Amikt

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englisch: Amice; französisch: Amict; italienisch: Amitto.


Joseph Braun, J. S. (1934)

RDK I, 636–638


RDK I, 635, Abb. 1. Köln, Schnütgen-Museum.
RDK I, 635, Abb. 2. Danzig, Marienkirche.
RDK I, 637, Abb. 3. Essen, Münster.
RDK I, 637, Abb. 4. Bamberg, Dom.

I. Namen, Begriff, Anlegungsweise

A. (lat. amictus, auch humerale, superhumerale, fano, anabolagium, anagolaium, mitteldt. humeral, umbral), Bestandteil der liturgischen Gewandung des römischen Ritus, ist ein unter der Albe zu tragendes, Schultern und Hals umhüllendes rechteckiges Tuch, das mittels Bändern, die an zwei Ecken angenäht sind und um Brust und Rücken geschlungen werden, befestigt wird (Abb. 1). Es leitet sich her von dem amictus, focale, palliolum, orarium genannten antiken römischen Hals- oder Schultertuch, das von Leuten aller Klassen unter dem Obergewand getragen wurde und auf Bildwerken aus der Kaiserzeit oft unter diesem zum Vorschein kommt. Ausdrücklich erwähnt wird es als Bestandteil der römischen liturgischen Kleidung zuerst im 8. Jh.; seit dem 9. bürgerte es sich allmählich auch im übrigen Westen ein, doch war es selbst im 10. noch keineswegs überall in Gebrauch. Der im späten Mittelalter allgemeine Brauch, es beim Ankleiden zuerst nach Art eines Kopftuches auf den Kopf zu legen und es erst nach Annahme des Obergewandes (Kasel oder Dalmatik) herabzulassen und um den Hals herum anzuordnen, kam seit etwa dem 11. Jh. in Übung. Das Ende bereitete dieser Sitte seit dem späten 16. Jh. das Missale Pius V. (1572) und dessen allgemeine Annahme im Westen. Erhalten hat sie sich nur bei den älteren Orden: Benediktinern, Kartäusern, Franziskanern, Dominikanern u. a.

II. Ausstattung, Material

Als Schmuck brachte man am oberen Rande des A. seit dem 12. Jh. einen bald kürzeren, bald längeren Zierbesatz an (parura collare, plaga, plica, gemma, praetexta, truncus, aurifrisium, frisium, in deutschen Inventaren schilt, brederken, kragen), der, wenn mit dem Tuch nach Anlegung des Obergewandes herabgelassen, den Hals kragenförmig umgab (Abb. 3 u. 4). Er war häufig mit ornamentalen und figuralen Stickereien, vergoldeten Zierplättchen, Steinen und Perlen auf das reichste und kostbarste geschmückt (Abb. 2), dann aber vielfach so eingerichtet, daß er abgenommen und für sich aufbewahrt oder auch wohl nach Ordnung des A. lediglich lose als Kragen um ihn herumgelegt werden konnte. Die seit dem späten 16. Jh. sich vollziehende Änderung in der Anlegungsweise des A. (s. oben) machte ihn weiterhin zwecklos. Aus Frankreich stammend, bürgerte er sich von da aus bald allenthalben ein, wie die Bildwerke des 13., 14. und 15. Jh. zur Genüge bekunden, auch in Deutschland.

Mittelalterliche A. gibt es hier noch zu Neresheim (Abtei), Rostock (Mus.), Eichstätt (Dom), Danzig (Marienkirche) und Köln (Schnütgenmus., Abb. 1). In der Schweiz hat sich ein solcher erhalten zu Valsainte (Kartause). Alle weisen, ausgenommen der letzte, den Zierbesatz auf; einen besonders kostbaren, mit figürlichen Perlenstickereien besitzt ein A. der Marienkirche zu Danzig, in der sich auch noch einige von ihrem A. abgelöste, zum Teil kostbarst mit Perlenstickereien verzierte A.-Besätze finden (Abb. 2). Ein mit den Figuren Christi und der Apostel besticktes Beispiel aus dem frühen 13. Jh. hat sich im Dom zu Halberstadt erhalten.

Als Material zur Anfertigung des A. diente seit alters Leinen. Wenn ganz vereinzelt in mittelalterlichen Inventaren von seidenen A. die Rede ist, werden meist A. mit seidenem Zierbesatz gemeint sein. Heute muß er vorschriftsmäßig aus Leinen bestehen.

Zu den Abbildungen

1. Köln, Schnütgen-Mus., mittelalterlicher A. Phot. Verf.

2. Danzig, Marienkirche, A.-Parure, italienisch, E. 14. Jh. Nach A. Hinz, Die Schatzkammer von St. Marien zu Danzig, Danzig 1870.

3. Essen, Münsterkirche, Marsusbüste, E. 15. Jh. Phot. Verf.

4. Bamberg, Dom, Grabplatte des Kanonikus Karl von Seckendorf, † 1573 (Ausschnitt). Phot. Verf.

Literatur

1. Jos. Braun, Die liturgische Gewandung im Occident und Orient, Freiburg i. Br. 1907, S. 21f. 2. Ders., Die liturgischen Paramente, ebd. 1924, S. 67f. 3. Fr. Bock, Geschichte der liturg. Gewänder II, Bonn 1866, S. 237f. 4. Ludw. Eisenhofer, Kath. Liturgik I, Freiburg i. Br. 1932, S. 417f.