Büchsenmeister

Aus RDK Labor
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englisch: Gunner; französisch: Armurier, artilleur; italienisch: Artigliere.


Paul Post (1950)

RDK III, 35–36


Mit dem Namen der deutschen B. verknüpft sich der Ruhm der Ausbildung und Entwicklung der frühesten Pulvergeschütze im Abendland. Der Zeitpunkt ihres Auftretens bleibt mit dem Aufkommen von Pulvergeschützen in Europa, vermutlich noch im 13. Jh., einstweilen in Dunkel gehüllt. Erst im letzten Drittel des 14. Jh. tauchen in Süddeutschland, am Rhein und in Österreich Namen von festumreißbaren Persönlichkeiten auf, die im Dienste von Fürsten und Städten, hochgeachtet und umworben, Büchsen, wie damals für Geschütze kleinsten und größten Ausmaßes der Sammelbegriff lautete, lieferten und zugleich die artilleristische Bedienung im Felde überwachten und leiteten. Soweit die Büchsen aus Bronze gegossen wurden – und das dürfte die Mehrzahl gewesen sein –, gingen die B. vermutlich aus den Reihen der Glockengießer hervor, und noch weit in die Neuzeit sehen wir Geschütz- und Glockenguß aus der gleichen Gießhütte kommen. Indessen der größte Teil erhaltener Büchsen des 14. und 15. Jh. ist aus Eisen geschmiedet, gelegentlich auch gegossen, und setzt hohe Kenntnisse und Fertigkeit voraus, die nur am Schmiedeherd erlernt sein können. Beider, gegossener wie geschmiedeter Büchsen, bemächtigt sich alsbald unter der Hand des B. die künstlerische Gestaltungsfreude des ausgehenden MA. Mit dem Vorwiegen des Geschützgusses in Bronze und Eisen seit dem 16. Jh. löst bei der Fertigung der Name des Geschützgießers (s. Bronze, Bronzeguß, Bronzeplastik, RDK II, Sp. 1182ff.) den des B. ab, der sich nur noch in seiner artilleristischen Funktion beim Heer, hier allerdings noch bis ins 17. Jh., behauptet.

Literatur

1. Wendelin Boeheim, Hdb. der Waffenkunde, Leipzig 1890. 2. Herb. Klein, Die Salzburgischen Büchsenmeister des 14. Jahrhunderts, Zs. f. hist. Waffen- u. Kostümkunde N. F. 6, 1937 bis 1939, S. 141ff. 3. Otto Johannsen, Deutsche Büchsenmeister als Lehrmeister im Ausland, Technik-Geschichte 27, 1938, S. 1ff.