Blattkapitell

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englisch: Capital, foliated capital; französisch: Chapiteau à feuillage; italienisch: Capitello a foglie.


Hans Weigert (1941)

RDK II, 855–867


RDK I, 13, Abb. 2. Speyer, um 1100.
RDK I, 17, Abb. 8. Straßburg, um 1240.
RDK I, 265, Abb. 8. Mainz, um 1100.
RDK I, 269, Abb. 17. Diessen, um 1730.
RDK I, 271, Abb. 19. L. v. Klenze.
RDK II, 857, Abb. 1. Magdeburg, Dom Ottos I. (antik).
RDK II, 857, Abb. 2. Fulda, Dom, um 800
RDK II, 857, Abb. 3. Corvey, Westwerk, zw. 873 und 885.
RDK II, 857, Abb. 4. Quedlinburg, St. Servatius, gew. 1129.
RDK II, 857, Abb. 5. Huyseburg, um 1130.
RDK II, 859, Abb. 6. Königslutter, M. 12. Jh.
RDK II, 859, Abb. 7. Hildesheim, St. Michael, gew. 1186.
RDK II, 861, Abb. 8. u. 9. Schwarzrheindorf, gew. 1151.
RDK II, 861, Abb. 10. Bonn, Münsterchor, um 1200.
RDK II, 861, Abb. 11. Magdeburg, Chorumgang, um 1215–20
RDK II, 863, Abb. 12. Otterberg, 2. V. 13. Jh
RDK II, 863, Abb. 13. Rommersdorf, um 1220/30.
RDK II, 863, Abb. 14. Gelnhausen, voll. 1232.
RDK II, 865, Abb. 15. Straßburg, um 1225.
RDK II, 865, Abb. 16. Naumburg, zw. 1242 u. 1249.
RDK II, 865, Abb. 17. Maulbronn, E. 13. Jh.
RDK II, 867, Abb. 18. Ulm, um 1350.
RDK II, 867, Abb. 19. Weingarten, voll. 1722.

B. = Blatt. K. = Kapitell. Bk. = Blattkapitell.

I. Begriff

Unter den Begriff fallen solche K., die ihre Funktion nicht, wie etwa das dorische und das Würfel-K., in abstrakten, sondern in organisch-pflanzlichen Formen gleichnishaft aussprechen. Diese Funktion kann, wie im spätromanischen Kelchblock-K., als Beugung unter die Last der Wand oder, wie im korinthischen und gotischen Kelch-K., als Fortsetzung des Aufwachsens der Stütze verstanden werden.

II. Entwicklung

A. Antike und frühes MA

B. als Gleichnisse der K.-Funktion haben zuerst die Ägypter angewandt, die Knospen des Lotos und der Nymphäe, die Palme und Dolde des Papyros auf Säulen und im Relief die Blüten des Papyros und der Lilie. Die Griechen wandelten die sprießenden B. des äolischen K. in das federnde, zwischen Wachstum und Last vermittelnde jonische, dessen Voluten aus überfallenden Seiten-B. entstanden sind [3]. Das Aufsprießen ist das Thema des korinthischen K. ([4. 5] u. Blatt [1–3]), das zwei Kränze von B. der Bärenklau (Akanthus spinosa; RDK I, Sp. 262ff.) um einen Kelch ordnet, hinter denen die Caulicoli (Schäfte) und die ihnen entsprießenden Helices mit den Voluten aufwachsen.

Auf ihnen ruht der Abacus (RDK I, Sp. 12ff.) mit vier konkav eingeschwungenen Seiten. Jede Seitenmitte trägt eine Abacusblüte (RDK I, Sp. 13, Abb. 1). Diese Gestalt haben in Deutschland zuerst die K. auf den vier Mittelsäulen des im Dom aufgegangenen Römerbaues zu Trier gehabt. Antike korinthische K. wurden von ravennatischen und anderen italienischen Bauten importiert, in karolingischer Zeit an die Pfalzkapelle zu Aachen und die Pfalz in Ingelheim (diese jetzt Mainz, Altertums-Mus.), in ottonischer für den Dom in Magdeburg (Abb. 1). In anderen Fällen wurden sie imitiert. Ein dominus E in Fulda hat eine Schachtel mit elfenbeinernen Säulenmodellen besessen, nach denen die K. der Michaelskapelle und des alten Domes in Fulda gearbeitet zu sein scheinen (Abb. 2; [I, S. 699]). Entsprechende besitzt die Torhalle in Lorsch (RDK I, Sp. 265, Abb. 7). In der spätkarolingischen Zeit beginnt die Ersetzung des tief gelappten und vielfältig gefiederten Akanthus-B. durch das kompakte, geschlossene, zungenförmige (Beispiel: Justinuskirche Höchst 826–47; RDK I, Sp. 15/16, Abb. 4 [6. 7]). Dickfleischiger wird das B. in St. Cyriacus Gernrode, 961 beg. Weitere Beispiele: Westbau Essen, St. Castor Coblenz, Zyfflich am Niederrhein, St. Lucius in Werden, alle um 1000. Quedlinburger Beispiele Abb. 4 u. RDK I, Sp. 16, Abb. 5. Wo in ottonischer Zeit noch B. gegeben werden, wie aufgemalt auf den K. von Oberzell auf der Reichenau (nach 888) oder in Relief an den Krypten-K. des Konstanzer Münsters oder denen des Alten Turmes in Mettlach (Saar), da bilden sie auf zu Kegel- oder Pyramidenstümpfen vereinfachten Blöcken schlichte Palmetten, sind nicht mehr gefiedert wie der Akanthus und stufengleich mit dessen Vorformen (s. Blatt [1]).

So geht die deutsche ottonische und frühromanische Kunst die Bahn rückwärts, von der Klassik zur Archaik, welche die Antike vorwärts gegangen war. In frühromanischer Zeit ist das korinthische K. durch das abstrakte Würfel-K. verdrängt oder bis zur Unkenntlichkeit in abstrakte Gebilde übersetzt. Die B.-Überfälle und Abacusblüten sind Würfel geworden.

B. Romanische Zeit

Nach dem Umschlag des Formwillens zu E. 11. Jh. wird erstens das korinthische Akanthus-K. wieder aufgenommen, zuerst schon in St. Salvator in Werden (1066–81) und der Johanneskapelle von St. Ludgerus in Helmstedt, dann an den Umbauten der Dome zu Speyer und Mainz (um 1100; RDK I, Sp. 14, Abb. 2, u. Sp. 266, Abb. 8). Zweitens werden die massiv gewordenen Zungen-B. des primitivierten korinthischen K. zwar nicht wie beim echten vom Meißel durchstoßen, aber doch an der unteren und später auch an der oberen Seite mit Palmetten, Trauben und Rippen reliefiert zur hochromanischen Variante des korinthischen Typs, zum Palmettendickblatt-Kapitell. Vorläufer an der Westempore St. Maria im Kapitol, Köln (1065 gew.), weitere Entwicklung besonders in Niedersachsen, wo es sich von dem 1129 geweihten Umbau der Stiftskirche in Quedlinburg bis zur Mehrzahl der K. von St. Michael in Hildesheim findet (Sp. 108, Abb. 2), die aus der Ausstattung des Baues durch Bischof Adelog 1186 stammt, Mitunter stehen zwischen den B des oberen Kranzes Köpfe (Gernrode, St. Michael Hildesheim, Abb. 7). Drittens wandelt besonders Niedersachsen das abstrakte Würfel-K. in ein Bk. In Huyseburg (Abb. 5), Ilsenburg und Riechenberg werden um 1130 Palmetten, oft mit überfallenden Spitzen, über die Würfelflächen gelegt. In der Stiftskirche zu Königslutter steigt ein unterer Kranz reich gelappter Palmetten vom Schaftring auf, während ein oberer, der aus dem Inneren des K. zu kommen scheint, überfällt (Abb. 6). Damit ist in diesem Palmettenfächerkapitell der Stein des Würfels ohne Rest in die Illusion lebender Pflanzen übersetzt. Dieser Typ wird in Niedersachsen häufig, so in Hildesheim, Wunstorf, Goslar, Hecklingen und auch in der Lombardei wiederholt (Verona, Ferrara, Modena). Goldschmidt und Eichwede [8. 9] hielten die lombardischen Stücke für primär. P. J. Meier [10] glaubte sie von einem deutschen Gesellen des Nikolaus, des Meisters der Portale von Ferrara und Verona, gearbeitet. Da alle Vorstufen des Palmettenfächer-K. nur in Niedersachsen zu finden sind, muß es aber von da nach der Lombardei übertragen sein.

Die elsässische Abwandlung des Würfel-K., das Doppelschild-K., reliefiert seine Flächen mit Palmetten, die in der Fläche bleiben. Ebenfalls eine elsässische Form der spätromanischen Zeit ist das einkränzige korinthische K., das die B.-Mitten mit geperlten Bändern verbindet und auch die Helices als solche bildet. Es wurde vom Dom und den anderen Kirchen in Worms übernommen [12].

Die in der Spätromanik führende K.-Form ist das am Niederrhein geprägte Kelchblockkapitell, das im Kelch das Steigen der Stütze und im Block das Auffangen der Mauerlast versinnbildlicht, dem Zwiespalt der spätromanischen Bauten zwischen steigenden Rippen und lastenden Wänden entsprechend. Das Kelchblock-K. wird aus überfallenden Palmetten oder verflochtenen Ranken gebildet (Abb. 10). Beide Gestalten bahnen sich in der 1151 geweihten Doppelkapelle von Schwarzrheindorf an (Abb. 8 u. 9). Die erste, die Palmetten aus geperlten Bändern wachsen läßt, zeigt durch ihren Abacus, daß sie eine freie Vereinfachung des korinthischen K. ist. Die zweite entstand, indem die Oberfläche des Würfel-K. verpflanzlicht wurde. Unabhängig davon scheinen die ersten K. mit entschiedener Kelchblockgestalt nach 1190 in der Kaiserpfalz zu Gelnhausen aus der Verblockung des Palmettenfächer-K. entstanden zu sein. Seine reichste Gestalt erreicht das Kelchblock-K. um 1230 im Chorumgang des Magdeburger Doms (Abb. 11; [16]) und vor 1242 im Naumburger Dom, wo das Rankengeflecht hinterarbeitet ist und einen scheinbar hohlen K.-Kern umwächst. So entsteht, nachdem das Würfel-K. die Frühform der Romanik gewesen war, eine Spätform, die weniger mit plastischen Wirkungen als denen des Gegenspiels von Licht und Schatten rechnet.

C. Gotik

Frankreich hat den Kelchblock nur im Nordwesten, zumal in Laon und Tournai, gegeben, im übrigen in der 2. H. 12. Jh. das gotische Kelch-K. geprägt [17. 18]. An Stelle der Historien- und Akanthus-K., die in der 1. H. 12. Jh. herrschten, tritt eine Reduktion des korinthischen K., die durch Aufgabe jeder Lappung und Fiederung des Laubes das Zungen-B. wiedergewinnt, die Caulicoli, Helices, Voluten und die Abacusblüte aufgibt und den Abacus zum Quadrat vereinfacht. Diese Einschmelzung entspricht der Preisgabe der plastischen Durchhöhlung der Baumasse, zumal durch die Emporen, und ist eine Parallele zu der Archaisierung der Plastik, die um die M. 12. Jh. von den gelösten Gestalten der Provence, des Languedoc und Burgunds zum portail royal von Chartres führte. Wie dessen Figuren vertikal gereckt werden, so ist es der Sinn des neuen K., durch das Aufschnellen der B. um einen schlanken Kelch und das Hochschleudern ihrer Knollenendigungen Gleichnisse für das Aufsprießen des ganzen Baukörpers zu schaffen. Das B. tritt in zwei Gestalten auf: In einfacher Zungenform seit der Jh.-Mitte bei den Zisterziensern in Burgund und mit der zur Knolle eingerollten Spitze in Nordfrankreich [18]. Das knollenlose Zungen-B. wird von den deutschen Zisterziensern übernommen und bis in die M. 13. Jh. beibehalten (Arnsburg, Otterberg; Abb. 12), während es sich im Paradies und Herrenrefektorium von Maulbronn zu Palmetten entfaltet. Andere deutsche Bauten führen das Knollen-B. der Franzosen ein, zuerst wohl in dem 1214 begonnenen Kreuzgang der mittelrheinischen Prämonstratenserabtei Rommersdorf (Abb. 13), dann gegen 1220 außen am Bamberger Georgenchor. An diesem B. vollzieht sich eine denkwürdige Entwicklung, die der des romanischen Zungen-B. zur vielfiedrigen Palmette entspricht, aber weiter bis zur Naturnachahmung führt. Die Knolle wird zur Knospe und füllt sich mit Keim-B. (RDK I, Sp. 17, Abb. 8). Zugleich sprießen kleine Zungen-B. als neuer Kranz vom Halsring auf (Bonn, Langhaus des Münsters, um 1225). Sodann entwickeln sich die Zungen-B. des Hauptkranzes selbst zu Palmetten, wie sie auch die Knospe treibt (Abb. 14). Auf dieser Stufe, im 3. Jahrzehnt des 13. Jh., ist oft, da die Knospen tiefer überhängen als in Frankreich, nicht zu entscheiden, ob das K. aus der französisch-gotischen Entwicklung oder aus der des rheinisch-spätromanischen, aus Palmettenstengeln gebildeten Kelchblock-K. stammt (erster Weg zur Goldenen Pforte Freiberg in Sa., zweiter zum Südostportal des Paradieses von Maria Laach). Im Straßburger Münsterquerschiff (um 1225; Abb. 15) und im Bischofsgang des Magdeburger Domes (um 1230) werden die B. unregelmäßig und suchen die Naturform, noch ohne sie nachzubilden. Am Lettner der Marienkirche in Gelnhausen entsprechen die Zweige und Trauben völlig, die B. fast dem natürlichen Weingewächs. Die letzten Erinnerungen an die Grundform, die regelhafte Palmette, sind am Westlettner des Naumburger Domes gefallen (wohl zwischen 1242 und 49). Wie die menschlichen Charaktergestalten seines Meisters, so sind die B. seiner K. aus der Beobachtung, nicht mehr aus der abgewandelten Tradition, gewonnen, sind Individuen. Der entscheidende Schritt zum Realismus ist getan. Frankreich ist über das naturgestaltige Weinlaub (Langhaus Reims) kaum hinausgekommen, Italien selbst mit den Kanzeln der Pisani bei dem zu akanthusähnlichem, erfundenem Laub entfalteten Kelchknospen-K. stehengeblieben. Der Naumburger hat die heimische Flora entdeckt und nachgebildet, B. des Weinstocks, der Eiche, des Ahorns, des Hasel- (Abb. 16) und Brombeerstrauches gegeben. Sein mittelrheinischer Schüler, der den Gelnhäuser Lettner meißelte, fügte ihnen Rose, Distel und Schöllkraut hinzu.

Das realistische Wollen und hohe Können hielt sich kaum ein Jahrzehnt. Schon in der Werkstatt des Naumburgers selbst wurden die jüngeren K. zurückgebildet. Die B. werden schematisch, blechern leblos, kehren zur Knospe zurück und sprießen statt aus Stengeln aus Bändern, anorganischen Gebilden (Westpfeiler des Chorquadrates, K. der Arkaden hinter den Stiftern, somit beweisend, daß diese jünger sind als der Lettner). Den gleichen Umschwung des Formwillens zum Unbewegten und Leblosen zeigen die wie aus Metall gestanzten oder kristallinischen oder auf Bändern sitzenden K. in Schulpforta, Heiligenkreuz, Haina, Lippstadt, Minden und im Ostflügel des Maulbronner Kreuzgangs (Abb. 17), alle zwischen 1250 und 75. Verkümmerung der B. auch Sp. 55, Abb. 1. Alle Stufen der B.-Entwicklung von der Knospe über den Realismus zur Entlebendigung zeigt die Liebfrauenkirche in Trier.

Schon bei der Übersetzung des abstrakten B. ins natürliche ging der Sinn des K., eine Metapher des architektonischen Vertikalismus zu sein, verloren. An der neuen Höhenreckung im frühen 14. Jh., wie überhaupt an der ganzen Entwicklung in die Spätgotik, nimmt das K. nicht teil. Über die Erstarrung um 1260, die zunächst ziellose neue Bewegtheit um 1300 und die Entstehung des Beul-B. um 1350 (Abb. 18) wie die des Distelgeflechtes um 1460, die auch an K. vorkommen, s. Blatt, Sp. 834ff. Die Bauten des 14. und 15. Jh. geben aber nur noch selten Bk., meist niedrige, blattlose Zylinder, oder sie verzichten ganz auf das K., von dem das Aufwachsen der Pfeiler in die Rippen nicht mehr gehemmt werden soll.

D. Renaissance und Barock

Die Renaissance nahm die antike Norm des korinthischen K. wieder auf. Erste Beispiele: H. Burgkmairs Gemälde von Maria in der Herrlichkeit (1507) und Rahmen des Holzschnitts Kaiser Maximilians (1508), weitere H. Holbeins d. J. Entwürfe für Fassadendekorationen, Piastenschloß Brieg (1544 beg.), Ottheinrichsbau Heidelberg im zweiten und dritten Geschoß, im oberen Zungen-B., seit 1556. Häufiger sind aber Abwandlungen. Flötners Große Tür gibt nur einen B.-Kranz mit Masken. Der Turm der Kilianskirche zu Heilbronn (1513 beg.) und die Brüstung der Domkanzel in Halle (1526) geben nur einen Kranz gelappter B., die in Heilbronn in einem Geschoß stehen, im andern hängen, ohne Voluten. Um 1600 wird das Bk. der bindenden Formtendenz entsprechend vereinfacht, wie in der Marienkirche zu Wolfenbüttel (1604 beg.), wo an Kanten und Seitenmitten quadratischer K. Palmetten stehen, oder es wird zugunsten blattloser Zylinder aufgegeben, wie an Holls Bauten in Augsburg und am Nürnberger Rathaus.

Als im Hochbarock die Zier sich wieder verpflanzlichte, wurde das korinthische K. zu seiner höchsten Pracht gesteigert (Abb. 19 und RDK I, Sp. 270, Abb. 17), durch Blumenketten zwischen den Voluten und durch eine Abacusblüte aus mehreren Wedeln ergänzt, oft über die klassische Einfachheit hinaus durch Vergrößerung der nur einen Kranz bildenden B. ins Pathetische gesteigert, durch herabhängende Blumenketten oder Rocaillen bereichert und allgemein mit subjektiver Phantasie abgewandelt. Um die Jh.-Mitte (Wies; Wiblingen, Bibliothek) verlieren die B. wieder an Kraft und werden mit Gitterwerk durchsetzt.

Der Klassizismus führte das korinthische K. zur klassischen Gestalt zurück (RDK I, Sp. 272, Abb. 19), wandte aber um 1800 häufiger die abstrakten K. des dorischen und ionischen Typs an. Schinkel erfand neue Variationen des Bk., z. B. dorische, die auf einem von B. umgebenen Zylinder sitzen.

Zu den Abbildungen

1. Magdeburg, K.F.M., antik-korinthisches Kapitell vom Dom Ottos I. Phot. Mus.

2. Tauberbischofsheim, Schloß, Kapitell vom karolingischen Dom in Fulda, um 800. Phot. Prof. Dr. Meyer-Barkhausen, Gießen.

3. Corvey, Stiftskirche, Westwerk, zwischen 873 u. 885, Kapitell z.T. in der Bosse. Marburger Photo.

4. Quedlinburg, St. Servatius, beg. nach 1070, gew. 1129, Unterkirche, primitiviertes korinthisches Kapitell. Marburger Photo.

5. Berlin, D.M., Würfelkapitell aus der Stiftskirche in Huyseburg, um 1130. Phot. Mus.

6. Hildesheim, St. Michael, gew. 1186, Palmettendickblattkapitell. Marburger Photo.

7. Königslutter, Stiftskirche, Kreuzgang, M. 12. Jh., Palmettenfächerkapitell. Marburger Photo.

8. u. 9. Schwarzrheindorf, Doppelkirche, gew. 1151, Zwerggalerie, Vorstufen zum Kelchblockkapitell. Nach älteren Aufnahmen.

10. Bonn, Münster, Chor, um 1200, Kelchblockkapitell aus Palmetten. Marburger Photo.

11. Magdeburg, Dom, Chorumgang, um 1215–20, Kelchblockkapitell aus Ranken. Phot. Dt. Ver. f. Kw, Berlin.

12. Otterberg, Klosterkirche, gew. 1254, Kelchkapitell. Marburger Photo.

13. Rommersdorf (Kr. Neuwied), Kloster, Ostflügel des Kreuzgangs, beg. 1214, Knospenkapitell. Nach einem Klischee des Verlags de Gruyter, Berlin.

14. Gelnhausen, Marienkirche, voll. um 1232, Knospenkapitell mit Palmetten. Marburger Photo.

15. Straßburg, Münster, Querschiff, um 1225, Knospenkapitell. Marburger Photo.

16. Naumburg, Dom, Westlettner, zw. 1242 u. 1249, Arkade, Kapitell mit Haselnüssen. Marburger Photo.

17. Maulbronn, Kloster, Ostflügel des Kreuzgangs, E. 13. Jh., Kapitell mit Ahornblättern. Marburger Photo.

18. Ulm, Münster, 2. Geschoß des südl. Chorturms, um 1350, Kapitell mit Beullaub. Phot. Münsterbauamt Ulm.

19. Weingarten, Klosterkirche, 1715–22, Kapitell an einem Vierungspfeiler. Phot. Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart.

Literatur

Grundlegend: Hans Weigert, Das Kapitell in der deutschen Baukunst des Mittelalters, Zs. f. Kg. 5, 1936, S. 7ff. u. 103ff. Einzeluntersuchungen und Abbildungswerke: 1. Dehio u. von Bezold 1, S. 667ff. 2. Max Hasak, Handbuch der Architektur II, 4, 4, Stuttgart 1903, S. 40ff. 3. Julie Braun-Vogelstein, Die ionische Säule, Jb. d. Dt. Archäol. Inst. 35, 1920, S. 1ff. 4. M. Gütschow, Untersuchungen zum korinthischen Kapitell, Jb. d. Dt. Archäol. Inst. 36, 1921, S. 44ff. 5. Edm. Weigand, Vorgeschichte des korinthischen Kapitells, Würzburg 1920. 6. Werner Meyer-Barkhausen, Karolingische Kapitelle in Hersfeld, Höchst a. M. und Fulda, Zs. f. bild. K. 63, 1929/30, S. 126ff. 7. Ders., Die Kapitelle der Justinuskirche in Höchst a. M., Jb. d. preuß. K.slg. 54, 1933, S. 69ff. 8. Ad. Goldschmidt, Die Bauornamentik in Sachsen im 12. Jh., Monatsh. f. Kw. 3, 1910, S. 299ff. 9. Ferd. Eichwede, Beiträge zur Baugeschichte der Kirche des Kaiserl. Stiftes zu Königslutter, Diss. T. H. Hannover 1904. 10. Paul Jonas Meier, Der Meister von Königslutter in Italien, K.-Chron. N. F. 12, 1901, Sp. 97ff., u. Besprechung von Eichwede, ebd. 16, 1905, Sp. 21ff. 11. Hubert Adr. Diepen, Die romanische Bauplastik in Klosterrath und die Bauornamentik an Maas und Niederrhein im letzten Drittel des 12. Jh., Haag 1931 (auch Diss. Würzburg). 12. Rud. Kautzsch, Romanische Kirchen im Elsaß, Freiburg i. B. 1927. 13. Jan Fastenau, Romanische Bauornamentik in Süddeutschland, Stud. z. dt. Kg. 188, Straßburg 1916. 14. Otto Homburger, Studien über die romanische Plastik und Bauornamentik am Großmünster zu Zürich, Oberrh. K. 1928, S. 1ff. 15. Hans Karlinger, Das Kapitell mit der Palmettenschleife, Münchner Jb. N. F. 7, 1930, S. 281ff. 16. Rich. Hamann, Die Kapitelle im Magdeburger Dom, Jb. d. preuß. K.slg. 30, 1909, S. 56ff. 17. Ernst Gall, Gotische Baukunst in Frankreich und Deutschland 1, Leipzig 1925. 18. Emma Alp, Die Kapitelle des 12. Jh. im Entstehungsgebiet der Gotik, Diss. Freiburg 1926. 19. Jos. Knauth, Das architektonische Ornament am Straßburger Münster, Straßburger Münsterblatt 5, 1908, S. 3ff. 20. Denise Jalabert, La flore gothique, ses origines, son évolution du 12e au 15e siècle, Bulletin monumental 91, 1932, S. 181ff.

Verweise