Apelles (Verleumdung des Apelles)

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englisch: Apelles; französisch: Apelle; italienisch: Apelle.


Lothar Freund (1935)

RDK I, 747–748


A., der berühmteste Maler des Altertums, war vor allem tätig am Hof Philipps von Macedonien und Alexanders. Sein allegorisches Gemälde der Verleumdung wurde von Lukian beschrieben, und diese Beschreibung gelangte, durch die lateinische Übersetzung des Guarino da Verona vermittelt, zu L. B. Alberti, der sie in seinem Werke „De Pictura“ den Malern empfiehlt, indem er sie als ein Beispiel für die Kraft und Wirkung der bloßen, der künstlerischen Gestaltung noch ermangelnden „inventio“ anführt. Vom späteren Quattrocento an haben denn auch eine ganze Reihe italienischer Künstler diese Allegorie dargestellt. Sie entsprachen damit dem spezifisch humanistischen Bestreben nach einer Neuverbildlichung antiker literarischer Bildbeschreibungen, welche in allegorisch-mythologischer Einkleidung zeitbedeutsame Inhalte enthielten, mittels antikischer Typen und antikischer Gestaltungsdramatik. Botticellis Komposition (Gemälde in den Uffizien), die sich sowohl in der Auffassung der einzelnen Figuren wie in ihrer reliefhaften Anordnung eng an die lukianische Schilderung hielt, brachte dies humanistische Wollen zum stärksten Ausdruck und wurde zum Prototyp der meisten späteren Darstellungen (über die ital. Kompositionen vgl. Förster [3], S. 35ff.). Lukians Beschreibung lautet (nach der zusammenfassenden Wiedergabe bei Sauer [2]) wie folgt: „Auf einen Mann mit langen Midasohren, dem Unwissenheit und Argwohn zur Seite stehen, schreitet erhitzt und aufgeregt, mit einer Fackel in der Linken, die wunderschön gestaltete Verleumdung zu, indem sie einen Jüngling, der die Hände seine Unschuld beteuernd gen Himmel streckt, an den Haaren hinter sich herschleift. Der Neid, ein häßlicher, gelber abgemagerter Mann mit stechendem Blick führt sie; zwei Frauen, Tücke und Betrug, geleiten sie und putzen sie noch auf. Trauernd folgt, in schwarzem, zerrissenem Kleid, die Reue, die sich umwendet und weinend und beschämt auf die nahende Wahrheit blickt.“

Von den deutschen Darstellungen [3, S. 89ff.], sind die frühesten, ebenso wie dies in Italien der Fall war, illustrativen Charakters. Die erste ist ein 1515 datierter Titelholzschnitt zu einer deutschen Übersetzung des Lukian von Dietrich von Plenningen, Landshut 1516. Die zweite ist ein Holzschnitt des Ambrosius Holbein von 1517, der im Novum Testamentum des Erasmus (Basel 1519) erschien. Es folgt die Komposition Dürers, die in einer Federzeichnung von 1522 in der Albertina erhalten ist (Lippmann, Taf. 577), und die von ihm für den großen Saal des Nürnberger Rathauses bestimmt war. Dies Wandgemälde wurde 1621 von Gabriel Weyer übermalt. Das Thema ist hier, als Warnung vor Verleumdung, offensichtlich als „Gerechtigkeitsbild“ aufgefaßt (so ähnlich bereits bei einem nicht erhaltenen Fresko von Signorelli im Palazzo Pandolfo, Siena; vgl. [3] S. 109). Erhard Schön stellt die Allegorie in einem Einblattholzschnitt von 1534 als Illustration zu einem Gedichte des Hans Sachs dar; der Holzschnitt ist eine Variation der Dürerschen Komposition. Cornelis Cort stach die Verleumdung des A. nach Fed. Zuccari 1572 (J. C. J. Bierens de Haan, L’oeuvre gravé de C. C., 1948, Nr. 219). Von 1600 datiert ein Stich des J. Sibmacher nach einem nicht erhaltenen Bild des Anton Wetz. Die gleiche Beziehung zur öffentlichen Rechtsprechung, wie die Werke von Signorelli und Dürer, weist schließlich ein Bild von Hans Bock im Vorzimmer des Rathauses zu Basel von 1611 auf.

Literatur

1. Pauly-Wissowa I, S. 2690. 2. Thieme-Becker II, S. 25. 3. Richard Förster, Die Verläumdung des Apelles in der Renaissance, Jb. d. pr. K.-Slg. VIII, 1887, S. 29ff. u. 89ff., XV, 1894 S. 27ff. (hier: Die Verleumdung [...]).

Verweise