Bartmannskrug

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englisch: Bellarmine, d'Alva bottle, greybeard; französisch: Cruche en grès à décor d'homme barbu, cruche à visage; italienisch: Boccale adorno di una testa barbuta.


Alice Bethe-Kränzner (1937)

RDK I, 1478–1479


RDK I, 1479, Bartmannskrug. Köln, um 1525.

Henkelkrug aus rheinischem Steinzeug mit aufgelegter Maske eines langbärtigen Mannes am Hals des Gefäßes. Der Typus wird von Kölner Krugbäckern in der 1. H. 16. Jh. ausgebildet und in änderen rheinischen Werkstätten: in Frechen, Siegburg, Raeren bis zum 18. Jh. nachgeahmt. Als Vorstufe sind Krüge und Trichterbecher des 15. Jh. mit primitiven gekneteten Gesichtern anzusehen.

Die Form und Ausschmückung der Gefäße sowie die Masken selbst sind in den einzelnen Werkstätten verschieden, wenngleich sich bei dem häufigen Hin- und Herwandern der Töpfer Formen und Zierarten der einen Werkstatt auch in der anderen finden. Fast alle Werkstätten stellen sowohl kugel- als birnenförmige Krüge her. Der Bart wird mannigfaltig behandelt: geflochten, gelockt, in Spiralen oder Zapfen angeordnet oder in dünnen Strähnen flach ausgekämmt; immer wird ein schöner männlicher Kopf erstrebt, der erst bei den späteren Krügen nach 1600 in eine stilisierte Fratze entartet.

Der Gefäßkörper wird mit verschiedenartigem Schmuck ausgestattet. Die Kölner „Werkstatt an der Maximinenstr.“ (ca. 1520–40) überspannt die ganze Fläche mit Eicheln-, Disteln- oder Rosenranken (Abb.). Die Werkstatt Hermann Wolters in der Komödienstr. (ca. 1550–70) bringt Kugelkrüge, dicht mit Rosetten oder Traubennoppen besetzt, vor allem aber – eben so wie Frechen (ca. M. 16. Jh. bis A. 18. Jh.) – birnenförmige Krüge, um deren Bauch sich ein Fries zieht, der bei Köln mit Ranken oder Grotesken, bei Frechen mit einem Spruch gefüllt ist, darüber und darunter Rundbilder und Akanthusblätter. Die späteren Frechener Krüge zeigen nur noch einzelne runde oder ovale Beläge. Für die Werkstatt Anno Knütgens (ca. 1570–90) in Siegburg sind zwei schräg über die Schulter gelegte, ornamentgefüllte Streifen charakteristisch, die sich auf dem Bauch des Gefäßes treffen. In Raeren, wo seit dem 2. V. 16. Jh. B. unter Kölner Einfluß hergestellt werden, schafft von 1570 ab Jan Emens stattliche Krüge nach Frechener und Siegburger Vorbild.

Zur Abbildung

Hamburg, Mus. f. K. u. Gew., Bartmannskrug mit Eichenranken. Steinzeug mit Zinnbeschlag, Höhe 16 cm, kölnisch um 1525. Phot. Mus.

Literatur

1. Otto v. Falke, Das rheinische Steinzeug I u. II, Berlin o. J. (1908). 2. Karl Koetschau, Rheinisches Steinzeug, München 1924.

Verweise