Blaker

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englisch: Lamp, wall lamp, scone with mirror; französisch: Applique, plaque, luminaire appliqué au mur; italienisch: Applique, candelabro murale.


Hans Wentzel (1941)

RDK II, 828–832


RDK II, 829, Abb. 1. Danzig, 17. Jh.
RDK II, 829, Abb. 2. Vor 1737. Darfeld i. W.
RDK II, 829, Abb. 3. Zw. 1743 u. 1764. Frankfurt a. M.

Der B. (blaken nddt. für rußen, qualmen, glühen; frz. plaque) ist eine Abart des Wandleuchters. Er besteht aus einem oder mehreren zusammengefaßten Kerzenarmen an einer im allgemeinen 30–80 cm hohen Rückplatte. Die Aufgabe des B. ist gegenüber dem gewöhnlichen Wandleuchter die Vervielfältigung der Helligkeit, weshalb für die Wandplatte (= Reflektor) ursprünglich und vornehmlich auf Hochglanz poliertes Metall (Messing, Kupfer, seltener Silber), später dann Glas oder gar Spiegel verwendet wurden; erst nachdem diese Zweckform ihren Sinn verloren hatte, sind B. auch aus Zinn, Blech, Holz und Porzellan hergestellt worden. In zweiter Linie diente der B. entsprechend seinem Namen als Rußschutz und als Feuerschutz vor teppichbehangenen bzw. tapetenbespannten oder stuckierten Wänden usw. Je nach ihrer Anbringung und Anwendung (Festsaal, Stube, Kirche) kommen die B. in ganzen Sätzen von meistens sechs (aber auch zwölf), als Paare oder als Einzelstücke vor. – Als Beleuchtungsgerät wurde der B. niemals ausschließlich verwendet, sondern immer nur neben dem Armleuchter, Wandleuchter, Kandelaber, der Krone usw. Dementsprechend findet er sich sowohl in profanem wie kirchlichem Gebrauch. – Die Zeit leiner Hauptanwendung sind das 16. bis 18. Jh., das Hauptverbreitungsgebiet ist das nördliche Deutschland; hier und im besonderen im bäuerlichen Hausrat hat der B. eine bedeutende Rolle gespielt. In Frankreich hat der B. für Schloßausstattungen um M. 17. Jh. eine kurze Blüte erlebt, kommt jedoch schon gegen E. 17. Jh. aus der Mode (H. Havard, Dict. de l’ameublement 42, Paris o. J., Sp. 384ff.).

Frühformen des B. – vermutlich eine Vergrößerung der Befestigungsrosetten der Wandarme zu einer hinteren Schutzplatte – haben sich nicht erhalten (vgl. aber die spätgotischen Bronze-Wandleuchter mit Wappenschilden in Schwerte und Dortmund, Inv. Westfalen, Kr. Hörde, Taf. 33, und Kr. Dortmund-Stadt, Taf. 10, S. 31 u. S. 35). Schon das älteste Beispiel, ein B. auf einer Verkündigung von Joos van Cleve (New York; Pantheon 9, 1932, S. 40) zeigt die ausgebildete, für die Folgezeit maßgebliche Form einer hochrechteckigen, glatten metallenen Spiegelplatte über einem vorspringenden Kerzenhalter. Man darf wohl annehmen, daß der B. wie das Becken, der Bettwärmer und andere „Dinanderien“ im Gebiet der westdeutsch-flandrischen Messingindustrie entstanden ist und sich von hier aus verbreitet hat (prachtvoller früher B. mit Halbfigur der Madonna im Oval in Venloo, St. Martin, s. Inv. Limburg II, Abb. 331). Im 16. Jh. ist der B. noch vornehmlich aus Messing, selten aus Kupfer, die Form meist einfach quadratisch, rechteckig, rund, rautenförmig, der Rahmen gepunzt, mit Ranken, Herzen usw. versehen. Der figürliche Schmuck entspricht grundsätzlich zunächst dem der wohl von den gleichen Handwerkern hergestellten Becken, Bettwärmer usw. (z. B. Verkündigung, s. Inv. Westfalen, Kr. Wiedenbrück, Taf. 55). Abgesehen von den kaum wandelbaren bäuerlichen B. (vgl. die einfachen 8 Messing-B. des 17. Jh. in Kuhz, Inv. Brandenburg, Kr. Templin, Abb. 271), nimmt der B. im 17. Jh. an Ausdehnung zu – übersteigt gelegentlich sogar die Höhe von 1 m – und wird mannigfach konkav und konvex gebuckelt. Die reine Zweckform eines einfachen Metallblattes wird nur der dem Zeitgeschmack entsprechenden Epitaph- bzw. Kartuschenform angepaßt; daneben kommen komplizierte und schwülstige Aufbauten, etwa aus doppelten Platten (z. B. in Gadebusch, s. Inv. Mecklenburg-Schwerin 2, Abb. S. 480), vor. Soweit als ausgesprochenes Ziergerät im Schloß, im vornehmen Bürgerhaus und in der Kirche verwendet, läßt man unter Vernachlässigung der Zweckbestimmung zugunsten einer ausgesprochenen Prunkform den Schmuck über den Rahmen hinaus auf die eigentliche Reflektorplatte übergreifen, zunächst mit reicheren Ornamenten, Blumen, Früchten, Putten, Emblemen (Abb. 1), dann auch mit Einzelfiguren und mit ganzen Szenen. Die Darstellungsthemen richten sich ganz nach der Anbringung: biblische Szenen und Figuren bei kirchlich verwendeten B. und bei bäuerlichem Hausgerät, Allegorien und profane Ikonographie bei fürstlichem Gebrauch (Beispiele bei Havard a. a. O.) und in Pratrizierhäusern. So zeigt der Messing-B. in der Trinitatiskirche zu Danzig mit zwei Kerzenhaltern eine ungewöhnlich große Wandplatte, die mit Ornament und biblischen Szenen (Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung) dicht gefüllt ist, so daß nur zwei relativ kleine, blanke, eingetiefte Felder als Reflektoren dienen. Dagegen stammt sicher aus profanem Gebrauch der Satz von 6 silbernen, 83 cm hohen B. des Augsburger Goldschmieds Philipp Küsel im Kölner Dom (zw. 1695 und 1700; s. Inv. Rheinprovinz, Kölner Dom, S. 363/64): ein Kerzenpaar befindet sich vor einer kartuschenförmigen Reflektorplatte mit prachtvollen erhabenen Reliefs der Erdteile und von Allegorien. – Im 18. Jh. wird der B. – neben den unverändert immer wieder vorkommenden schlichten Messing-B. (Wappenblaker in Oppeln, Alexiuskapelle; s. Inv. Schlesien 4, Abb. 228) – in konsequenter Formentwicklung zur Rokokokartusche bzw. Rocaille. Die Wandplatte hört auf, in erster Linie Reflektor zu sein, und wird zur reinen Zierscheibe. Wie sehr sich in dieser Zeit der B. von seiner ursprünglichen Form entfernt, zeigen die B. zu Neuzelle in Brandenburg aus der Zeit um 1720: riesige hölzerne Wandscheiben aus komplizierten, geschnitzten Geflechten, deren kleines Reflektor-Mittelfeld dem ganzen pompösen Aufbau den Namen B. einträgt. Entsprechend werden nicht mehr wie im 17. Jh. allein Messing, Kupfer und ausnahmsweise Silber als Material verwandt, sondern auch Holz und Zinn (zwei B. im Landesgew.Mus. in Stuttgart), vor allem aber Fayence und Porzellan. Gerade die in Porzellan und Steingut besonders reizvollen Kombinationen von farbiger, mit einem modischen Mittelbild gefüllter Wandplatte und Leuchterarm in den Formen der Zeit bringen sowohl zahlreiche wie auch ganz hervorragende B.-Lösungen hervor, wenn sie auch nur noch in beschränktem Maße den Namen B. verdienen. Fast alle Manufakturen haben B. in Steingut und Porzellan hergestellt, besonders schön und charakterlich ist ein Frankfurter Fayence-B. der Zeit um 1750 (Abb. 3). Als Beispiele für die konservativeren Metall-B. seien aus der 1. H. 18. Jh. die silbernen Chinoiserie-B. auf Schloß Darfeld (Abb. 2), die silbernen B. des Domdechanten F. L. von Landsberg auf Schloß Tatenhausen (Inv. Westfalen, Kr. Halle, Taf. 30), die versilberten Kupfer-B. in der Nikolauskirche zu Spalt (Inv. Bayern, M. F. 7, Abb. 348) oder die sechs Messing-B. in der Dorfkirche zu Zernikow genannt (Inv. Brandenburg I, 3, S. 405, Abb. 389; vgl. auch Hermann Schmitz, Deutsche Möbel des Barock und Rokoko, Stuttgart 1923, Taf. 265); als provinzielle Umformung der B. in Holz könnte man die Woldegker B. der Tischler und Schmiede von 1720 und 1735 mit Zunftwappen, Ältermanninschriften und einer Hand als Lichthalter bezeichnen (0,76 m und 1 m hoch; s. Inv. Mecklenburg-Strelitz I, 2, S. 211). Eine französische Erfindung dürfte der Spiegel-B. gewesen sein, jedenfalls ist er dort schon im 17. Jh. nachweisbar (Havard a. a. O., Sp. 385): er wurde anscheinend wegen seiner doppelten Wirkung – optische Vervielfältigung der Lichtquellen und Vervielfältigung der Helligkeit – beliebt. Zunächst sind es richtige B. in Holz- oder Metallrahmen – genannt seien die sechs 1754 gestifteten des Kölner Doms (Inv. S. 364; vgl. auch die 3 Paare von süddeutschen Spiegel-B. der Slg. W. Zorer, Verst. Kat. H. W. Lange, Berlin 1940, Nr. 217, 227, 327, Taf. 32 u. 35) – dann nur mehr oder weniger zufällig und wenig sinnvoll an und unter Spiegeln sitzende Leuchterarme (jedoch wurden noch 1771 in Schloß Wörlitz derartige Arme unter großen Spiegeln als „Plaker“ bezeichnet s. Inv. Anhalt II, 2, S. 75, Taf. 34). – Mit dem Louis–Seize verschwindet der B. aus der Geschichte des deutschen Möbels.

Zu den Abbildungen

1. Danzig, Trinitatiskirche, Blaker aus Messing. 17. Jh. Marburger Photo.

2. Darfeld (Kr. Coesfeld i. W.), Schloß, Silberner Blaker aus einer Serie von sechs Blakern. Von dem Augsburger Goldschmied Peter Rams († 1737). Höhe 40 cm. Phot. Denkmalamt der Prov. Westfalen, Münster i. W.

3. Frankfurt a. M., K.gew.Mus., Blaker aus Höchster Fayence. Von Ignatz Heß, zw. 1748 u. 1764. Phot. Mus. (nach einer von Professor Dr. M. Klar freundlichst zur Verfügung gestellten Vorlage).

Verweise