Balläster

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englisch: Arbalest; französisch: Baliste; italienisch: Balestra a pallottole.


Paul Post (1937)

RDK I, 1423–1425


RDK I, 1423, Abb. 1. Italienische Balläster, 2. H. 16. Jh.
RDK I, 1425, Abb. 2. Deutsche Balläster, 17. Jh.

Balläster (von fr. balliste=Kugelwurfgeschütz) ist eine Spielart der Armbrust (Sp. 1058ff.) zum Schleudern von Kugeln auf der Jagd gegen Vogelwild. Die ältere, schon zu Beginn des 16. Jh. aufkommende italienische B. (Abb. 1) wird gekennzeichnet durch die starke Ausbiegung der Säule zwischen Stahlbogen und Abzug, die dem Aufschlagen der vorschnellenden Sehne mit der Kugel vorbeugen soll. Die Kugel nimmt ein netzartiger Beutel inmitten der Sehne auf, der sich in sinnvoller Weise beim Spannen schließt und beim Vorschnellen öffnet. Die Abzugsvorrichtung ist abweichend von der Armbrust in Eisen gebildet, und an die Stelle der Armbrustnuß tritt ein beweglicher und feststellbarer Haken. – Bei der derber gebauten deutschen B. aus dem 17. und 18. Jh. (Abb. 2) ist die ganze Säule von Eisen und vereinigt Spann- und Abzugsvorrichtung, nur der hinten aufgeschobene Kolben ist von Holz. Die hebelförmige Spannvorrichtung, vorn durch ein Gelenk mit der Säule verbunden, enthält zugleich die wiederum hakenförmige Nuß und die Abzugsvorrichtung. Durch Hoch- und Vorwärtsbewegen des Hebels wird der Haken an die Sehne herangebracht und ergreift sie. Alsdann wird der Hebel zurückgezogen, niedergelegt, vermittels einer ringförmigen Feder festgestellt: Die B. ist gespannt. Als Korn dient bei der B. vorn zwischen den Zinken einer aufklappbaren Gabel, dem „Schiff“, eine auf einen Faden aufgezogene kleine Kugel. In gleicher Höhe ist hinter der Nuß das aufklappbare Visier, der sog. Stuhl, angebracht. Die italienische B. ist an ihrem Schaft gern Gegenstand reicher künstlerischer Schnitzarbeit mit wiederkehrenden Motiven.

Zu den Abbildungen

1. Italienische Balläster. Birnbaumholz, 2. H. 16. Jh. Faden mit Kugel vorn am Schiff abhanden. Berlin, Zeughaus. Phot. Mus.

2. Deutsche Balläster, 17. Jh. Zielvorrichtung wie bei Abb. 1 unvollständig. Berlin, Priv. Bes. Phot. Verf.

Literatur

W. Boeheim, Handbuch der Waffenkunde, Leipzig 1890, S. 405, 417, 419, 420.