Apostelkreuz, Apostelleuchter

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englisch: Apostle-cross, apostle-candlestick, consecration-candlestick; französisch: Croix apostolique, chandelier de consécration; italienisch: Croce di consacrazione, candelabro di consacrazione.


Leonie Reygers (1935)

RDK I, 830–832


RDK I, 831, Abb. 1. Trier, Liebfrauenkirche, 2. H. 13. Jh.
RDK I, 831, Abb. 2. Ottobeuren, Klosterkirche, M. 18. Jh.

Zur katholischen Kirchweihe gehört die Salbung der inneren „Kirchenwände an 12 durch Kreuze und Wandleuchter mit brennender Kerze bezeichneten Stellen“ [2, S. 166]. Die Weihekreuze werden seit dem hohen Mittelalter in zahlensymbolischer Beziehung auf die Apostel gelegentlich mit deren Bildern geschmückt. In der Liebfrauenkirche zu Trier halten gemalte Halbfiguren von Aposteln in Medaillons die Konsekrationskreuze in den Händen (Abb. 1), ähnlich in der Regensburger Minoritenkirche (ca. 1368-80; Inv. Bayern II, 22, Bd. 3, S. 13). Über englische und französische Beispiele vgl. Clemen, Got. Mon. Mal. S. 255f.; in der 1248 geweihten Ste. Chapelle in Paris werden die Weihekreuze (Scheibenkreuze) von lebensgroßen Apostelstatuen gehalten. – Die deutsche, insbesondere die bayerische Barockkunst bringt häufig die Halbfiguren der Apostel als Reliefs aus Stuck (Ottobeuren, Abb. 2; Herrnfelden, Inv. Bayern IV, 5, S. 135) oder Holz (Oberwinkling, Glon, Gutmaning) oder auch als Gemälde (Dietfurt, Oberpfalz) über den Weihekreuzen und den mit ihnen verbundenen Leuchtern an; in anderen Fällen beschränkt sich die Dekoration der Weihekreuze auf ornamentalen Schmuck.

A.-Leuchter nennt man die meist aus Metall gefertigten, mitunter beweglichen Wandleuchter, die über, unter und noch häufiger mitten in den Weihekreuzen angebracht sind und bei der Kirchweihe sowie an ihrem Jahrestag brennende Kerzen tragen [2, S. 32]. Maßgebend für ihre Bezeichnung ist zunächst wohl mehr die Zwölfzahl als die bildliche Darstellung von Aposteln in Verbindung mit den Leuchtern, die sich erst für die Barockzeit belegen läßt. Von den bei Otte [1 S. 170] erwähnten mittelalterlichen Beispielen läßt sich in keinem Fall sicher nachweisen, daß sie wirklich als A.-Leuchter gedient haben. Mit größerer Wahrscheinlichkeit sind spätgotische Wandleuchter in der Reinoldikirche und in der Marienkirche zu Dortmund als solche anzusprechen (Inv. Westfalen, Kreis Dortmund-Stadt, Taf. 10). Sichere Beispiele aus nachmittelalterlicher Zeit sind besonders in Bayern und Schwaben häufig. Wir nennen nur die aus der Segenshand Gottes herausragenden A.-Leuchter in Polling (um 1620) und die schönen in Ottobeuren, die mit Apostelreliefs von der Hand Joh. Mich. Feuchtmayrs verbunden sind (Abb. 2). In neuerer Zeit wird der alte Brauch der A.-Leuchter wieder aufgenommen (Albertus-Magnus-Kirche in Neuulm von Dom. Böhm u. ö.).

Zu den Abbildungen

1. Trier Liebfrauenkirche, A.-Kreuz, 2. H. 13. Jh. Phot. Prov.-Konservator der Rheinprovinz, Bonn.

2. Ottobeuren, Klosterkirche, A.-Leuchter von J. M. Feuchtmayr, M. 18. Jh. Phot. Georg Braun, Ottobeuren.

Literatur

1. Otte, Hdb. I5, S. 170. 2. Jos. Braun, Liturg. Handlexikon, Regensburg 19242.

Verweise