Augustus

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Augustus; französisch: Auguste; italienisch: Augusto.


Johannes Bolten (1937)

RDK I, 1268–1276


RDK I, 1269, Abb. 1. Liber Floridus, 1. H. 12. Jh. Gent.
RDK I, 1271, Abb. 2. Deutsche Zeichnung, um 1400. Frankfurt a. M.
RDK I, 1271, Abb. 3. Meister E. S., Kupferstich L. 191.
RDK I, 1273, Abb. 4. Heinr. Douvermann, 1518–21, Kalkar.

I. A. in der mittelalterl. Kunst

Die Bedeutung des A. für die mittelalterliche Kunst beruht in der Frühzeit vor allem auf Luc. 2, 1. „In jenen Tagen erging vom Kaiser A. ein Befehl, das ganze Weltreich aufzuschreiben.“ Vom 11. Jh. an finden wir als Illustrierung dieses Textes den Kaiser dargestellt, wie er thronend – oft umgeben von Fürsten, Schreibern und Boten – das Zählungsedikt erläßt; so z. B. in dem um 1030 geschriebenen Regensburger Perikopenbuch (clm. 15713, Bl. 3 r; [10 Taf. 16; 11 Taf. 23 Abb. 57]), in dem von St. Erentrud (clm. 15903 Bl. 7; [12 Taf. 50 Abb. 155]), im Utakodex (clm. 13601; [11 S. 102 Abb. 36]), in der Hs. des Priesters Wernher von 1172 (Berlin, Staatsbibl., Ms. germ. oct. 109; [14 S. 148]), im Würzburger Perikopenbuch um 1250 (clm. 23256 fol. 2 [13 S. 156, Taf. 181, 989]). Die Apokryphen führen den biblischen Bericht von der Schätzung des römischen Weltreiches weiter und berichten, wie der Kaiser A. zur Zeit der Geburt Christi seinen Vasallen und Völkern ewigen Frieden gebot, wie er in der Geburtsnacht den Befehl gab, die Gefangenen zu befreien und die Frevler zu töten. Illustriert finden wir diese Legende schon in den Liedern des Priesters Wernher von der Magd [14 S. 186ff.]. Der Typus der genannten Darstellungen unterscheidet sich nicht von den zeitgenössischen repräsentativen Herrscherbildnissen.

Als Vertreter der Heidenwelt erscheint A. in zahlreichen Chroniken und sonstigen Geschichtsbüchern im Verein mit andern Kaisern und Fürsten (Weltchronik Ottos von Freising für Friedrich I. im Cod. Jenensis Bose qu. 6, fol. 386 [15 Taf. 4]; Liber floridus in der Genter Univ.-Bibl. Ms. 92, 12. Jh. (Abb. 1); Kölner Königschronik von St. Pantaleon um 1197, Wolfenbüttel, Landesbibl., Aug. 74, 4 [13 S. 16, Taf. 1, 5]; Kölner Königschronik, kurz nach 1238, Brüssel, Bibl. Roy., Ms. 4609 (467) fol. 2 [13 S. 90, Taf. 12, 49]; Loccumer Erzählungen, 15. Jh. [16 S. 17]. In ähnlicher Bedeutung war A. vielleicht schon in dem unter Ludwig dem Frommen ausgeführten Gemäldezyklus im Kaiserpalast zu Ingelheim dargestellt (Clemen, Rom. Mon. Mal. S. 747). Im Belial, dem merkwürdigen Buch des Jacobus Palladinus de Teramo (1382), das auch der Prozeß des Lucifer gegen Jesus Christus genannt wurde, tritt A. auf die Seite Belials, des Sachwalters des Teufels. Der lat. Belial wurde im 15. Jh. ins Deutsche übertragen und erlebte bis ins 18. Jh. hinein viele Auflagen. In den illustrierten Ausgaben wird A. bärtig dargestellt, mit einer Krone auf dem Haupt, gewöhnlich in Beratung mit Isaias, Jeremias und Aristoteles (München, cgm. 48; Berlin, ms. germ. fol. 657, Bl. 43 r; [17 Taf. 16 Abb. 30]). Zu erwähnen sind sodann die mittelalterlichen Darstellungen von den 4 großen Tieren mit den königlichen Reitern (Daniel c. 7) als den Vertretern der 4 Weltreiche des Altertums, die dem Reiche Christi vorangingen. Vielfach wird einer dieser Reiter als A. gedeutet, so auch in dem Malerbuch vom Berge Athos [18 S. 139]; hier wird der königliche Reiter auf dem schwarzen Löwen mit den 10 Hörnern als A. bezeichnet. In der deutschen Kunst finden wir im 12. Jh. die erwähnte Darstellung in Schwarzrheindorf, in der 1. H. 13. Jh. am Karner zu Hartberg in Steiermark, als plastischen Schmuck am Regensburger Dom, Anf. 15. Jh. [19]; vgl. Sauer 422f. und Molsdorf, Symbolik 1148. Auch an der Decke von St. Emmeram waren nach den von Endres [20] mitgeteilten Tituli die 4 königlichen Reiter dargestellt.

II. A. und die (tiburtinische) Sibylle

Mit der Vorliebe des Mittelalters für apokryphe und legendäre Erzählungen mag es zusammenhängen, daß A. auf Grund eines legendarischen Berichtes in Verbindung mit der tiburtinischen Sibylle gebracht wurde. Die Wurzeln dieser Erzählung liegen in der byzantinischen Geschichtsschreibung des 6. Jh. Sie berichtet, A. habe die Pythia nach dem Namen seines Nachfolgers gefragt. Nach anfänglichem Schweigen habe ihm die Seherin die Herrschaft des Sohnes Gottes offenbart. A. habe sodann auf dem Kapitol einen Altar errichtet mit der Inschrift: haec est ara primogeniti dei. Die mittelalterlichen Schriftsteller – als erster nach Ansicht der Mehrzahl der Forscher Gottfried von Viterbo in seinem Speculum regum (M. G. H. SS. 12 S. 69), nach anderen die Mirabilia Romae – haben die Legende übernommen, wobei sie an die Stelle der Pythia eine von den Sibyllen treten ließen, die dem Mittelalter als historische, gottbegnadete Persönlichkeiten galten. Eigentliches Volksgut wurde dieser Bericht aber erst durch die Aufnahme in die Legenda aurea. Allerdings nennt auch sie noch keine bestimmte Sibylle. Erst Martianus Polanus (2. H. 13. Jh.) ersetzt in seiner Chronik (M.G.H. SS. 22 S. 443) die Pythia durch die tiburtinische Sibylle. Diese weissagte nach der Meinung des Mittelalters, daß zu der Zeit, da der Ochs (= Kaiser A.) regiert, der Friedensfürst geboren werde.

Die Erzählung von A. und der tiburtinischen Sibylle begegnet uns entsprechend der vielfachen literarischen Verwertung auch in der bildenden Kunst. Wie dem Mittelalter die Legende durch Italien zugeleitet wurde, so treffen wir auch die ersten bildlichen Darstellungen dort an. A., der kniend zur sitzenden Gottesmutter hinblickt, war angeblich schon am Ende des 12. Jh. auf einem Marmoraltar in Ara coeli auf dem Kapitol dargestellt (Muratori, Antiquitates 3, Fig. 1 nach Sp. 880). Die Pythia bzw. die Sibylle ist hier noch nicht mit dargestellt. Die erste bekannte Darstellung des A. mit der Sibylle befindet sich nach Muratori (a. a. O.) in einer Hs. von 1285 in der Estensischen Bibliothek. Ihr folgte ein Fresko von P. Cavallini (1250–1330) in der unter Pius IV. (1559–65) zerstörten Tribuna von Ara coeli. Nach der Abbildung bei Muratori (a. a. O. Fig. 2) standen links A. und rechts die Sibylle vor einer Architektur und zeigten auf die über ihnen thronende Madonna.

Während die Legenda aurea für die literarische Verbreitung des Themas sorgte, waren es vor allem die zahlreichen illustrierten Ausgaben des Speculum humanae salvationis, welche die Komposition zum Allgemeingut gerade der deutschen Kunst machten. Die Stelle, die sich mit A. und der Sibylle befaßt, lautet nach Lutz-Perdrizet [8]:

Circa idem tempus Octavianus toti orbi dominabatur
Et ideo a Romanis tamquam deus reputabatur.
Ipse autem Sibyllam prophetissimam consulebat,
Si in mundo aliquis eo major futurus erat.
Eodem die quando Christus in Judaea nascebatur,
Sibylla Romae circulum aureum juxta solem contemplabatur.
In circulo illo virgo pulcherrima residebat,
Quae puerum speciosissimum in gremio gerebat.
Quod illa Caesari Octaviano monstravit
Et regem potentiorem ipso natum esse intimavit.

Edgar Breitenbach [7] stellt bei der Illustrierung dieses Textes folgende Entwicklung fest: Die Mehrzahl der Hss. zeigt A. und die Sibylle nebeneinander auf einer Bank sitzend und der wunderbaren Himmelserscheinung den Rücken zuwendend. In anderen Hss. steht oder kniet die Sibylle neben dem sitzenden A., oder beide stehen oder knien im Gebet. Eine Beziehung zu der in den Wolken erscheinenden Gottesmutter wird schließlich, vielleicht unter dem Einfluß des religiösen Theaters, dadurch erreicht, daß die Sibylle – entweder kniend oder stehend – den im Gebet versunkenen A. auf die Erscheinung hinweist.

Alle Darstellungstypen des A. und der tiburtinischen Sibylle, die wir vor allem bei den niederrheinischen und niederländischen Künstlern des 15 und 16. Jh. und auf französischen Glasgemälden des 16. Jh. (Mâle 3 S. 255 Anm. 5 und [8 Taf. 103 und 119]) finden, gehen letztlich auf das Speculum zurück. Eine Weiterbildung ist nur in typologischer Hinsicht festzustellen. Im Speculum war die Darstellung des A. und der Sibylle mit folgenden Szenen vereinigt: 1. Geburt Christi, 2. Pharaos Schenk sieht im Traum eine Rebe wachsen, 3. der blühende Aaronstab. Rogier van der Weyden gibt im Mittelbild des Bladelin-Altars in Berlin die Geburt Christi, auf dem rechten Flügel die Verehrung des am Himmel erscheinenden Christkindes durch die hl. Drei Könige, auf dem linken – in fast wortgetreuer Verbildlichung des Legenda aurea-Textes – A. und die Sibylle: Der in seinem Gemach kniende Kaiser schwingt in Gegenwart dreier Ratsherren anbetend das Rauchfaß zu der Himmelserscheinung hin, die durch das Fenster sichtbar wird und auf die ihn die links stehende Sibylle hinweist. Auch Konrad Witz geht im Basler Heilsspiegelaltar vom Speculum aus. Nach der Vermutung Wendlands [21] standen dem A. und der Sibylle David, dem die drei Feldherrn Wasser bringen, gegenüber. Die Darstellung des A. mit der tiburtinischen Sibylle ersetzt hier die Geburtsszene, wie die der Davidsgruppe die Drei Könige. Das Vierungsgestühl im Dom zu Merseburg von 1446 zeigt auf einem seiner Dorsalreliefs, die eine Folge von Speculumszenen wiedergeben, die Darstellung des A. mit der tiburtinischen Sibylle neben Aaronstab und Geburt Christi. Abweichend von Biblia pauperum und Speculum bringt ein Brüsseler Teppich A. 16. Jh. aus einer Folge des Marienlebens den Ratschluß der Erlösung mit folgenden vier Nebenszenen: 1. David erhebt Bathseba zum Weibe, 2. Salomo thront neben seiner Mutter, 3. die Sibylle kündet A. das Kommen des Heilands, 4. (Symbol der unbefleckten Geburt aus dem Speculum) Balaam und der Engel (Göbel I, 1 S. 149). Im Mazarin- (Morgan-) Teppich und seiner Variante in Brüssel sind außer anderen Nebenszenen zum Hauptbild des Christus in der Glorie A. und Kleopatra, im Hintergrund A. und die Sibylle, Esther neben Ahasver thronend, die Parabel vom Schatz im Acker, Adam und Eva dargestellt, das Thema also in einen Zusammenhang mit Sündenfall und Erlösung gebracht (Göbel I, 1 S. 151).

Sobald bei der Darstellung der Himmelserscheinung Maria mit den Zügen des apokalyptischen Sonnenweibes ausgestattet wurde, lag die Verbindung mit der Vision des Johannes auf Patmos nahe. So hat der Meister von St. Sang auf den Innenflügeln eines Altares in St. Jacques zu Brügge (um 1520) der Darstellung des A., den die Sibylle auf die Himmelserscheinung hinweist, die Vision des Johannes von dem Sonnenweibe gegenübergestellt. Dieselbe Anordnung der beiden Szenen findet man auf den Flügeln des Dreifaltigkeitsaltares der Lübecker Marienkirche (um 1520). Zu symmetrischen Gruppen sind sie von Heinrich Douvermann vereinigt worden auf dem Siebenschmerzenaltar in Kalkar (1518–21, Abb. 4) und dem Marienaltar im Xantener Dom, um 1540 [23 Taf. 228]. Ohne Antitypus wurde die Szene dargestellt in einem Relief am Ratsgestühl im Kolberger Dom, E. 14. Jh. (O. Schmitt, Ostpommern, Berlin 1927 Abb. 33), auf einer Zeichnung um 1400 im Städel (Abb. 2), als Miniatur in einem niederrheinischen Gebetbuch (Bl. 50 v.) aus dem Kloster Marienborn bei Arnheim (1415; H. Wegener, Beschreibende Verzeichnisse ... Bd. 5, 1928 S. 316), von Jan van Eyck auf einem verlorenen Gemälde der St. Martinskirche in Ypern [22 Taf. nach S. 94], von einem Nachfolger des Dirk Bouts im Städel, vom Meister E. S. in zwei Kupferstichen (L. 191 [Abb. 3] und L. 192), auf einem Schrotblatt des 15. Jh. (Schreiber, Hdb. 5 S. 87 Nr. 2412 m), als kolorierter Holzschnitt in einer Ausgabe der Schedelschen Chronik von 1493 (Bl. 93 v), von Lukas von Leyden in der Wiener Galerie, als plastische Gruppe auf dem Lettnerbogen in Siersdorf, um 1540 [23 Taf. 241].

Die Darstellung des A. und der tiburtinischen Sibylle erhielt sich das ganze 16. Jh. hindurch. Vor allem waren es die Brüsseler Teppich-Ateliers, die das Motiv immer wieder darstellten (Göbel II, 1 S. 33; I, 2 Abb. 54 u. 55). Auf einer „Hochzeitsschüssel“ aus dem 16. Jh. im Pommerschen Landesmuseum zu Stettin zeigt das linke Randmedaillon den knienden A., den die Sibylle auf die im oberen Medaillon angebrachte von einer Mandorla umgebene Maria mit Kind hinweist. Auf den beiden anderen Medaillons ist Mariae Verkündigung und Moses am brennenden Busch, auf dem mittleren Rundbild Christi Geburt dargestellt.

In Italien wurde das Thema im 15. und 16. Jh. von zahlreichen Künstlern dargestellt. In der Stuttgarter Staatsgalerie befindet sich ein Gemälde, das einem venezianischen Meister vom A. 15. Jh. zugeschrieben wird. (Nach van Marle [4] ist es ein Werk der M. Paolo e Giovanni von 1358.) Vor einer gotischen Palastarchitektur kniet A., den die Sibylle auf die in einem großen Rundbild thronende Madonna hinweist; gegenüber steht ein berstender heidnischer Tempel, in dem die Götterbilder von ihren Säulen stürzen; in der Mitte ein Brunnen, dessen Waller sich in öl verwandelt; die Darstellung kommt also dem Bericht der Legenda aurea besonders nahe. Ferner stellen A. und die Sibylle dar im 15. Jh. Squarcione (Verona), Agostino di Duccio (Relief, Mailand, Mus. Archeologico), Ghirlandajo (Fresko von 1485 in S. Trinità zu Florenz) und Peruzzi (Fresko in der Kirche von Fonte Giusta), im 16. Jh. Falconetto (Verona), Perino del Vaga unterhalb der Disputa, Benvenuto Garofalo (Vatican) und Parmigianino, vgl. [2 S. 489].

III. A. in der neueren Kunst

Auch die nachmittelalterliche Kunst hat sich oft mit der Gestalt des A. befaßt. Während aber das Mittelalter A. nur in Verbindung mit der Heilsgeschichte darstellte, beschäftigte die Kund der neueren Zeit häufig der A. der profanen Geschichte. Von Hans Burgkmair d. Ä. besitzen wir einen Holzschnitt mit dem medaillonartigen Profilkopf des A. (Meister der Graphik 15). H. S. Beham hat unter seinen 14 Bildnissen römischer Kaiser auch das des A. überliefert (Pauli Nr. 914 u. 928). Am Erker des Hauses zum Schwanen („Schongauerhaus“) in Kolmar zeigten vier Steinreliefs von 1535, die sich heute im Unterlinden-Mus. befinden, die Medaillons von Cäsar, Karl V., Maximilian und A. Die Stadt Augsburg ließ 1589–94 zur Erinnerung an ihren angeblichen Gründer von Hubert Gerhard den A.-Brunnen errichten; im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses ist in einer Reihe römischer und deutscher Kaiser auch A. dargestellt. Eine Urkunde berichtet, daß der schwedische König Erik XIV. 1561 aus Lübeck eine aus 11 Behängen zusammengestellte Folge mit Episoden aus dem Leben des A. erwarb (Göbel III, 2 S. 124). Der Hamburger Teppichweber Jost van Harsell erhielt 1604 vom Fürsten Ernst von Schaumburg den Auftrag, für den Langen Saal des Bückeburger Schlosses 11 oder 12 Behänge mit der „Historie des Keysers Augusti Octaviany“ zu liefern. 1607 ist von „7 Stück Tappetzereien von Octavianus Augusti“ für das Gemach der Fürstin die Rede. Es handelt sich um eine umfangreiche Teppichfolge zur römischen Geschichte; bei einigen der erhaltenen Stücke ist es zweifelhaft, ob A. oder Pompejus dargestellt ist (Göbel III, 2 S. 114f. u. Abb. 93 a u. b). Acht Teppiche mit A.-Darstellungen – wahrscheinlich niederländischer Herkunft – vom E. 17. Jh. befinden sich im Gobelinzimmer des Schlosses zu Kleinheubach (Inv. Bayern III, 18 Taf. 29 u. 30). Im 18. Jh. ist es von den deutschen Künstlern vor allem Joh. Heinr. Tischbein, der Szenen aus dem Leben des A. zum Thema der Darstellung nimmt. Zwei dieser Gemälde befinden sich in Kassel, fünf in Wilhelmshöhe. Raph. Mengs hat eine Zusammenkunft des A. mit Kleopatra gemalt. Das Münchener Nat.-Mus. besitzt eine Figur, wahrscheinlich von Joh. Bapt. Straub, die A. als Triumphator darstellt.

IV. Die Tochter des A.

Eine Tochter des A. spielt nach der Sage im Leben des Virgil eine Rolle. Der Dichter hatte ihre Gunst erlangt und wurde von ihr zu einem nächtlichen Stelldichein geladen. Voll Stolz rühmte er sich dessen bei seinen Freunden. Das kam der Prinzessin zu Ohren. Sie rächte sich an dem schwatzhaften Liebhaber dadurch, daß sie ihn in dem Korb, mit welchem er in ihr Gemach befördert werden sollte, in halber Höhe zum Gespött der Leute hängen ließ. Über die häufigen Darstellungen vgl. Sauer 406, 446, Künstle I, 178 und van Marle, Ikonographie II, 405f. und den Art. Virgil.

V. Der Wahlspruch des A.

„Semper festina tarde!“ war ein beliebtes Sinnbild in der Buchillustration der Renaissance und wurde durch einen Delphin, auf einem Anker oder durch einen Schmetterling mit ausgebreiteten Flügeln über einem Taschenkrebs dargestellt [24 Abb. 6 u. S. 17].

Zu den Abbildungen

1. Gent, Univ.-Bibl. Ms. 92, Liber Floridus, 1. H. 12. Jh. Nach Jos. Casier et Paul Bergmans, L’Art ancien dans les Flandres II, Brüssel u. Paris 1921.

2. Frankfurt a. M., Städelsches Kunstinstitut, Zeichnung. Deutsch, um 1400. Nach Veröff. der Prestel-Ges.

3. Meister E. S., Kupferstich L. 191. Nach Max Geisberg, Meister E. S. (Meister der Graphik 10), 19242.

4. Kalkar, Pfarrkirche St. Nikolaus. Aufsatz des Siebenschmerzenaltars von Heinrich Douvermann, 1518–21. Nach Witte [23].

Literatur

1. Richard Benz, Legenda aurea, Volksausgabe, Jena 1925, Sp. 61, 67 ff 2. Ferdinand Piper, Mythologie der christlichen Kunst, 1. Bd., 1. Abt., Weimar 1847, S. 480ff. und für A. und die Sibylle bes. S. 485ff. 3. Molsdorf Nr. 66 und 991. 4. Künstle I S. 309f. 5. Bergner S. 462. 6. Heinrich Detzel, Christliche Ikonographie I, Freiburg i. Br. 1894, S. 566. 7. Edgar Breitenbach, Speculum humanae salvationis, Stud. z. dt. Kg. 272, Straßburg 1930, S. 127ff. 8. J. Lutz et P. Perdrizet, Speculum humanae salvationis, Leipzig 1907. 9. A. Venturi, Una rappresentazione della leggenda Augusto, Ausonia I, 1906 S. 93ff. 10. Georg Leidinger, Meisterwerke der Buchmalerei, München o. J. (1920). 11. Georg Swarzenski, Die Regensburger Buchmalerei, Leipzig 1901. 12. Ders., Die Salzburger Malerei, Leipzig 1908–13. 13. Hanns Swarzenski, Die lat. illum. Hss. des 13. Jh. in den Ländern an Rhein, Main und Donau, Berlin 1936. 14. Hermann Degering, Des Priesters Wernher drei Lieder von der Magd, Berlin 1925. 15. Walter Scheidig, Der Miniaturenzyklus zur Weltchronik Ottos von Freising im Cod. Jenensis Bose q. 6, Stud. z. dt. Kg. 257, Straßburg 1928. 16. Hans Vollmer, Nieder deutsche Historienbibeln und andere Bibelbearbeitungen; Materialien zur Bibelgeschichte und religiösen Volkskunde Bd. 1, H. 2, Berlin 1916. 17. Dittmar Heubach, Der Belial, Stud. z. dt. Kg. 251, Straßburg 1927. 18. Godeh. Schäfer, Handbuch der Malerei vom Berge Athos, Trier 1855. 19. J. A. Endres, Die Reiterfiguren der Regensburger Domfassade im Lichte mittelalterlicher Kirchenpolitik, Zs. f. christl. K. 13 Sp. 365. 20. Ders., Romanische Deckenmalereien und ihre Tituli zu St. Emmeram in Regensburg, Zs. f. christl. K. 15 Sp. 236. 21. Hans Wendland, Konrad Witz, Basel 1924. 22. W. H. Weale, Hubert and John van Eyck, London-New York 1908. 23. Fritz Witte, Tausend Jahre deutscher Kunst am Rhein Bd. 3, Berlin 1932. 24. Ludwig Volkmann, Die Bilder-Schriften der Renaissance, Leipzig 1923.