Apfel

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englisch: Apple; französisch: Pomme; italienisch: Pomo, mela.


Liselotte Stauch (1935)

RDK I, 748–751


Der A. wird in der bildenden Kunst in symbolischer Bedeutung (I.) dargestellt, als Heiligenattribut (II.) und rein dekorativ.

In der Antike ist der A. wegen seiner Schönheit und Süße ein Symbol der Liebe und der Fruchtbarkeit und als solches ein Attribut der Aphrodite. Das Überreichen eines A. oder das Werfen mit Äpfeln galt als Liebeserklärung (vgl. Urteil des Paris). Jugend und Unsterblichkeit verliehen den Göttern nach antiker Vorstellung die im Paradiesesgarten am Lebensbaum wachsenden Äpfel der Hesperiden, nach nordischer Vorstellung die von Idun verwahrten Äpfel (Grimm, Dt. Mythologie). – Auch das alte Testament kennt den A. als etwas Köstliches, das besonders in der Liebesdichtung des Hohenliedes (2, 3; 2, 5; 7, 9), aber auch in den Sprüchen Salomonis (25, 11) zu dichterischen Vergleichen benutzt wird. Erst dem Christentum wird der A. zum Symbol der Verlockung und des Bösen. Die Genesis nennt den A. noch nicht bei der Erzählung des Sündenfalls, sondern spricht nur von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen, und der frühchristlichen Kirche galt zunächst die Feige als diese Frucht [1]. Sei es nun in einem Anklang an die antiken Paradiesesäpfel oder durch das lateinische Wortspiel mālum = Apfel; mălum = das Böse, der A. wurde dem Christentum zur unheilbringenden Frucht im Paradiese und damit zum Symbol der Sünde.

In der frühchristlichen Kunst gibt es einige Sündenfalldarstellungen, auf denen die Frucht als Feige dargestellt ist (z. B. Wilpert, Sarcofagi, Taf. 96). Daneben wird sie aber auch schon von Anfang an als A. gegeben (die älteste erhaltene Darstellung des Sündenfalls in der Katakombe von S. Gennaro, Neapel, E. 2. Jh. – Garucci, Storia dell’ arte cristiana, Taf. 96 – scheint den A. zu haben), was für alle späteren Zeiten beibehalten wird. Der A. erscheint in der Hand Evas, Adams oder im Maul der Schlange, auch gleichzeitig bei Eva und Adam oder Eva und der Schlange. – Wenn Adam oder Eva einzeln dargestellt werden, so wird oft sowohl dem einen als auch dem andern der A. als Attribut gegeben (z. B. bei Riemenschneider, v. Eyck, Memling). – Bei der Darstellung der Höllenfahrt Christi hält Adam oder Eva manchmal den A. (z. B. Schongauer, Dürer) als Hinweis auf die Ursünde, die durch Christi Tod überwunden wurde. Diese Bedeutung hat der A. auch auf einer Darstellung im Missale des Berthold Furtmeyr von 1481 (Sp. 151, Abb. 20), in der Eva, neben dem Paradiesesbaum stehend, Knieenden Äpfel reicht, während Maria auf der anderen Seite Hostien verteilt.

Im Maul der Schlange, als Symbol des Sündenfalls, erscheint der A. schon an frühchristlichen Bronzelampen (s. Garucci, Taf. 470, 3, 7, 8, 9), in Mittelalter und Neuzeit zu Füßen des Kruzifixus, der Jungfrau (bes. im 17. und 18. Jh.; vgl. Sp. 154, Abb. 22) und des „Englischen Grußes“ (Veit Stoß) als Ausdruck der Überwindung der Erbsünde. – Das Vorkommen der Schlange mit dem A. im Maule auf Grabmälern (z. B. Grabstein von 1762 in Oberau, Inv. Sachsen 41, S. 387/8) erklärt sich aus der christlichen Vorstellung, daß mit der Ursünde der Tod in die Welt gekommen ist: „... denn welchen Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben“ (Genes. II, 17) oder „Derhalben, wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben“ (Röm. V, 12).

Besonders das 16. Jh. bringt diesen Gedankengang bildlich zum Ausdruck, doch wird schon E. 14. Jh. in einer französischen Handschrift der Tod zu Füßen des Apfelbaums liegend dargestellt. Ein französisches Gedicht von 1470, das die Entstehung des Todes schildert, hat den Titel: „Mors de la Pomme“ (Mâle III, S. 378). Ein Stich Aldegrevers von 1529 zeigt Eva, die einen A. und eine Sanduhr hält (v. Marle, Iconographie II, S. 412). Ein Fresko eines Hauses in Brunneck (Tirol) von 1520-30 zeigte rechts neben dem Kruzifixus Eva mit dem A. und dahinter den Tod mit der Sense (Mitt. d. k. k. Central-Commission 1868, Abb. S. XXVI). Eine Elfenbeingruppe von 1530 im Bayer. Nat.-Mus. stellt ein Skelett, durch das sich eine Schlange mit A. im Maule windet, vor einem Mädchen knieend dar (Sp. 354, Abb. 8). In der Hand des Teufels, der mit dem Tod zusammen zu Füßen des thronenden Christus liegt, erscheint der A. auf einem Stich des Joh. Sadeler nach Adriaen de Weerdt (Schrade, Ikonogr. d. Christl. Kunst I, Die Auferstehung Christi, Abb. 154). Ein Kunstwerk vom Ende des 16. Jh. der k. k. Ambraser-Slg. Wien zeigt in einem Schränkchen die Figur des Todes, der grinsend einen A. an einem A.-Zweig emporhebt, um den sich eine Schlange windet [2, S. 114]. Schließlich sei noch ein Grabmal in der Wiener Schottenkirche von 1695 genannt, an dem der Tod mit einem A.-Zweig in der Hand erscheint [2, S. 116].

Die durch Maria, die „neue Eva“, überwundene Sünde symbolisiert der A. in der Hand der Madonna oder des Jesuskindes in zahlreichen Muttergottes-Darstellungen. Dieses Motiv, das nicht zu verwechseln ist mit dem des Reichs-A., dem Symbol der christlichen Weltherrschaft, findet sich erst im 11. Jh. (Madonna des Essener Münsterschatzes, bei der der A. durch Edelsteinschmuck unkenntlich gemacht ist, aber doch als solcher aufzufallen ist). Häufiger tritt das Motiv im 12. und 13. Jh. auf, um weiterhin allgemein üblich, später ins Genrehafte abgewandelt und dann auch für die Selbdritt-Darstellungen verwendet zu werden.

Als Symbol der Verlockung und Sünde hält der „Fürst der Welt“ am Straßburger Münster den A. in der Hand.

II. Folgende Heilige haben den A. als Attribut: Die hl. Dorothea Äpfel mit Blumen zusammen, die ihr der Legende nach ein Knabe aus dem Paradies brachte; der hl. Hermann Joseph († 1230), weil er als Knabe, wie die Legende berichtet, dem Bilde des Jesuskindes einen A. reichte, den dieses annahm; die Heiligen Nilus und Bartholomäus, denen Maria einen A. reichte als Aufforderung, eine Kirche in Grottaferrata zu bauen; der hl. Sabas, weil er im Kloster seine Lust, einen A. zu essen, durch die Erinnerung an den Sündenfall überwand.

Literatur

1. Josef Kirchner, Die Darstellung des ersten Menschenpaares in der bildenden Kunst., Stuttgart 1903. 2. Theodor Frimmel, Beiträge zu einer Ikonographie des Todes, Mitt. der k. k. Central-Commission, Wien N. F. XVI, 189c. 3. Stephan Beissel, Geschichte der Verehrung Marias in Deutschland während des Mittelalters, Freiburg 1909. Vgl. ferner die Literatur des Artikels Attribut.

Verweise