Apostelkrug

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englisch: Apostle-jug, apostle-pitcher; französisch: Cruche à décor d'apôtres; italienisch: Boccale con figura di apostolo.


Alice Bethe-Kränzner (1935)

RDK I, 832–833


RDK I, 833, Leipzig, Kunstgewerbemuseum.

Schon im 15. Jh. finden sich auf Trichterbechern aus rheinischem Steinzeug unbemalte elliptische Apostelreliefs. A. im besonderen nennt man jedoch einen breiten, konischen Humpen aus braunglasiertem Kreußener Steinzeug mit Zinn- oder Silberdeckel, dessen Leibung mit einem Fries von aufgelegten, bunt emaillierten Apostelreliefs und ebensolchen Randbordüren, oft außerdem mit einem Spruchband geschmückt ist (Abb.). Auf der Stirnseite befindet sich meist ein Medaillon mit Besitzerwappen oder Agnus Dei und über den Aposteln, die durch Rauten, Karyatiden oder Maiglöckchen voneinander getrennt sind, die Bezeichnung der einzelnen Figuren. Die Herstellung der fast immer datierten A. fällt in die Zeit von etwa 1610-1709, hauptsächlich in das Jahr 1666; ihre Erfindung geht auf Kaspar II Vest (geb. 1583) zurück, dessen Apostelmodeln in der 2. H. 17. Jh. von den Kreußener Töpfern Joh. Schmidt, Joh. Dietr. Schmidt und Balthasar Sayler weiter benutzt worden sind. Ähnliche Apostelmotive kommen in streng architektonischer Umrahmung auf einem getriebenen Krug des Königsberger Goldschmieds P. A. Händel vor (um 1670–80, Königsberg, Tragheimer Kirche; Abb. E. v. Czihak, Edelschmiedekunst I, Leipzig 1903, Taf. 19).

Zur Abbildung

Leipzig, K.gewerbemus., Apostelkrug, Kreußen 1654. Phot. Mus.

Literatur

1. Rud. Albrecht, Die Töpferk. in Kreußen, 1906. 2. Hans Eber, Kreußener Töpferk., München 1913. 3. Alfred Walcher v. Moltheim, Die Familie der K.hafner Vest und ihre Werke in Altösterreich und Oberfranken, K.- und K.handwerk, 16. Jg., 1913. 4. Rich. Stettiner, Der Fayencemeister L. S. und seine Werkstätte, Cicerone XV, 1923, S. 47ff. 5. Konr. Strauß, Alte deutsche K.töpfereien, Berlin 1923.

Verweise