Büchsenmacher

Aus RDK Labor
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englisch: Gun-maker; französisch: Armurier; italienisch: Armaiolo.


Paul Post (1950)

RDK III, 35


Unter diesem Namen erscheint seit Ausbildung und Vervollkommnung der Handfeuerwaffen, also spätestens seit dem 16. Jh., das Schmiedehandwerk, dem der Hauptanteil an der Fertigung von Schußwaffen jeder Art, Gewehr, Büchse, Karabiner, Faustrohr und Pistole, zufällt, außerdem das Einschießen und der Vertrieb. Denn mit dem schnellen Anschwellen des Bedarfs, der Produktion und technischen Verfeinerung tritt alsbald auch eine Arbeitsteilung ein. Dem B. liegt die Fertigung des Schloßmechanismus und der Beschläge, gen. Garnitur, ob, ferner die Zusammensetzung der Waffe, zu der der Büchsenschäfter (Sp. 41) den Schaft, der Laufschmied den Lauf liefert. Mit den wachsenden Ansprüchen an eine luxuriöse, künstlerische Ausstattung, die namentlich an Pirschbüchsen und Reiterpistolen gestellt werden, erhebt sich das deutsche B.-Handwerk zu hoher, weit über Deutschlands Grenzen geschätzter Meisterschaft, insbesondere auch im Eisenschnitt und in der Gravur, deren Glanzzeit in die 2. H. 17. und ins 18. Jh. fällt. Hauptzentren der Produktion und des Vertriebs sind in Süddeutschland und Österreich Nürnberg, München, Augsburg, Regensburg, Prag und Wien, in Mitteldeutschland Suhl, geknüpft an klangvolle Namen von B.-Familien, die durch viele, oft über Jahrhunderte reichende Generationen ihren Ruf aufrechterhalten. Eine beachtliche handwerkliche Tradition im Eisenschnitt und in der Gravur hält sich hier noch bis tief ins 19. Jh.

Spätestens im 16. Jh. schließen sich die B. zunftmäßig zusammen mit örtlicher Beschau (RDK II, Sp. 307ff.). So führt fast jede Schußwaffe ihre Beschaumarke, und seit dem 17. Jh. fehlen hier, namentlich bei Jagdschußwaffen und Reiterpistolen, neben oder statt der Meistermarke selten Name und Ort des B., der schließlich Firmencharakter gewinnt.

Literatur

1. Wendelin Boeheim, Hdb. der Waffenkunde, Leipzig 1890. 2. Hans Stöcklein, Meister des Eisenschnittes, Eßlingen 1922. 3. Joh. Støckel, Haandskydevaabens Bedommelse, 1 u. 2, Kopenhagen 1940 u. 1943.