Biber

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Beaver; französisch: Castor; italienisch: Castoro.


Otto Schmitt (1939)

RDK II, 517–518


Der Physiologus erzählt vom B. jene Fabel, die auch Apuleius, Plinius, Aelian und Juvenal berichten und die im ganzen MA außer von Albertus Magnus für wahr gehalten wird: „Wenn der B. gejagt wird und nicht mehr entrinnen kann, so beißt er, da er weiß, daß man ihn seiner testiculi wegen verfolgt, die zu Arzneimitteln verwendet werden, diese ab und wirft sie dem Jäger hin, der ihn dann gehen läßt. So sollen wir, um dem Teufel, der uns jagt, zu entrinnen, alle Unreinigkeit aus dem Herzen reißen und ihm hinwerfen, so daß er uns weiter nichts anhaben kann“ [3, S. 24]. Konrad von Würzburg legt die Erzählung so aus: „Den Biber sollen Herren sich zum Muster nehmen, der freiwillig den Jägern gibt, warum sie ihn verfolgen; so soll ein Herr, den die Gehrenden mit ihren Bitten verfolgen, der Milde pflegen, ehe ihm die fortgesetzten fruchtlosen Klagen und Bitten zur Schande gereichen“ [3, S. 199]. In den illustrierten Hss. des Physiologus wird der B. bei der Selbstverstümmelung dargestellt, neben ihm ein Jäger mit Hunden [2, Taf. 21 u. 30; 7, Abb. 21]. – Die Renaissanceallegorie greift die Geschichte des B. durch den Horus Apollo auf, der den B. deutet als einen Menschen, der durch seine verderbliche Lebensweise Schaden leidet, dem die eigenen Güter zum Verderben gereichen oder dem eigener Betrug verderbliche Verbannung zuzieht [5, S. 219]. Lionardo deutet den B. als Sinnbild des Friedens, weil er bei seiner Verfolgung sich selbst verstümmelt, um Frieden mit den Jägern zu haben [4, S. 31]. Noch Winckelmann knüpft an diese Überlieferungen an, wenn er den B. einem Menschen vergleicht, der sich selbst Übles antut [6, S. 4].

Literatur

E. P. Evans, Animal Symbolism in ecclesiastical architecture, London 1896. 2. Cahier et Martin, Mélanges d’Archéologie 2, Paris 1847, S. 228ff. 3. Friedrich Lauchert, Geschichte des Physiologus, Straßburg 1889. 4. Ludwig Volkmann, Bilderschriften der Renaissance, Leipzig 1923. 5. Karl Giehlow, Die Hieroglyphenkunde des Humanismus in der Allegorie der Renaissance, Jb. Kaiserhaus 32, 1, 1915. 6. J. J. Winckelmann, Versuch einer Allegorie besonders für die Kunst, Dresden 1766. 7. Th. G. von Karajan, Deutsche Sprachdenkmale des 12. Jh., Wien 1846.