Baustoffe (Baumaterialien, Werkstoffe)

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englisch: Building materials; französisch: Matériaux de construction; italienisch: Materiale da costruzione, materiali edilizi.


Otto Stiehl (1938)

RDK II, 132–135


1. Übersicht

Die Kenntnis der B. kann wertvolle Anhaltspunkte für die Forschung geben; teils für Herkunft und Schulzusammenhang, für die Verkehrsbedingungen der Entstehungszeit und nicht zum wenigsten bei einem Wechsel der B. für die zeitliche Trennung der verschiedenen Bauteile. Aber es ist zu bemerken, daß ihre wichtigste Gruppe, die natürlichen Bausteine, der Einordnung in eine logisch klare und übersichtliche Darstellung vielfach widerstreben. Sie stellen nicht etwa Körper von fester chemischer Zusammensetzung dar, sondern fast stets Gemenge von recht unbestimmten Mischungsverhältnissen und mit sehr verschiedenen Beimischungen. In wissenschaftlichem Sinne sind infolgedessen unzählige Zwischenstufen zu verzeichnen, mit denen verschiedene Steinarten ineinander übergehen. Wir werden uns der Aushilfe der Baupraxis anschließen, die verschiedene Gesteine unter dem Sammelnamen der bekanntesten zusammenfaßt, unter Granit z. B. recht verschieden zusammengesetzte Steine versteht, dazu verwandte Gruppen, Syenit u. a. hinzuzieht, die Tuffsteine verschiedener Art gleich benennt, mit Kalkstein den Dolomit, mit Basalt den körnigeren Dolerit, auch wohl den technisch ähnlichen Klingstein (Phonolith) zusammenfaßt usw. Aber es bleiben daneben noch manche Unsicherheiten in der Abgrenzung z. B. des Kalksteins gegen den Kalktuff einerseits, gegen den Kalksandstein und Marmor andererseits, über die nur örtliche Kenntnis hinweghelfen kann.

2. Natürliche Bausteine

Zur Gewinnung einer brauchbaren Übersicht nennen wir zunächst diejenigen B., die zur feineren Formgebung ungeeignet, wesentlich nur als lagerhafte „Bruchsteine“ zur Herstellung der Mauermassen dienten. Da ist zunächst der Quarzit zu nennen, hauptsächlich aus Quarz bestehend, weißlich, aber durch Eiseneinschüsse auch rötlich bis dunkelrot gefärbt. Fundorte: Nordabhang des Taunus im Rheingau, Thüringen und anderwärts. Sodann der Tonschiefer, bestehend aus fein verteilten Teilchen von Tonerdefilikaten, Glimmer und Quarz. Er kommt in allen deutschen Mittelgebirgen vor, je nach dem größeren oder geringeren Glimmergehalt von wechselnder Wetterbeständigkeit. Die Farbe ist meist blaugrau, nicht selten durch Eiseneinschlüsse ins lebhaft rostbraune wechselnd. In alter Zeit bei aufwändigeren Bauten meist verputzt, ist er im unverkleideten Zustand bestimmend für die Erscheinung z. B. der rheinischen Wehrbauten. Von ihm ist augenfällig nur durch größere Härte der Grauwackenschiefer unterschieden, der überleitet zu der auch lagerhaft, aber meist in starken Schichten vorkommenden massigen Grauwacke, einem Trümmergestein verschiedener Bestandteile mit kieseligem, kalkigem oder tonigem Bindemittel, besonders in den kieseligen Sorten sehr wetterfest. Sie ist grau mit Abtönungen bis zum rotbraun, wird an vielen Orten, an Mittel- und Niederrhein, Lahn, im Harz, Fichtel- und Erzgebirge usw. gefunden, meist nur als Bruchstein, in manchen Lagen auch zu einfachen Werksteinarbeiten, Stufen, Fenster- und Türgewänden, einfachen Stützen benutzt. Ähnliche Verwendung findet auch der Gneis, der vielerorts, im Fichtel-, Erzgebirge, den Sudeten, dem Schwarzwald u. a. zutage tritt, zusammengesetzt wie Granit aus Feldspat, Quarz und Glimmer, aber ohne dessen kristallinisches Gefüge, sondern mehr schieferig. Er kann durch Annäherung des Gefüges (Bensheim) übergehen in Granit, der ebenso wie Porphyr, Basalt und Basaltlava zu den vulkanischen Ausbruchgesteinen (Eruptivgestein) gehört. Ihnen ist der Herkunft nach der Trachyt und der Tuff anzuschließen. Wichtiger aber als diese vulkanischen Gesteine, die durchweg nur örtliche Bedeutung haben, sind die aus Wasserablagerungen entstandenen Sandsteine, die in vielen Abarten weit verbreitet den Stoff für die größte Masse der deutschen Werksteinbauten und deutscher Steinplastik geliefert haben. Noch vielgestaltiger zeigen sich die Kalksteine, aus kohlensaurem Kalk bestehend, in weißgrauer und gelblicher Färbung und in allen Abstufungen vom groben Muschelkalk bis zu dem Solnhofer oder feinen Baumberger Stein für die verschiedensten Ansprüche des Bauens, Bildens und der Kleinkunst geeignet. Ihre politurfähig dichten Sorten bezeichnet man als Marmor, welcher Name streng genommen nur den deutlich kristallinischen Abarten beikommt. – Zu erwähnen ist anschließend der Gips, im wesentlichen schwefelsaurer Kalk, der überwiegend nur zur Mörtelbereitung und zur Herstellung von Stuck dient, aber in seiner kristallinischen Form als Alabaster wichtig für die Plastik des späteren M.A. und der Neuzeit geworden ist. – Für die Zurichtung und Versetzung der verschiedenen Steinarten vgl. Bruchstein, Mauerverband, Quader, Steinbearbeitung.

3. Backstein, Terrakotta, Fliesen

Als künstliche Bausteine treten zu den natürlichen Backstein (I, Sp. 1540), Terrakotten (vgl.Baukeramik Sp. 53) und Fliesen.

4. Bindemittel, Mörtel

Als Bindemittel dient weit überwiegend der Kalkmörtel in verschiedener Zusammensetzung, nur in begrenzten Gebieten um die Fundstellen des Gipses herum der schwieriger zu behandelnde Gipsmörtel (vgl. Mörtel).

5. Holz

Das Holz erscheint als ältester Grundstoff deutschen Bauens, in den Pfahlbauten und Häusern der Urzeit teils als Eichenholz, teils als Nadelholz. Im kunstmäßigen Holzbau des Mittelalters wird Eichenholz bei weitem bevorzugt, im 13. Jh. auch für das Zimmerwerk der Dachstühle fast allein verwendet. Seit dem 14. Jh. wird es für diesen Zweck vom Nadelholz, in Norddeutschland Kiefernholz, in Mittel- und Süddeutschland Tannenholz, allmählich verdrängt. Doch hält es sich durchaus für die Ansichtsflächen der Fachwerkbauten bis zu deren Aussterben. Für Innenausstattungen werden in späterer Zeit gelegentlich auch andere in- und auch ausländische Hölzer (Nußbaum, Birke, Pflaume, Kirsche, Birne, Mahagoni) verwendet. Vgl. Fachwerk, Holzbau.

6. Dachdeckungsstoffe

Als B. sind schließlich noch zu betrachten die zu Dachdeckungen dienenden: Rohr und Stroh, die Schindeln, Dachziegel, Dachschiefer, endlich Kupfer, Blei und Zinn; vgl. Dach.

Literatur

1. Max Förster, Lehrb. d. Baumaterialien, Die natürlichen Gesteine, Leipzig 1903. 2. Hugo Koch, Die natürlichen Bausteine Deutschlands, Berlin 1892. 3. Heinrich Becker, Die Marmor- und Granitwerke am Mittelrhein, Frankfurt a. M. 1889. 4. J. B. Nordhoff, Der Holz- und Steinbau Westfalens in seiner kulturgeschichtlichen und systematischen Entwicklung, Münster 18732. 5. A. Kieslinger, Zur Gesch. d. Steinverwendung, Deutsche Kunst und Denkmalpflege 38, 1936, S. 7. 6. A. Kieslinger, Die Bausteine der Karlskirche in Wien, Kirchenkunst 9, 1937, S. 79.

Verweise