Basis

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englisch: Base, plinth, basis; französisch: Base, plinthe; italienisch: Base.


Wilhelm Scriba (1937)

RDK I, 1492–1506


RDK I, 1495, Abb. 1. Lorsch, Torhalle, um 800.
RDK I, 1495, Abb. 2. Quedlinburg, Wipertikrypta, um 936.
RDK I, 1495, Abb. 3. Quedlinburg, Heinrichskirche, nach 936.
RDK I, 1495, Abb. 4. Werden, Luciuskirche, um 1000.
RDK I, 1495, Abb. 5. Limburg a. H., um 1045.
RDK I, 1495, Abb. 6. Hildesheim, St. Moritz, um 1068.
RDK I, 1495, Abb. 7. Höchst, um 1100.
RDK I, 1495, Abb. 8. Goslar, Georgenberg, um 1128.
RDK I, 1495, Abb. 9. Ravengiersburg, um 1150.
RDK I, 1497, Abb. 10. Rosheim, um 1150.
RDK I, 1497, Abb. 11. St. Odilien, um 1150.
RDK I, 1497, Abb. 12. Rosheim, um 1150.
RDK I, 1497, Abb. 13. Hildesheim, St. Michael, E. 12. Jh.
RDK I, 1497, Abb. 14. Schlettstadt, St. Fides, E. 12. Jh.
RDK I, 1497, Abb. 15. Chur, Luciusdom, E. 12. Jh.
RDK I, 1497, Abb. 16. Chur, Luciusdom, E. 12. Jh.
RDK I, 1497, Abb. 17. Werden, um 1275.
RDK I, 1497, Abb. 18. Niederweisel, M. 13. Jh.
RDK I, 1497, Abb. 19. Alpirsbach, um 1100.
RDK I, 1497, Abb. 20. Seebach, M. 13. Jh.
RDK I, 1501, Abb. 21. Marburg, Elisabethkirche.
RDK I, 1501, Abb. 22. Marburg, Elisabethkirche.
RDK I, 1501, Abb. 23. Marburg, Elisabethkirche.
RDK I, 1501, Abb. 24. Schwäbisch Gmünd, 1. H. 14. Jh.
RDK I, 1501, Abb. 25. Schwäbisch Gmünd, 2. H. 14. Jh.
RDK I, 1501, Abb. 26. Eßlingen, Frauenkirche, um 1400.
RDK I, 1501, Abb. 27. Mühlhausen, 2. H. 14. Jh.
RDK I, 1501, Abb. 28. Schwäbisch Gmünd, um 1500.
RDK I, 1501, Abb. 29. Eßlingen, 1486.
RDK I, 1505, Abb. 30. Freiburg i. B., 1579.

1. Allgemeines

B. ist der profilierte untere Teil einer runden oder eckigen Stütze, der meistens weiter als sie ausladend als Übergangsglied zur Fußplatte dient. Das statische Bedürfnis, den Druck der Stütze auf eine größere Bodenfläche zu verteilen, erforderte die Fußplatte als Zwischenglied. Dem künstlerischen Bedürfnis, den schroffen Übergang der senkrechten Stütze zur horizontalen Fläche zu mildern, genügte die B., die durch ihre Profilierung die Bewegung nach unten verlangsamte. Das Profil, aus den einfachen Elementen Wulst, Kehle und Plättchen zusammengesetzt, hat seinen Ursprung wohl in der gedrechselten Säule des Holzbaues. Das Material der B. ist das der auch sonst in der Baukunst angewandten Steinarten, am häufigsten Kalkstein und Sandstein. – Nicht einbezogen werden die B. von Ziersäulchen, kleineren Schmuckarkaden und Fenstersäulchen. Diese B. sind auffallend stabil in ihrer Gestaltung und halten ihre Proportionen jahrhundertelang fest.

Bei der Betrachtung der deutschen Denkmäler haben wir es fast ausschließlich mit der attischen B. zu tun. Nur in vereinzelten Fällen finden sich in der Frühzeit B., die in freierer Gestaltung Anklänge an die ionische, korinthische oder komposite B. zeigen. Bemerkenswert ist, daß die deutsche attische B. oft in ihrer äußeren Form, jedoch nicht in ihren Proportionen der klassischen, von Vitruv festgelegten attischen Basis nahe steht.

2. Entwicklung der B. bis zur Gotik

a) allgemeine Darstellung

Die Spätantike, deren Bauten das antike Erbe an das Mittelalter weitergeben, bevorzugt die Form der attischen B. Für die früheste Epoche läßt sich ebensowenig wie für die karolingische Zeit an Hand der wenigen sicher datierbaren Beispiele eine Entwicklung feststellen. Man kann nur sagen, daß bis etwa 900 das Verständnis für die Proportionen und Feinheit klassischer Formen lebendig blieb und sich dann der kräftige und derbere Geschmack eigner Empfindung allmählich durchsetzt.

Die Entwicklung der B. zeigt sich am besten an den Verhältniszahlen ihrer einzelnen Teile zueinander und zu der zugehörigen Säule. Bei der klassischen B. verhält sich die Höhe zur Stärke der Säule wie 1:3. Dieses Verhältnis wird etwa vom A. 11. Jh. bis A. 12. Jh. nur noch in wenigen Beispielen erreicht (Michaelsbasilika bei Heidelberg, Höchst, Corvey, Reichenau-Niederzell), zumal die Stärke der Säulen seit A. 11. Jh. absolut genommen eine bedeutende Zunahme erfährt. Für den Eindruck einer größeren oder kleineren Höhe ist neben dem Verhältnis zum Durchmesser der Säule in erster Linie die größere oder kleinere Ausladung maßgebend. Bei weit ausfließendem unterem Wulst erscheint eine B. niedrig, und eine steile B. mit geringer Ausladung ruft den Eindruck größerer Höhe hervor. Die Ausladung, die bis gegen 1000 ziemlich konstant ist, geht dann bis gegen 1150 (bes. um 1100) immer mehr zurück und nimmt dann bis zum 13. Jh. wieder ständig zu. Dabei nimmt die Höhe im Verhältnis zum Säulendurchmesser von etwa 1000 bis 1100 (am meisten wieder um 1100) ständig ab, obwohl die B. steiler wird, und steigt dann bis zum A. 13. Jh. Eine ähnliche Entwicklung läßt sich bei dem Verhältnis der Höhe zur Ausladung feststellen. Leichter zu übersehen ist die Entwicklung des Stärkeverhältnisses der drei Glieder der B. zueinander. Bis etwa 1100 ist der untere Wulst 1–1½–2mal so stark wie der obere Wulst, um 1100 und nach 1100 bis E. 12. Jh. 1½–2–3mal, von 1200 an etwa 2mal so stark. Die Kehle hat bis etwa zum A. 11. Jh. dieselbe oder auch eine geringere Höhe als der obere Wulst, wird bis zur 2. H. 12. Jh. immer höher als der letztere, um dann wieder an Höhe abzunehmen.

b) Entwicklung

Entwicklungsreihe bis zu den Anfängen der Gotik. Der Pfeilersockel der Lorscher Torhalle (um 800, Abb. 1) zeigt in seiner B. noch die Abhängigkeit von der klassischen Form der Antike. Die B. ist niedrig im Verhältnis zum Durchmesser der Säule. Wulst und Kehle sind halbkreisförmig geschwungen, Kehle und unterer Wulst gleich hoch, der obere Wulst ist nur wenig schwächer. An den Ecken des Pfeilers vermittelt ein sanftes Ausfließen der Form den Übergang zur Fußplatte. Eine der Lorscher noch ganz ähnliche Form hat die B. des Vierungspfeilers der Michaelsbasilika bei Heidelberg (883–91). Von etwa 900 ab wird die B. als Zwischenglied zwischen Schaft und Platte stärker betont; sie wird steiler, d. h. höher im Verhältnis zum Säulendurchmesser, der untere Wulst bei geringer Ausladung dicker als der obere. Diese Wandlung zeigt sich bei den Emporensäulen der Werdener Peterskirche und in der Wipertikrypta in Quedlinburg um 936, wo die Höhe der B. dem Säulendurchmesser gleich ist (Abb. 2). Bei der B. aus der Heinrichskirche in Quedlinburg ist die hohe und starke Kehle auffallend (Abb. 3). Die B. der Luciuskirche in Werden (um 1000) ist schon bedeutend niedriger (Abb. 4). Die Höhen der drei Glieder stehen (von oben nach unten) im Verhältnis 3:4:5. Die Kehle ist steil mit unterem flachen Auslauf. Die bisher größte B. aus dem Langhaus der Abteikirche zu Limburg a. H. (um 1045) hat eine weit ausfließende, fast zierliche Form. Die Glieder nehmen von oben nach unten stetig an Stärke zu. Die ganze Höhe der B. ist gleich der Hälfte des Schaftdurchmessers (Abb. 5). Nach M. 11. Jh. nimmt der untere Wulst an Höhe und Steilheit zu und seine Ausladung geht weiter zurück (S. Moritz in Hildesheim um 1068, Abb. 6). Allen Beispielen dieser Zeit gemeinsam ist die gedrückte, nach unten flach ausfließende Kehle. Gegen 1100 geht der untere Wulst noch weiter zurück. Die Kehle wird steiler und ihre größte Einschnürung liegt in der Mitte. Um 1100 hat die Kehle ihre größte Steilheit erreicht, so daß sie vielfach sogar zum Zylinder wird. Die Ausladung des unteren Wulstes gegen den oberen Wulst ist auf ein Mindestmaß zurückgegangen. Beide Wulste erhalten fast den gleichen Durchmesser. In die Zeit um 1100 gehören z. B. die B. der Unterkirche in Neuweiler i. Elsaß, der Krypta der Pfarrkirche in Bingen, der Justinuskirche in Höchst a. M. (Abb. 7). Hier begegnen wir zum erstenmal dem Schrägschnitt der Plättchen, wie er um dieselbe Zeit auch an Gesims- und Kämpferprofilen auftritt.

Die nun zu betrachtenden B. weisen fast ausnahmslos ein neues wichtiges Zierglied auf, den Ecksporn oder die Eckzier. Wenn man von dem vereinzelten Vorkommen des Ecksporns in der Krypta des Augsburger Doms absieht, deren Entstehung um 1065 keineswegs gesichert ist, so ist sein Auftreten erst von etwa 1100 an festzustellen. Seine Herkunft ist noch nicht geklärt, doch weist die Bemerkung Strzygowskis über die „Eckverbindung“ in Armenien in Zwarthnotz und Ani um 1000 auf östliche Vorbilder. Jedenfalls hatte sich um 1100 der Ecksporn bei uns noch nicht allgemein durchgesetzt, wie die Krypta in Maria-Laach beweist, wo sowohl die eckblattlose B. als auch die Ecksporenbasis zusammen um 1100 vorkommen. Die Einführung des Ecksporen kennzeichnet ein erhöhtes Schmuckbedürfnis und ein Gefühl für abwechslungsreichere Gliederung der Formen. Die von der runden B. auf der Fußplatte abgeschnittenen leeren Dreiecksflächen will man beleben und zugleich eine innigere Verbindung zwischen Platte und B. herstellen. Während der Ecksporn der Frühzeit klein ist und nur bis zur halben Höhe des Unterwulstes wie angeschoben erscheint, wächst er im Laufe der Zeit höher und umklammert schließlich das ganze Wulstprofil. Die vier Eckhülsen (von R. Kautzsch so genannt) werden sogar durch eine flache Kurve miteinander verbunden und verwachsen so mit der Fußplatte, daß die B. wie in einem Polster ruht. Mit dem Auftreten des Ecksporns nimmt nach 1100 der untere Wulst an Stärke zu und hat die Neigung weiter gegen den oberen auszuladen. Die B. auf dem Georgenberg bei Goslar zeigt den Ecksporn als langgestreckte Nase ausgebildet (1128 gew., Abb. 8). Gegen M. 12. Jh. erreicht der Ecksporn die Höhe des Wulstes (Ravengiersburg, Abb. 9).

Um die M. 12. Jh. vollzieht sich eine Änderung in der Form der B. Der Übergang vom Schaft zur B. erfolgt allmählicher. Der obere Wulst wird dünn und wenig ausladend, der untere etwa dreimal so stark und gegen den oberen weit ausladend, so daß das Profil der B. von dem Schaft an langsam abwärts und nach außen drängt. Das „Eckhülsenpolster“ tritt auf und der Ecksporn nimmt freie dekorative Formen an. Bei der B. aus der Heiligkreuzkapelle in S. Odilien i. Elsaß (um 1150) haben sich die Ecksporen in je zwei Hände verwandelt, die aus der Fußplatte herauswachsen und den unteren Wulst festhalten. Die hohe Kehle ist zweieinhalbmal so hoch wie der obere Wulst (Abb. 11). In dieselbe Zeit gehört die B. aus dem Mittelschiff in Rosheim mit „Eckhülsenpolster“ (Abb. 10), während die gegenüberliegende sich viel weicher rundet (Abb. 12). Bei der B. von S. Michael in Hildesheim (E. 12. Jh.) kann man nicht mehr von Eckhülsenpolster sprechen (Abb. 13). Die Ecksporen umklammern hier zum erstenmal fest den ganzen unteren Wulst. Sie sind ein Teil der Platte selbst, und ihre Rückenlinie läuft bis zur Unterkante der Platte. Sie bilden ein Gehäuse, in dem die B. festgehalten wird. Der obere Wulst ist ein dünner Kranz aus Flechtwerk, der durch eine Schnur zusammengehalten wird. Die Sockel- und Pfeilerbasen dieser Zeit wahren, soweit sie nicht durch Halbsäulen gegliedert sind, eine eigene Formgestaltung gegenüber den Säulenbasen und zeichnen sich durch eine reichere Abstufung aus. Die Kehlen haben oft das stehende (nicht mehr schräg liegende) Viertelkreisprofil, das sich bis ins 13. Jh. erhielt.

Gegen E. 12. Jh. macht sich ein erhöhtes Schmuckbedürfnis geltend. An Stelle der Ecksporen die von der Fußplatte ausgingen, treten vielfach lappenartige, dekorierte Gebilde auf, die unter dem Band der Kehle hervorwachsen und sich von oben über den unteren Wulst legen. Verbinden sich diese „Ecklappen“ miteinander, so entstehen „Überzüge“, die von dem Band der Kehle festgehalten werden. An den Ecken sind die. Enden des Überzuges dann wie die Zipfel eines Tuches aufgerollt und bilden Voluten oder einfache Augen (z. T. mit Kugeln gefüllt), so z. B. auf einer Pfeilerbasis von S. Fides in Schlettstadt, wo neben den Überzügen auch Ecklappen vorkommen (Abb. 14). In ganz freier und veränderter Gestalt tritt neben diesen Lappen und Überzügen auch wieder der Ecksporn auf als eiförmiges Gebilde, als wulstig geriefelte Muschel oder in Krallenform (Luciusdom in Chur, um 1200, Abb. 15). Die B. der Eckvorlagen des Domes in Chur sind mit Voluten und Kugeln geschmückt und haben doppelte Wülste (Abb. 16). Gegen und nach 1200 treten vielfach Tierköpfe an den Ecken auf (über das Vorkommen im Elsaß vgl. Kautzsch [5]). Die Frage der Herkunft ist noch nicht geklärt. Auf einigen B. des Domes in Chur kommen ein Widderkopf, ein Löwen- oder Hundekopf und Schlangenköpfe vor. Ecklappen mit Masken finden sich schon früher im Elsaß. Haben diese Tier- und Ungeheuerköpfe in der ersten Zeit noch bescheidene Größen, so entwickeln sich später ganze Ungeheuer daraus (Ludgerikirche in Werden, 1275 gew., Abb. 17).

Um 1200 verschwindet das Eckpolster, und der einfache Sporn bleibt in fester Verbindung mit der Platte bestehen, so daß die B. wie in einem Rahmen steht (Johanniterkirche in Nieder-Weisel, M. 13. Jh., Abb. 18). Das typische, ziemlich steile Profil der B. dieser Zeit mit dem dünnen oberen Wulst, der bandartigen Kehle und dem dicken, im Viertelkreis geschwungenen unteren Wulst zeigt noch einmal der Sockel der Kirche in Seebach bei Dürkheim (Abb. 20).

3. Die gotische B.

Seit dem Aufkommen der Eckzier und durch die geistreiche Spielerei der Übergangsbasen verliert die B. selbst immer mehr von ihrer ursprünglichen Bedeutung. Mit dem weichen Zerfließen des unteren Wulstes seit A. 13. Jh. und der abnehmenden Höhe wird die B. nur noch ein dekoratives Zwischenglied zwischen der Säule und dem Sockel, der, entsprechend an Höhe zunehmend, zum eigentlichen Träger der Säule wird. Auch der einfache Sockel mit dem quadratischen Querschnitt genügt bald nicht mehr; im Refektorium in Maulbronn gibt es 1220 schon den polygonalen Sockel neben dem quadratischen.

Als Übergangsform von der romanischen zur gotischen B. kann man die B. der Pfeiler des Limburger Domes betrachten (1235 Altarweihe). Hier fließt der untere Wulst, mit Ecklappen besetzt, schon vielfach über den Sockel hinaus, aber die niedrige Kehle ist noch nicht unterschnitten und der obere Wulst noch nicht verkümmert. Dagegen hat Maulbronn schon um 1220-25 die gotische B. mit der unterschnittenen rillenartigen Kehle und dem verkümmerten oberen Wulst, während die B. der Vorhalle von Maria-Laach (1220–30) noch zur Limburger Stufe gehören. Später als in Maulbronn finden wir an den ersten „ganz konsequent in gotischen Formen durchgeführten“ (Dehio) Bauten Deutschlands, Trier und Marburg, die Rillenbasis um 1250. Die Entwicklung läßt sich in Marburg (nach Wilhelm-Kästner [6]) von der Vorstufe an verfolgen. So hat die B. im Ost- und Südchor um 1240 (Abb. 21) noch die nicht unterschnittene tiefe Kehle mit scharfer Trennung des oberen vom unteren Wulst, der breit ausladend flach unterschnitten ist. Bei den späteren B. (um 1250 bis etwa 1260, Abb. 22, 23) ist der obere Wulst von dem unteren nur durch eine kleine Rille getrennt und der obere Wulst zusammengeschrumpft. Bis etwa 1275 läuft dann der obere Wulst in den unteren über, und es entsteht ein flach auslaufender Teller. Zugleich mit dieser Entwicklung vollzieht sich der Übergang vom runden zum polygonalen Sockel (vgl. Maulbronn). Die Sockel der Dienste des Marburger Pfeilers (Säulenkern mit vier runden Diensten) steigen mit dem Sockel des Säulenkernes zugleich von unten an auf.

Die spätere Gotik ändert zunächst wenig an der Form der B. Anfangs bilden die B. der Dienste eine gemeinsame, gegen den Sockel des Pfeilers fest abgeschlossene Basis. Dem allgemeinen Streben nach Verschleifung der Glieder folgend verschmilzt dann der Sockel der einzelnen Dienste mit dem Pfeilersockel, der so der Gliederung des Pfeilers folgt und ihn schon vom Boden an aufsteigen läßt (Abb. 27). Während im 13. und 14. Jh. die B. zumeist sehr flach sind, lassen sich seit 1350 Ansätze zu einer neuen plastischen Belebung feststellen. So haben die B. in der Hl. Kreuzkirche in Schwäbisch Gmünd im Langhaus der 1. H. 14. Jh. noch sehr flache Profile (Abb. 24), sind dagegen in der Chorpartie der 2. Jahrhunderthälfte (Abb. 25) steiler mit zwei ausgeprägten Wulstringen und tiefer Kehle. Eine ähnliche Entwicklung zeigen die B. in der Frauenkirche in Eßlingen, wo wiederum die B. an der inneren Westwand (um 1400, Abb. 26), die höheren, kräftigsten und plastischsten Profil aufweisen. Wie eine Aufnahme romanischer Formen mutet nahezu die B. mit Wülsten aus sich kreuzenden Aststäben in der Sebald-Schreyer-Kapelle der Hl. Kreuzkirche in Schwäbisch Gmünd (Abb. 28) an. In der Regel wird die B. aber soviel wie irgend möglich reduziert. Der Pfeiler sitzt mit seinen Diensten stumpf auf dem Sockel auf oder er wächst ohne Sockel unmittelbar aus dem Boden hervor. Daneben entwickelt sich die B., namentlich im 15. Jh., zu einem komplizierten Zierglied, das sich in gesucht schwierigen Steinschnitten zur Schau stellt (Maulbronn, Altarbaldachin, um 1500; Eßlingen, Lettner der Dionyskirche, 1486, Abb. 29).

4. Entwicklung der B. bis 1800

Seit dem Beginn des 16. Jh. macht sich der Einfluß der italienischen Renaissance in Deutschland geltend (Abb. 30). Obwohl sich die Theoretiker wie Blum, Rivius u. a. (s. Sp. 959ff.) seit etwa 1550 bemühen, die sog. fünf Säulenordnungen in vorgeschriebenen zahlenmäßigen Proportionen festzulegen, ist ihr Einfluß auf die Architektur doch nur gering. Ihre Entwürfe, die an Phantasie alle von Wendel Dietterlin übertroffen werden, zeigen die spielerische Erfindungsgabe der Zeit. Bei den von der Hochrenaissance bevorzugten Formen der Säulen tritt die B. hinter dem gewichtigen Postament ebenso zurück, wie bei den rein dekorativen Säulengebilden, z. B. den Kandelabersäulen der Frühzeit. Die freie und malerische Behandlung der in ihrer Vielheit unübersehbaren Formen läßt die Darstellung der Entwicklung einer Einzelform, wie der Basis, für diese Zeit fast aussichtslos erscheinen. Gegen Ende des Jh. tritt dann unter dem Einfluß des italienischen Klassizismus (Palladio) eine Vereinfachung der Formen und Abkehr von dem dekorativen Überschwang ein (Elias Holl).

Die Zeit nach dem 30jährigen Kriege bringt in Deutschland zunächst einen größeren Einfluß Italiens und der Niederlande auf die deutsche Baukunst und bevorzugt inmitten der sich immer schrankenloser gebärdenden barocken Formenwelt die klassischen Bildungen bei den Gliedern der Säulen und Pfeiler. Die Theorien eines Sandrart und Sturm und deren Tendenz, „Freiheit und Regel in eins zu verschmelzen“ (Hauttmann), werden überholt von dem schöpferischen Schwung und der Schaffenskraft der Barockkunst.

Im 18. Jh. bewahrt die B. im allgemeinen die attische Form auch in den freien, nicht klassischen Gliederungen und wird im Klassizismus wieder ein vollwertiges Glied antiker Säulenordnungen.

Zu den Abbildungen

1. Lorsch, Torhalle, Pfeilersockel, um 800. Phot. Verf.

2. Quedlinburg, Wipertikrypta, um 936. Phot. Verf.

3. Quedlinburg, Heinrichskirche, südl. Seitenhalle, nach 936. Phot. Verf.

4. Werden, Luciuskirche, um 1000. Phot. Verf.

5. Limburg a. H., Abteikirche, Langhaus, um 1045. Phot. Verf.

6. Hildesheim, St. Moritz, um 1068. Phot. Verf.

7. Höchst, St. Justinus, um 1100. Phot. Verf.

8. Goslar, Augustinerkirche auf dem Georgenberg, um 1128. Phot. Verf.

9. Ravengiersburg, Klosterkirche, M. 12. Jh. Phot. Verf.

10. Rosheim i. E., St. Peter u. Paul, Mittelschiff, um 1150. Phot. Verf.

11. St. Odilien i. E., Hl. Kreuzkapelle, um 1150. Phot. Verf.

12. Rosheim i. E., St. Peter u. Paul, Mittelschiff, um 1150. Phot. Verf.

13. Hildesheim, St. Michael, E. 12. Jh. Phot. Verf.

14. Schlettstadt, St. Fides, E. 12. Jh. Phot. Verf.

15. u. 16. Chur, Luciusdom, E. 12. Jh. Phot. Verf.

17. Werden, Ludgerikirche, um 1275. Phot. Verf.

18. Niederweisel, Johanniterkirche, M. 13. Jh. Phot. Verf.

19. Alpirsbach, Klosterkirche, Langhaus, um 1100. Phot. Th. Beßler, Alpirsbach.

20. Seebach (Pfalz), Klosterkirche, M. 13. Jh. Phot. Verf.

21. Marburg, Elisabethkirche, Ostchor, nach 1235. Marburger Photo.

22. ebendort, Nordkonche, um 1250. Marburger Photo.

23. ebendort, Langhaus, Nordarkade, nach 1255. Marburger Photo.

24. Schwäbisch Gmünd, Heiligkreuzkirche, südliche Langhauswand, 1. H. 14. Jh. Phot. Dr. H. Wentzel, Stuttgart.

25. ebendort, Chor, seit 1351. Phot. Dr. H. Wentzel, Stuttgart.

26. Eßlingen, Frauenkirche, innere Westwand, um 1400. Phot. Dr. H. Wentzel, Stuttgart.

27. Mühlhausen (Prov. Sachsen), St. Marien, 2. H. 14. Jh. Phot. Staatl. Bildstelle Berlin.

28. Schwäbisch Gmünd, Heiligkreuzkirche, Sebalduskapelle um 1500. Phot. Dr. H. Wentzel, Stuttgart.

29. Eßlingen, St. Dionys, Lettner, 1486. Phot. Dr. H. Wentzel, Stuttgart.

30. Freiburg i. B., Münster, ehem. Lettner, 1579. Phot. G. Röbcke, Freiburg.

Literatur

Theoretiker des 16.–18. Jh. s. Architekturtheorie Sp. 959ff. Die Entwicklungsgeschichte der B. ist nur vereinzelt angedeutet in den Handbüchern und in Monographien über einzelne Baudenkmäler, besonders in 1. Viollet-le-Duc, Architecture 2, S. 125ff. 2. M. Hasak, Einzelheiten des Kirchenbaus, Hdb. d. Architektur II, 4. Bd. 4. Heft, Stuttgart 1903, S. 19ff. 3. Robert Dohme, Gesch. d. deutschen Baukunst, Berlin o. J. 4. Rud. Kautzsch-E. Neeb, Der Dom zu Mainz, Darmstadt 1919. 5. R. Kautzsch, Romanische Kirchen im Elsaß, Freiburg 1927. 6. Kurt Wilhelm-Kästner, Die Architektur der Elisabethkirche zu Marburg, Marburg 1924. 7. W. Scriba, Der karolingisch-romanische Bau der Justinuskirche in Höchst a. M., Frankfurt a. M. 1930.

Verweise