Bauinschrift

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englisch: Inscription, commemorative inscription on a building; französisch: Inscription; italienisch: Iscrizione con notizie della costruzione.


Elisabeth Hohmann (I, II) und </i> Hans Wentzel (III, IV) (1938)

RDK II, 34–53


RDK II, 37, Abb. 1. Gingen a. d. Fils, 984.
RDK II, 37, Abb. 2. Regensburg, Prebrunner Tor, 1293.
RDK II, 39, Abb. 3. Freiburg i. Br., Münster, 1354.
RDK II, 41, Abb. 4. Danzig, Marienkirche, A. 16. Jh.
RDK II, 41, Abb. 5. Schlußstein aus dem Wormser Domkreuzgang, 1514. Herrnsheim.
RDK II, 45, Abb. 6. Ulm, Münster, 1377.
RDK II, 45, Abb. 7. Landshut, St. Martin, 1407.
RDK II, 47, Abb. 8. Halle a. S., St. Moritz, 1523.
RDK II, 47, Abb. 9. Ückermünde, Schloß, 1546.
RDK II, 49, Abb. 10. Stettin, Berliner Tor, 1719.
RDK II, 49, Abb. 11. Mainz-Kastel, Reduitekaserne, 1832.

I. Antike B.

Während im griech. Altertum die B., d. h. eine lediglich der Errichtung des Bauwerks geltende Inschrift, eine Baunachricht, vornehmlich auf eine Stele eingemeißelt und diese neben dem Bau aufgestellt wird (so die Parthenoninschrift, die die Giebelskulpturen auf 438-32 festlegt), befindet sich die römische B. meist am Bau selber (B. am Architrav der Vorhalle des Pantheon in Rom); unter Umständen kann die römische B. im Gegensatz zu der immer in Stein gehauenen griechischen auch in Bronzebuchstaben aufgesetzt sein.

II. Allgemeiner Charakter der B. in christlicher Zeit

Die Art der römischen B. wird von der christlichen Kirche übernommen. Im frühen Mittelalter tragen ausschließlich kirchliche Gebäude eine B. Die mittelalterliche B. befindet sich oft an unauffälliger Stelle im Innern und am Äußern, auf eingemauerten Steinplatten, an Türstürzen, Strebepfeilern; in späterer Zeit können sie zu selbständigen Ausstattungsstücken werden (IV). Bis in das 12. Jh. bleibt es Brauch, die Buchstaben vertieft in einen geglätteten Grund einzugraben; seit der Gotik werden bei vornehmen Denkmälern die Buchstaben oft erhöht aus dem vertieften Grund herausgearbeitet. Diese Art hält sich bis zum Barock und Rokoko. Im Bauinnern befindliche B. werden zuweilen mit Schwarz oder Rot auf Putz oder den bloßen Stein gemalt; selten wird Kratzputz angewendet. Im Backsteingebiet werden die Schriftplatten auch aus Ton geformt und gebrannt. – Für Datierung und Kritik der B. ist die Kenntnis der Schriftformen wichtig (bis zur M. 14. Jh. Majuskeln, dann Minuskeln; seit A. 16. Jh. Antiqua, die sich bis in die Neuzeit behauptet hat; daneben seit M. 17. Jh. eine besondere Kursive).

Die B. des Mittelalters ist im allgemeinen klein. Ihr Umfang nimmt mit der Renaissance zu; auch wird sie etwa an betonterer Stelle angebracht. Im 17. Jh. entwickelt sich der Brauch – wohl in Anschluß an antike B. auf römischen Triumphbögen usw. – die B. auch als Baudekor zu benutzen; groß, in dekorativer Wirkung und mit plastischem Schmuck vereint wird sie als Portalschmuck oder als Gliederung der Attika verwendet. Es scheint, daß Alberti mit den langen dekorativen Schrifttafeln an S. Francesco in Rimini (beg. 1450) auch darin die Brücke zur Antike geschlagen hat. – Profane B. sind in der Frühzeit selten und auch seit ihrer häufigeren Verwendung vom 13. Jh. ab meistens kurz. Eine Ausnahme bildet die prachtvolle B. am Prebrunnertor in Regensburg. – Vornehmlich städtische Bauten, Burgen und Tore, aber auch Wasserleitungen und ähnliches werden mit B. versehen. Erst im 16. Jh. mehren sich die B. an Bürgerhäusern. Zuerst reine Datierungen, Wappentafeln (an den großen keramischen Friesen des Backsteingebietes), kurze Devisen und Segenssprüche, werden sie schließlich ausgedehnt und weitschweifig mit Familiennachrichten verbunden. Vor allem der niedersächsische Fachwerkbau und die niederdeutschen Bauernhäuser boten mit ihrem sichtbaren Holzwerk eine gute Grundlage für B.

Anspruch auf urkundlichen Wert haben in der Regel nur zeitgenössische Inschriften, d. h. B., die aus der Zeit des Ereignisses oder der Person, die sie nennen, stammen. Nachträglich angebrachte B. haben oft nur zweifelhaften Wert.

III. Inhalt der B.

Die B. lassen sich nach ihrem Inhalt bzw. ihrer sachlichen Bedeutung unterscheiden. Sie können (A) Auskunft geben über Gründung oder Stiftung eines Baus, über den Namen des Stifters und des Schirmherren, später auch über den Baumeister und die Bauzeit: die Gründungsinschriften. Sie können (B) den Zeitpunkt der Grundsteinlegung (und etwa auch die Namen der beteiligten Personen) enthalten, die Grundsteinlegungsinschriften. Sie können (C) von der Weihe (und damit wenigstens teilweisen Vollendung) eines Baus berichten: die Weiheinschriften. Sie können (D) unabhängig von Stiftung, Gründung, Grundsteinlegung und Weihe besonders den leitenden Architekten und die beteiligten Bauhandwerker nennen: die Meisterinschriften. – In vielen Fällen gehen diese vier Typen ineinander über und sind nicht immer scharf zu trennen.

A. Stiftungs- bzw. Gründungsinschriften

Die Gründungs- bzw. Stiftungsinschriften umfassen mit den Weihinschriften (C) die ältesten B. und waren deren verbreitetste Form. Sie ähneln sich in Abfassung, Aufbau und Wortlaut. Außer formelhaften Redewendungen enthalten sie eine direkte oder indirekte Zeitangabe und fast stets den Namen des Stifters oder Gründers. Die Stiftung wird bezeichnet: in vorkarolingischer Zeit gelegentlich durch offeret, später durch edificata fuit, instituit, erexit, fundavit, fieri fecit, fore iussit mit der Namensnennung; die Tatsache, daß der Stifter den Bau aus eigenen Mitteln errichten ließ, wird etwa durch de suis, de bonis oder suo aere betont. Die in der Abfassung häufig ähnlichen B. mit der Bezeichnung dedicare sind wenigsten in romanische Zeit ausschließlich als Weiheinschriften (C) anzusehen, während die den Gründungsinschriften unter Umständen ähnelnden B. mit der Formel inchoavit, inceptum est als Grundsteinlegungsinschriften (B) anzusprechen sind. Dagegen dürfen Renovierungs- und Umbauinschriften zu den Gründungsinschriften gezählt werden, wenn sie den Beginn des Umbaus, die Bauzeit, den Stifter oder Schirmherrn nennen. – Seit dem 14. Jh. treten vielfach an die Stelle der ausführlichen und sogar weitschweifigen eigentlichen Gründungsinschriften solche von sehr summarischer Form, die nur eine Jahreszahl mit einem Wappen oder einem Eigennamen oder einer kurzen Devise enthalten und sich häufig auf einem Steinblock an Fassaden, Türmen, Strebepfeilern oder Anbauten finden. In den meisten Fällen beziehen sie sich zweifellos auf Stifter und Stiftung und sind daher als Gründungsinschriften anzusehen. Die bekanntesten B. dieser Art sind die prachtvollen eingemeißelten Zeichen, die Friedrich III. auf seinen Bauten anbringen ließ: seine persönliche Hausdevise a. e. i. o. u. mit seinem Wappen und einem Datum; besonders die Bauten in Wiener Neustadt sind zahlreich mit diesen Zeichen versehen (diesen B. entsprechen die großen Monogramme an Bauten des Klassizismus). – Schwieriger einzuordnen sind die B. in Kreuzgängen, wo sie sich an Wänden und Schlußsteinen befinden. Sie zeigen zum Teil bloße Jahreszahlen, daneben Steinmetzenzeichen, Namen, manchmal auch ausführlichere Umschriften über Stifter und Bauumstände; sie sind wohl zumeist als Stiftungsinschriften anzusprechen. Die häufigen Hinweise auf den Ausführenden rücken sie in die Nähe der Gruppe D. – Bei Profanbauten ist der Stifter in den meisten Fällen zugleich der Bauherr und Eigentümer des Gebäudes; bei Darstellungen ist der Stifter also zugleich der Bewohner.

Beispiele:

1. (805). Aachen, Pfalzkapelle, ehemals unter dem Hauptgesims des Oktogons:

Cum lapides vivi pacis conpage ligantur
Inque pares numeros omnia conveniunt
Claret opus domini, totam qui construit aulam
Effectusque piis dat studiis hominum.
Quorum perpetui decoris structura manebit,
Si perfecta auctor protegat atque regat:
Sic deus hoc autum stabili fundanime templum,
Quod Karolus princeps condidit, esse velit.

An einer anderen Stelle im Innern: Insignem hanc dignitatis aulam Karolus caesar magnus instituit. Egregius Odo magister explevit. Metensi fotus in urbe quiescit (Inv. Rheinprovinz 10, 1 S. 159).

2. (984). Gingen an der Fils, über der Nordtür: Anno incarnationis dominicae dcccclxxxiiii ... Salemanus abbas ... hoc oratorium a fundamentis erexit (Abb. 1; Inv. Württemberg, Donaukreis I, S. 782).

3. (um 1030). Altenstadt (Unterelsaß), am Türsturz: Hoc qui coenobium cupitis transire decorum / poscita supremam abbatis veniam Liuthardi (Inv. Elsaß I, S. 6).

4. (um 1050). Regensburg, St. Emmeram, Vorhalle, Umschrift der Skulpturenplatten: Abbas Reginwardus hoc fore iussit opus (Inv. Bayern II, 22, S. 292).

5. (um 1170). Millstadt am See, Stiftskirche, Tympanon: Heinricus abbas, Rudger ... me fecit.

6. (1287). Regensburg, Katharinenspital, am Portal Wappen der Zant und: Anno domini mcclxxxvii facta est hec structura (Inv. Bayern II, 22, III, 140).

7. (1299). Regensburg, Alte Kapelle, Zantkapelle, am mittleren Strebepfeiler: Anno domini mcclxxxxviiii edificata est hec capella de bonis Heinrici Dentist (Inv. Bayern II, 22, II, 55).

8. (um 1310). Regensburg, St. Emmeram, Kreuzgang, Schlußsteine „Hainricus abbas, natus de Wintzer (= 1305-12), Abbas Paldwinus eterna pace fruatur (= vor 1324) (Inv. Bayern II, 22, I, S. 346).

9. (1419). Rostock, Pastoratshaus: Anno domini mccccxix dominus Iohannes Welder, huius ecclesie rector, hanc domum incepit edificare et perfecit. Orate pro eo. (Inv. Mecklenburg-Schwerin I, S. 264).

10. (1440). Regensburg, St. Ulrich, Schlußstein: Anno domini mccccxl hoc opus trium testitudinum (= Gewölbe) est renovatum tempore Wolfhardi plebani huius ecclesie (Inv. Bayern II, 22, III, 26).

11. (1463). Regensburg, Minoritenkloster, Kreuzgang, Schlußsteine: hoc opus c’operavit Hans Hueber in Balberstras 1463; und: 1463 hoc opus procuravit frater Nicolaus Rutz in remedium animae matris sue (Inv. Bayern II, 22, III, 20).

12. (1471). Adlersberg, Chorsüdwand, Verkündigungsrelief: Anno domini mcccclxxi Fraw Anna Vischlin, dij Czeit Priorin disz Gozhaus, hat lassen pavn disz czimmer avf disz munster, der got genad (Inv. Bayern II, 20, S. 18).

12 a. (1474). Regensburg, St. Emmeram, Rupertuskirche, Schlußstein: Das Gewel hat lassen machen ein erberg Prueterschafft der Goltsmit 1474 (Inv. Bayern II, 22, I, 309).

13. (1479). Markgröningen, Stadtkirche: Hanc capellam fundavit dominus Waltherus de Haslach, capellanus in Grüningen 1479 (Inv. Württemberg, Neckarkreis, S. 353).

14. (1486). Bautzen, Ortenburg, Torturm, Statue des Matthias Corvinus mit: Matthias rex anno mcccclxxxvi salutis.

15. (1514). Herrnsheim, von Heylscher Park, Schlußstein aus dem Wormser Domkreuzgang: Anno 1514 Jacobus Meintzer, natione Spirensis, canonum licentiatus ac huius aedis divi Petri canonicus, hanc portionem testudinis fieri fecit (Abb. 5).

16. (1514). Schwaigern, Kirche, südöstl. Strebepfeiler: D. O. M. Anno mdxiiii Romanis imperitante Caes. Max. P. F. Aug. in beatissime virginis Marie eiusque superbenedicte matris Anne nec non S. Joannis baptiste laudem et honorem nobiles viri de clara ac armigerarta Neipergensium prosapia procreati cum subditis et incolis huiusque oppiduli hanc edem sibi et suis posteritatique bene merenti instaurari fecerunt per Bernardum Sporer opificem (Inv. Württemberg, Neckarkreis S. 126).

17. (1523). Halle, Dom: Deo opt. max. divoque Mauricio ac Magdalenae tutelaribus Albertus cuius haec signa dignitatem genusque declarant hanc aedem ipse dedicavit An. Christi mdxxiii ix kal. Sebtem. (Abb. 8; vgl. Inv. Prov. Sachsen N.F. I, S. 239).

18. (1546). Ockermünde, Schloß, Stiftungstafel: Von G. G. Philippus I, zu Stettin Pomme., der Cassuwen und Wenden Hertzzog, Furst zu Rügen und Graf zu Goeczkau. Nach Christi Geburt mcccccxlvi (Abb. 9).

19. (1567). Spantekow, Burgtor, Stifterrelief:

.........
Meinem Landsfurst dient ich mit Treuen
Riet stets zum Fried, hat Lust zu bauen.
Als ich zu meinem Alter kam,
Do fieng ich diese Feste ahn.
Als man schrieb M und D funftzig und acht Jar
Aufn erst Martii der Anfang war.
Die Karren men das letztmal schieb,
Do men seczig und sieben schrieb ....

(Inv. Pommern, Reg.Bez. Stettin II, S. 247).

20. (1573). Hohengebraching, Schloß, Hoftor: Arnolphi claustro dum regnat Blasius abbas fratribus haec domus est aedificata suis anno salutis mdlxxni (Inv. Bayern II, 20, S. 104).

21. (1584). Irl, Portal mit Wappen des Regensburger Domkapitals und: Hoc sacellum beatissimae virgini Mariae sacrum vetustate fere collapsum venerabile capitulum ecclesiae Catharinae Ratisponensis suo aere anno Christi mdlxxxiv restaurari curavit (Inv. Bayern II, 21, S. 89).

22. (1592). Ranzau, Schloß: Henricus Ranzovius serenissimi Danorum regis Produx Cimbricus hanc arcem Ranzov a gentilibus suis 59 000 daleris emit et de integro aedificavit anno domini mdxcii agens annum aetatis lxvii omnipotens faxit stirps ut Ranzovia sedes incolat has placide posseatque diu (Inv. Schleswig-Holstein II, S. 178).

23. (1656). Mainz, Altertumsmuseum, Kartusche: Johannes Philippus, archiepiscopus Moguntinus, episcopus Herbipolensis, Francorum dux.

24. (1673). Regensburg, Karmeliterkirche, Untergeschoßgesims der Fassade: Aedem hanc Leopoldi Romanorum Imp. se. aug. ere. d. a. mdclxxiii (Inv. Bayern II, 22, II, 148).

25. (1689). Grass, Kirche, innere Ostwand, Wappen mit: Carl Suickard von Sickingen, Hochfürstl. Hoch- und Teuschmaistl. gehaimer Rath, Hofraths President zu Mergenthaimb, Rathsgebiettiger der balley Franckhen, Comentur zu Regensburg und ganckhoven des Teutschen Ordens Ritter 1689 (Inv. Bayern II, 20, S. 83).

26. (1702). Hirschling, Kirche, Portal: Andreas Georgius Ernestus Placidus Liber Baro de et in Bazendorff cognom Ehrenschild comes S pal lateran eques avr avgvstiss roman imperatoris Leopoldi dapifer et Maria avgvstina Heerdegen de Cvlm 1702 (Inv. Bayern II, 20, S. 102).

27. (1708). Schönhofen, Kirche, Langhausnordwand mit Johannes Ev. und Bapt. Perillustris domina Susanna Maria a Saurzapf de Schonhoven et Loch, quondam conjugata de Leoprechting, ejusque

frater germanus, perillustris dominus dominus Georgius Christophorus a Saurzapf de Schonhoven et Loch hanc ecclesiam utrique Joanni Baptistae et evangelistae sacram communibus impensis ac pari pietate restaurarunt, ampliarunt et ornarunt, propterea a MoribVs Constans sIt beneDICtIo (= 1708) (Inv. Bayern II, 20, S. 260).

28. (1717). Köferling, Kirche, Portal mit Ehewappen und: F. A. G. V. Z. L. M. E. G. V. Z. S. 1717 (= Franz Adam Graf von zu Lerchenfeld – Maria Elisabeth Gräfin von zu Schallenberg) ...maxima ex parte huius ecclesiae parochialis fundator dotator restaurator anno mdccxvii (Inv. Bayern II, 21, S. 93).

29. (1711). Schwerin, Schelfkirche, Hauptportal: Anno 1711 hat unser durchlauchtigster Landesvater und Herzog Friedrich Wilhelm dieses Gotteshaus Gott zu Ehren, seinen Unterthanen zu Übung der Gottseligkeit, seinen Cörper zur Ruhe gestiftet (Inv. Mecklenburg-Schwerin II, 577).

30. (1719). Stettin, Berliner Tor, Fridericus Wilhelmus, Rex Borussiae, ducatum Stettinensem ... iustis pactis iustoque pretio ad Panim (Peene) usque emit paravit subique restituit Anno mdccxix ac portam Brandenburgensem fieri iussit (Abb. 10).

31. (1722). Steinhorst, Schleswig-Holstein, Herrenhaus: Hoc saxeae sedis domicilium binas inter S. R. imperii civitates liberas medium Gothofredus Wedderkop dominus haereditarius in Steinhorst extrui curavit Ao. R. mdccxxii.

32. (1732). Lambertsneukirchen, Kirche, Chorbogen: Ecclesia haec restaurata et prolongata fuit anno domini 1732 parocho Ioa Wolf Spircr. SS The Camer in Pettenreit (Inv. Bayern II, 20, S. 117).

33. (1736). Wotersen, Schleswig-Holstein, Herrenhaus: Joachimus Liber Baro a Bernstorff has Aedes extrui fecit anno domini 1736.

34. (1751). Borstel, Schleswig-Holstein, Herrenhaus: Has aedes extruxit Friedericus de Buchwald M. R. Pr. Schleswachols. Ducis Consui., Ord. St. Annae Equ., Coen. Pretz Praep., Dom. Praed. Borstell et Troyburg. Anno 1751.

35. (1766). Roda, Bürgerhaus, Torbogen: Dieses Haus ist in Nahmen Gottes von Mester Samuel Christian Mittelhaeusern, Schwarz- und Schoenfaerbern allhier, anno 1765 zu bauen angefangen und mit Gottes Hülfe anno 1766 guetlich vollendet worden (Inv. Thüringen, Sachsen-Altenburg II, S. 45).

36. (1770). Ludwigslust, Pfarrkirche, Fassade: Jesu Christo magno peccatorum redemtori hoc templum consecratum est a magno peccatore redemto dei gratia Friderico duce megapolitano. Aedificari coeptum anno mdcclxv mense Martio. Finitum anno mdcclxx mense Julio (Inv. Mecklenburg-Schwerin 3, S. 242).

37. (1772). Großenaspe, Holstein, Kirche, Portal: Publico summi numinis cultui dicata et dicta aedes Catharinana (= Katharina II. von Rußland) die xxvii Sept. mdcclxxii.

38. (1778). Schierensee, Schleswig-Holstein, Herrenhaus: Non mihi sed posteris 1778.

39. (1828). Berlin, Altes Museum: Fridericus Guilelmus III. studio antiquitatis omnigenae et artium liberalium museum constituit mdcccxxviii.

B. Grundsteinlegungsinschriften

Die Grundsteinlegungsinschriften zeichnen sich zumeist durch genaue Angaben über das Datum und die näheren Bauumstände aus. Die Grundsteinlegung war an bedeutenden Bauwerken seit dem 11. Jh. ein feierlicher Akt (J. Braun, Liturgisches Handlexikon, 19242, S. 128; Otte I, S. 15), wird in B. aber erst seit dem 13. Jh. erwähnt. Schon die Grundsteinlegungsinschrift von 1209 in Neuß hat den später üblich bleibenden Wortlaut posuit primum lapidem (daneben primus lapis ponebatur, positus est fundamentum, man lait den ersten stain usw.). Es müssen jedoch auch jene B. als Grundsteinlegungsinschriften angesehen werden, die den Baubeginn mit incepta est, inchoata est, iniciata est oder hub man an bezeichnen, womit also weniger die feierliche Grundsteinlegung als der Zeitpunkt des Bauanfangs angegeben werden soll. Bei den Grundsteinlegungsinschriften bürgert sich verhältnismäßig früh die deutsche Sprache ein (während etwa die Weiheinschriften besonders lange an der lateinischen festhalten). Grundsteinlegungsinschriften können am Grundstein selbst, aber auch an jeder anderen Stelle angebracht sein.

Beispiele:

1. (1209). Neuß, St. Quirin, südl. Seitenschiff: Anno incarnationis domini mccviiii, primo imperii anno Ottonis, Adolfo Colon. episcopo, Sophia Abbatissa, magister Wolbero posuit primum lapidem fundamenti huius templi ... (Inv. Rheinprov. III, 3, S. 69).

2. (1251). Schulpforta, Chorstrebepfeiler: Anno domini mccli xii kalendas aprilis positum est fundamentum huius sanctuarii (Inv. Prov. Sachsen 26, S. 70).

3. (1287). Stadtilm, Zisterzienserinnenkloster: Anno domini mcclxxxvii VII. kal. aprilis iniciata est haec domus dei ad honorem ... (Inv. Thüringen, Schwarzburg-Rudolstadt I, S. 175).

4. (1293). Regensburg, Prebrunnertor, unter einem Löwen: Anno domini mcclxxxxiii hoc opus inceptum est in vigilia beati Georii (Abb. 2; Inv. Bayern II, 22, III, 80).

5. (1310). Lübeck, St. Marien, Briefkapelle: Turri principia dant M, tria C, duo quinta, tunc q’.capella pia fuit nec tibi structa Maria; und: Turri’ principia sunt M, tria C, duo bina (Inv. Lübeck II, S. 137, 145).

6. (1311). Stralsund, St. Nikolai, Turm: Anno milleno undeno festo nicolai inchoata; und: Incepcio turris sancti nicolai anno millesimo tricentesimo LX (Inv. Pommern, Stralsund, S. 503).

7. (1330). Regensburg, ehemalige Zwingmauer: Anno domini mcccxxx martini hub man an den graben mit der aussern maur (Inv. Bayern II, 22, III, S. 80).

8. (1331?). Soest, Wiesenkirche:

C ter, X mille
et tribus I que dies tenet ille
huius quo primum
struxit loculi capud ymum
ne deus condempnes
hunc Schendeler arte Johannes;

die Zahlenklausel ist nicht eindeutig zu lösen. 1313? 1314? 1331? 1343? [1, S. 414].

9. (1334). Neustadt, Turm der Kirche: Anno domini mccxliiii aedivicata est civitas ista. Anno domini mcccxxxiiii in die sancte cathedre Petri inchoata est ista turris. Provisor Johannes Butenschone (Inv. Schleswig-Holstein II, S. 44).

10. (1343). Danzig, St. Marien, holzgeschnitzte Tafel (Abb. 4): Anno domini mcccxliii feria quarta post letare positus est primus lapis muri civitatis Danczk. Et postea proxima feria sexta positus est primus lapis muri ecclesie beate virginis Marie cuius dedicatio celebrabitur dominica proxima post festum nativitatis marie.

11. (1351). Gmünd, Hl. Kreuz, nördliches Chorportal: Anno domini mcccli ponebatur primus lapis pro fundamento huius chori xvi kalendis augusti.

12. (1354). Freiburg i. B., Münster, Chor: Von gottes geburt mccc und liiii iar an unser frowen abent in der vasten leit man den ersten stein an disen kor (Abb. 3).

13. (1362). Nordhausen, Kirchturm: Noch gotz geborte mccclxii yst begust des torme an sent marcus tage, bi den vormunde Helwig Tockenfoz ... (Inv. Prov. Sachsen 11, S. 152).

14. (1370). Heiligenstadt, St. Ägidien:

anno milleno tria ccc lx duplicato
in festo viti sic debet littera legi
artificium manus ceperunt turrium opus
est bene fundatum in lapide firmo locatum
continet in terra lapidium tria millia plaustra
vicenos lapides habet profunditas eius
unos addas quinquies sicque occupat spatium terrae
et operis latus tredecim pedes numeratur
cum firmamentum fit firmissime roboratum
qui sunt struentes opus possunt fidentes
quantumque volunt opus erigere templi.
(Inv. Prov. Sachsen 28, S. 177, Abb. 154.)

15. (1377). Würzburg, Marienkapelle: Actu anno domini mccclxxvii dominus Gebhardus, cornes de Swartzburg, episcopus Herbipolensis, posuit primum lapidem in vigilia penthecoste et est fundator capelle beate Marie virginis in platea judeorum in civitate Herbipolensis (Inv. Bayern III, 12, S. 249).

16. (1377). Ulm, Münster: anno dm m ccc lxx vii a de zinstag, der der lest tag was des monatz junii, nach der sunen ufgang dri stund, von haissen des rates wegen hier ze ulm, lait ludwig kraft, krafts am kornmarkt selige sun, de ersten fondamentstain a diser Pfarrkirchen (Abb. 6).

17. (1388). Halle, St. Moritz, südl. Chorpfeiler des Mittelschiffs:

mille trecent anno post octuagesies octo
dum canit ecclesia misericor carmine pascha
tunc lapis est primis ad chorum jactus in ymis
hoc per prepositum paulum fuit initiatum
nunc ope multorum struitur pietate bonorum
sancte nunc patet hic sua munera qui dedit illic
cuius rectores structurae sunt amatores
de mortal petrus conradus in Einbeke natus ...

ebendort: M tria ccc scripto post octuagin dabis octo stante die lune misericor dum canis alte tunc fuit iste chorus primo saxo renovatus (Inv. Prov. Sachsen N.F. I, S. 90/91).

18. (1390). Haßfurt, Kirche, Kreuzigungsgruppe mit: Do man zalt nach crisi geburt mcccxc iar an ... let der edel furst her Gerhart ... den ersten stein an dise bv (Inv. Bayern III, 4, S. 49).

19. (1404). Wismar, St. Jürgen: In deme yare, do me scref mcccc un iiii yar, do wart dat fundemet desses tornes uplecht (Inv. Mecklenburg-Schwerin, Bd. II, S. 74).

21. (1407). Passau, Dom, Chor: O Welt. Anno domini mccccvii in die ... inchoatus est hic chorus positusque Primarius lapis fundamenti solemniter per ... (Inv. Bayern IV, 3, S. 37).

22. (1437). Wismar, St. Nikolai: Na der bort unses heren dusent ccccxxxvii jar to deme pasche do wart dalebroke desse afzyde, un dat fundament wart ghelecht xxii vote deep, un wart upghebuwet i deme zomere wente bowe de doren. Peter Stolp, faber operarius huius ecclesie (Inv. Mecklenburg-Schwerin II, S. 131).

23. (1445). Wertheim, Stadtkirche, Chor: Anno domini mccclxxxviii incepta est fabrica chori huius ecclesie, et tunc temporis solvebat plaustrum vini florenum, et mald 4 siliginis medium florenum. Anno vero mccccxlv incepta est pns. liberaria (Inv. Baden, 4, 1, S. 247).

24. (1465). Rostock, St. Jakobi, Turmtür: ano dni mccclxii an deme dage der bodeschop der iuncfrowen marien und der homissen do vil desse torn. dar na mcccclxv up de tid wart he begunt wedder to buwende (Inv. Mecklenburg-Schwerin I, S. 76).

25. (1479). Mengen in Württemberg, Kirche:

In dem stain, da lug in,
so fündstu darin met und win.
Diss capell hat gemachet Conrad Beck im
mcccclxxix jar.

26. (1484). Worms, Domkreuzgang, Grundstein: anno domini 1484 in die sancti Ypoliti martiris (Inv. Hessen, Worms, S. 158).

27. (1501). St. Annen in Dithmarschen, Südportal: In gades namen hewe wy an tho bowen de kerck tho sunte Anne. Heimen Clawes Johans bowmester tho sunt Anne. Anno domini mccccc und i do is dit bwet (Inv. Schleswig-Holstein I, S. 64).

28. (1509). Schöppingen, Westfalen, Kirche, Südportal: Anno domyny xv unde ix up sunte merten verhaylighet dach do woert de erste stein an dusse kaer up de funtene gelacht (Inv. Westfalen, Ahaus, S. 64, Taf. 64).

29. (1514). Niederaltaich, Klosterkirche, Südturm, Rotmarmortafel mit astronomischer Stellung: Nostrae salutis anno 1514 ecclesie imperioque Roman. presidentibus Leone Papa Decimus ac Maximiliano Augusto et Wiguleo Kathedre Patavim. Kylianus Abbas nono kl. Aug. prima jecit huius fundamenta turris und: Also stunde des hymels figuren, do man legt den erste stay. des thurn durch Abbt Kylian. Das geschach an de vierundzwantzigsten Tag July des Monats, als war thausent fünfhundert vierzehen Jahr (Inv. Bayern IV, 17, S. 221/22).

30. (1520). Hütten in Schleswig, Stein im Chor:

Na Christus Ghebort unses Heren Jaer
dusent vyf hundert twintich apenbaer
Hertich Frederich, to Holsten un Sleswich en Her,
ledde den ersten Steen den XV Dagh in December
to der Hutten Koer, Gode un Marien to Eren
sunte Andreas un Nicolaus, de grote Heren
(Inv. Schleswig-Holstein I, S. 177).

31. (1524). Luhe, Turm mit Stadtwappen und: Anffang des thurns ist geschechen am Mantag for Mathie im 1524 (Inv. Bayern II, 9, Abb. 46).

C. Weihinschriften

Die Weiheinschriften sind seltener als Gründungs- und Grundsteinlegungsinschriften. Vornehmlich belegen lassen sie sich vom 11. bis zum 15. Jh. Die Weihe kann bezeichnet werden durch dedicare oder consecrare, hinzugefügt wird meistens der Name des weihenden Geistlichen. Das dedicare kann sich sowohl auf den Bauplatz, auf einen fertigen Bauteil, wie schließlich auf den Gesamtbau beziehen; nach den erhaltenen Beispielen wird jedoch kaum der Baubeginn (Grundsteinlegung), höchstens die Weihe des ersten Altars mit dedicare bezeichnet. Dagegen ist unter consecrare fast stets die Gesamtweihe, die Besitzergreifung der Kirche (unter Umständen mit der Ausstattung) zu verstehen. – Zuzurechnen sind diesen B. die Weiheinschriften von Altären, die sich im Innern der Bauten befinden, an den Altären selbst, an den Wänden, Pfeilern, ja auch an den Kapitellen der benachbarten Säulen (Hildesheim, St. Michael).

Anzuknüpfen sind den Weiheinschriften die Vollendungsinschriften, die seit dem 14. Jh. auftauchen und meistens sehr einfach gehalten sind (completum est, vollendet). Einfache eingehauene Jahreszahlen an kirchlichen und weltlichen Bauten bedeuten meistens die Vollendung jenes Bauteils bzw. den Zeitpunkt, während dem an dem Bauabschnitt gearbeitet wurde. Die an norddeutschen Bauern- und Bürgerhäusern sehr häufigen kurzen religiösen oder auch profanen, vielfach humorvollen Devisen mit der Jahreszahl sind zumeist als Vollendungsinschriften anzusehen; das Tagesdatum bezieht sich dann wohl zumeist auf den Richttag.

Beispiele:

1. (um 1015). Hildesheim, St. Michael, Südwestturm: S. Benjamin S. Matheus A(postolis) B(ernwardus) E(piscopus).

2. (1035). Eich, Kreis Saarburg: Anno domini mxxxv dedicata est haec aecclesia ... a reverendo Deoderico Mettensi presule in honore S. Uodalrici confessoris.

3. (1051). Essen, Münster, Krypta, Wandpfeiler Anno incarnationis dominicae millesimo LI indictione iiii v. id. septembris dedicatum est hoc oratorium a venerabili Archiepiscopo Herimanno precatu nobilissimae sororis suae Theophanu abbatissae (Inv. Rheinprovinz II, 3, S. 24).

4. (1058). Worms, Nikolauskapelle: Anno dominicae mlviii indictione xii ii kalendas octobris dedicata est haec capella ab Arnaldo, huius sedis episcopo, in honorem ... (Inv. Hessen, Worms, S. 157).

5. (1083). Rothenberg (Stammburg der Württemberger) bei Stuttgart: Anno dominice incarnationis mlxxxiii indictione vi (vii idus) Februarii dedicata est hec capella ab Adelbert Wormensis ecclesie episcopo in honore S. Nicolai ... (Inv. Württemberg, Neckarkreis S. 157, 161).

6. (1119). Prüfening, Klosterkirche, in eine Tonplatte mit Holzbuchstaben eingedrückt und gebrannt: Anno domini mcxviiii iv idus Mai consecratum est hoc monasterium in honore ... a venerabilib. episcopis ... (Inv. Bayern II, 20, S. 222).

7. (1151). Schwarzrheindorf: Anno dominice incarnationis mcli viii kal. Mai indict. xiv dedicata est haec capella a venerabili Missinensium episcopo Alberto ... in honore ... dotata quoque est ab eodem fondatore et a fratre suo Burchardo de Withe et sorore sua Hathewiga ... (vgl. Clemen. Roman. Mon. Mal. S. 271).

8. (1170). Lübeck, Dom: Anno domini mclxx edificata fuit hec presens ecclesia per dominum Hinricum, ducem Bavarie et Saxonie, et per dominum Hinricum, tertium episcopum lubecensem et fundatorem monasterii S. Johannis in Lubeke, consecrata in honore ... (= posthum!; s. Inv. Lübeck III, S. 14).

9. (1342). Frauenburg, Dom: Anno domini mcccxlii dedicatus est chorus.

10. (1343). Danzig, St. Marien ... cuius dedicatio celebrabitur ... s. III B Nr. 10.

11. (1351). Stralsund, St. Jakobi: Anno domini mcccli quarta feria ante dominicam palmarum Johannes episcopus Caminensis consecravit hoc altare in honore ... amen (Inv. Pommern, Stralsund, S. 401).

12. (1387). Wismar, Schwarzes Kloster: Anno mccclxxxvii ... dominus Detlevus Ratzeburgensis episcopus consecravit chorum istum et altare majus in honorem ... ac eosdem sanctos innocentes cum prenotatis sanctis in patronos haberi concessit (Inv. Mecklenburg-Schwerin II, S. 163).

13. (1388). Frauenburg, Dom: Anno domini mccclxxxviii completa est cum porticu ecclesia Warmiensis amen.

14. (1444). Stein in Niederösterreich, Minoritenkirche ... 1444 comparatum est hoc opus , . .

15. (1472). Moosham, Kirche, Ölbergrelief mit Stifterfigur: Anno domini 1472 ultima die mensis maii completum est hoc opus per honorabilem virum dominum Leonardum Teuffbrunner plebanum huius ecclesie. Orate pro eo (Inv. Bayern II, 21, S. 111/12).

16. (1484). Wernfeld in Bayern: Anno domini mcccc und in den lxxxiiii iaren ist dise kurche auß gemacht zu den gezeiten hern Johan Hasen pffarher zu Geminden und allhy in dieser kirchen, dem got gnad (Inv. Bayern III, 20, Abb. 108).

17. (1493). Regensburg, Dom: Turmnordseite, nordwestliche Eckstrebe: „1493“, an anderer Stelle: „1496“ (Inv. Bayern II, 22, I, S. 76).

18. (1505). Burg auf Fehmarn, Kirche: Ano dni mccccxx do vorstorde Konik Erik Vemere (= Fehmarn), un dana lxxxv wart dat Koer gebuwe mit ni Crucewelften, un 1 jar dana wart dat Likhus un Garwekammer un Orgelwerk un alle Stolte boredet. Hans Wolden un Hans Godeman were do Virstender, bidd Got vor se un vor al Voldeder (Inv. Schleswig-Holstein II, S. 75).

19. (1832). Mainz-Kastel, Reduitekaserne, Portal: Cura confoederationis (= Deutscher Bund) conditum mdcccxxxii (s. Abb. 11).

D. Meisterinschriften

Die Meisterinschriften. – Der Baumeistername folgt zunächst bescheiden dem Namen des Stifters (vgl. III A); mit der Zeit schiebt er sich aber immer mehr in den Vordergrund und wird schließlich zum beherrschenden Teil der B. – Häufiger sind diese B. anfangs nur in Italien (Pisa, Lucca, Modena, Trient), seit dem 13. Jh. kommen sie aber auch in Deutschland vor. Der ausführende Baumeister wird durch seinen Titel hervorgehoben (magister, magister operis) oder kennzeichnet sich eindeutiger durch ein me fecit. Die angegebenen Jahreszahlen können sich auf den Bauanfang, meistens aber wohl auf den Bauabschluß beziehen. – Im engen Zusammenhang mit diesen B. stehen die Baumeisterbildnisse (Sp. 96ff.).

Zahlreiche der unter A–C genannten B. enthalten auch Angaben über den Meister.

Beispiele:

1. (805). Aachen, Pfalzkapelle: Egregius Odo magister explevit ... s. III A Nr. 1.

2. (1170). Millstadt am See ... Rudger me fecit ... s. III A Nr. 5.

3. (ca. 1220). Wildenburg, unterer Palas-Saal: bertold murte mich – ulrich hiwe mich (W. Hotz, Staufische Reichsburgen am Mittelrhein, Berlin 1937, Taf. 53 a).

4. (13. Jh.) Regensburg, Dominikanerkirche, Nebenchor, Konsolfigur mit Zirkel: Pruder diemar (Abb. Sp. 97; Inv. Bayern II, 22, II, S. 67).

5. (1212). Trient, Dom, Portal: Anno domini mccxii ultima die ... presidente venerabile Tridentino episcopo Federico de Vanga ... opus incepit et construxit magister Adam de Arognio ... et circuitum ipse sui filii inde sui aplatici cum appendiciis intrinsece ac extrinsece istius ecclesie magisterio fabricarunt ... (Hasak, Einzelheiten des Kirchenbaus, S. 122, Abb. S. 371).

6. (1303). Fünfkirchen in Ungarn, Chorgewölbe: Labore magistri Demetri lapicide.

7. (1316). Straßburg, Münster, Marienkapelle: mcccxvi edificavit hoc opus magister Erwin.

8. (1331). Soest, Wiesenkirche ... struxit ... arte ... Johannes Schendeler, s. III B Nr. 8.

9. (vor 1350). Regensburg, Dom, Querhaus, Südportal: Ludbich (urkundlich als magister operis bekannt), etwas höher: fridrich (Nachfolger?), am südlichen Vierungspfeiler: Eberhart, im südlichen Nebenchor an einem Arkadenpfeiler: Hairicus (Inv. Bayern II, 22, 1, S. 47).

10. (1388). Halle, St. Moritz ... rectores structurae sunt amatores de mortal Petrus Conradus in Einbeke natus ... s. III B Nr. 17.

11. (1401). Brandenburg, St. Katharinen: Anno domini mcccci constructa est hec ecclesia in die assumtionis Marie virginis per magistrum Hinricum Brunsbergh de Stettin (Inv. Brandenburg II, 3, S. 59).

12. (1424). Regensburg, Dominikanerkirche, Kreuzgang, Schlußsteine mit Wappen oder Steinmetzzeichen und: hoc opus fecit Thoma Smuck 1424 bzw. Andreas, Hewsmeckk bzw. Steffen Pruder (Inv. Bayern II, 22, II, S. 94).

13. (1437). Wismar, St. Nikolai ... Peter Stolp, faber operarius huius ecclesie ... s. III B Nr. 22.

14. (1439). Echterdingen, Kirche, Wappen von Bebenhausen und Württemberg und: Anno domini mccccxxxix in die Marcelli ... incepta est turris ista und: Ain Turm bin ich, Maister Heinrich machet mich, dazu Wappen mit zwei Hämmern (Inv. Württemberg, Neckarkreis, S. 455, 457).

15. (15. Jh.). Regensburg, Dom, Kreuzgang, Schlußsteine mit Wappen: Mayster Dietreych Semler, der Steinmetz usw. (Inv. Bayern II, 22, I, 164).

16. (M. 15. Jh.). Wiener Neustadt, Liebfrauen, nördl. Kreuzarm: Niclas Ottenthaler, laüter des paws – Niclas Ottenthaler, die Zeit burgermeister, verbringer des paw.

17. (1453). Salzwedel, Franziskanerkirche, Lettner: Anno mccccxxxv inceptum fuit praesens opus novi chori et completum est anno mccccliii in die s. Marcii per magistrum Henricum Reppenstorff ...

18. (1478). Hirschau, Schloß, Wappen von Bayern und: 1478 Wilhalm Tondorffer (= Schloßpfleger), Maister Erhart (= Baumeister), s. Inv. Bayern II, 15, Abb. 75.

19. (1479). Mengen, Kirche: ... diss capell hat gemachet Conrad Beck ... s. III B Nr. 25.

20. (1488). Leezen in Holstein, Kirche, ehemalige hölzerne Deckenstütze: Int iar unses heren mcccclxxxviii do buvetde ik, Hans Dreser, de kerken ... (Inv. Schleswig-Holstein II, S. 365).

21. (1493). Salzwedel, Franziskanerkirche, Schiffspfeiler: Anno domini mccccxciii diu wart se gebraken. Peter Brant, gardian. Simon Breslaw, de murman.

22. (1500). Husum, Alte Marienkirche, Gewölbe: Anno milleno quingenteno dominique haec templi testudo fuit perfecta sacrati Campensis manibus Walteri ... (Inv. Schleswig-Holstein I, S. 455).

23. (1517). Rathenow, Nordportal der Kirche: Maria Anno domini mcccccxvii sc Andreas Andreas Lindemann (Inv. Brandenburg II, 1, S. 179, Abb. 148).

24. (1514). Schwaigern, Kirche: ... Bernardum Sporer opificem ... s. III A Nr. 16.

25. (1521). Quern, Kirche, Gewölbe, gemalt: Anno 1521 is dith welfft gebuwet dörch Peter Lerick (Inv. Schleswig-Holstein I, S. 321).

26. (1561). Henschleben, Kirche: Anno 1561 ist das Gots Haus erbaut. Joachim Wesir Claus Rabe Baumeister (Inv. Prov. Sachsen 6, S. 26).

27. (1731). Steinhausen bei Biberach, Kirche, Empore: Aedificata post virginis partum mdccxxxi, unter der Empore: Dominikus Zimmermann Archit. e Stuckador Landsbergensis.

28. (1734). Lichtenberg in der Oberpfalz, Chor: Anno 1734 ist diser Chorpau geschehen durch mich. J. G. N. (Inv. Bayern II, 21, S. 105).

29. Wies, unter der Empore: Dominikus Zimmermann, Baumeister von Landsberg.

IV. Ausstattung der B.

Die Ausstattung der B. ist meist bescheiden. In der Frühzeit sind es schmucklose Schriftbänder, in der Regel ohne Zierbuchstaben, unter Umständen nur in einer besonders schönen Capitalis gehauen. Nur die Prüfeninger Weiheinschrift von 1149 (s. III C Nr. 6.) ist mit rahmenden Ranken und farbigen Streifen versehen. Erst das späte 13. Jh. stattet die B. reicher aus; eines der ältesten Beispiele ist die vornehme B. am Prebrunnertor in Regensburg, die von einem prachtvollen Löwen bekrönt wird (Abb. 2). Bedeutender sind die Beispiele des 14. Jh., von denen hauptsächlich die Grundsteinlegungsinschrift des Ulmer Münsters (Abb. 6) zu nennen ist: unter der Kreuzigung das Stifterehepaar mit dem Architekturmodell, das auf den Schultern des leitenden Architekten ruht. Um 1390 wird an der Stadtpfarrkirche in Haßfurt eine B. eingelassen, die von der Kreuzigungsgruppe bekrönt wird (III B Nr. 18). Die B. in Moosham (III C Nr. 15) von 1472 steht in Zusammenhang mit dem Stifterbild und einem Ölbergrelief.

Weit häufiger sind in gotischer Zeit B. mit Wappen, so die in Passau (III B Nr. 21), Luhe (III B Nr. 11), Hirschau (III D Nr. 18). Über B. mit Baumeisterbildnis vgl. Sp. 96.

In der Renaissance werden die B. an einigen Orten zu dekorativen Prunkstücken; eine der schönsten ist die der Moritzkirche in Halle an der Saale von 1523 (Abb. 8): Mauritius und Magdalena flankieren das Wappen des Erzbischofs, eine reiche Renaissancedekoration mit Putten dient als Rahmung. Die B. der Franziskanerkirche in Salzwedel werden mit großen Zierbuchstaben und Schnörkelwerk versehen, Putten an den Rand gestellt, so daß die B. gleichsam eine Wandmalerei vertreten. – Die B. des Barock und Klassizismus sind trotz ihrer beherrschenden Stellung an der Attika von Fassaden meistens ohne jeden Schmuck, wirken nur durch den großen Schriftblock oder durch die betonte Anbringung.

Nicht als B. bezeichnen wir Hauszeichen und Hausmarken, die lediglich die Aufgabe haben ein Haus zu „bezeichnen“ (Runenzeichen, Pflanzen, Tiere; „zur Rose“, „zum Bär“). Auch können nicht als B. angesehen werden die häufigen Angaben über Maße und Gewichte, öffentliche Urkunden, Aufforderungen zu Geldspenden zum Bau, Baumeistergrabsteine, obgleich auch sie Schlüsse auf Entstehungszeit und nähere Umstände des Baus zulassen können. In diesem indirekten Sinne finden sich auch Bauinschriften auf Kirchenausstattungsstücken; so ist die Datierungsangabe auf den Hildesheimer Bronzetüren wichtig für den Bau von St. Michael, so findet sich auf dem Taufstein der Kirche von Freckenhorst in Westfalen von 1129 ein Bericht über die 1116 abgebrannte und im Jahre 1129 wieder vollendete Kirche – so enthalten auch häufig Portalbogenfelder und andere Skulpturen Daten, Künstler- und Stifterinschriften, die sichere Rückschlüsse auf den Bauvorgang zulassen.

Zu den Abbildungen

1. Gingen an der Fils, Kirche, B. am Türsturz, 984. Nach Inv. Württemberg, Donaukreis I, S. 123.

2. Regensburg, Prebrunnertor, 1293. Phot. Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege, München.

3. Freiburg i. Br., Münster, Bauinschrift am Chor, 1354. Phot. G. Röbcke, Freiburg.

4. Danzig, St. Marien, Holztafel, A. 16. Jh., mit B. von 1343. Phot. Städt. Kunstslg., Danzig.

5. Herrnsheim, v. Heylscher Park, Schlußstein aus dem Kreuzgang des Wormser Doms, 1514. Marburger Photo.

6. Ulm, Münster, Stifterrelief an der Südarkade des Langhauses, 1377. Phot. Staatl. Bildstelle Berlin.

7. Landshut, St. Martin, Chor. B. mit Schmerzensmann, 1407: „anno domini m 407 in die sancti sebastiani positus est primus lapis operis huius“. Phot. Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege, München.

8. Halle a. Saale, St. Moritz, B. von 1523. Phot. Prov.-Konservator d. Provinz Sachsen, Halle.

9. Ückermünde, Schloß. Gründerrelief mit B. von Hans Schenk-Scheuzlich. Phot. W. v. Seelig, Stettin 10. Stettin, Berliner Tor, Feldseite mit B., 1719. Phot. Pomm. Landesmuseum, Stettin.

11. Mainz-Kastel, Reduitekaserne, Portal 1832. Phot. Prof. E. Neeb, Mainz.

Literatur

1. Otte I, S. 411ff. 2. Kraus I, S. 39ff. 3. Bergner, S. 390ff. 4. Bergner II, S. 567.

Verweise