Amboß

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englisch: Anvil; französisch: Enclume; italienisch: Incudine.


Liselotte Stauch (1934)

RDK I, 635–636


Der A. ist das Attribut einer Reihe von Heiligen, meist auf Grund des tatsächlichen oder legendären Schmiede-, Schlosser- oder Goldschmiedeberufs des betreffenden. Eine beliebte, mit dem A. verknüpfte Legende gehört zu verschiedenen dieser Schmiede-Heiligen (Apelles, Dunstan): Der Teufel, erbost über die Frömmigkeit des Heiligen, sucht diesen in seiner Werkstatt auf, um ihn in Versuchung zu führen; der Heilige jedoch wirft den Versucher auf den Amboß und schlägt ihn mit dem Hammer.– Der A. ist ferner dadurch zum Heiligenattribut geworden, daß er als Werkzeug des Martyriums tatsächlich oder der Legende nach gedient hat.

Der A. wurde (neben Hammer und Zange) zum Attribut des hl. Priesters und Mönchs Apelles (2. Jh.), weil er seinen Beruf als Schmied zum Wohl der Allgemeinheit auch noch ausübte, als er schon Priester geworden war. Ebenso erhielt der hl. Baldomerus (franz. Galmier, Gaumier), der Schmied war bevor er Subdiakon wurde, einen A. als Attribut. Der hl. Dunstan, Erzbischof von Canterbury, soll ein geschickter Goldschmied gewesen sein, der trotz seiner hohen Würde in seinen Mußestunden kirchliche Geräte aus Gold herstellte. Eine reiche Legende knüpft sich an das Wirken des als Huf- und Goldschmied tätigen hl. Eligius, Bischofs von Noyon; auch er führt neben Hammer und Zange einen A. als Attribut. – Der hl. Adrianus erhielt den A., weil er der Legende nach auf einem Amboß zu Tode gemartert worden ist.

Schließlich ist der A. ein Attribut des Schmiedes Tubalkain (1. Mos. 4, 22), der in Verbindung mit den sieben freien Künsten als Repräsentant der Musik dargestellt wird (van Marle, Iconographie II, S. 229; vermutlich liegt hier eine Verschmelzung mit der Gestalt des Jubal 1. Mos. 4, 21) vor, „von dem sind herkommen die Geiger und Pfeifer“.

Im ausgehenden Mittelalter wird in Frankreich der A. als Attribut der Stärke benutzt, die durch eine Frau mit Amboß auf dem Rücken dargestellt wird (Paris, Bibl. Nat., ms., franç. 9186 von ca. 1470; Mâle III3, Fig. 171). Hier bedeutet, wie die beigefügten Verse in merkwürdig gezwungener Interpretation erläutern, der A. die Kraft, die durch den Kampf verschönt wird, da der Hammer im Lauf der Zeit den A. glättet und verfeinert.

Literatur

s. Attribut.