Aurifrisium (Auriphrygium)

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englisch: Gold embroidery, orphrey; französisch: Orfroi; italienisch: Aurifrisium, fascio d'oro tessuto, ricamo d'oro.


Joseph Braun, S.J. (1937)

RDK I, 1280–1282


RDK I, 1279, Abb. 1. Halberstadt, Domschatz, um 1200.
RDK I, 1281, Abb. 2. Regensburg, St. Emmeram, 12. Jh.
RDK I, 1281, Abb. 3. Salzburg, St. Peter, 13. Jh.

Aurifrisium (Auriphrygium), mittelalterl. Bezeichnung für einen streifenförmigen,bald schmäleren, bald breiteren Besatz, der Gewändern, Decken, Behängen u. ä. als Schmuck aufgenäht ist oder als zierende Saumeinfassung dient (s. Borte), im Liber Pontifkalis chrysoclavus, ein lateinisch-griechisches Wort, anderswo auch lista und urna (von ornatura) genannt (wie Chron. Cas. 1. 2, c. 43; 1. 3, c. 78; M. 173, 635, 735). Parura hieß das A., mit dem man Amikt und Albe zu verzieren pflegte (Abb. 1). Die Bezeichnung aurifrisium, zusammengesetzt aus aurum und frisium (frisum), tritt zuerst in schriftlichen Quellen des 11. Jh. auf, während der 2. Teil des Wortes im Sinn von Zierbesatz schon 870 im Inventar von St. Trond vorkommt. Als gleichbedeutend begegnet uns, und zwar schon im 11. Jh., auriphrigium, aus aurum und phrygium, aurifrigium, und das bloße Phrygium (frigium), sowie im 12. und 13. Jh. als Mittelbildung auch aurifrixium (und frixium). Frisium (frisum), italienisch noch jetzt fregio, ist wahrscheinlich von phrygium, mit dem man schon in klassischer Zeit eine Goldstickerei bezeichnete, abzuleiten und eine verderbte Form desselben. Seit dem 13. Jh. überwog die leichter auszusprechende Bezeichnung aurifrisium (frisium).

Bezeichnet wurden mit A. ursprünglich wohl nur die mit Goldfäden – Fäden aus Seide, die bis ins 12. Jh. mit reinem Goldlahn, einem dünnen goldenen Goldriemchen, dann auch mit vergoldetem Silberlahn, einem dünnen vergoldeten Silberriemchen, oder mit Häutchengold, einem vergoldeten Darmhäutchen, umwunden waren – hergestellten Besatzstreifen, seit dem 13. Jh. aber überhaupt jeder Zierbesatz, auch ein rein seidener, sowie mit Perlen, Edelsteinen, Emailplättchen oder gestanzten Zierplättchen aus vergoldetem Silber oder Kupfer besetzter. Was es an A. aus der Zeit vor dem 13. Jh. noch gibt, ist zumeist gewebt. Das älteste mit Stickereien, Brustbildern in Seide auf Goldgrund, verzierte A. hat sich im Mus. zu Ravenna als Überrest einer Altarbekleidung des 10. Jh. erhalten. Im späten Mittelalter wurden die A. vornehmlich in Stickerei hergestellt. Von italienischen gewebten Gold- und Seiden-A. waren damals besonders die Luccheser, Venezianer und etwas später die Florentiner berühmt, von nichtitalienischen im 15. Jh. die teils nur in Seide, teils in Seide und Häutchengold mit Leinenkette gewebten sog. „Kölner Borten“. Die Gold-A. des 10.–12. Jh. waren wohl zumeist Import aus dem Osten und aus Sizilien. Verwendet wurden die A., wenn auch nicht ausschließlich, doch vornehmlich zur Verzierung der liturgischen Paramente (Abb. 1–3), besonders des Amikts, der Albe, der Kasel, des Pluviales, der Dalmatik, bei der sie an die Stelle der alten clavi traten, sowie der Altarbekleidung. Erhalten hat sich die Bezeichnung A. in dem französischen orfroi.

Zu den Abbildungen

1. Halberstadt, Domschatz, gesticktes Amiktaurifrisium, um 1200. Phot. Verf.

2. Regensburg, St. Emmeram. Glockenkasel (sog. Wolfgangskasel) mit Aurifrisien, 12. Jh. Phot. Verf.

3. Salzburg, Stift St. Peter. Mitra mit Aurifrisium in circulo et titulo. Nach 1231, Stoff 12. Jh. Phot. Verf.

Literatur

1. Du Cange I S. 487 (aurifrigia), III S. 612 (frisium), VI S. 306 (phrygium), dessen Angaben jedoch z. T. einer Korrektur und für die spätere Zeit einer Ergänzung aus den Inventaren bedürfen. 2. Jos. Braun, Die liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit, Freiburg i. Br. 1924, S. 34. 3. Ders., Die liturg. Gewandung im Occident und Orient, Freiburg i. Br. 1907, S. 36, 81, 470. 4. Viollet-le-Duc, Mobilier IV S. 149f.