Bischofsschuhe und Bischofsstrümpfe

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englisch: Bishop's shoes, bishop's gaiters; französisch: Chaussures épiscopales, souliers épiscopaux, bas épiscopaux; italienisch: Calze vescovili, sandalo vescovile.


Joseph Braun S.J. (1941)

RDK II, 788–791


RDK II, 787, <von oben nach unten> 1. Hildesheim, 12. Jh., 2. Brixen, 14. Jh., 3. Halberstadt, um 1500, 4. 18. Jh. Berlin.
RDK II, 789, Abb. 5. Delsberg, 12. Jh.
RDK II, 789, Abb. 6. Delsberg, frühes 13. Jh.
RDK II, 789, Abb. 7. Halberstadt, 14. oder 15. Jh.

Die aus Schuhen (sandalia) und Strümpfen (caligae) bestehende, von Rechts wegen, wie heute von Bischöfen, von Kardinälen und Äbten, oder kraft eines besonderen Privilegs bei der Feier eines Pontifikalamtes getragene Fußbekleidung. Sie unterliegt seit dem späten MA der liturgischen Farbenregel, doch gibt es keine von schwarzer Farbe, da sie bei Totenämtern und am Karfreitag nicht zur Verwendung kommt. Die Schuhe haben heute die Form eines Pantoffels oder Halbschuhes, nicht die einer Sandale, wie der Name vermuten lassen könnte. Über ihr Material wie über das der Strümpfe besteht keine ausdrückliche Vorschrift, doch wollen Brauch und Herkommen, daß beide aus Seide gemacht werden.

Schuhe und Strümpfe leiten sich her von einer etwa im 4. Jh. zu Rom in Gebrauch kommenden, aus Schuhen (campagi) als äußerer und Strümpfen (udones) als innerer Fußbekleidung bestehenden Standesbeschuhung höherer römischer Beamten, die spätestens im 5. Jh. vom Papst und den römischen Diakonen als liturgische Beschuhung übernommen wurde und dann von Rom aus sich als solche bei den Bischöfen auch anderswo einbürgerte, in Italien nach Ausweis der Monumente schon wenigstens im 6. Jh., außerhalb Italiens aber spätestens in der Karolingerzeit. Von einer einem Abt erteilten Verleihung des Privilegs, sich ihrer zu bedienen, hören wir zum ersten Male 757, dann aber erst wieder 970. Häufiger werden Äbte seit dem 11. Jh. mit einem solchen begnadet.

Die Schuhe waren in ihrer ursprünglichen Form ein Mittelding zwischen antiker Sandale und einem förmlichen Schuh; denn oben bedeckten sie bloß die Fußspitze und die Ferse, ließen aber im übrigen den Fuß unbedeckt. Befestigt wurden sie durch Riemen, die sich von der Kappe, über dem Rist sich überkreuzend, zu der Sohle hinzogen. Seit etwa der Wende des ersten Jahrtausends begann dann jedoch ein Wandel der Form: zunächst wurde der Schuh, statt durch das bisherige Riemenwerk, durch Laschen, die auf dem Rist und an den Seiten aus dem niedrigen Oberleder herauswuchsen, mittels zweier von der Kappe ausgehender, die Laschen oben durchziehender Schnüre oder Bänder am Fuß befestigt (Abb. 1); dann wurde der Schuh, unter Verschwinden der Laschen, zu einem den Fuß bis über die Knöchel ganz bedeckenden Vollschuh, der zur Erleichterung des Anziehens auf dem Rist oder an einer Seite mit einem verschließbaren Schlitz versehen war (Abb. 2).

Beispiele von Pontifikalschuhen aus dem 11. bis 14. Jh. im Domschatz zu Trier, in der Abteikirche zu Niederaltaich, im Dom zu Hildesheim, im Paulusmuseum zu Worms, im Dom zu Brixen, in der Wenzelkirche zu Alt-Bunzlau, zu Strängnäs in Schweden und im Nationalmuseum zu Kopenhagen, Fragmente aus Trierer, Speirer und Basler Bischofsgräbern, Reste eines Schuhes aus Stavelot im Kunstgewerbemuseum zu Brüssel, Abbildungen heute nicht mehr vorhandener zu Niederzell auf der Reichenau bei Martin Gerbert (Monumenta veteris liturgiae alemannicae I, St. Blasien 1777) vermitteln ein gutes Bild dieser Entwicklung, die sich in gleicher Weise wie in Deutschland so auch anderswo vollzog. Als Material zur Herstellung des Oberteiles der Schuhe trat im 13. Jh. an Stelle von Leder in der Regel Seide. Im 11. und 12. Jh. erfuhren die Schuhe oft eine reiche ornamentale Ausstattung durch Goldstickereien. Im 13. und 14. Jh. schmückte man sie gerne auf dem Rist mit einem gabelkreuzförmigen Besatz.

Im späten 14. Jh. setzte in bezug auf die Form der Schuhe ein rückläufiger Wandel ein; die Form des Vollschuhs geht wieder verloren, und der Schuh erhält die Gestalt eines Pantoffels (Abb. 3) oder eines niedrigen, durch zwei von der Kappe ausgehende, auf dem Rist geschlossene Laschen befestigten Halbschuhes (Abb. 4).

Die Strümpfe haben formal keine Entwicklung durchgemacht. Sie waren von Anfang an das, was sie später waren. Noch im späten MA wurden sie in der Regel aus entsprechend zugeschnittenen Zeugstücken gefertigt. In Nadelarbeit aus Leinen hergestellte Strümpfe aus dem 12. Jh. haben sich zu Delsberg erhalten (Abb. 5). In nachmittelalterlicher Zeit kamen häufig gestrickte Strümpfe zur Verwendung.

Bis ins 12. Jh. aus Leinen hergestellt, wurden sie seit dem 13. Jh. in der Regel aus Seide angefertigt. Aus Seide gemachte Pontifikalstrümpfe befinden sich: aus dem frühen 13. Jh. in Delsberg (Abb. 6), aus dem frühen 13. Jh. im Hist. Mus. zu Basel (1907 in einem Basler Bischofsgrab gefunden; Abb. in Basler Zs. f. Gesch. u. Altertumskunde 8, Taf. 7), aus dem 14. oder 15. Jh. im Dom zu Halberstadt (Abb. 7) und im Dom zu Brixen, hier ein Paar. Die m.a. Bildwerke geben uns über die Pontifikalschuhe und Pontifikalstrümpfe nur sehr mangelhafte Auskunft, weil diese meist fast ganz von der Albe verdeckt sind (vgl. RDK I, Sp. 1148, Abb. 2).

Zu den Abbildungen

1. Hildesheim, Dom, Pontifikalschuh Bischof Bernhards I. (1130–53). Lederschuh mit Laschen und Bändern, 12. Jh. Phot. Dr.-Ing. H. H. Wiedemann, Hildesheim.

2. Brixen, Dommus., Vollschuh aus Seide mit seitlichem Schlitz, 14. Jh. Phot. Verf.

3. Halberstadt, Dom, Schuh in Form eines Pantoffels. Seide, um 1500. Phot. Verf.

4. Berlin, Schloßmus., Halbschuh aus Seide mit Laschen und Stickerei, 18. Jh. Phot. Verf.

5. Delsberg (Schweiz), Pfarrkirche, Strumpf in Nadelarbeit aus Leinen, 12. Jh. Phot. Verf.

6. Delsberg (Schweiz), Pfarrkirche, Strumpf aus gemusterter Seide, frühes 13. Jh. Phot. Verf.

7. Halberstadt, Dom, Strumpf aus gestreifter Seide, 14. oder 15. Jh. Marburger Photo.

Literatur

1. Fr. Bock, Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters, Bonn 1856ff., Bd. 2, S. 10ff. 2. Braun, Lit. Gewandung, S. 384ff. 3. Ders., Die liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit, Freiburg 1924, S. 154ff.

Verweise