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englisch: Library; französisch: Bibliothèque; italienisch: Biblioteca.


Johanna Müller (1939)

RDK II, 518–542


RDK I, 1311, Abb. 3. Miracles de Notre Dame, der Übersetzer Jean Mielot, 1456. Paris.
RDK II, 519, Abb. 1. Braunschweig, 1422.
RDK II, 519, Abb. 2. Zutphen, 1561–63.
RDK II, 521, Abb. 3. Trier, 1611–14.
RDK II, 521, Abb. 4. Prag-Strahov I, E. 17. Jh.
RDK II, 523, Abb. 5. Wiblingen, 1744.
RDK II, 525, Abb. 6. Greifswald, 1750.
RDK II, 529, Abb. 7. Schussenried, 1757.
RDK II, 529, Abb. 8. Amorbach, 1790–99.
RDK II, 531, Abb. 9. Wien, 1722–26.
RDK II, 533, Abb. 10. Admont, 1774.
RDK II, 535, Abb. 11. u. 12. Wolfenbüttel, 1706–10.
RDK II, 537, Abb. 13. Sanssouci, 1745–47.
RDK II, 537, Abb. 14. Mannheim, 1755.
RDK II, 541, Abb. 15. Schinkel, Entwurf für die Kgl. Bibliothek, 1835.

Mit B. (von griech. βιβλιοϑήκη, lat. bibliotheca, im M.A. liberaria, libraria, liberey) bezeichnet man sowohl eine Sammlung von Büchern wie auch den Raum oder das Gebäude, in dem sie aufbewahrt wird. Im frühen M.A. heißt auch die Bibel gelegentlich „bibliotheca“ (Schlosser, Quellenbuch Nr. 652, 871, 1053, 1054; Lehmann-Brockhaus Nr. 2695).

I. Altertum

Die älteste nachweisbare war eine aus Tontafeln bestehende B. im Tempel zu Nippur im 3. Jahrtausend v. Chr.; erhalten ist die Sammlung gebrannter Tontafeln mit Keilschrift aus Ninive (7. Jh. v. Chr., Brit.Mus.). Die bedeutendste B. war die große B. von Alexandria (gegr. im 3. Jh. v. Chr., 47 v. Chr. zerstört), wie fast alle B. des Altertums im Bezirk eines Heiligtums gelegen; in ihrem Aufgabenkreis und Wirkungsbereich kam sie einer Akademie gleich und war maßgebend für Organisation und Aufbau der B. der Mittelmeerländer, mit denen sie in ständigem Austauschverkehr stand. Im römischen Reich gab es bedeutende B. erst seit dem Eindringen griechischer Bildung; auch hier lagen die öffentlichen B., deren es im 4. Jh. in Rom 28 gab, vorwiegend im Tempelbezirk [1–3].

II. Mittelalter

Mit der antiken Kultur ging auch die B. als öffentliche Bildungsstätte zugrunde, während sie sich in Byzanz und im Islam noch lange gehalten hat. Im frühen Christentum bestanden neben den Privat-B. der Bischöfe schon bald die Kirchen-B., die zunächst die hl. Schriften und theologische Werke enthielten. Die Aufbewahrung der Rollen, später der Codices in einem Fach oder Schrank wird man sich ähnlich wie auf dem Mosaik im Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna vorstellen müssen. Erst im Zeitalter der Karolinger führte die zunehmende Pflege der klassischen Bildung zu einer neuen Universalität der B. (der Katalog der Kölner Dombibliothek von 833 enthält neben den biblischen und theologischen Büchern auch Medizin, Zivilrecht und zahlreiche antike Schriftsteller). Die bevorzugten Pflegestätten der Bildung waren jedoch die Klöster. Bereits in karolingischer Zeit besaßen die großen Klöster bedeutende Büchereien (claustrum sine armario quasi castrum sine armentatorio). Ein bestimmter Raum innerhalb der Klosteranlage ist jedoch für die B. nicht vorgesehen, sie kann in den verschiedensten Gebäudeteilen untergebracht sein. Der Plan von St. Gallen (Sp. 253/254, Abb. 10) sieht ein freistehendes Gebäude im nördlichen Winkel zwischen Altarhaus und Querschiff vor, das im Erdgeschoß die Schreibstube, darüber die B. enthalten sollte. Freistehende B.-Gebäude haben ähnlich offenbar auch die Klöster von Fontanella und Montecassino (Neubau im 11. Jh.) gehabt [4]. Häufiger wurden die Bücher wie später bei den Kirchen-B. in der Sakristei oder im Raum über ihr aufbewahrt, ebenso häufig aber im Obergeschoß einer Kapelle. Doch hat auch das Obergeschoß eines Kreuzgangflügels öfter als B. gedient (Mainz, Dom-B., Kautzsch, Inv. Mainz II, 1, S. 411), wie es Clark für englische und französische Klöster nachgewiesen hat [5, S. 83ff.]. Zu Ende des M.A. nahm das Buchwesen in den Klöstern noch einmal einen großen Aufschwung im Zusammenhang mit den Klosterreformen (Bursfelder Kongregation; Druckereien und Buchhandel der Brüder vom gemeinsamen Leben, vgl. hierzu die ausgezeichnete Darstellung von Kramm [13]). In dieser Zeit wird in den Quellen vielfach auch vom Bau einer „Liberei“ berichtet (Basel, Dominikaner, 1444; Admont, M. 15. Jh.; Augsburg, St. Ulrich u. Afra, 1471; Salem, 1497; Augsburg, Dominikanerkloster St. Magdalena, 1511 u. a. m.). Nachweislich haben folgende noch bestehende Räume als B. gedient: Cues, Hospital, quadrat. gewölbter Raum über der Sakristei, 1450–58 (Inv. Rheinprov. 15, 1, S. 135, Abb. 103); Brandenburg, Dominikanerkloster St. Pauli, Obergeschoß einer freistehenden Kapelle, gestiftet 1497 (Inv. Brandenburg 2, 3, S. 115ff.); Hirsau, Obergeschoß der Marienkapelle, 1508–16; Maulbronn, über den Querschiffkapellen, 1518–21; die Kölner Dom-B. war vom 15.–18. Jh. in einem gewölbten Einbau im oder am nördl. Seitenschiff untergebracht (Inv. Rheinprov. 6, 3, S. 377f.).

Im späteren M.A. hatten auch die städt. Pfarrkirchen häufig eigene B. (1341 wird der Pfarrer der Marienkirche in Mühlhausen vom Deutschen Orden angewiesen, die vorhandenen Bücher und die Bücher aller in der Parochie sterbenden Ordensbrüder zu sammeln „pro una libraria inibi instauranda.“); meist kamen sie jedoch durch Schenkungen zustande. Diese Kirchen-B. befanden sich oft in der Sakristei oder deren Obergeschoß, einem der Sakristei entsprechenden Anbau (Wertheim, Stadtkirche, nördl. Choranbau mit auf die B. bezüglicher Bauinschrift von 1445, Inv. Baden 4, 1, S. 247), im Obergeschoß einer Seitenkapelle (Brandenburg, St. Gotthard, 1474, Inv. Brandenburg ?., 3, S. 12), als Anbau an den Chor (Zutphen, Abb. 2), oder als freistehendes kapellenartiges Gebäude (Braunschweig, Liberei bei St. Andreas, 1422, Abb. 1). Soweit diese Kirchen-B. mit der Bestimmung öffentlicher Benutzung gegründet und wie auch manche Kloster-B. seit dem 15. Jh. allgemein zugänglich waren, bilden sie eine Vorstufe der Stadt-B.

Die m.a. B. war wie die Schreibstube mit Pulten ausgestattet; sicher war sie in vielen Fällen mit ihr identisch oder unmittelbar mit ihr verbunden; jedenfalls bot sie räumlich annähernd das gleiche Bild (vgl. RDK I, Sp. 1311, Abb. 3). Die Pult-B. bleibt bis ins späte 16. Jh. der vorherrschende Typus. Das beste Beispiel eines m.a. B.-Raumes ist Zutphen (nach älterem Vorbild 1561–63, Abb. 2). Einen nur projektierten, aber wohl den damaligen Räumen entsprechenden, zweiseitig beleuchteten, mit Pultreihen versehenen Raum zeigen einige Miniaturen im Statutenbuch des Freiburger Collegium Sapientiae von 1497 (Jos. H. Beckmann, in: Sankt Wiborada 4, 1937, S. 1ff., Abb. 4–6). Die einzigen erhaltenen m.a. deutschen Pulte befinden sich in Goldberg in Schlesien (wohl 15. Jh., doch nicht im ursprünglichen Raum [9, Abb. 2]). Es gab einseitige und zweiseitige Pulte, die im späteren M.A. fast regelmäßig mit einer Stange zum Anketten der wertvollen Bücher versehen waren; doch bewahrte man während des ganzen M.A. die Bücher auch in Schränken und auf Pulten ohne Ketten auf; das Inventar von S.Francesco in Assisi von 1381 unterscheidet zwischen den „libri in libreria publica ad bancos cathenati“ und den nicht angeketteten, die zum Gebrauch der Prälaten, Gelehrten und Klerikerbrüder bestimmt sind (Gottlieb, Über m.a. Bibliotheken, 1890, S. 181).

III. Neuzeit

A. Geschichte

Das Zeitalter des Humanismus und der Renaissance bringt auf dem Gebiet des B.-Wesens entscheidende Neuerungen. Auch im Norden macht sich seit dem 15. Jh. ein starker Aufschwung bemerkbar. Neben den weiter bestehenden Kloster-, Stifts- und Dom-B. beginnen nun die Rats- und Stadt-B., die fürstlichen und die Universitäts-B. eine Rolle zu spielen, die fast ausnahmslos im Lauf der Zeit den Charakter öffentlicher Bildungsanstalten annehmen.

1. Rats- und Stadt-B.

Die Rats-B., zunächst Sammlungen juristischer Literatur zum Gebrauch des Magistrats und häufig aus Stiftungen von Ratsmitgliedern entstanden, bildeten oft den Anfang einer Stadt-B. Größere Bedeutung erhielten sie erst in der Reformationszeit, als die B. der säkularisierten Klöster in städtischen Besitz übergingen. Nicht selten wurden die neuen Stadt-B. in den leergewordenen Klostergebäuden und Kirchen untergebracht. In Norddeutschland nimmt ihre Stelle vielerorts die von Luther geforderte Kirchenministerial-B. ein, eine der Kirchenbehörde unterstellte öffentliche B., die meistens in der Kirche bzw. Sakristei oder einer Kapelle aufbewahrt wird (noch erhalten die B. in Lübeck im Katharinenkloster, 1617ff.; die Wallenrodtsche B. von 1688 im Königsberger Dom, A. Rohde, Königsberg, 1929, S. 96, Abb. 79; das dreistöckige Gebäude der Marien-B. in Halle [1607ff.] wurde 1889 abgebrochen).

Beispiele.

Nürnberg: 1429 Gründung der Rats-B., seit 1432 in eigens eingerichteter Bücherkammer, teils auf Pulten angekettet, teils in Schränken; allgemein zugänglich. 1538 Vereinigung mit säkularisierten Kloster-B. und Aufstellung im Dominikanerkloster [9, Abb. 12], wo sie noch heute steht. (Sensburg [19, S. 129f.].)

Ulm: Neithard-B., 1439 gestiftet, 1465 Aufstellung in der Neithard-Kapelle des Münsters. 1685 Vereinigung mit der 1516 von Ulrich Kraft dem Rat vermachten B., für welche seit 1518/19 ein eigenes kleines Gebäude bei der Hütte auf dem Münsterkirchhof bestand, die sog. Hütten-B. (Greiner, Ulms B.-Wesen, Württ. Vjsh. N.F. 26, 1917, S. 64ff.).

Frankfurt a. M.: Die 1484 dem Rat vermachten Bücher werden 1510 im „Haus zur Viole“ aufgestellt. 1529 geht die Barfüßer-B. in den Besitz des Rates über; 1668 beide im ehem. Barfüßerkloster vereinigt [7, Abb. 161]. Nach Vereinigung mit den 1803 säkularisierten B. Neubau 1820–25 (Ebrard [16]).

Augsburg: Die säkularisierten Kloster-B. werden 1537 als städtische B. im Dominikanerkloster vereinigt; 1562 Übersiedlung in das ehem. Karmeliterkloster St. Anna, dort bis 1893 in einem 1615 errichteten Neubau [19, Abb. S. 28/29] mit stattlichem B.-Saal [9, Abb. 14].

Stralsund: 1560 veranstalten Bürgermeister und Pfarrer eine Büchersammlung unter den Bürgern; als öffentliche B. wird sie in einer Kapelle der Marienkirche aufgestellt [13, S. 69].

Danzig: Den Grundstock der Stadt-B. bildet die B. des 1591 vor der Weichselmündung gestrandeten Marchese d’Oria als „Lieberey für gelertte Leutte und die liebe christliche Jugend“ [13, S. 32, Anm. 4]; Aufstellung in fünfschiffiger Halle [9, Abb. 13].

2. Fürstliche B.

Die fürstlichen B. (Schloß-, Hof-B.) waren zunächst Privatsammlungen und entsprangen oft ebensosehr der für das Zeitalter der Renaissance charakteristischen Sammelleidenschaft als wissenschaftlichem Interesse. Zu den älteren gehören die B. der Pfalzgrafen in Heidelberg (A. 15. Jh.), die Fürstenbergische B. in Donaueschingen (um 1500), die B. Kaiser Maximilians in Wien und Innsbruck, Friedrichs des Weisen in Wittenberg. Auch den fürstlichen B. brachte die Aufhebung von Klöstern im Zeitalter der Reformation mächtigen Zuwachs und führte zu wichtigen Neugründungen. Im 18. Jh. vollzieht sich in den B. eine zunehmende Zentralisierung; vielfach entwickeln sich aus ihnen die späteren Landes- bzw. Staats-B.

Beispiele.

Königsberg, Schloß-B. Auf Grund der Säkularisation 1525 von Herzog Albrecht gegr., seit 1540 im Schloß aufgestellt und als Schloß- und Gelehrten-B. öffentlich zugänglich, 1827 in die Univ.-B. übergegangen.

Wien, Hof-B., begr. 1526 von Ferdinand I., 1665 um die Ambraser Schloß-B., 1737 um die B. des Prinzen Eugen von Savoyen, 1749 um die Grazer Schloß-B. vermehrt, seit 1918 Staats-B. Zunächst Unterbringung im Minoritenkloster. Abb. der mit der Raritätenkammer vereinigten B. [9, Abb. 24]. Großartiger Neubau von Fischer von Erlach 1722–26 (Abb. 9), seitdem öffentlich zugänglich.

Heidelberg, Palatina. Durch Pfalzgraf Ottheinrich Vereinigung der bestehenden Haus-B. mit der älteren Universitätssammlung, der Lorscher Kloster-B. und 1584 der B. des Ulrich Fugger. Aufgestellt war sie vermutlich im großen Saal im „Bibliotheksbau“ des Heidelberger Schlosses. Im Verlauf des 30jährigen Krieges kam sie an die Vaticana in Rom. – Eine neue große B. wurde später in Mannheim im kurfürstl. Schloß gegründet; sie ist im Ostflügel untergebracht in einem riesigen Saal, der durch zwei Geschosse geht, und war von Anfang an öffentlich zugänglich. Außerdem hat sich im Mannheimer Schloß die Kabinetts-B. der Kurfürstin Elisabeth Augusta in einem ebenfalls von Pigage eingerichteten Raum erhalten (Abb. 14).

München, Hof-B., begr. 1558 von Herzog Albrecht durch Kauf der B. des Kanzlers Widmannstetter, 1571 Hinzukommen der B. des Joh. Jak. Fugger; Aufstellung zunächst über dem Antiquarium der Residenz, 1607 in der Herzogsburg am Alten Hof. Durch die Säkularisation 1803 gewaltig vergrößert, 1829 Hof- und Staats-B., Neubau von Gärtner.

Wolfenbüttel. Die 1568 gegr. B. Aulica kam 1618 an die Univ.-B. Helmstedt und gelangte erst nach deren Aufhebung 1810 nach Wolfenbüttel zurück. Die 1604 in Braunschweig neu gegr. und 1636 aufgestellte B. Augusta wurde 1644 nach Wolfenbüttel überführt, war seit 1666 täglich für das Publikum geöffnet. 1706–10 Zentralbau von Herm. Korb (Abb. 11 und 12).

Kassel, Hof-B. gegr. 1580; Unterbringung in der Kanzlei, später im Marstallgebäude, 1779 im Museum Fridericianum, dort noch heute als Landes-B. [20].

Berlin, Hof-B., 1650 erwähnt, die u. a. die 1595 aus Luthers Nachlaß erworbenen Bücher enthält; zunächst als Privat-B. im Dachgeschoß des Schlosses aufgestellt, 1661 vom Großen Kurfürsten als „Churfürstl. B.“ der öffentlichen Benutzung zugänglich gemacht, nachdem 1660 drei Räume im 1. Stock des Apothekenflügels dafür hergerichtet waren [18]. Ein Projekt des Gr. Kurfürsten v. J. 1687, die B. in einer zweistöckigen Galerie nach dem Vorbild des französischen „Spaziersaals“ [3, S. 21] unterzubringen, wurde nicht ausgeführt. Neubau der Kgl. B. 1774 am Opernplatz, dort bis 1909. Schinkels Entwurf von 1835 für einen Neubau (Abb. 15) nicht ausgeführt. Seit 1918 Preuß. Staats-B. – Außerdem gab es in den verschiedenen kgl. Schlössern Kabinetts-B. Friedrichs d. Gr. (Sanssouci, Abb. 13; B.-Galerie im Neuen Palais in Potsdam).

3. Universitäts-B.

In der Frühzeit der Universitäten gab es nur B. der einzelnen Kollegien oder Fakultäten (Sorbonne 1257; Prag, B. des Collegium Carolinum, 2. H. 14. Jh.; Miniaturen mit Darstellungen einer Freiburger Burse von 1497, s. o.; aus späterer Zeit die B. des Tübinger Collegium illustre [9, Abb. 9] sowie die Alumneums-B. in Altdorf [25]). Die zentrale Universitäts-B. (Heidelberg 1419) wird häufiger erst seit der Reformation durch die Übernahme der B. säkularisierter Klöster (Marburg 1527, Leipzig 1543, Basel 1559). Die Unterbringung war zunächst meist dürftig. Gelegentlich war die B. mit der Naturaliensammlung vereinigt (Altdorf, Göttingen). Erst im 18. Jh. finden sich gelegentlich stattliche B.-Räume von zweckentsprechender Anlage: Göttingen [9, Abb. 41], Greifswald (jetzt Aula, Abb. 6). Wie bei den Kloster-B. wird durchweg das Wandsystem bevorzugt gegenüber dem nischenbildenden „stall-system“ englischer College-B. In den meisten Fällen begnügt man sich jedoch mit der Verwendung und Einrichtung ursprünglich für andere Zwecke errichteter Räume und Gebäude (Würzburg 1720–22 von Balth. Neumann eingerichtet; Göttingen seit 1803 in der Dominikanerkirche St. Pauli [9, Abb. 48]; Breslau, 1811 im 1709–15 erbauten ehem. Augustinerchorherrenstift). Im 19. Jh. wird bei den meisten Universitäten die B. in einem eigenen Bau oder wenigstens in einem besonderen Flügel untergebracht. Gleichzeitig setzt sich wie bei den andern B. die Trennung in Büchermagazin und Lesesaal (Arbeitsraum) durch.

4. Kloster- und Stifts-B.

Trotz der Aufhebung und Säkularisation zahlreicher Kloster-B. im Zeitalter der Reformation nehmen die Klöster auch in der neueren Zeit eine führende Stellung auf dem Gebiet der B. ein, wenigstens soweit es sich um die architektonische Lösung und künstlerische Ausstattung handelt, und abgesehen von der Hof-B. in Wien und wenigen Schloß-B. sind es in erster Linie süddeutsche und österreichische Klöster und Stifte, die die großartigsten B.-Bauten der Barockzeit geschaffen haben. Nach einem vorübergehenden Rückgang im 16. Jh. erfolgt bald ein neuer Aufschwung, an dem zunächst die Jesuiten besonderen Anteil haben. Nach dem Grundsatz „Lieber ein Kollegium ohne Kirche als ein Kollegium ohne Bücherei“ ist in manchen Fällen die B. vor der Kirche entstanden (München, Freiburg i. Ü. [13, S. 94 Anm. 1]). Die B. beginnt nun auch eine größere Rolle im Gesamtkomplex der Klostergebäude zu spielen.

Jesuiten-B.:
Trier, 1611–14 (heute Stadt-B., Abb. 3)
Köln, vor 1631 (mit den alten Repositorien; Inv. Rheinprov. 7, 1, S. 166)
Passau, 2. H. 17. Jh., Ausstattung M. 18. Jh. (Inv. Bayern IV, 3, S. 222ff.)
Amberg, 1665ff. (Inv. Bayern II, 16, S. 46).
Passau und Amberg sind wie die späteren in Dillingen und Würzburg Barocksäle.

In der Folgezeit werden die schönsten B. von den Benediktinern (Kremsmünster, Lambach, Metten, Ottobeuren, Melk, Regensburg: St. Emmeram, Einsiedeln, Altenburg, Seitenstetten, Wiblingen, Abb. 5, St. Peter im Schwarzw., St. Gallen, Admont, Göttweig, Ochsenhausen, Neresheim, Amorbach, Abb. 8), Augustiner-Chorherren (Vorau, St. Florian, Neustift b. Brixen, Klosterneuburg), Prämonstratensern (Löwen, Parkabtei; Prag-Strahov, Saal I, Abb. 4, und II; Schussenried, Abb. 7; Geras) und Zisterziensern (Heiligenkreuz, Leubus, Lilienfeld, Schlierbach, Waldsassen, Fürstenzell, Grüssau), im Zusammenhang mit dem Barockneubau ihrer Klöster und Kirchen errichtet. Erst mit der Säkularisation im Gefolge der französischen Revolution bricht die Entwicklung ab.

B. Raumtypus

Die ital. Renaissance ist nicht zur Prägung eines einheitlichen B.-Typus gelangt. Die 1437–41 von Michelozzo für Cosimo de Medici errichtete B. in S. Marco in Florenz ist wie die B. Malatestiana von 1452 in Cesena ein dreischiffiger, pseudobasilikaler Raum mit quergestellten Bankpultreihen in den Seitenschiffen. Für die Laurenziana errichtete Michelangelo einen stützenlosen, flachgedeckten Saal mit reicher Wandgliederung und Bankpulten; eine außerdem als Dreieckraum mit Oberlicht projektierte „piccola libreria“ (Grdr. [7, Abb. 20]) wurde nicht ausgeführt. 1587 schuf Fontana für die vatikanische B. [9, Abb. 4] einen zweischiffigen gewölbten Raum mit geschlossenen Bücherschränken an den Wänden und um die Mittelpfeiler; die etwa gleichzeitige B. im Escorial, ein tonnengewölbter, korridorartiger Saal, verwendet bereits offene Regale, sog. Repositorien. – In Deutschland fanden die neu aufblühenden Stadt-B. zumeist in säkularisierten Klöstern Platz (s. o.). Über Räume und Aufstellung fürstlicher B. des 16. Jh. ist wenig bekannt. Der heute als Fuggermuseum dienende schöne Erdgeschoßsaal im Fuggerhaus am Zeugplatz in Augsburg wurde seit 1569 als B. und Kunstkammer eingerichtet, aber wahrscheinlich nicht als B. gegründet. Aus der Spätzeit der Renaissance haben sich die B.-Räume der ehem. Jesuitenkollegien (Trier, Köln) erhalten, zweischiffige Säle mit Fenstern auf beiden Langseiten.

Auch die im Kern aus der Spätrenaissance stammende, A. 18. Jh. barock umgestaltete und prachtvoll ausgestattete Benediktiner-B. zu Metten (Inv. Bayern IV, 17, Taf. 17) ist wohl schon ursprünglich zweischiffig gewesen, möglicherweise auch Einsiedeln (Umbau 1738; Inv. Schweiz, Kanton Schwyz 1, Taf. 13).

C. Barockbibliothek

Die glanzvolle Entwicklung der deutschen Barock-B. setzt erst nach dem 30jährigen Krieg ein und spielt sich hauptsächlich in den süddeutschen und österreichischen Klöstern und Stiften ab. Wie vereinzelt auch schon vorher nimmt die B. nun oft einen ganzen Flügel (oder zumindest dessen Obergeschosse) ein, z. B. Heiligenkreuz, Ottobeuren (Sp. 261/62, Abb. 15), Ochsenhausen, oder aber einen auch im Außenbau betonten wichtigen Bauteil: Wiblingen, großer Mittelpavillon im Nordtrakt; Klosterneuburg, ovaler Pavillon über der Einfahrtshalle; Amorbach, 3stöckiger Eckpavillon entsprechend dem gegenüberliegenden Musiksaal; Mannheim, der der Kirche entsprechende Flügel; am eindrucksvollsten wohl Melk, linker Pavillon des basteiartigen Vorbaus, als Gegenstück zum Kaisersaal. Auch freistehende Gebäude kommen vor, in der Regel für fürstliche B. (Wolfenbüttel, Wien, aber auch Fulda).

Die Innenraumgestaltung geht (mit Ausnahme von Schlierbach, dessen Grundriß ein griechisches Kreuz ist) von dem Saal aus, wie ihn Michelangelo in der Laurenziana geschaffen hat. Dieser Typus wird im Lauf der Entwicklung erheblich modifiziert, vor allem durch Einfügung von Galerien (zuerst in der Ambrosiana, 1603–09), die besonders dann die Regel sind, wenn sich die B. über zwei Stockwerke erstreckt. Die entstehenden Raumformen lassen sich zu folgenden Haupttypen zusammenfassen:

1. Saal mit flacher Decke oder Tonnengewölbe; die Schränke stehen in eingeschossiger Ordnung an den Wänden:

Amberg, 1665ff.
Löwen, Parkabtei, 1672 (Clemen, Belg. K.denkmäler 2, S. 156ff.)
Passau, 2. H. 17. Jh., Ausstattung M. 18. Jh.
Kremsmünster, E. 17. Jh.
Prag-Strahov I, E. 17. Jh. (Abb. 4)
Heiligenkreuz, Saal I, 1693–1705
Lambach, um 1700
Lilienfeld, A. 18. Jh.
Vorau, 1731.

2. Zweigeschossig mit vorkragender (balkonartiger) Galerie, Bücherregale unter und auf der Galerie; die Räume werden entsprechend höher, die Decke nimmt meist ein einziges großes Deckengemälde ein.

Leubus, bald nach 1700
Waldsassen, 1724/25, Galerie auf Atlantenstützen. Schon Entwürfe für die Einrichtung von 1688 sehen eine zweigeschossige Anordnung der Regale vor, aber ohne Galerie (Inv. Bayern II, 14, S. 127)
Melk, 1732 (Sp. 263/64, Abb. 17)
Seitenstetten, um 1741
St. Florian, 1748
St. Peter im Schwarzwald, Bau 1734ff., Ausstattung 1750/52 (Inv. Baden 6, 1, Taf. 31)
Mannheim (Schloß-B.!), 1755, dreigeschossig mit 2 Galerien
Neustift b. Brixen, 1771–78 (Weingartner, K.denkmäler Südtirols 2, Abb. 21)
Göttweig, 1778
Amorbach, 1795–99 (Abb. 8)
Prag-Strahov II, voll. 1794.

3. Zweigeschossig mit Galerien auf Freistützen:

Ottobeuren, um 1725
Wiblingen, 1744 (Abb. 5)
Neuburg a.D. (aus Kaisheim), M. 18. Jh.
Greifswald (Univ.-B.!), um 1750 (Abb. 6)
Schussenried, v. Dominikus Zimmermann, 1757
St. Gallen, 1760, die Stützen durch Schränke mit der Wand verbunden (Birchler, Abb. 19)
Grüssau, 1768 Fulda, 1771–78
Ochsenhausen, 1785.

Die farbige Haltung entspricht der allgemeinen Entwicklung von volleren zu leichteren Tönen, bis im Spätrokoko und Frühklassizismus Weiß die beherrschende Farbe wird. In Ochsenhausen wandelt sich die auf Pfeilern ruhende Galerie in eine Empore mit eigenen Stützen. In Fulda und Amorbach wird der Raum durch Aufteilung des unteren Geschosses in eine in den Saal gezogene Schrankreihe, die zugleich als Auflagepult dient für eine dahinterliegende, erhöhte Reihe, besonders gut ausgenützt.

4. Eine kleine Gruppe von B., die nach dem Vorbild der Wiener Hof-B. Kolossalordnungen und Kuppeln verwendet und so zu besonders großartigen, kirchenschiffähnlichen Raumlösungen kommt, ist mit einer Ausnahme (Regensburg) auf österreichisches Gebiet beschränkt:

Regensburg, St. Emmeram, 1731–33, 3 Kuppeln
Altenburg, voll. 1742, 3 Kuppelräume ohne Galerie
Admont, 1774, 7 Flachkuppeln (Abb. 10).

5. Hof- und Landes-B. Eine von allen vorgenannten abweichende, höchst bedeutsame Lösung fand Hermann Korb in der 1706–10 erbauten, 1887 abgebrochenen herzoglichen B. in Wolfenbüttel (Abb. 11 u. 12). Unter Verwendung eines bestehenden Untergeschosses schuf Korb, beraten von Leibniz, einen Zentralbau, der in einem Fachwerkoberbau einen ovalen Mittelsaal mit zwei Umgängen enthielt, in dem die B. dreigeschossig aufgestellt war.

Die weitaus großartigste fürstliche B. des Barock ist die von Fischer v. Erlach 1722–26 erbaute Wiener Hof-B., ein Längsbau mit einem senkrecht zu seiner Achse gerichteten mittleren ovalen Kuppelraum. Die gewaltigen Dimensionen werden durch kolossale Säulen und Pilaster und eine zur Deckenzone überleitende Scheingalerie betont (Abb. 9).

Sonst folgen auch die Hof- und Landes-B. meist dem Vorbild der Kloster-B.

Eine Sonderstellung nehmen die Kabinett-B. ein, fürstl. B. für den Privatbedarf, meist Räume von mäßiger Größe und intimerem Charakter: Sanssouci, ein vollkommen in sich abgeschlossener Raum im Eckpavillon, die Schränke in die Wand eingelassen, Türen nicht sichtbar (Abb. 13); in der kleinen B. der Kurfürstin von 1755 in Mannheim werden die Bücherschränke von bemalten Leinwandtüren verdeckt (Abb. 14). Als freistehendes Gebäude sei der B.-Pavillon in Herrenhausen (1817) erwähnt.

Die Karlsruher Schloß-B. von 1765, die zusammen mit dem Naturalienkabinett in einem besonderen Bau untergebracht war, bildet mit ihrer magazinartigen Aufstellung in gewissem Sinn schon eine Vorstufe für die nach einem Idealentwurf Leopold della Santa’s von 1816 im Lauf des 19. Jh. entstehenden, in Lesesaal und Magazin aufgeteilten B. [3].

D. Ausstattung

Da die B. der Barockzeit immer zugleich als Arbeitsraum dienten, sind oder waren sie regelmäßig mit Tischen ausgestattet, die frei im Raum oder in den Fensternischen stehen. Zur bequemeren Benutzung der Bücher an den Regalen waren gelegentlich Klapptische an den Schranktüren angebracht (Schussenried) oder die Galerie mit Ablagepulten versehen. An die oft sehr hohen Regale konnte man mit einfachen Leitern oder sog. Rolltreppen herankommen, fahrbare feste Leitergestelle mit Geländer und oberem Sitz bzw. Ablagebrett. Die Büchergestelle hatten wie die Bücher selbst (auf die Schranktüren gemalte Bücherrücken, gleiche Bücherhülsen für die verschiedenen Bücher) entscheidenden Anteil an der Raumgestaltung; im Laufe des 18. Jh. wurden die offenen Regale vielfach durch geschlossene Schränke mit vergitterten (Fulda) und verglasten Türen ersetzt; im Klassizismus werden Bücherschränke mit geschlossenem Untersatz und verglastem Aufsatz bevorzugt (B. nach Entwürfen Schinkels [7, Abb. 217] und in Schloß Nassau a. d. Lahn).

An Stelle der früheren Lesepulte verwendete man in der Barockzeit gelegentlich sog. Leseräder, d. h. um eine waagerechte Welle drehbare hölzerne Büchergestelle mit 6 und mehr Fächern [7, Abb. 55/56]; ein solches befand sich auch in der 1660 im Berliner Schloß aufgestellten B. Seit dem 17. Jh. gehören zur Ausstattung der B. fast regelmäßig große, in Gestellen auf dem Boden stehende Globen; auch Vitrinen mit „Naturalien“ und Raritäten finden Aufstellung (alte Wiener Hof-B. vor 1720, Univ.-B. Altdorf), wie denn namentlich in den fürstlichen B. sich lange eine enge Verbindung von B. und Kunstkammer erhält. Für die Ausstattung vgl. im übrigen Adriani [11, S. 39ff.].

E. Der Bilderkreis

a) in geistlichen B.

Daß schon im M.A. B.-Räume in größerem Umfang ausgemalt wurden, beweist die Beschreibung, die Hartmann Schedel von den Wandgemälden der B. des Prämonstratenserstifts in Brandenburg (vermutlich A. 15. Jh.) geliefert hat (Schlosser, Quellenbuch, S. 325ff.); danach waren die freien und die mechanischen Künste sowie Personifikationen der Theologie, Philosophie, Jurisprudenz und Medizin mit ihren Vertretern und Tätigkeiten dargestellt. Ein beträchtlicher Teil dieses Programms geht in den Bilderkreis der Barock-B. über, hier allerdings zu einem früher unbekannten Umfang anwachsend und mit ausgeklügelten Allegorien durchsetzt. Deckengemälde, Stuckreliefs, Freifiguren und Statuengruppen vereinigen sich im 18. Jh. häufig zu jener auch sonst vom Barock geschätzten festlichen Gesamtwirkung.

Das zentrale Thema, das in zahlreichen Variationen erscheint, ist der Bund zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen Tugend und Weisheit (conubium virtutis ac scicntiae), unter entschiedener Betonung des göttlichen Ursprungs aller wahren Kunst und Wissenschaft. Eine kaum übersehbare Fülle von Personen und Ereignissen der Antike, des M.A. und auch der Neuzeit, der Mythologie, des A.T. und des N.T., Personifikationen, gelehrte Allegorien und Symbole werden herangezogen, um die glanzvollen Leistungen der Christenheit auf allen Gebieten der Kunst und der Wissenschaft zu belegen. Steht auch die geistliche Wissenschaft im Mittelpunkt des Interesses und der Verherrlichung, so werden doch auch alle Arten einer weltlichen Wissenschaft, der Kunst und der Technik gebührend berücksichtigt. Antithetische Gegenüberstellungen etwa der heidnischen Antike und des Christentums oder der rechten Glaubenslehren und der Häresien oder der wahren und der Scheinwissenschaft treten hinzu. Je nach dem Bauherrn werden Heilige eines bestimmten Ordens bevorzugt und entsprechende Szenen aus ihrem Leben dargestellt (Zisterzienser: St. Bernhard; Prämonstratenser: St. Norbert usw.). Nur ausnahmsweise erscheint ein Thema des kirchlichen Bilderkreises im eigentlichen Sinne wie die Anbetung des Lammes durch die 24 Ältesten (Seitenstetten 1741), noch seltener ein mythologisch-allegorisches wie die Taten des Herkules als Führung zur Weisheit durch Pallas (Zwettl 1732). – Eine wichtige Quelle für die großen Zyklen der Barock-B. ist die Iconologie des Cesare Ripa (RDK I, Sp. 359), aus der nicht nur zahlreiche Personifikationen, sondern gelegentlich ganze Szenen, ja wie beispielsweise in St. Florian, die Grundzüge des gesamten Programms wörtlich übernommen werden (H. Keller [12]). In andern Fällen wurde das Programm durch Theologen sorgfältig ausgearbeitet, und vereinzelt haben sich diese literarischen „Konzepte“ erhalten (Adriani [11, S. 64ff.]). Wenn sie, wie es meist der Fall ist, fehlen, stößt die Deutung oft auf große Schwierigkeiten, und bei einem erheblichen Teil der Darstellungen in Barock-B. muß man zugeben, daß ihr Sinn noch nicht einwandfrei enträtselt ist.

Beispiele.

Heiligenkreuz (N.Ö.), 1. Saal 1693–1705, Wandmalerei im nördl. Schildbogen: Allegorie der göttlichen Weisheit, im südl.: die hll. Benedikt und Bernhard. Deckengemälde: Allegorie des Glaubens, in ihrem Gefolge die Völker der Erde; in Stichkappen und Zwickeln die 4 Evangelisten und Symbole der 4 Fakultäten, an den Fensterspaletten Sibyllen. Auf den Bücherschränken vergoldete Büsten und Inschriftkartuschen der Wissenschaften (Rhetorik, Geographie, Mystik, Philosophie, Jurisprudenz, Astronomie, Botanik und Medizin, Theologie). – 2. Saal, 1838: in den Schildbögen Gideons und Noahs Opfer. Im Mittelbild Maria thronend umgeben von den Allegorien der Religion mit Opferaltar und Wissenschaft m. Instrumenten, Darstellungen des a.t. und n.t. Opfers (Inv. Österreich 19, S. 162ff.).

Ottobeuren, Deckengemälde 1716 von Elias Zobel: Ankunft des hl. Benedikt in Montecassino; Benediktinerheilige mit wissenschaftlichem Ruf.

Gaming (N.Ö.), Kartause Marienthron, Deckengemälde von 1723: Gegenüberstellung der heidnisch-antiken und der christl. Wissenschaft.

Waldsassen. Deckengemälde von K. Hofreiter 1724: Ereignisse aus dem Leben des Hl. Bernhard, soweit sie auf die christl. Wissenschaft Bezug haben; in Ovalbildern St. Bernhard, Thomas v. Aquin und die 8 großen Kirchenlehrer des Morgen- und Abendlandes (Inv. Bayern II, 14, S. 127ff.).

Amberg, um 1730. Drei Deckengemälde: Sündenfall, der 12jähr. Jesus im Tempel, Ausgießung des Hl. Geistes.

Melk, Hauptsaal, Deckengemälde 1731/32 von Paul Troger, Architekturmalerei von Gaetano Fanti: auf Konsolen sitzend Allegorien der Wissenschaften und Künste; in der Mitte Durchblick zum Himmel, darin allegorische Frauengestalten mit emblemtragenden Putten; in der Mitte behelmte Gestalt der Religion mit Taube im Schild, neben ihr das Lamm Gottes auf dem Buch mit den 7 Siegeln, herum 4 Gruppen darstellend die 4 Fakultäten. – Auf Postamenten lebensgroße vergoldete Holzfiguren der 4 Fakultäten von Jos. Pöbl, 1734 (Inv. Österreich 3, S. 326).

Leubus, Fresken von Chr. Phil. Bentum, um 1735. Deckengemälde: der 12jähr. Jesus im Tempel, die Kirchenväter, Maria Theresia (Mecum sunt divitiae et gloria, Prov. 8, 18), Karl VI. inmitten einer Belagerungsszene, eine Szene aus dem Generalkapitel; in den Fensternischen die einzelnen Wissenschaften (Theologie, Rechtswissenschaft, Philosophie, Astronomie, Alchemie, Mathematik, Musik, Mal- und Dichtkunst, Rhetorik); zwischen den Nischen Vertreter dieser Wissenschaften aus dem Altertum. (Mitt. des Herrn Kuratialpfarrers Koschel in Leubus.)

Dillingen, Jesuitenkolleg, Deckenfresken von Ignaz Schilling 1738: Die Sapientia Divina als Mittelpunkt und Ziel aller menschlichen Wissenschaft mit bes. Betonung der Theologie und Rechtswissenschaft (Mitt. Prof. Zöpfl). 12 Apostel-Statuen von J. G. Bschorer.

Einsiedeln, Umbau 1738, Stukkaturen mit Emblemen des Kaisertums und Papsttums, Bildnisse aller Kaiser und Päpste (Inv. Schweiz, Kanton Schwyz I, S. 175ff.).

Seitenstetten (N.Ö.), Deckengemälde von Paul Troger, 1741: Anbetung des Lammes durch die 24 Ältesten. 8 Statuetten der 4 Fakultäten.

Altenburg (N.Ö.), Kuppelfresken 1742 von Paul Troger: Salomo und die Königin von Saba; Jurisprudenz und Theologie mit Gerechtigkeit, den 4 Kirchenvätern, und Christus mit dem Zinsgroschen; Philosophie und Disziplin, Gelehrte bei Beobachtung der Gestirne und Pflanzen mit Globus, Zirkel usw., barmherziger Samariter. Wandfresken von J. Zeiller mit antiken Figuren, 12jähr. Jesus im Tempel, Joh. Ev. schreibend (Inv. Österreich 5, S. 309ff.).

Wiblingen, Fresken 1744 von F. M. Kuen: Der Götterberg Parnaß mit dem Pegasus und den 9 Musen gegenüber dem christlichen Gottesberg mit dem apokalyptischen Lamm und den Gaben des Hl. Geistes; Sündenfall gegenüber der Mission; Alexander und Diogenes als Vertreter der antiken Geschichte und Philosophie gegenüber den Klosterstiftern; Kardinaltugenden, die großen doctores. Statuen der mönchischen Tugenden und Wissenschaften, Stuckreliefs mit verschiedenen Personifikationen und Symbolen (Inv. Württ., Kr. Laupheim, S. 187).

St. Florian (O.Ö.), Deckengemälde 1746–48 von Barth. Altomonte nach Entwurf von Daniel Gran unter weitgehender Benutzung der Iconologia von Cesare Ripa: Vermählung der Pallas und der Tugend umgeben von den einzelnen Tugenden und Wissenschaften: Hic sibi perpetuo virtutem foedere Pallas / Jungit et ambabus sacra statista domus. (Adriani S. 65ff.)

St. Peter im Schwarzwald, Deckengemälde 1751 von Ben. Gambs: Die Dreifaltigkeit umgeben von Vertretern des A.T. und N.T., an den Gewölbezwickeln die Kirchenväter; auf der Galerie Statuen der Künste und Wissenschaften, 1753. (H. Ginter, Südwestdeutsche Kirchenmalerei des Barock, 1930, S. 104.)

Schussenried, Deckenbild 1757 von Franz Gg. Herrmann: Sedes sapientiae, Verherrlichung der göttlichen Weisheit, die durch den Hl. Geist Wissenschaften, Künste und Technik inspiriert. An den Säulen Statuen von Vertretern der wahren Lehre, die Häresien (in Gestalt kleinerer Gruppen) bekämpfend; auf der Brüstung der Galerie Büsten berühmter Gelehrter und Künstler sowie Putten mit Emblemen von Kunst und Wissenschaft (von J. B. Trunk).

Weißenau, 1757. Gemälde am Gewölbe: Der 12jähr. Jesus im Tempel zwischen St. Norbert, dem Augustin die Regel überreicht, auf der einen und Augustin, dem ein Engel die Paulusbriefe bringt, auf der andern Seite; an den Wänden die Theologie mit zahlreichen Begleitfiguren und Disputationen der hl. Katharina und des hl. Norbert; in Stuckreliefs am Gewölbe die Kirchenpatrone Petrus und Paulus, die Evangelisten und die 4 Kirchenväter (Inv. Württ., Kr. Ravensburg, S. 114).

Aldersbach, Deckenfresko von M. Günther, 1760: Dreifaltigkeit umgeben von Vertretern der geistlichen und weltlichen Wissenschaften, der antiken Mythologie und der christlichen Gelehrsamkeit (Inv. Bayern IV, 14, S. 62).

St. Gallen, Deckenbilder 1760 von Jos. Wannenmacher: Die vier Konzilien, 4 Kirchenväter, die Wissenschaften in 9 Grisaillen (L. Birchler, S. 35).

Wien, Augustinerkloster (jetzt Lesesaal der Nat.-B.), Deckenbild von Joh. Bergl, 1773: Der Parnaß und die 4 Fakultäten.

Admont (Steiermark), Deckenfresko 1774 von Barth. Altomonte. In den 7 Kuppeln die einzelnen Wissenschaften, beherrscht von der göttlichen Offenbarung in der Hauptkuppel, Kirchenväter, Kirchenlehrer, die 4 christl. und die 4 Kardinaltugenden, 8 Propheten, die Evangelisten, Künstler und Sibyllen, die 4 Erdteile (Adriani, S. 84ff.). Die riesigen Gruppen der „vier letzten Dinge“ (Tod, Gericht, Hölle, Himmel) bereits 1760 von J. Th. Stammel.

Ochsenhausen. Drei Deckengemälde von J. A. Huber 1790: Ewigkeit der evangelischen Weisheit gegenüber der Vergänglichkeit der irdischen Kunst und Wissenschaft, im westlichen Nebenbild Salomo und die Königin von Saba, im östlichen Paulus auf dem Areopag. 4 Statuen: Studium, Ingenium, Scientia und Ars (Inv. Württ., Kr. Biberach, S. 201).

Amorbach, Deckengemälde 1790 von Konrad Huber: Weisheit und Tugend (Beischrift: Sapientiae atque Virtuti felici amicitiae nexu federatis) umgeben von den Wissenschaften (Theologie, Philosophie, Geologie, Medizin, Physik, Jus, Geschichte, Astronomie). (Inv. Bayern III, 18, S. 62.)

Geras (N.Ö.), Gemälde 1805 von Joh. Winterhalter: an der nördl. und südl. Wand Spes und Caritas, Fides und der hl. Gregor, Apollo und Pallas, Deckengemälde in den Tonnen: Opfer Abels und antike Opferszene vor Venusstatue; in der Kuppel: Predigt des Paulus in Athen, Petrus und die Kirchenväter, Triumph der Religion, der die christlichen Tugenden die als Frauengestalt gebildete menschliche Seele zuführen, die ein Faunknabe am Mantel zurückzuhalten sucht; am Kuppelrand zahlreiche antike und a.t. Figuren (Inv. Österreich 5, S. 213f.).

b) in profanen B.

Die Darstellungen in profanen B. nehmen meist auf Bestimmung und Geschichte der B. Bezug. Neben Wappen und Bildnissen von Ratsherren und Predigern (Lübeck, 1617), neben Monogrammen der fürstlichen Stifter und einem Deckenfresko mit den Planetengöttern (Wolfenbüttel) und Gemälden berühmter Gelehrter des Altertums und der neueren Zeit (Berlin, um 1660) finden sich die Kardinaltugenden (Frankfurt a. M., Stadt-B., um 1670), Putten mit Emblemen der verschiedenen Disziplinen (Greifswald, Univ.-B., Abb. 6) u. ä. Das große Kuppelgewölbe der Nat.-B. in Wien, von Daniel Gran nach einem vom kaiserlichen Rat Konrad v. Albrecht entworfenen Programm 1730 vollendet, stellt die Huldigung der Künste und Wissenschaften an ihren Schirmherrn Karl VI. dar. An der Decke der Mannheimer Schloß-B. ein Fresko: „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“.

Zu den Abbildungen

1. Braunschweig, Liberei bei St. Andreas, 1422ff. Phot. Herzog-Anton-Ulrich-Mus. Braunschweig.

2. Zutphen (Holland), B. der St. Walburgakirche, 1561–63 nach älterem Vorbild. Nach einer Zeichnung v. H. v. Hasselt.

3. Trier, B. d. ehem. Jesuitenkollegiums (jetzt Stadt-B.), 1611–14. Phot. Staatl. Bildstelle, Berlin.

4. Prag, Prämonstratenserkloster Strahov, Saal I, 17. Jh. Marburger Photo.

5. Wiblingen (b. Ulm), B. des Benediktinerklosters, voll. 1744. Phot. Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart.

6. Greifswald, Universitäts-B., 1750. Nach Viktor Schultze, Geschichts- u. K.denkmäler der Univ. Greifswald, Greifswald 1906, Taf. 9.

7. Schussenried, B. des ehem. Prämonstratenserklosters, von Dominikus Zimmermann, 1757. Phot. Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart.

8. Amorbach, B. des ehem. Benediktinerklosters, Deckengemälde 1790, Ausstattung 1795–99. Phot. J. Reisweber, Amorbach.

9. Wien, Hof-B. (jetzt Staats-B.), nach Plänen von Joh. Bernh. Fischer von Erlach († 1723), erbaut von Jos. Emanuel Fischer von Erlach (d. J.), 1722–26. Phot. Österr. Lichtbildstelle, Wien.

10. Admont (Steiermark), B. des Benediktinerstifts, 1774. 70 m lang, mit 60 Fenstern. Phot. Österr. Lichtbildstelle, Wien.

11. u. 12. Wolfenbüttel, ehem. herzogl. B., 1706–10 von Hermann Korb, 1887 abgebrochen. Nach Gemälden von Andr. Chr. Ludw. Tacke (1823 bis 1899) phot. Herzog-August-Bibl., Wolfenbüttel.

13. Potsdam, Schloß Sanssouci, B. nach Entwürfen von Friedrich d. Gr. und G. W. v. Knobelsdorff, 1745–47. Phot. Staatl. Bildstelle, Berlin.

14. Mannheim, Schloß, „kleine B.“ der Kurfürstin Elisabeth Augusta, von Nik. v. Pigage, 1755. Phot. Schloßmus. Mannheim.

15. Karl Friedr. Schinkel, Entwurf für die Kgl. B., 1835. Berlin, Schinkel-Mus. Phot. Nat.-Gal. Berlin.

Literatur

1. Pauly-Wissowa 3, Sp. 405ff. 2. Bernt Götze, Antike B., Jb. d. dt. Archäol. Inst. 52, 1937, S. 225ff. 3. Georg Leyh, in: Hdb. d. B.-Wiss. 2, 1933, S. 1ff. 4. J. v. Schlosser, Die abendländische Klosteranlage des frühen M.A., Wien 1889. 5. John Willis Clark, The care of books, Cambridge 19092. 6. Klem. Löffler, Deutsche Klosterbibliotheken, Bonn 19222. 7. G. A. E. Bogeng, Die großen Bibliophilen 2, Leipzig 1922. 8. Alfr. Hessel, Gesch. d. B., Göttingen 1925. 9. Walter Schürmeyer, Bibliotheksräume aus fünf Jahrhunderten, Frankfurt a. M. 1929. 9a. Georg Leyh, Bespr. von [9] in: Zentralblatt f. B.-Wesen 46, 1929, S. 506ff. 10. Joris Vorstius, Grundzüge der B.-Geschichte, Leipzig 19362. 11. Gert Adriani, Die Klosterbibliotheken des Spätbarock in Österreich und Süddeutschland, Graz 1935. 12. Harald Keller, Besprechung von [11], Zs. f. Kg. 6, 1937, S. 329ff. 13. Heinr. Kramm, Deutsche B. unter dem Einfluß von Humanismus und Reformation, Zentralblatt f. B.-Wesen, Beiheft 70, Leipzig 1938 (hier ausführl. Lit.angaben). 14. W. Brambach, Die Großherzogl. Hof- und Landes-B. in Karlsruhe, Oberhausen 1875. 15. Gottfr. Zedler, Gesch. d. Univ.-B. zu Marburg von 1527 bis 1887, Marburg 1896. 16. Friedr. Clem. Ebrard, Die Stadt-B. in Frankfurt a. M., Frankfurt a. M. 1896. 17. Heinr. Nentwig, Das ältere Buchwesen in Braunschweig, Zentralblatt f. B.-Wesen, Beiheft 25, Leipzig 1901. 18. Kurt Tautz, Die Räume der Churfürstl. B. zu Cölln a. d. Spree, Burg b. M. 1924. 19. Waldemar Sensburg, Die bayrischen B., München 1926. 20. W. Hopf, Die Landes-B. Kassel 1580–1930, Marburg 1930. 21. Adalbert Krause, Die B. des Benediktinerstiftes Admont in Steiermark, Sankt Wiborada 2, 1934, S. 47ff. 22. Rud. Henggeler, Die Kloster-B. der Schweiz, Sankt Wiborada 2, 1934, 23. Bohumir Lifka, Die Kloster-B. in Böhmen, Sankt Wiborada 3, 1936, S. 49ff. 24. Ludw. Schmidt, Die sächs. B. im M.A., Festschrift Martin Bollert z. 60. Geb., Dresden 1936. 25. Gunda Werner u. Eleonore Schmidt-Herrling, Die Bibliotheken der Universität Altdorf, Zentralbl. f. B.-Wesen, Beiheft 69, Leipzig 1937. – Weitere Lit. zur Gesch. einzelner B. s. [13]. Die meisten der genannten B. in [7. 9. 11] abgebildet.

Verweise