Benediktusmedaille (Benediktuskreuz, Benediktuspfennig)

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englisch: Medal with the figure of St. Benedict; französisch: Medaille de St. Benoît; italienisch: Medaglia di S. Benedetto.


Friedrich Zoepfl (1938)

RDK II, 266–269


RDK II, 267, Abb. 1. u. 2. Benediktusmedaille, um 1800. München.
RDK II, 269, Abb. 3. u. 4. Mettener Bibel, um 1414. München.

Kirchlich geweihtes Zeichen in Form einer länglichen oder runden Medaille mit dem Bild des hl. Benediktus (um 480-542) auf der einen, dem Kreuz und den Anfangsbuchstaben des sogenannten Benediktussegens

(CSPB =
Crux Sancta Patris Benedicti

in den Winkeln des Kreuzes;

CSSMLNDSMD =
Crux Sacra Sit Mihi Lux.
Non Draco Sit Mihi Dux

auf den Balken des Kreuzes;

VRSNSMVSMQLIVB =
Vade Retro, Satana,
Nunquam Suade Mihi Vana.
Sunt Mala, Quae Libas;
Ipse Venena Bibas

im Umkreis)

auf der anderen Seite (Abb. 1 u. 2). Erscheint in zahlreichen (über 200) Spielarten [6]. Das meiste Ansehen genießt die von Montecassino zur 1400. Wiederkehr des Geburtsjahres St. Benedikts herausgegebene Jubiläumsmedaille von 1880. Vielfach wurde die B. mit dem Ulrichskreuz oder mit dem Zachariaskreuz verbunden; im letzteren Fall wurde die B. zum Pestkreuz. Der B. wird unheilabwehrende und segenvermittelnde Wirkung für Mensch und Tier, Haus und Feld, Leib und Seele zugeschrieben; namentlich gilt sie als kräftiges Abwehrmittel wider dämonische Einwirkungen. Zur Abwehr von Unwettern fanden sich B. im Helm des Freiburger Münsterturms eingemauert (Fr. Kempf, Das Freiburger Münster, Karlsruhe 1926, S. 59f.). Über Zusammenhänge des Benediktuskreuzes mit altchristlichen Phylakterien, denen ein Splitter vom Kreuz Christi, dem „Lebensbaum“, die dämonenschreckende Kraft verlieh, handelt neuestens im Anschluß an F. Dölger (Antike und Christentum, 1932, 98), R. Bauerreiß, Arbor vitae, München 1938, 98-100.

Mit dem hl. Benediktus selbst steht der Ursprung der B. wohl nur insofern in Zusammenhang, als Benediktus nach der von Papst Gregor d. Gr. gebotenen Vita (Migne, P. L. 66, 125-204) mit Hilfe des Kreuzzeichens verschiedene Wunder gewirkt und seinen Orden auf die besondere Verehrung des heiligen Kreuzes festgelegt hat. Nicht ohne Bedeutung für die Entstehung der B. dürfte eine von Wibert v. Toul überlieferte Legende gewesen sein, nach der St. Benedikt dem schwerkranken jungen Grafen Bruno v. Dagsburg, dem späteren Papst Leo IX., erschienen ist und ihn durch Berührung mit einem Stabkreuz gesund gemacht hat (A. S. April II, 650). Im Anschluß an die Legendenerzählung von einer Versuchung des hl. Benedikt durch eine vom Teufel herbeigeführte schöne Frau scheinen jene Darstellungen entstanden zu sein, die einen Mönch mit dem Stabkreuz ausgerüstet im Kampf gegen das Siebenlasterweib zeigen und im Zusammenhang damit die Verse des Benediktussegens anführen. Diese Darstellung, möglicherweise ins 11./12. Jh. zurückgehend, begegnet frühestens in einer aus einem südbayerischen oder österreichischen Benediktinerkloster stammenden Wolfenbütteler Hs. (Cod. Helmst. 2° 35 a) des 14. Jh. und in einer 1414 wohl in Metten entstandenen Bibelhs. (heute Clm. 8201, aus Metten nach München gelangt; Abb. 3 u. 4). Metten sollte für die Entstehung der B. noch besonders wichtig werden. 1647(?) wurden zu Natternberg bei Metten Hexen ausgehoben, die bekannten, über Kloster Metten keine Gewalt zu haben, da es durch besondere Kreuze geschützt sei; damit waren die an der Klostermauer aufgemalten Kreuze mit den Anfangsbuchstaben des Benediktussegens gemeint. Von da ab läßt sich, bedingt vor allem durch den Kampf gegen das Hexenwesen, eine stärkere Verbreitung der B. feststellen, zunächst in Süddeutschland, wo sich u. a. der Salzburger Stempelschneider Peter Seel mit Herstellung von B. befaßte, aber auch schon darüber hinaus. Viel trug zu ihrer weiteren Verbreitung die kirchliche Gutheißung bei, die die B. 1741 und 1742 durch Papst Benedikt XIV. erhielt. Die Angriffe der Aufklärung auf die B. vermochten ihre Verwendung nur vorübergehend einzuschränken. Im 19. Jh. wurde sie besonders von Frankreich und Belgien aus verbreitet. Heute ist sie katholisches Gemeingut in der ganzen Welt.

Zu den Abbildungen

1. u. 2. München, Priv. Bes., Benediktusmedaille, Bronze, deutsch, um 1800 (etwas vergrößert). Phot. Dr. H. Wentzel, Stuttgart.

3. u. 4. München, Staatsbibl., clm. 8201, Mettener Bibel, um 1414, fol. 46 u. 48: Mönch mit Kreuzstab und Benediktussegen, gegenüber das Siebenlasterweib. Phot. Bibl.

Literatur

1. Laur. Hecht, Der St. Benedikts-Pfennig, Einsiedeln 18623. 2. P. Piolin, Recherches sur les origines de la médaille de St. Benoît, Arras 1880. 3. P. Guéranger, Essai sur l’origine, la signification et les privilèges de la médaille ou croix de Saint Benoît, Paris 189011. 4. Stud. u. Mitt. z. Gesch. des Benediktinerordens 24, 1903, 82–92, 321–339; 34, 1913, 545-547; 36, 1915, 543-553; 43, 1925, 191–193. 5. Cornel. Kniel, Die St. Benediktsmedaille, Ravensburg 19043. 6. A. J. Corbierre, Numismatique bénédictine, 2 Teile (Rom 1904–1906). 7. Revue Bénédictine 25, 1908, 112–115. 8. Henrik Cornell, Neue Forschungen zur Geschichte des St. Benediktuskreuzes, Stud. u. Mitt. zur Gesch. d. Benediktinerordens 42, 1924, S. 1ff. 9. Beda Danzer, Die Benediktusmedaille, St. Ottilien 1928. 10. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 1, Berlin 1927, 1034–1040. 11. Buchberger 2, 162f. 12. J. M. Friesenegger, Die Ulrichskreuze mit besonderer Berücksichtigung ihres religiösen Brauchtums, Augsburg 1937, 17, 79-81.

Verweise