Benediktiner

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englisch: Benedictines; französisch: Bénédictins; italienisch: Benedettini.


P. Adalbert Schippers († 21. 1. 34). Nachträge von P. Lambert Krahmer u. P. Paulus Volk (1938) Autor::Volk, Paulus| ]]

RDK II, 236–266


RDK II, 237, Abb. 1. Maria-Laach, Abtei und Kirche von NO.
RDK II, 239, Abb. 2. Groß-Komburg (Württemberg), ehem. Benediktinerkloster.
RDK II, 241, Abb. 3. Corvey, Abteikirche mit Westwerk.
RDK II, 241, Abb. 4. Hildesheim, St. Michael.
RDK II, 243, Abb. 5. Reichenau-Oberzell, St. Georg.
RDK II, 245, Abb. 6. Maria-Laach, Abteikirche von NW.
RDK II, 247, Abb. 7. Maria Laach, Abteikirche.
RDK II, 249, Abb. 8. Ottobeuren, Klosterkirche.
RDK II, 251, Abb. 9. Zwiefalten, ehem. Klosterkirche.
RDK II, 253, Abb. 10. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Klosterplan.
RDK II, 255, Abb. 11. Königslutter, Stiftskirche,Kreuzgang.
RDK II, 257, Abb. 12. Brauweiler (Rheinland), Kapitelsaal.
RDK II, 257, Abb. 13. Trier, St. Matthias, Dormitorium.
RDK II, 259, Abb. 14. Ottobeuren, Kloster.
RDK II, 261, Abb. 15. Ottobeuren, Kloster.
RDK II, 263, Abb. 16. Weingarten, Abtei und Kirche.
RDK II, 263, Abb. 17. Melk, Klosterbibliothek.
RDK II, 265, Abb. 18. Nonnberg bei Salzburg, Nonnenklosterkirche.

B. heißen alle schwarzgekleideten Mönche, die nach der Regel des hl. Benedikt († um 550 zu Monte Cassino), des Patriarchen des abendländischen Mönchtums, leben. Nicht zu ihnen zählen die weißgekleideten Mönche bestimmter Zweigorden nach der B.regel, wie die Kamaldulenser, Vallumbrosaner, Cisterzienser u. a.

I. Verfassung

Das Ideal der B.regel ist das durch Gelübde gesicherte, auf Stabilität, Tugendwandel und Gehorsam gegründete klösterliche Gemeinschaftsleben (stabilitas, conversatio morum, obedientia sub abbate, c. 58). Das Gemeinschaftsleben findet seinen Ausdruck in der Feier der Liturgie (opus dei), in Schriftlesung, Väterstudium und Arbeit. Die Tradition hat unter Arbeit jede geistige, künstlerische und körperliche Tätigkeit verstanden und das benediktinische Lebensideal auf die kurze Sentenz gebracht: ora et labora. – Aus der Gemeinschaft der Brüder geht durch Wahl der Abt als „Vater“ der klösterlichen Familie auf Lebenszeit hervor (Reg. c. 2 u. 64), der schon seit dem 6. Jh. die kirchliche Abtsweihe erhielt. Der Abt trägt die gesamte Organisation des Klosters und vergibt die Ämter. Die Scheidung zwischen Chormönchen und Laienbrüdern bildete sich seit dem 11. Jh. allmählich stärker aus. –

Die Tracht der B. besteht aus Tunika mit Tuch- oder Ledergürtel und Skapulier mit Kapuze. Dazu kommt im Chor die Kukulle.

Die altbenediktinische Verfassung kennt nur das einzelne Kloster, keinen Verband mehrerer Abteien. Erst seit dem 11. Jh. bilden sich Kongregationen, die dann das Konzil von Trient zur Pflicht machte.

II. Geschichte

Die Ausbreitung der B. umfaßt fünf Perioden. 1. Die Zeit der Einzelklöster reicht von ca. 500 bis ca. 900. Um 480 geb., lebte der hl. Benedikt seit 500 in der Einsamkeit von Subiaco bei Rom, gründete 529 Monte Cassino, das nach 580 von den Langobarden verwüstet wurde. Die nach Rom geflohenen Mönche errichteten dort ein neues Kloster. Von hier sandte Papst Gregor d. Gr. um 596 den Prior Augustinus mit ca. vierzig Mönchen nach England zur Christianisierung der Angelsachsen. Nach der Gründung von Canterbury (606) wirkten sie dort mit staunenswertem Erfolge, wovon zahlreiche Bistümer, Abteien, Klosterschulen, Heilige und Gelehrte (Beda) Zeugnis ablegen. Gallien nahm die B.regel im Laufe des 7. Jh. allmählich in alle Klöster auf. Deutschland bietet im 8. Jh. das Schauspiel der großartigen Missions- und Kulturtätigkeit der angelsächsischen B.: Suitbert, Willibrord, Bonifatius, die von zahlreichen Mönchen und Nonnen als Mitarbeitern unterstützt wurden. Ähnlich wirkten im Süden der hl. Pirmin, der Gründer von Reichenau, und im Norden der hl. Ansgar von Corvey. Selbst Monte Cassino erhielt 729 durch den hl. Willibald, einen Angelsachsen, die ursprüngliche Tradition zurück, so daß es die Stellung des Stammklosters der B. wieder mit Ehren vertreten konnte. Das hiermit angebahnte Streben nach Einheit der Observanz in der sehr großen Zahl der karolingischen B.klöster erhielt in Benedikt von Aniane († 821 zu Cornelimünster) einen einflußreichen Vertreter.

Die 2. Periode, der freie Zusammenschluß von Klostergruppen um führende Männer und Klöster, ca. 900-1215, wurde veranlaßt durch den Verfall, den politische, wirtschaftliche und sittliche Gründe seit M. 9. Jh. in vielen Klöstern herbeiführten. Allen voran in der zeitgemäßen Geisteserneuerung und Organisierung stehen die 910 gegründete burgundische Abtei Cluny und ihre im juridischen Kongregationsverband untergeordneten Tochterklöster (s. Cluniazenser). Nach ihrem Vorbilde durchdrang der Reformgeist unter der Gunst des Papsttums und weltlicher Fürsten allmählich das ganze Abendland. In Deutschland nahmen am reinsten und stärksten die Hirsauer die Bewegung auf und verbreiteten sie in vielen Klöstern. Andere Reformmittelpunkte waren Einsiedeln, St. Blasien, St. Emmeram in Regensburg, Niederaltaich und Tegernsee, die Schottenklöster, Fulda, Gorze, Stablo und Brogne in Flandern. Die segensreichen Wirkungen dieser Erneuerung lassen sich noch durch das ganze 12. Jh. hindurch verfolgen.

Daneben bildeten sich aber auch schon seit dem 12. Jh. allmählich die Ursachen des tiefen Niederganges der 3. Periode von 1215-1418. Der mächtige Aufschwung der Cisterzienser und Bettelorden entzog den B. überall den besten Nachwuchs, während der nachgeborene Adel vielfach ohne Beruf ihre Klöster als Versorgungsanstalten aufsuchte. Damit hielten die Erschlaffung des Eifers für das klösterliche Leben, für wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeit und die Verarmung gleichen Schritt. Zur Besserung der Mißstände wurden durch Innozenz III. und Benedikt XII. nach dem Vorbild der zentralisierten Orden Provinzialkapitel angeordnet. Die sehr zahlreichen deutschen Klöster verteilten sich auf vier große Sprengel im Westen, Norden, Süden und in Mitteldeutschland. Die Durchführung der Kapitel gelang in England, begegnete aber sonst meistens den größten Schwierigkeiten.

4. Periode: Die Reformkongregationen von ca. 1400-1800. Gesünder und wirksamer für die Hebung des klösterlichen Lebens als die erwähnten offiziellen Maßnahmen waren die Verbände, die um 1400 von Mittelpunkten der Reform ausgingen wie St. Jakob in Lüttich, Kastl in Bayern, Valladolid in Kastilien, „Die deutsche Kongregation von Subiaco“ und St. Justina in Padua. Das Konzil von Konstanz (1414) förderte die erwachte Geisteserneuerung mächtig durch seine Beschlüsse, die weitere Reformverbände hervorriefen wie die von Melk, Bursfeld u. a. Die Bursfelder Klöster bildeten eine streng organisierte Kongregation, deren Observanz die jährlichen Generalkapitel und die zweijährigen Visitationen überwachten. Die Bursfelder Union breitete sich rasch aus und umfaßte zeitweise ca. 110 Klöster.

Der neue Aufschwung des B.ordens erlitt durch die Reformation, den Bauernkrieg und den Dreißigjährigen Krieg in Nord- und Mitteldeutschland und in Württemberg ungeheure Verluste an Besitz und Personen. Dementsprechend entfaltete sich das B.tum nach dem Konzil von Trient vorwiegend in den Kongregationen Oberschwabens, Österreichs und der Schweiz. Hier gelangten die Pflege der Wissenschaft und Kunst zu hervorragender Blüte. Erinnert sei an die Salzburger B.-Universität, an die Sternwarte in Kremsmünster, an die Akademien und Klosterschulen, an den Gelehrtenkreis um Abt Gerbert von St. Blasien; auf dem Gebiete der Kunst an die zahlreichen großartigen Klosterbauten, wie Einsiedeln, Ottobeuren und Melk, das letzte glanzvolle Aufleuchten vor dem jähen Niedergang durch den Josephinismus, die französische Revolution und die Säkularisation. In allen Ländern Europas blieben kaum 50 B.Klöster erhalten.

Auf diesen trostlosen Ruinen regte sich in der 5. Periode, nach 1800, bald wieder neues Leben. In Bayern begann König Ludwig I. 1830 mit der Wiederherstellung des Ordens. Das alte Augustinerkloster Beuron sah 1863 die Gründung der Beuroner Kongregation durch die Brüder Maurus und Placidus Wolter. Aus ihr gingen die Gründer der Missionskongregation von St. Ottilien in Bayern 1884 hervor. Nach hundertjähriger Aufbauarbeit seit 1830 zählen die deutschen B. heute wieder 50 Klöster.

III. Baukunst

Bis M. 11. Jh. lag die Pflege der klösterlichen Baukunst vorwiegend in den Händen der B. In den folgenden Jahrhunderten haben sie trotz der starken Konkurrenz anderer Orden bis zum Ende des M.A. die kirchliche Baukunst erheblich gefördert. Für das 12. Jh. sei erinnert an Brauweiler, Maria-Laach, St. Matthias in Trier, Disibodenberg, Königslutter, Ellwangen, Sponheim, Murbach, Groß St. Martin in Köln. Im 13. Jh. entstehen die Neubauten in M.-Gladbach, Maursmünster, Tholey, Offenbach a. Glan, Werden, St. Ägidien in Braunschweig, St. Paul im Lavanttal, Kremsmünster, Seitenstetten. Dem 14. Jh. gehören an Ettal, Cornelimünster, St. Lambrecht, Lüneburg u. a. Von den zahlreichen Bauten des 15. Jh. seien nur Blaubeuren, St. Ulrich und Afra in Augsburg, Melk, Ochsenhausen, Andechs, Liesborn genannt. Am stärksten ist begreiflicherweise der Rückgang der Bautätigkeit von 1500 bis M. 17. Jh. Dennoch haben auch damals manche Klöster eifrig gebaut wie Einsiedeln, Oberaltaich, Ottobeuren und Göttweig. Nach dem Dreißigjährigen Kriege setzt dann die Bautätigkeit des klösterlichen Barock ein, in der die B. nochmals im Vordergrunde stehen, die mit Kempten 1650 beginnen und mit Wiblingen 1772-81 den letzten großen Klosterbau hinstellen. Manche Klöster haben während ihrer tausendjährigen Geschichte ihre Bauten mehrere Male, Einsiedeln sogar siebenmal, aufgeführt.

A. Kirche

Der im Äußeren des Klosters am stärksten hervortretende Teil ist auch der Idee nach der erhabenste: die Kirche. Ihr geistiger Mittelpunkt ist der Hauptaltar, von dem aus sich die übrige Anlage entwickelt. Die weitaus vorherrschende, aus der altchristlichen Kunst übernommene Basilika (RDK I Sp. 1480ff.) weist vom 8. Jh. an in Bezug auf Grundriß und Aufbau große Mannigfaltigkeit auf. Die Ostpartie birgt die eigentliche Klosterkirche. Der dreischiffige Langbau schließt vor 900 bald mit einer Hauptapsis (Fulda I, Werden), bald mit Querschiff und drei Apsiden (Hersfeld), bald im rechtmäßigen lateinischen Kreuz (Plan von St. Gallen, Abb. 10; Corvey, Abb. 3). Gerade Chorschlüsse kommen in Echternach und Limburg a. H. ausnahmsweise vor. Das liturgisch und künstlerisch gleich wertvolle Motiv des Chorumgangs mit Altarnischen wurde nur in St. Godehard in Hildesheim und St. Ägidien in Braunschweig angewendet. Seine reichste Ausbildung hat der Ostchor in Bauten wie Maria-Laach (Abb. 1), Brauweiler, Groß St. Martin in Köln und Werden gefunden.

Der Ostarm der kreuzförmigen Kirche heißt auf dem St. Gallener Plan Allerheiligstes, Sancta Sanctorum, in Cluny Sanctuarium oder Presbyterium (vgl. Altarhaus, RDK I Sp. 495ff.). Der vornehmste Platz gehört dem Hochaltar, an dem täglich das feierliche Konventamt gehalten wird, Östlich vom Hochaltar steht ein Nebenaltar für die tägliche gemeinsame Frühmesse. Durch die Krypta, die Grabstätte eines Heiligen, wurde das Sanctuarium um mehrere Stufen über das Mittelschiff emporgehoben (Abb. 5). Von der Ringform des St. Gallener Planes und der Ludgeruskrypta in Werden entwickelte sie sich in ottonischer Zeit zu der originellen Mischung von Umgang und Halle in Füssen und St. Cäcilien in Köln und ging dann E. 10. Jh. zur drei-, fünf- und siebenschiffigen Halle über. Nachdem die Hirsauer und Cisterzienier die Krypta grundsätzlich aufgegeben hatten, kam sie seit M. 12. Jh. immer mehr außer Gebrauch.

Aus der Stellung des Hochaltars ergibt sich der Raum westlich davor als Platz des Mönchschores, weil die Zelebranten bei der Liturgie ständig in Wechselgesang stehen. Ausnahmsweise wird der Hochaltar vom Ostchor in den Westchor verlegt, um hier die Grabstätte eines verehrten Heiligen würdig auszugestalten. So z. B. in Fulda für den hl. Bonifatius, in St. Michael in Hildesheim für den hl. Bernward. In der kreuzförmigen Kirche ist die Vierung der gegebene Platz des Mönchschores, der durch Schranken abgetrennt wird. Drei Eingänge im Süden, Westen und Norden vermitteln den Zutritt, woraus sich die Aufstellung des Chorgestühls in zwei gegeneinander gerichteten Hälften ergibt. Der Stuhl des Abtes steht auf der Südseite, der des Priors auf der Nordseite. Die Rangordnung beginnt auf beiden Seiten neben dem westlichen Eingang. St. Michael in Hildesheim, Liebfrauen in Halberstadt (RDK I Sp. 867 Abb. 1 u. Sp. 946 Abb. 3) und St. Matthias in Trier bewahren noch ihre Chorschranken von ca. 1200. Mit der westlichen Chorschranke verbanden sich vor 1200 oft zwei Ambone (RDK I Sp. 627ff.), später der Lettner. Schon der St. Gallener Plan zeigt vor den westlichen Chorschranken zwei Pulte für die Lesungen des Nachtgottesdienstes und auf der Achse einen großen Ambo für den Vortrag des Evangeliums.

Die Verwendung der Querhausflügel ist nicht überall eindeutig. Die größte Ausdehnung erhielt das Querhaus in Fulda (RDK I Sp. 864 Abb. 5), vermutlich im Anschluß an St. Peter in Rom. Damit verband sich aber auch die Rücksicht auf das große Westklaustrum, wovon die Sakristei und das Kapitel in die Endräume des Querschiffes verlegt wurden. – In der Frühzeit haben Querschiff und Langhaus oft gleiche Länge; so in Hersfeld, Corvey, St. Michael in Hildesheim, Maria-Laach. Das Querschiff diente zur Aufstellung von Nebenaltären und zur Unterbringung der Klosterbewohner, die nicht am Chordienst teilnahmen. Welcher Spielraum dabei aber möglich war, je nachdem man mehr künstlerische oder liturgische Gründe bevorzugte, zeigen die räumlich so verschiedenen, künstlerisch gleich hochstehenden Ostbauten von St. Godehard in Hildesheim und Groß St. Martin in Köln.

Nach dem Vorgange von Centula dürfen wir annehmen, daß der Ostbau seit dem 9. Jh. mit Glockentürmen über der Vierung oder Nebentürmen versehen wurde. In Cluny waren, vermutlich nach alter Sitte, alle Glocken im Vierungsturm vereinigt. Die Hirsauer empfanden anscheinend die Bedienung der Glocken vom Mönchschore aus als störend und gaben deshalb vereinzelt den Vierungsturm zugunsten zweier Türme östlich oder westlich vom Querschiff auf (Alpirsbach, Reichenbach an der Murg, Thalbürgeln, Hamersleben, Halberstadt). An der Hildesheimer Michaelskirche (Abb. 4) bergen die Nebentürme die Treppen zu den „Engelschören“ auf den zweistöckigen Emporen des Querschiffes.

Während der Ostbau der B.kirche ausschließlich den Mönchen diente, stand die Westhälfte auch den Laien zur Verfügung. Auf dem St. Gallener Plan (Abb. 10) rechnen nach den Inschriften zu den regelmäßigen Laienbesuchern die Gäste, die Schüler, die Dienstboten und die auswärtigen Gläubigen. Am Kreuzaltar (RDK I Sp. 413) haben sie ihren regelmäßigen Gottesdienst. Die Gestaltung des Westabschlusses läßt sich auf drei Haupttypen zurückführen: Westchöre, Westwerke und Turmfassaden. Die Entstehung der Westchöre geht zurück auf die Vermehrung der Kirchenpatrone (Fulda; Hildesheim, St. Michael), auf den Wunsch nach einer besonderen Grab- und Denkmalskirche (Maria-Laach) oder auf das Bedürfnis nach Nonnenemporen (Essen, Gernrode). Es kommen vor: Westchöre ohne Querschiff (Reichenau-Oberzell, St. Gallen), Westchöre mit Querschiff (Fulda II, Reichenau-Mittelzell), Westchöre mit Presbyterium, Krypta und Querschiff (St. Michael in Hildesheim, Abb. 4). Die Westwerke kann man als Baptisterien mit Emporen bezeichnen. Im Gegensatz zu den Westchören halten sie am Haupteingang auf der Mittelachse fest (Corvey, Abb. 3; Werden; St. Pantaleon in Köln; Münstereifel; Maursmünster). Westoratorien für die Stifter haben die Kirchen in Seligenstadt am Main und Reichenau-Mittelzell; eine Vereinigung von Westchor und Empore bieten Maria-Laach und St. Godehard in Hildesheim. Im Lauf der Entwicklung tritt das Westwerk mehr und mehr zugunsten der Turmfassade zurück (frühestes deutsches Beispiel: der karoling. Bau von Hersfeld). Neben der künstlerischen Wirkung der meist doppeltürmigen, den Haupteingang nachdrücklich betonenden westlichen Schauseite ist die praktische Bedeutung als Treppentürme und damit als Zugang zu den Dachböden wie zu etwaigen Emporen, insbesondere auch zu der häufig zwischen den Türmen angebrachten, zum Mittelschiff geöffneten Westempore nicht zu übersehen; auch das praktische Bedürfnis nach Glockentürmen wird zur Ausgestaltung der Turmfassade beigetragen haben.

Vor der Westfront der B.klosterkirche findet sich häufig ein Vorhof oder eine Vorhalle (Paradies, Narthex); vgl. Atrium, RDK I, Sp. 1197ff. (St. Gallen, vor der West- und Ostapsis; Reichenau, Nieder-, Mittel- und Oberzell; Corvey, Schaffhausen, Limburg a. H., Lorch, Maria-Laach).

Während die Klosterkirchen der B. im Zeitalter der Gotik und Renaissance entsprechend der Lage des Ordens (vgl. Sp. 237f.) im Rahmen der Gesamtentwicklung nur eine untergeordnete Rolle spielen, wächst ihre Bedeutung wieder seit dem Beginn des Barock.

Wie im Frühmittelalter, sind die Klöster jetzt wieder führend im Kirchenbau. Hochaltar und Chor werden nunmehr einheitlich zum liturgischen Zentrum des gewaltigen Gesamtraumes verschmolzen. Die Rückwände des reich geschnitzten Gestühls erhalten figürliche Reliefs, über denen sich häufig die Chororgel aufbaut. Die Trennung vom Hauptraum geschieht nur mehr durch ein Gitter. Ausnahmsweise wird in Einsiedeln, Ettal, Rott a. I., Fulda hinter dem Hochaltar über der Sakristei auf der Mittelachse der Kirche ein Psallierchor eingerichtet, wodurch jedoch ein feierlicher Chorraum vor dem Hochaltar nicht ausgeschlossen ist. Vor dem Chorgitter begegnet uns nicht selten, wie in Ottobeuren und Weingarten, der Kreuzaltar. Die vielen anderen für den Priesterkonvent notwendigen Nebenaltäre erhalten ihre passenden Plätze im Umkreise der Hauptkuppel (Neresheim, Wiblingen) und in den Seitenkapellen des Langhauses. Die für die Gliederung des Inneren so gerne ausgenutzten Emporen und Oratorien entsprechen in der Klosterkirche dem aktuellen Bedürfnis, den mehrstöckigen Klosterbau in allen Geschossen mit der Kirche zu verbinden. Wurden demnach der Chor, die Nebenräume und die Emporen von den Klosterbewohnern benutzt, so blieb der Mittelraum den Bewohnern der Klosterherrschaft und den damals zahlreichen Wallfahrern vorbehalten. Auf die Bedeutung als Volkskirche weisen die vielen Beichtstühle, die Kanzel und der ihr meistens gegenüberstehende Taufstein hin (Abb. 8/9). Die Westempore für die große Orgel, den Sängerchor und das Orchester ist eine Schöpfung dieser Zeit. Für die Wirkung des Außenbaus ist in erster Linie die meist zweitürmige Westfassade bestimmend, daneben das Querschiff, an das sich in manchen Gegenden Ostbauten anschließen können. Nach außen turmartig vortretende Vierungskuppeln sind in Deutschland ganz selten (Abb. 16).

B. Kloster

1. Mittelalter

Wie die mittelalterliche Klosterkirche, so ist auch das zugehörige Klaustrum eine Neuschöpfung der B. im Anschluß an antike Vorbilder. Die Anwendung des antiken peristylen Wohnhofes auf das Kloster erwuchs aus der Notwendigkeit, die regulären Räume untereinander und mit der Kirche zusammenzuschließen, um das gemeinsame Leben für eine große Zahl von Mönchen zu ermöglichen. Die ältesten sicheren Beispiele begegnen in Gemeticum (650), Fulda (744) Centula, Lorsch, auf dem St. Gallener Plan (um 800; Abb. 10), in Hersfeld und Fontanella (830). Die Entstehung des St. Gallener Planes, auf dem die folgende Darstellung in erster Linie aufbaut, fällt wahrscheinlich zwischen 794 und 817. Die Gartenkultur zeigt sich abhängig vom Capitulare de villis (794), während die Reformen der Aachener Äbteversammlung unter Benedikt von Aniane von 817 (Verbot der Außenschule, der Baderäume und der Zulassung der Gäste zum Refektorium des Konventes) noch nicht berücksichtigt sind. Meistens lag das Klaustrum auf der südlichen Langseite der Kirche, ausnahmsweise auf der Nord-, Ost- und Westseite. Ostklaustren kommen vor in Heiligenberg und Kastl; Westklaustren in Fulda, Großkomburg und Tholey. Auf dem St. Gallener Plan (Abb. 10) erscheint der wiederholt als Klaustrum bezeichnete Kreuzgang bereits in einem Stadium der Entwicklung, das für das ganze Mittelalter im Wesentlichen maßgebend blieb. Er diente nicht nur als Verbindung der regulären Räume, sondern auch als Prozessionsweg und als Ort der Erholung. Im Flügel neben der Kirche fanden überdies gemeinsame Beratungen, Lesungen und die liturgische Fußwaschung statt. Dementsprechend wurde er häufig breiter angelegt (St. Gallen), bei Gewölbebauten mitunter zweischiffig (Königslutter, Abb. 11). Stattliche Kreuzgänge der B. sind erhalten in Königslutter, Brauweiler, St. Matthias in Trier, St. Emmeram in Regensburg, Emmaus in Prag und Blaubeuren.

Der Ostflügel des Klaustrums, der sich gewöhnlich in der Breite an das Querschiff der Kirche anschließt, enthält unten die Tagesräume und oben die Schlafsäle. Auf dem St. Gallener Plan heißt der Tagesraum Calefaktorium. Die durch einen Rundbogen angegebene Feuerstätte ist vom Schornstein weit entfernt und läßt darin die römische Fußbodenheizung erkennen. Dieselbe Heizung begegnet im Krankenhause und im Noviziat. Während der St. Gallener Tagesraum das Erdgeschoß des ganzen Ostflügels uimfaßt, gliederte die Cluniazenser Reform den Einheitsraum in Sakristei, Kapitelsaal, Kapelle, Sprech- oder Arbeitssaal, Durchgang, Kamera.

Der Kapitelsaal ist der Raum der Beratung und Belehrung. Morgens findet hier eine Versammlung statt, wobei ein Abschnitt (capitulum) aus der B.regel vorgelesen und erklärt wird; abends wird eine gemeinsame Lesung gehalten. An Sonn- und Feiertagen kommt der ganze Konvent hierher, um die Homilie über das Evangelium zu hören. Daraus erklärt sich am besten der Umstand, daß die Portalwand zum Kreuzgang offen bleibt durch ein breites Portal und zwei Doppelfenster zu beiden Seiten. So wird der Kreuzgang als Vorhalle gewonnen und einer größeren Zahl von Zuhörern die Teilnahme an Vorträgen ermöglicht. Der bedeutendste Kapitelsaal ist derjenige in Brauweiler von 1175 (Abb. 12).

Die anstoßende Kapelle entstand wohl aus dem Bedürfnis nach einer Stationskirche bei den häufigen Prozessionen, wofür Centula (800) zwei Beispiele gibt. Das Obergeschoß des Ostflügels diente stets als Schlafsaal. Ein solcher Raum aus der M. 13. Jh. ist in St. Matthias in Trier erhalten (Abb. 13). Im Spätmittelalter traten an die Stelle der gemeinsamen Schlafsäle zwei Reihen kleiner Zellen zu beiden Seiten eines breiten Mittelganges. Das Dormitorium war mit der Kirche durch eine besondere Treppe für den Nachtgottesdienst verbunden. Den Tagesverkehr zum Dormitorium vermittelte eine Treppe, die meistens auf der Achse des östlichen Kreuzgangflügels lag. Auf dem St. Gallener Plan fehlen die Treppen; die drei Flügel des Klaustrums sind nur nach innen durch den Kreuzgang, nicht an den zusammenstoßenden Ecken miteinander verbunden, ein wohl beabsichtigter Vorteil bei Feuersgefahr für die großenteils noch in Holz oder Fachwerk ausgeführten Bauten.

Die Südseite des Klaustrums nehmen in St. Gallen unten der Speisesaal, oben die Kleiderkammer ein. In der Mitte des Refektoriums, gegenüber dem Hauptportal, stehen der Gasttisch und das Lesepult von dem bei den Mahlzeiten gelesen wird. Die beiden Hälften sind mit Bänken und Tischen besetzt. Die Küche hat von Anfang an ihren festen Platz an der Westseite des Refektoriums.

Seit dem 11. Jh. begegnet häufig vor dem Speisesaal ein Lavatorium, das später als Brunnenkapelle die feinste künstlerische Ausbildung erhielt. (St. Maximin in Trier, Petersberg bei Halle, Königslutter, Blaubeuren.) Der Westflügel enthält den Keller und die Vorratsräume. Neben der Kirche befanden sich meistens nach der St. Gallener Bauordnung die Klosterpforte, das Sprechzimmer für die Fremden und die Almosenzelle. Hier begegnet uns auch mitunter die Abtswohnung (Schaffhausen, St. Blasien, Hirsau, Plan von Canterbury). Als Nebengebäude der Kirche erscheinen in St. Gallen die Sakristei mit der Paramentenkammer darüber das Schreibzimmer mit der Bibliothek im Oberstock rechts und links vom östlichen Hauptchor. Von hier aus hat die Bücherei ihren gewöhnlichen Zugang. Im Schreibzimmer stehen vor den Fenstern sieben Schreibtische.

Besonderes Interesse beansprucht die streng symmetrische Baugruppe des Noviziates und des Krankenhauses. Sie bilden zwei kleine Klaustren, die auf der Mittelachse durch zwei symmetrisch zueinander geordnete Kapellen zu einer einheitlichen Gruppe verbunden sind. Nebenanlagen des Krankenhauses sind die Arztwohnung mit Apotheke, der Garten für Heilkräuter, das Aderlaßhaus, Bad und Küche. Auch später behalten Krankenhaus und Noviziat meistens ihren Platz auf der Ostseite des Klaustrums. Einer uralten Sitte entsprechend ist der Friedhof von St. Gallen neben dem Noviziat als Paradies gedacht und deshalb als Garten mit Fruchtbäumen angelegt. Später verlegte man gern den Friedhof auf die Nordseite der Kirche. In Fulda war er mit dem karolingischen Rundbau der Michaelskapelle ausgestattet.

An das nördliche Seitenschiff der St. Gallener Kirche lehnen sich nach dem Vorbilde von Klerikerklöstern wie Tebessa in Afrika die einstöckigen Wohnungen für fremde Mönche, den Schulvorsteher, den Pförtner und eine Vorhalle für Gäste und Schüler an. Parallel zur Länge der ganzen Kirche stehen die vornehmsten Privathäuser des Klosterbezirks: Die Abtei, die äußere Schule und das Gasthaus. Die frontalen Langseiten der Abtei sind mit offenen Vorhallen im Stile des Kreuzganges geschmückt; im Inneren ist das Haus zweigeschossig. Eine ganz andere Einrichtung zeigt das vornehme Gasthaus. Im Mittelpunkte liegt der große Herdraum. Die Schmalseiten nehmen zwei heizbare Schlafzimmer, die Langseiten Dienerwohnungen und Pferdeställe ein.

An den um die Kirche gruppierten rechteckigen Wohnbezirk des Baurisses sind die Wirtschaftsgebäude so angeschlossen, daß aus dem Ganzen ein zweites Rechteck entsteht. Für Schufter, Sattler, Gerber, Walker, Schwertfeger, Schildmacher, Bildhauer und Goldschmiede sind besondere Gebäude vorgesehen.

Den ganzen Klosterbezirk umgab die äußere Ringmauer, deren Haupttor vor dem Westeingang der Kirche die Pförtnerwohnung und mitunter eine Torkapelle (Reichenau, Großkomburg, Frauenchiemsee) begleiteten.

2. Neuzeit

Neuere Zeit. Der m.a. Klosterbau wird an Einheit und Geschlossenheit womöglich noch übertroffen durch das Barockkloster, bei dem die monumentale Kunstform im Vordergrunde steht. Je nachdem der ganze Bau an den mittelalterlichen Plan anknüpft oder eine völlige Neuschöpfung darstellt, kann man freie und symmetrisch gebundene Anlagen unterscheiden. Die erste Gruppe, zu der z. B. Neresheim und Weltenburg gehören, umfaßt die Mehrzahl der Klöster. Für die zweite Gruppe ist das Fürstenschloß der Zeit vorbildlich. Nimmt die Kirche den beherrschenden Mittelpunkt ein wie in Einsiedeln, St. Blasien, Weingarten (Abb. 16), Tegernsee und Schäftlarn, so kommt das klösterliche Barockideal, die Verschmelzung von Dom und Schloß, zur reinsten Durchführung. Was der Normalplan von St. Gallen für das Verständnis der frühmittelalterlichen Klöster bedeutet, das bietet uns in höchstem Grade der Idealbau des Barockklosters, Ottobeuren, für seine Zeit. Es wurde einheitlich nach der Idee des Abtes Rupert Neß vom Klosterarchitekten Christoph Vogt 1711-20 ausgebaut (Abb. 14 u. 15). Die drei Hauptbezirke des Klosters sind im Bau klar gegeneinander abgegrenzt. Das gewaltige Münster liegt an der Nordseite auf der Mittelachse des 140×120 m großen Klostervierecks. Ungefähr die östliche Hälfte dient dem Konvent. Der mittlere Innenflügel und die Mitte des Südflügels gehören zur Prälatur. Die übrige Westhälfte bildet den Fremdenflügel, zu dem auch die Schule gehört. Der weilliche Arm des inneren Querflügels wurde nicht ausgeführt. Die planmäßige Gruppierung der Flügel geschieht wie im Mittelalter um den viereckigen Lichthof. Nur werden diese Lichthöfe vermehrt, mehrere Stockwerke aufgebaut und die Kreuzgänge fast immer geschlossen. (Offene Gänge kommen im 17. Jh. in St. Ulrich und Afra in Augsburg, Benediktbeuren und Seckau vor.) Die Anordnung der regulären Räume paßt sich der großen Form des Äußeren an. Die beste Einführung in die Zweckbestimmung der Barockkloster bieten die Erklärungen, die den alten Stichen beigegeben sind. Die großen gemeinsamen Räume tragen alle repräsentativen Charakter. Zu ihnen gehört nun auch die Sakristei, mit der häufig die Schatzkammer verbunden ist. Der bisher quadratische Kapitelsaal wird räumlich bedeutend erweitert, mit Altar, Chorgestühl, Stukkaturen und Fresken ausgestattet (Zwiefalten, Ottobeuren). In Ottobeuren liegen Refektorium, Arbeitssaal und Bibliothek in dieser Reihenfolge im mittleren Querflügel zwischen Konvent und Prälatur übereinander. Treppenhäuser an den beiden Schmalseiten erleichtern den Verkehr. Die Bibliotheken der Barockklöster sind meist hohe, oft durch zwei Stockwerke gehende und mit Emporen versehene Säle von reichster Ausstattung. Hervorragende Beispiele in Altenburg, Admont, Melk (Abb. 17), Göttweig, Seitenstetten, Kremsmünster Wiblingen, Ottobeuren, Ochsenhausen, St. Gallen; näheres in Art. Bibliothek. – Daneben erreicht das Refektorium nur selten einen solchen Aufwand an Raum und Ausstattung (Ottobeuren, Ochsenhausen, Kremsmünster, Lambach, Geras). Außer den erwähnten Gemeinschaftsräumen enthält der Konvent in Ottobeuren Zellen für etwa 50 Patres, weiter das Noviziat, das Klerikat und die Infirmerie mit besonderer Krankenkapelle.

Parallel mit dem Hauptflügel des Konvents läuft in Ottobeuren der Prälatenflügel als Mittelachse des ganzen Bauvierecks. Er beherbergt im Erd- und ersten Obergeschoß die Küche mit den Vorratsräumen, Werkstätten und Schlafsäle. Am Nordende mündet er vor der Kirche auf die in den ersten Stock hineinragende Benediktuskapelle, das Konventoratorium. Darüber liegt im zweiten Obergeschoß (Abb. 15) die Abtskapelle, womit die Prälatur beginnt. Ihre fürstliche Ausgestaltung kann nur im Rahmen der alten deutschen Reichsverfassung verstanden werden. Die Abtei war Sitz der Landesregierung. Daraus ergab sich das Bedürfnis nach entsprechenden Verwaltungsräumen, zahlreichen und vornehmen Gastzimmern, womit nicht selten auch Schulen und Seminarien verbunden wurden. In Ottobeuren erstreckt sich die Prälatur über das zweite Obergeschoß des Mittelflügels bis in den Südflügel hinein. Daran schließen sich im Geschoß darunter die Verhörstube, der Gerichtssaal, die Wohnungen des Kastners (Ökonomen) und des Kanzlers mit mehreren Nebenräumen. Unter der Kanzlei ist die Apotheke nebst einem pharmazeutischen Laboratorium eingerichtet.

Die süddeutschen und österreichischen B.-Klöster unterhalten fast ausnahmslos Seminarien für ihren eigenen Nachwuchs sowie Gymnasien und Ritterakademien für ihrer Obhut anvertraute Schüler. Ritterakademien gab es in Ettal, Kremsmünster, Garsten, Admont und der Schottenabtei zu Wien. Ein beliebtes Bildungsmittel in diesen Lehranstalten war das Theater, wovon noch Beispiele in Altenburg, Lambach und Ottobeuren erhalten Und. In Ottobeuren befanden sich die Räume des Gymnasiums in den unteren Geschossen des Westflügels. Die aus dem Schulbetrieb sich ergebenden Beziehungen der Klöster zu den höchsten Kreisen der Gesellschaft wie ihre landesherrliche Stellung bedingten die Einrichtung zahlreicher und vornehmer Gasträume und die Anlage großer Festsäle. In Ottobeuren reihten sich an die Prälatur an: ein „Saletl“, ein Wohn- und Schlafraum für Fürsten mit einer Kapelle für Geistliche, im Westflügel sechs vornehme Gastzimmer mit dem Kaisersaal in der Mitte. Dieser Raum ist der eigentliche Festsaal der Abtei, dem gerne der Charakter des „Kaisersaales“ gegeben wurde, um die Reichsunmittelbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Nirgendwo ist diese Absicht so eindrucksvoll durchgeführt worden wie in Ottobeuren durch die 16 überlebensgroßen Holzfiguren der habsburgischen Kaiser und durch das riesige Deckenfresko, das die Krönung Karls d. Gr. durch den Papst darstellt. Ähnliche Festsäle besitzen Melk, Göttweig, Seitenstetten, Kremsmünster, Einsiedeln, Neresheim. – Zu den „Hofgemächern“ des Gastflügels gehörte notwendig auch eine Paradetreppe, womit Göttweig durch seine Kaiserstiege nach dem Plan Lukas von Hildebrandts alle übrigen Klöster weit übertrifft.

Ottobeuren hat im großen ganzen auch seine Gärten und Nebengebäude bewahrt, die nach den Hauptachsen des Klosterbaues angelegt sind. Diese Gärten hat man fast in allen Klöstern mit Gartenhäusern versehen, die im Winter als Pflanzenherberge, im Sommer zu bestimmten Stunden als Erholungsraum des Konventes dienten.

IV. Frauenklöster

Seit dem 7. Jh., wahrscheinlich zuerst in England, nehmen auch Frauenklöster die Regel des hl. Benedikt an. In der Blütezeit vom 8.-10. Jh. schätzt man die Zahl der deutschen Benediktinerinnenklöster auf 300. In Sachsen übertrafen sie die Männerklöster um das Vierfache. Die Namen der hl. Lioba, Thekla und Walburga mit ihren Gefährtinnen erinnern an die einflußreichen Schulen der Nonnenklöster. Hrotswith von Gandersheim ragt als Dichterin, die hl. Hildegard von Bingen als Seherin und Schriftstellerin hervor. Heute zahlen die deutschen Benediktinerinnen 34 Klöster, wovon die beschaulichen neben der Feier der Liturgie ihre Tätigkeit dem kirchlichen Kunstgewerbe, die anderen der Erziehung, dem Unterricht und sozialen Zwecken widmen.

Die Kirchen der Benediktinerinnen kommen denen der Männerklöster an Umfang und Ausdehnung nahe; in der Anlage unterscheiden sie sich, zum mindesten im frühen und hohen M.A., nicht wesentlich von den Kanonissen. Der Nonnenchor liegt in der Regel auf einer Empore, die meist am Westende des Mittelschiffes untergebracht ist (Abb. 18). Zuweilen verbindet sich mit dem westlichen Nonnenchor folgerichtig ein Westklaustrum wie in Nonnberg bei Salzburg, aber in der Regel liegen die Klostergebäude nördlich oder (häufiger) südlich von der Kirche. Ihre Anordnung entspricht im Wesentlichen der der Männerklöster. Die mehrfach nachweisbare Zweigeschossigkeit der Kreuzgänge dürfte mit der Anlage der Nonnenempore zusammenhängen. Die Anlage der übrigen regulären Räume wird sich nach der Lage des Chores gerichtet haben.

Zu den Abbildungen

1. Maria Laach (Rheinland), Abtei u. Kirche (1093 gegr.) von NO. Phot. Benediktinerabtei Maria Laach.

2. Groß-Komburg (Württemberg), ehem. Benediktinerkloster (1075 gegr.) von SO. Phot. Staatl. Bildstelle Berlin.

3. Corvey (Weser), Abteikirche, 885. Rekonstruktion von W. Effmann. Nach W. Effmann, Die Kirche der Abtei Corvey, hrsgeg. von Alois Fuchs, Paderborn 1929, S. 122.

4. Hildesheim, St. Michael (nach 1001), Rekonstruktion von Prof. Dr. R. Sedlmaier, Rostock.

5. Reichenau, Oberzell, Kirche nach O. Phot. W. Kratt, Karlsruhe i. B.

6. Maria Laach (Rheinland), Klosterkirche von NW. (Westchor vor 1156, Westtürme E. 12. Jh., Vorhalle um 1220/30). Phot. Benediktinerabtei Maria Laach.

7. Maria Laach, Abteikirche, Inneres (1093-1156) nach O. Phot. Benediktinerabtei Maria Laach.

8. Ottobeuren, Benediktinerklosterkirche (1737–66), Inneres nach O. Phot. G. Braun, Ottobeuren.

9. Zwiefalten (Württemberg), ehem. Benediktinerklosterkirche (1738-65). Phot. Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart.

10. St. Gallen, Stiftsbibl., Klosterplan (um 800). Umzeichnung von Arch. O. Völkers, München. Phot. Benediktinerabtei Maria Laach.

11. Königslutter, Stiftskirche, Kreuzgang (M. 12. Jh.). Phot. Staatl. Bildstelle Berlin.

12. Brauweiler (Rheinland), Kapitelsaal (bis zur Doppelsäule; dahinter Benediktuskapelle, 2.H. 12. Jh.). Marburger Photo.

13. Trier, St. Matthias, Dormitorium (M. 13. Jh.).

Phot. Prof. Deuser (Negativ in der Stadtbibl. Trier).

14. Ottobeuren, Benediktinerabtei (1711–66). Nach einem Stich des 18. Jh.

15. Ottobeuren, Benediktinerkloster, Grundriß des zweiten Obergeschosses (1711–24).

16. Weingarten (Württemberg), Abtei und Kirche (1715-22). Nach einer Flugzeugaufnahme im Verlag Konrad Baier, Weingarten.

17. Melk a. d. Donau, Klosterbibliothek (um 1720 bis 1730). Phot. Österreichische Lichtbildstelle Wien.

18. Nonnberg bei Salzburg, Benediktinerinnenkloster, Kirche nach W. mit vergitterten Emporen (voll. 1499). Phot. Österreichische Lichtbildstelle, Wien.

Literatur

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Verweise