Berlocke (Perlocke)

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englisch: Trinket (hanging from a watchchain); französisch: Breloque; italienisch: Ciondolo, breloque.


Hertha Simon (1938)

RDK II, 298–300


RDK II, 299, Abb. 1. Ornamentstich mit Berlocken, französisch, M. 18. Jh.
RDK II, 299, Abb. 2. Berlocken, 1. H. 19. Jh. Köln.

Die Herkunft des Wortes ist nicht einwandfrei festzustellen. „Berloque, Breloque heißt nach dem Französischen überhaupt eine Kleinigkeit, eine geringschätzige Kuriosität oder Rarität, die man nicht gerne wegwirft; im besonderen Verstande bedenkt es heutigen Tages allerhand Spielwerk, an die Uhren zu hängen von Gold, Silber, Porzellan usw.“ [3, S. 390].

Die Mode, die Uhrkette mit B. zu schmücken, kommt aus Frankreich [6] und beginnt im 3. V. 18. Jh. Ihren Höhepunkt erreicht sie in den achtziger Jahren, wo die Modekupfer sowohl Herren als auch Damen mit zwei zu beiden Seiten herabhängenden Uhrketten mit B. zeigen. Der Herr trägt die Uhr in kleinen Uhrtaschen (frz. goussets) unter der Weste, so daß die Kette (aus Gold, Silber, Eisen oder als farbiges Seidenband) mit den B. darunter hervorschaut, die Dame auf dem Unterkleid, der jupe, zu dem Caraco [5, 1787, S. 97]. Die B., spielerische kleine Kunstwerke vorwiegend der Gold- und Silberschmiede, manchmal auch aus Porzellan oder Elfenbein, sind meist reich verzierte kleine Siegelringe, Petschafte und Uhrschlüssel, die in ihren Formen dem Gedankenkreis der Schäferspiele entnommen sind (Blumen, kleine Tiere, Vasen, Glocken, Schäferinnen, Lyra; Abb. 1 u. 2). Außerdem trug man etwa Nadelbüchschen und Riechflakons, dazu allerlei Kleinkram, der keinen Gebrauchswert hatte: Münzen, Silberkügelchen, Haselnüsse, Perlenschalen, Kugeln aus Bergkristall, Karneol, Achat und anderes in Edelmetallfassung. Es war um 1785 die höchste Mode, möglichst viele B. zu tragen, und es gehörte zum Auftreten des eleganten Kavaliers, beim Gehen ein feines Geklingel mit den B. zu machen [6]. Mit dem Beginn der antikisierenden Mode verschwinden im letzten Jahrzehnt des 18. Jh. bei den Damen Uhr und Uhrkette und damit auch die B. vom Gürtel, die Uhr wird bis in das 1. V. 19. Jh. als Schmuck um den Hals getragen. Der Herr trägt mit dem Eindringen der einfacheren englischen Mode in den neunziger Jahren nur mehr eine Uhr mit Kette und B., seit dem Beginn des 19. Jh. in der Westentasche, eine Mode, die sich bis weit in das 19. Jh. hinein erhält und um die Mitte von der breit über die Weste von Tasche zu Tasche gelegten Kette abgelöst wird. Die B. lebt fort in dem heute noch vom Herrn oft zum Gesellschaftsanzug getragenen „chatelaine“, bei der die B. meist zu einer Einfassung des Uhrbandes verkümmert ist.

Zu den Abbildungen

1. Ornamentstich, M. 18. Jh. Nach Maria et P. E. Babel [10], Taf. 21.

2. Köln, K.gew.mus., Berlocken der 1. H. 19. Jh. Phot. Mus.

Literatur

1. F. J. Morisson, Inventionen von Geschmuckh ..., Wien-Augsburg o. J. (XX). 2. Johann Martin Engelbrecht, Allerhand Neu faconierte Galanterie Arbeit, Augsburg 1750. 3. Frauenzimmer Lexikon I, Leipzig 1773. 4. Cabinet des Modes à Paris 1786, S. 123, 167; 1787, S. 109, 261. 5. Journal des Luxus und der Moden, Berlin 1786, S. 69, 224; 1787, S. 97; 1790, S. 465 (später B. noch abgebildet, aber nicht mehr erwähnt). 6. Max von Boehn, Beiwerk der Mode, München 1928, S. 187, 213, 217, 268. 7. Ferd. Luthmer, Gold und Silber, Hdb. d. Edelschmiedekunst, Leipzig 1888, S. 117. 8. Eugène Fontenay, Les Bijoux anciens et modernes, Paris 1887, S. 465ff. 9. A. Scheler, Dict. d’étymologie française d’après les résultats de la science moderne, Brüssel 18833, S. 70. 10. Maria et P. E. Babel, Premier livre de dessins de jouaillerie et bijouterie, Bijoux de l’époque Louis XVI, Paris o. J. (M. 18. Jh.), Taf. 21. – Vgl. auch Anhänger.