachsen sind niedrige, dreiteilige (Rathaus Dortmund 13. Jh.), in der Spätgotik zweiteilige Kleeblatt-B. (Lüneburg, Bielefeld) in Giebeln häufig. Im 14. Jh. schmücken gestaffelte, hohe, maßwerkverzierte Spitzbogen-B. den Rathausgiebel in Münster. Im 15. und 16. Jh. finden die norddeutschen großformigen Backstein-B. Aufnahme (Lüneburg, Minden, Hannover). – Im Rheinland hat das Overstolzenhaus in Köln eine fünfgeschossige B.-Komposition des 13. Jh.; im 14. und 15. Jh. erscheinen auch hier die großen B. in Giebeln und Fronten (Kalkar, Bergheim, Rheinberg); in der Spätzeit rahmen oft breite Flachbogen-B. die Fenster (Erkelenz 1541–46). Rechteck-B. mit Maßwerk beleben die Wandflächen des Gürzenich in Köln 1437–44 (RDK I, Sp. 1209, Abb. 3). – Das mittlere Deutschland bewahrt noch Reste romanischer B.-Gestaltungen des 12. und 13. Jh. im Torhallenbau der Pfalz von Gelnhausen und als Fensterrahmungen am Palas von Seligenstadt, Goslar, Münzenberg, Wimpfen am Berg und der Wartburg. – In Obersachsen werden im 15. und 16. Jh. die Vorhang-B. (Leisnig, Naumburg, Meißen) und vor allem die Netz- und Maßwerk-B. bevorzugt, die den märkischen und pommerschen Formungen verwandt sind (Heinitz, Mühlberg, Scharfenstein, Zwickau, Halle). – Für Schwaben sind in der Spätgotik niedrige, breite B. mit flachem Eselsrücken in mehreren Geschossen charakteristisch (Biberach, Munderkingen). – In Bayern erhalten die Staffel-B. der Giebel oft Maßwerkverzierung ihrer Bögen (Amberg, Dingolfing). – In Franken verbinden sie sich mit B. in mehrbogigem, der Giebelschräge folgendem Schlusse (Rathaus Weißenburg, 1470ff.), eine Form, die im 15. und 16. Jh. bei Bürgerhäusern angewendet wird.

V. Renaissance

In der Renaissance halten sich bis M. 16. Jh. spätgotische Formen (Lüneburg, Wohnwitz), dann werden im 16. und frühen 17. Jh. Rundbogen-, seltener Korb- oder Stichbogen-B. mit Pfeilern oder Säulen verwendet, als kleine Arkaturen am Fuße und in der Fläche der Giebel, oft in mehreren Reihen übereinander (Ummendorf, Neiße, Wilsnack, Wormditt), an Obergeschossen von Türmen (Schönfeld, Mühlhausen), als oberer Abschluß von Häuserfronten (Mühldorf), als große Arkaden für Geschoßgliederungen von Fassaden und Türmen an Schlössern und Kirchen (Mittelbiberach, Munderkingen, Ummendorf), mit Korbbögen am Schloß Gottesau (Karlsruhe). Um 1600 wird die romanische Form der Zweibogen-B. aufgenommen.

VI. Barock

Das Barock verwendet: 1. Rundbogen-B. als einfache Eintiefungen und als tektonische Arkaden mit Pfeilern und Säulen; meist in großem Maßstabe gliedern sie die Wände von Kirchen und Profanbauten und umrahmen Fenster und Türen. Selten sind Flach- und Korbbogen-B. Häufig im 17. Jh., weit verbreitet im 18. Jh. sind Rechteck-B. als reine Flächenformen, die je nach der Stelle am Bauwerke verschiedene Proportionen und Ausbildungen als quadratische, quer- und hochoblonge Motive haben. Gegen E. 17. Jh. setzen Brechungen der Ecken durch Einwinkelung oder Besetzung mit kleinen rechteckigen Ohren ein; im 18. Jh. kommen konkave und konvexe Rundungen der Ecken, Aus- und Einbuchtungen der Seiten hinzu (Abb. 11). Im frühen 18. Jh. treten daneben B. mit bewegten und geschwungenen Umrissen auf, die sich zu Barockkartuschen entwickeln. Vereinzelt erscheint im 18. Jh. eine B.-Gestaltung in Anlehnung an das Palladiomotiv mit mittlerer breiter Bogen-B. und seitlichen schmalen niedrigeren Rechteck-B., durch Säulen getrennt und von einem Architrav überdeckt (Sommerresidenz in Eichstätt 1735).

VII. Frühes 19. Jh.

Am E. 18. Jh. und um 1800 werden neben Rechteck-B. Spitzbogen-B. in Verfolg gotischer Tendenzen aufgenommen (Thorn, Löwenapotheke um 1800; Mauth, Grabkapelle 1790). Das frühe 19. Jh. bevorzugt Rundbogen-B. mit architektonisch betonten Kämpfern der Mauerstreifen. Eine hohe, breite B., die meist Portal und Fenster umrahmt, ist an der Fassade beliebt (Weggun, Kr. Templin, 1830; Zittau 1834ff.). Auch die Langseiten von Kirchen und Fronten von Profanbauten erhalten große Rundbogen-B. (Kirche in Simonsberg 1828; Rotes Palais und Hofverwaltung in Kassel 1826–30; Haus Mönchsgasse 1, Kottbus 1804 bis 1806). Schmale B.-Arkaden gliedern die Obergeschosse von Türmen (Kirche in Behlendorf, Brandenburg, Kr. Lebus, nach Entwurf Schinkels), bisweilen Kleeblatt-B.A. (Kirche in Gehren, Brandenburg, Kr. Luckau, 1823–25).

Zu den Abbildungen

1. Lorsch, Torhalle des ehem. Klosters, 2. H. 8. Jh. Nach Bildkarte des Deutschen Kunstverlags, Berlin (Phot. Prof. F. Behn, Mainz).

2. Limburg a. H., Klosterkirche, Chor und Krypta, gew. 1035. Phot. W. Kratt, Karlsruhe 3. Trier, Dom, Westseite, spätestens 1063. Phot. Staatl. Bildstelle, Berlin.

4. Hirsau, Klosterkirche St. Peter und Paul, NW.-Turm, A. 12. Jh. Phot. P. Sinner, Tübingen.

5. Murbach (Elsaß), Abteikirche, Ostfront, ca. 1130 bis 1140. Nach S. Hausmann u. E. Polacek, Denkmäler d. Baukunst i. Elsaß, Straßburg o. J. (1905).

6. Andernach, Pfarrkirche, Westfassade, 1. V. 13. Jh. Nach Bildkarte des Deutschen Kunstverlags, Berlin.

7. Stralsund, Jakobikirche, W.-Turm. um 1400. Phot. Staatl. Bildstelle, Berlin.

8. Thorn, Jakobikirche, Turm von NW., um 1350. Phot. W. Birker/Deutscher Kunstverlag, Berlin.

9. Schlawe (Pommern), Kösliner Tor, 15. Jh. Nach Postkarte.

10. Chorin, Kloster, Nordgiebel des Brauhauses, A. 14. Jh. Phot. Provinzialkonservator der Mark Brandenburg, Potsdam.

11. Breslau, Sandstift, jetzt Staats- und Universitätsbibl., Westflügel, 1709–15. Phot. Provinzialkonservator von Niederschlesien, Breslau.

Verweise