Barett

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englisch: Barret; französisch: Béret, barrette; italienisch: Berretta, berrettone.


Wolfgang Bruhn (1937)

RDK I, 1450–1451


RDK I, 1451, Abb. 1. Hans Holbein d. Ä., um 1515.
RDK I, 1451, Abb. 2. Albrecht Dürer, 1522.
RDK I, 1451, Abb. 3. Holzschnitt, um 1520/30.
RDK I, 1451, Abb. 4. Bildnis Karls V., um 1540.
RDK I, 1451, Abb. 5. Hans Brosamer, um 1525.

Barett (Barrett, Biret, Pirett, mittelalt. biretum), spezifisch deutsche flache, mützenartige Kopfbedeckung aus Samt, Seide oder Tuch für Männer und Frauen vom Ende des 15. bis zur Mitte des 16. Jh. (Geiler von Kaisersberg: „Es gan jetzt Frauen wie der Man und hant Barettin mit Hahnenfederlin“). Das B., ursprünglich aus der gesteiften Mütze des 12.–14. Jh. mit rundem Kopf und aufrecht stehendem handbreiten Rande entstanden, besteht aus rundem Kopf und verschieden gestalteter, in zwei Hälften zerfallender Krempe (Abb. 1 u. 2). Diese kann hoch- oder heruntergeklappt getragen werden und ist häufig mit Schlitzen versehen (Abb. 2), die von gepufftem Band oder Metallstiften oder -hefteln zusammengehalten werden. Bei festlichen Gelegenheiten, insbesondere aber in der üppigen Landsknechtstracht, ziert reicher Federschmuck das B. (Abb. 3). Der Stoff ist oft reich gemustert (Abb. 5) und mit Kleinodien, Medaillen, Perlschnüren u. dgl. verziert. Mit der spanischen Mode um die Mitte des 16. Jh. wird der Kopf des B. kleiner (Abb. 4); die Krempe wird schmäler und fällt schließlich fort. In dieser Form (Tocque genannt) ist das B. noch heute als Amtstracht (Richter, Geistliche, Hochschulprofessoren) erhalten. Die Abb. lassen deutlich die Entwicklung der B.-Form aus der mützenartigen Kopfbedeckung der Frühzeit über die ganz flache tellerartige Bildung bis zur spanischen zusammengeschrumpften Form verfolgen. Unter dem B. wird meist eine enge, gewirkte oder netzartige Haarhaube getragen, die sog. Kalotte, beiden Geschlechtern gemeinsam (Abb. 2 u. 5).

Zu den Abbildungen

1. Hans Holbein d. Ä., Bildnis des Hans Harwien, Handzeichnung um 1515. Basel, Mus. Nach E. His.

2. Albrecht Dürer, Bildnis des Kaiserl. Rats Ulrich Varnbühler, Holzschnitt 1522.

3. Holzschnitt, Art des Breu, um 1520/30.

4. Bildnis Karls V., Holzschnitt, um 1540.

5. Bildnis der Landgräfin Christine von Hessen. Holzschnitt von Hans Brosamer, um 1525.

Literatur

1. Joh. Georg Krünitz, Ökonom. Encyklopädie III, Berlin 1872. 2. C. A. Regnet, Der Frauenhut, Ill. Frauenzeitung vom 3. 3. 1897 (Berlin, Verlag Lipperheide). 3. O. Timidior, Der Hut und seine Gesch., Wien und Leipzig o. J. (1915). 4. Wolfg. Bruhn, Der Hut und seine Gesch., in: Der Filzhut, seine Gesch. und Herstellung, Berlin 1936. – S. a. Kopfbedeckung und Kostüm.